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Robert Rubin ? der ?Retter der Welt? soll es richten

Von Torsten Riecke
Die Citigroup hat nach der Trennung von Charles Prince erwartungsgemäß Robert Rubin an die Spitze der größten US-Geschäftsbank berufen. Der 69-Jährige soll den taumelnden Bankenkoloss zumindest so lange führen, bis ein Nachfolger für den bisherigen Vorstandschef gefunden ist. Doch auch Rubin konnte sich im Zuge der Führungskrise bei der Citigroup nicht schadlos halten. Und so werden bereits andere Namen für den Chefsessel gehandelt.
Führt vorerst die Citigroup: Robert Rubin. Foto: ap
NEW YORK. Die Citigroup hat Rubin nach der Trennung von Charles Prince erwartungsgemäß an die Spitze der größten US-Geschäftsbank berufen. Der 69-Jährige soll den taumelnden Bankenkoloss zumindest so lange führen, bis ein Nachfolger für den bisherigen Vorstandschef gefunden ist. Zu den Kandidaten für den Spitzenposten gehört John Thain, derzeit Chef der New York Stock Exchange.Thain war lange Zeit die Nummer zwei bei der Investmentbank Goldman Sachs, bevor er 2004 zur NYSE wechselte, um die Börse auf Vordermann zu bringen. Sollte sich die Bank für eine interne Lösung entscheiden, gelten Vikram Pandit als neuer Chef des Investmentbanking, Finanzchef Gary Crittenden und Chief Operating Officer Robert Druskin als mögliche Nachfolger von Prince. Auch Time-Warner-Chef Richard Parsons könnte als Direktor im Verwaltungsrat (Board) der Citigroup für eine Übergangszeit eine aktivere Rolle im Management spielen, heißt es.

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Rubin selbst will offenbar nicht die operative Führung des Konzerns übernehmen. Als ?Chairman of the Executive Committee? steht der Grandseigneur der Finanzwelt dem Citi-Management seit 1999 zwar mit Rat zur Seite. In die Niederungen des Tagesgeschäfts ist der gebürtige New Yorker jedoch nie herabgestiegen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum die Analysten lästernViel lieber reist er als ?elder statesman? durch die Welt und pflegt Kontakte zu Großkunden und Regierungen. In seiner Freizeit äußert sich Rubin gerne zum Dollarverfall oder gibt demokratischen Präsidentschaftskandidaten Nachhilfeunterricht in der Wirtschaftspolitik. Er habe den ?besten Job der Welt? hat der Wall-Street-Veteran einmal gesagt. Dass er das nach Ausbruch der Führungskrise bei der Citigroup noch so sieht, darf man bezweifeln.Sind die Probleme der US-Bank doch auch an Rubin nicht spurlos vorüber gegangen. Bis zuletzt hatte er den bisherigen Vorstandschef Prince gestützt. ?Ich wette 100 Dollar darauf, dass er (Prince) in fünf Jahren noch Chief Executive Officer (CEO) ist?, prophezeite der Vertraute vom früheren US-Präsidenten Bill Clinton noch vor zwei Wochen. Entweder, so lästern Analysten an der Wall Street, habe das Top-Management nicht auf Rubin gehört oder aber, der Rat des Weisen sei das Geld nicht wert gewesen.Der Überflieger hat für seine Tätigkeit bei der Citigroup in den letzten acht Jahren mehr als 100 Mill. Dollar kassiert. ?Rubin sollte mehr Verantwortung übernehmen, für das Geld, das er bekommt?, sagte Mika Mayo, Analyst bei der Deutschen Bank.Der Sohn einer jüdischen Anwaltsfamilie heuerte nach seinem Studium in Harvard und Yale 1966 bei der Investmentbank Goldman Sachs an. Bereits nach fünf Jahren wurde er Partner der Bank und übernahm 1990 als Co-Vorsitzender die Verantwortung für den Konzern. Nach der Wahl von Bill Clinton zum Präsidenten trat der Demokrat in die neue Regierung ein und wurde 1995 Finanzministers. Unter dem Schlagwort ?Rubinomics? sanierte er mit einem strikten Sparkurs den US-Haushalt. Nebenbei steuerte der passionierte Segler die Finanzwelt zusammen mit Greenspan durch die Finanzkrisen in Mexiko, Asien und Russland.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.11.2007