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Robert Kaiser

MBA Tagebuch - Ausgangsfragen
Vorweihnachtlicher MBA-Spurt
Financial Reporting
Vorlesung Human Resource Management
Marketing Management
08/12/2004: Es weihnachtet sehr!
09/12/2004: Es gibt ein Leben neben dem Lernen
13/01/2005 Start Semester II
02/02/2005: Ni hao!
12/03/2005: Ruhe vor dem Sturm
21/05/2005: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
12/07/2005: Angekommen in China










MBA Tagebuch - Ausgangsfragen

Die besten Jobs von allen


Wo standen Sie (beruflich/karrieremäßig), als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?

Die letzten beiden Jahre vor meinem MBA habe ich im Beteiligungsbereich eines regionalen Kreditinstitutes Beteiligungen betreut. Zuvor war ich bei einem Businessplan-Wettbewerb für Existenzgründer Projektleiter. In 2000 habe ich mein BWL-Studium an der Fachhochschule Köln abgeschlossen.

Warum ein MBA?

Der MBA gibt mir insbesondere die Gelegenheit, mich in geographischer und fachlicher Hinsicht breiter aufzustellen. Entscheidende Faktoren waren für mich in dieser Reihenfolge:
- Neueste praktisch relevante Management-Werkzeuge und Techniken für den Berufsalltag,
- Internationalität,
- Disziplin übergreifende Projektarbeit,
- Sprache.

Warum diese Schule?

Die Smurfit School of Business ist in den entscheidenden Rankings unter den Top 100 Business Schools der Welt, allerdings mit einem der attraktivsten Preis-/Leistungsverhältnisse. Ein weiterer Vorteil sind die Akkreditierungen aller relevanten Organisationen, die dem MBA einen international vergleichbaren Standard geben. Ein Career-Management-Center und ein attraktives Austauschprogramm mit der führenden Business School in Asien (CEIBS) runden das Programm ab. Die Schule selbst hat einen sehr gut ausgestatteten, separaten Postgraduierten-Campus und ist in einer der schönsten und sich wirtschaftlich am schnellsten entwickelnden Städte gelegen.

Ein MBA ist teuer. Wieviel kostet Ihr MBA-Programm? Mit wieviel Kosten rechnen Sie insgesamt (inkl. Wohnen und Lebenshaltung etc.)? Wie finanzieren Sie Ihren MBA?

Das MBA-Programm selbst kostet ca. 25.000 EUR. Insgesamt rechne ich mit 45.000 EUR Kosten für das eine Jahr Full-time MBA. Ich finanziere den MBA aus eigenen Mitteln.

Sie sind nun schon ein paar Wochen an Ihrer Schule. Welches waren Ihre ersten Eindrücke? Was hat Sie überrascht? Was gefällt Ihnen besonders? Was gefällt Ihnen weniger?

Die ersten 3 Monate in Dublin und an der Smurfit waren unheimlich aufregend und ich habe bereits viel erlebt. Ich war und bin sehr von dem Gebäude und der technischen Ausstattung beeindruckt. State-of-the-art Computer und W-LAN findet man überall auf dem Campus. Beeindruckend ist die Internationalität der Studenten und die unterschiedlichen Fachrichtungen, aus denen die Studenten kommen. Ich arbeite z.B. in meiner Lerngruppe mit einem Ingenieur, einem IT'ler aus der Telekommunikationsbranche, einer HR-Managerin einer NGO-Organisation und einer Zahnärztin zusammen. Da ergeben sich sehr interessante, kontroverse Diskussionen mit den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Es macht sehr viel Spaß, die Theorie an vielen unterschiedlichen Fallstudien zu testen und eigene Konzepte zu entwickeln. Obwohl man immer wieder hört, wie viel Arbeit doch der MBA verursacht, war ich doch von der Menge überrascht. Alle Studenten haben hier zeitweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und mehr Qualität an Stelle von Quantität gefordert. Doch nun kurz vor den Prüfungen, da sich die einzelnen Mosaik-Stücke zusammen setzen, ergibt sich ein rundes Bild und wir sehen wieder den Sinn, wofür viele von uns sehr viel opfern.

Besonders gut gefällt mir der Zusammenhalt unter den Studenten. Arbeitsteilung und fruchtbare Diskussionen, wie wir uns auf die Prüfungen vorbereiten können, oder aber auch den MBA und die Schule weiter nach vorne bringen können, finden sehr häufig statt. Ein echtes Highlight in Irland sind natürlich die Natur und das Guiness. Leider nur sind die Preise in Dublin doch schon sehr gesalzen. Lebensmittel und Miete sind schätzungsweise 50% teurer als in Deutschland. Das ist ein echter Nachteil. Vorweihnachtlicher MBA-Spurt

Hallo! Heute möchte ich Euch einen Überblick über den vorweihnachtlichen MBA-Entspurt geben: Eieiei. Die Examenszeit nähert sich in großen Schritten. Nachdem ich die letzten knapp 3 Monate seit Anfang September vorwiegend mit Gruppendiskussionen, Gruppenpräsentationen, Berichte schreiben und Fachbücher lesen verbracht habe, geht es nächste Woche in die letzte Vorlesungswoche. Dann sehe ich endlich nach 4 Wochen meine Freundin mal wieder

Wir haben dann eine Woche vorlesungsfrei, bevor am 11.12. die Blockklausuren beginnen. Dann heißt es bis zum 20.12., also innerhalb von 10 Tagen, 8 Klausuren à 3 Stunden schreiben. Wie ich das schaffen soll, den Stoff bis dahin noch durchzukriegen? Keine Ahnung. Wir haben eine Lerngruppe gebildet, die Klausuren vergangener Jahre bespricht. Jede Woche 2 bis 3 Fächer. Drückt mir die Daumen.

Der Lichtblick: Am 21.12. geht mein Flieger zurück ins heimatliche Köln. Financial Reporting

Hallo! Gestern war ein guter Tag. In Financial Reporting haben alle Gruppen (je 5 Studenten) ihre Hausarbeit zurückbekommen. Die Hausarbeit bestand darin, die Erläuterungen zum Jahresabschluss von 10 vorgegebenen Unternehmen zu analysieren und auf 5 Seiten alle wesentlichen Bilanzmethoden (nach UK-GAAP, die IFRS recht ähnlich sind) zu kommentieren. Eine recht herausfordernde Aufgabe, vor allen Dingen für alle diejenigen, für die das Lesen von Jahresabschlüssen Neuland ist.

Das Gute an der Hausarbeit waren nicht nur die Diskussionen in der Gruppe rund um die Analyse, sondern auch das Feedback in Form der Note, damit man einen ungefähren Anhaltspunkt hat, wo man steht und wie in dem Fach benotet wird. Wir haben 75/100 erhalten, was nach deutschen Maßstäben ganz in Ordnung, nach englischen Masstäben aber sehr gut ist (ab 70/100: first honour degree). Da studiert es sich doch gleich viel besser.

Ich habe mir übrigens überlegt, Euch in den kommenden Tagen die einzelnen Fächer vorzustellen. Morgen geht es los mit dem Fach, das ich auch morgen habe: Human Resource Management! Vorlesung Human Resource Management
Hallo! Die meisten verbinden mit einer HR-Vorlesung viele Allgemeinplätze und wenig Konkretes. Das waren auch meine Bedenken. Der Professor hat es aber sehr gut geschafft, die strategische Bedeutung von HR herüberzubringen und durch Einbindung von 2 Gastvorlesungen die praktische Bedeutung der Thematik zu untermalen. Hauptthemen der Vorlesung waren Management des inflows (z.B. Recruitment), through-flows (z.B. Entwicklungsprogramme für High-Potentials) und outflows und die Ausrichtung aller flows auf die gesamte Unternehmensstrategie. Ein weiterer Schwerpunkt war außerdem die Mitbestimmung von Arbeitnehmern in strategischen Entscheidungsprozessen

Die beiden Gastvorlesungen beschäftigten sich zum einen mit einem großen Merger im irischen Bankenmarkt und der Verbindung der HR-Strategie mit der Unternehmensstrategie bei Intel. Der zuletzt genannte Vortrag wurde vom weltweiten Recruitment-Chef von Intel gehalten. Meine Gruppe wird am Ende des Kurses 2 Präsentationen gehalten und jeweils einen Bericht hierzu eingereicht haben. Fazit: Ein Kurs, der m.E. eine hohe praktische Relevanz hat und meine Erwartungen übertroffen hat

Mein nächster Bericht wird sich mit Marketing Management beschäftigen. Viele Grüße aus Dublin, Robert. Marketing Management
Hallo! Marketing Management ist wohl eines der beliebtesten Fächer unter den (angehenden) MBAs. Das liegt zum einen an den abwechslungsreichen und interessanten Fallstudien, die den gesamten Kurs flankieren (11 Fallstudien in 12 Wochen), als auch an einem sehr interaktiven Unterrichtsstil. In dem Fach muss jede Gruppe eine Präsentation über eine Fallstudie halten, jeder Student muss im Laufe des Kurses 3 Marketing-Memos einreichen, die dann benotet werden, und alle Fallstudien müssen gelesen werden und werden dann nach der jeweiligen Gruppenpräsentation diskutiert und in den Zusammenhang des Themas der Vorlesung gesetzt. Die Präsentation hat meine Gruppe über den Staubsauger Dyson gehalten. Marketing-Memos habe ich für die Fallstudien der Unternehmen Intel (Branding), Virgin Mobile USA (Pricing) und die Dusche Aqualiza geschrieben (Product Extension). Für die Prüfungsvorbereitung ist Marketing allerdings ein denkbar schwieriges Fach, da man nur schlecht "weiss, wo man dran ist". Anders als in Finanzfächern kann man keine Übungen machen, wo dann am Ende richtig oder falsch rauskommt. 08/12/2004: Es weihnachtet sehr!
Letzten Freitag hatten wir hier in der Uni ein wirklich tolles Weihnachtsfest! Im Vorfeld der Weihnachtsfeier haben einige Kommilitonen ein Organisationskommitee gebildet und wirklich ein tolles Fest hinbekommen. Eine Woche vor der Feier hat jeder eine Person zugelost bekommen, für den er/sie ein Wischtel-Geschenk besorgen musste. Zunächst hat ein Chor 5 Weihnachtslieder gesungen (ich wusste gar nicht, dass die Iren "Stille Nacht, heilige Nacht" auf Deutsch singen), dann kam Santa und hat an die anwesenden Kinder Geschenke verteilt. Anschließend haben wir die Wischtel-Geschenke verteilt, um den Abend mit 5 weiteren Weihnachtsliedern ausklingen zu lassen. Ein gelungenes Fest, das mich richtig in Weihnachtsstimmung gebracht hat und mich daran erinnert hat, dass ich noch gar KEINE Weihnachtsgeschenke habe...
Übrigens hat ein Wischtel-Geschenk besondere Aufregung erzeugt. Ein Ire hat einer Amerikanerin ein T-Shirt mit folgendem Aufdruck geschenkt: "Ass a typical American (Vorderseite)... I vote for G.W.! (Rückseite)". 09/12/2004: Es gibt ein Leben neben dem Lernen
Hallo! Heute möchte ich Euch ein wenig den Schrecken nehmen, dass es neben dem MBA kein anderes Leben gibt. Wie wiel Prozent Anteil der MBA und die Uni am Leben haben, hängt letztlich auch davon ab, ob man auf dem Campus wohnt und mit wem man zusammenwohnt, falls man sich für eine Wohnung jenseits des Campus entscheidet. Um ein bisschen Abwechslung zu haben, bin ich mit einem Deutschen und einem Franzosen zusammengezogen, die beide berufstätig sind. So wird mein Leben nicht komplett vom MBA und der Schule beherrscht, und wenn ich die Uni verlasse, dann denke und spreche ich über andere Dinge. Wir wohnen in einem netten Häuschen für uns, ca. 15 Radminuten von der Uni entfernt. Eine direkte Bus- oder Bahnverbindung gibt es nicht zur Uni (aber zur City). So bin ich gezwungen, jeden Tag mindestens 30 Minuten Fahrrad zu fahren. Das finde ich umso wichtiger, da kurz vor dem Examen unsere Fussball-AG leider kollabiert ist. Viele Kommilitonen machen gar keinen Sport mehr und einigen sieht man es auch gut an. Das Radfahren ist tatsächlich eine schöne Abwechslung, auch wenn ich heute auf dem Weg zur Uni schon wieder klatschnass geworden bin... Dublin halt ? man weiß nie, wie das Wetter in den nächsten 5 Minuten sein wird.
13/01/2005 Start Semester II

Die besten Jobs von allen

Hallo zusammen! Leider habe ich es vor Weihnachten aufgrund des grossen Prüfungsstresses nicht mehr geschafft, Euch per Tagebucheinträgen meine Eindrücke zu vermitteln. Ich kann eigentlich nur sagen, dass dies der größte Prüfungsstress war, den ich bisher erlebt habe. Nach der 8. Klausur innerhalb von 10 Tagen war mein Akku vollkommen leer. Es war während der 2 Wochen im Vorlauf der Klausuren und auch während der Klausuren an der Tagesordnung, bis 1 Uhr abends zu lernen und um 6 Uhr morgens wieder aufzustehen und weiter zu lernen. Amüsiert ware ich von den Prüfungsbedingungen. Wir haben hier teilweise in grossen Turnhallen die Klausuren geschrieben auf Tischen, die nur wenig mehr Platz bieten als ein Laptop. Anweisungen wurden an die Hunderte von Prüflingen per Mikrofon gegeben.Es war natürlich wunderbar, Weihnachten und das Neue Jahr im Kreise der Freundin, Familie und Freunde zu feiern. Nach Neujahr habe ich dann aber erst einmal festgestellt, wie viel Energie ich tatsächlich gelassen habe vor den Weihnachtstagen.Wenn ich mich jetzt hier während der 1. Woche umsehe, stelle ich fest, dass alle noch recht kaputt sind und Probleme haben, richtig ans Laufen zu kommen. Wahrscheinlich werden alle 1 bis 2 Wochen brauchen, um sich wieder richtig an das 2. Semester zu gewöhnen.Am morgigen Freitag ist der Einsendeschluss für das Austauschprogramm mit der China European International Business School (CEIBS) in Shanghai, an dem ich gerne teilnehmen würde. Das Austauschprogramm dauert drei Monate. Leider ist zu diesem Zeitpunkt vorlesungsfrei in Shanghai und nur einige Wahlfächer können belegt werden. Hauptbestandteil des Austausches ist es, in Shanghai Unternehmensprojekte zu absolvieren und diese Projekte mit einer Diplomarbeit abzuschließen.Aber das ist Zukunftsmusik. In diesem 2. Semester werde ich 5 Pflichtfächer belegen (Strategic Mgt, International Business, Financial Statement Analysis, Organisational Behaviour, Corporate Finance). Ausserdem haben wir die Möglichkeit, aus einer Reihe von Wahlfächern mindestens drei auszuwählen. Ich habe mich für Negotiation, Project Management und International Finance entschieden. Vielleicht werde ich zusätzlich noch Mgt Control Systems als "Not for credit"-Fach dazunehmen. Zusätzlich werden hier Sprachkurse angeboten: Spanisch, Französisch, Chinesisch und Gaelisch (Irisch). Ich habe mich für Spanisch eingeschrieben.Ach ja, eigentlich bin ich froh, dass ich noch lebe! Ich bin am vorigen Sonntag hier in Dublin in widrigsten Umständen gelandet, da ein starker Sturm über Irland wehte. 2 Landungen hat der Pilot abgebrochen. Dann schloss Dublin Airport und wir wurden nach Shannon auf der anderen Seite der Insel umgeleitet. Dort legten wir eine recht klapprige Landung hin, warteten drei Stunden auf dem Rollfeld und starteten dann erneut in der Hoffnung, dass sich die Bedingungen für eine Landung in Dublin bessern. Nach einer weiteren Stunde Flug schließlich landeten wir in Dublin, eine Landung, die ich so nicht noch einmal erleben muss.Bis bald, Euer Robert.02/02/2005: Ni hao!Hallo! Es läuft z.Zt. wirklich recht rund: Am vergangenen Freitag habe ich die Zusage erhalten, dass ich an dem Austauschprogramm der Smurfit mit der China European International Business School (CEIBS) in Shanghai teilnehmen kann. Außerdem habe ich gestern von einem großen mittelständischen Unternehmen positiven Bescheid bekommen, bei deren Vertriebsgesellschaft in Shanghai ein Praktikum absolvieren zu können. Jetzt muss ich lediglich noch ein Diplomarbeitsthema finden, dass ich gut mit dem Praktikum kombinieren kann, dann ist das letzte Trimester voll durchorganisiert und ich kann mich auf das verbleibende zweite Trimester konzentrieren!Privat habe ich derzeit ein wenig Trouble. Leider bereitet mir ein Zahn Probleme und ich finde, dass es im Ausland immer so eine Sache ist, einen Zahnarzt des Vertrauens zu finden. Allerdings bin ich überrascht, wie gut ausgestattet die Ärzte hier sind. Es werden digitale Bilder der Zähne während der Bohrarbeiten gemacht, die einem dann im Anschluss an die Behandlung gezeigt werden. Das schafft Vertrauen. Mein Zahnarzt möchte jetzt eine Wurzelbehandlung durchführen. Ein bisschen seltsam finde ich, dass fast jeder Student hier bereits Erfahrung mit einer Wurzelbehandlung gemacht hat, während das bei deutschen Studenten garantiert nicht der Fall ist. Vielleicht ist man also hier ein bisschen schnell damit zur Hand. Ich habe mir jetzt jedenfalls erst einmal einen Kostenvoranschlag besorgt, den ich dann bei meiner privaten Krankenversicherung (care concept von Neckermann, ca. 45 EUR pro Monat) einreichen muss, weil die geschätzten 1.000 EUR Behandlungskosten die Freigrenze von 250 EUR pro Behandlung übersteigt. Schauen wir mal, was die Versicherung sagt... 12/03/2005: Ruhe vor dem SturmHallo zusammen! 3 Wochen Osterferien stehen jetzt vor der Tür und geben mir Gelegenheit, die ersten 9 Wochen des 2. Semesters aufzuarbeiten und mir ein wenig von der grünen Insel anzuschauen. Es ist eigentlich extrem schade, wenn man sieht, wie viele Studenten so gut wie nie den Campus verlassen, weil sie nur studieren. Ich kann das in diesem Extrem ehrlich gesagt nicht nachvollziehen und habe mir in der Vergangenheit zumindest mal 2 bis 3 Tage zwischendurch frei genommen, um über die Insel zu fahren. Meines Erachtens sollte man doch von Land und Kultur was mit nach Hause nehmen! Über das Osterwochenende kommt meine Freundin für 5 Tage nach Dublin und dann werden wir die große Schleife fahren, das heißt, einmal die Insel entlang der Küste besichtigen. Wir sind noch unsicher, ob wir in Belfast einen Zwischenstopp einlegen sollen, obwohl mir die irischen Kommilitonen immer wieder versichern, dass die Stadt sicher ist. Allerdings haben die Unruhen in letzter Zeit auch wieder zugenommen.Kurz nach meinem letzten Tagebucheintrag am 02.02.2005 wurde das neue Ranking der Financial Times veröffentlicht. Für die Smurfit hat das Ranking den 80. Platz des Vorjahres bestätigt. Allerdings hat die Uni global gesehen Ambitionen in die Top-Liga vorzustoßen. Dafür haben wir hier ein Entwicklungs-Komitee eingerichtet, dass dieses langfristige Ziel mit Leben füllen soll. Doch zunächst einmal wird die Business School organisatorische Mängel, insbesondere beim Empfang internationaler Studenten, mit Hilfe des Inputs dieses Komitees beseitigen.Außerdem sind Anfang Februar die Noten der Prüfungen des 1. Semesters bekannt gegeben worden. Das ist deshalb wichtig, weil jetzt jeder weiß, wo er steht. Man sollte nicht dem Irrglauben unterliegen, dass es beim MBA kein Durchrasseln gibt. Insbesondere die internationalen Studenten mit Defiziten im Englisch haben es da sicherlich schwerer als die Muttersprachler. So werden einige im Sommer Prüfungen wiederholen, was besonders ärgerlich ist und wertvolle Zeit kosten wird. Ich bin recht zufrieden mit meinen Noten, zumal es für mich aufgrund der Sprache sicherlich eine Obergrenze gab.Halb durch das 2. Semester geht jetzt zügig die Jobjagd los. Wir hatten bereits einige Unternehmenspräsentationen hier am Campus. Viele der angebotenen Jobs sind auf Irland oder England beschränkt. Gut ist, dass die Uni ein Career Management Centre hat, das einem bei der Erstellung des Lebenslaufes, bei Interview-Simulationen und mit Kontakten weiterhilft. Das bedeutet aber nicht, dass die Jobsuche zum Selbstläufer wird. Erschreckend fand ich, dass ich auf einer Veranstaltung im Februar einen deutschen Absolventen des letzten Jahres getroffen habe, der zur Zeit noch auf Jobsuche ist. Das ist das Horrorszenario!Ich wünsche Euch ein frohes Osterfest. Bis bald,Euer Robert 21/05/2005: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Das 2. Semester - ein Resumée

Die Prüfungen der 5 Kern- und der 3 Wahlfächer, die ich im 2. Semester belegt habe, habe ich nun eine Woche hinter mir. Die einhellige Meinung der Studenten ist, dass die Quantität des Lernstoffs geringer und die Qualität teilweise höher ist. Tatsächlich empfinde ich es so, dass man langsam den Sinn im Aufbau des gesamten MBAs sieht, den man im ganzen Prüfungsstress und zu Beginn des Studiums nicht immer so gesehen hat. In vielen Präsentationen hört man mehr und mehr Querverweise auf andere Fächer. Kurzum: Es fügt sich nun vieles zusammen. Allerdings sind auch einige Kurse wie z.B. International Finance sehr enttäuschend, was jedoch mit einem schwachen Professor zusammenhängt, der einfach den Stoff nicht rüberbringen kann. Allerdings sind die Beurteilungen so vernichtend ausgefallen, dass es den Prof. im nächsten Jahr nicht noch einmal geben dürfte.

Das Highlight des 2. Semesters war definitiv der Besuch des Generalbundesanwalts des Staates New York, Eliot Spitzer (Falls Du noch nicht von ihm gehört hast ? nun, das ist unmöglich!). Spitzer hielt eine faszinierende Rede über die Entwicklung und die Grenzen von Corporate Governance. Spitzer hat wohl gute Chancen zum Governor des Staates NY gewählt werden.

Jobsuche vs. Studieren

Manche Studenten sind ebenso sehr mit der Jobsuche wie mit der Prüfungsvorbereitung beschäftigt. Einige wenige haben bereits Verträge unterschrieben. Ich höre immer häufiger, dass Kommilitonen Jobofferten erhalten, diese dann jedoch ablehnen. Es ist sicher ein gutes Gefühl, schon einmal irgendwo akzeptiert worden zu sein und dann das Angebot auszuschlagen. Das gibt Rückenwind. Die meisten führen jedoch erste Interviews. Bei manchen habe ich das Gefühl, dass der ganze Bewerbungsprozess noch zu planlos ist. So habe ich z.B. einen Kommilitonen, der sich weltweit und auf diverse Positionen bewirbt. Das kostet viel Zeit und Energie und war bis jetzt noch nicht besonders fruchtend. Da fehlt einfach der Fokus. Ich persönlich kann ein bisschen relaxter an die Sache herangehen, da ich einjähriges Sabbatical genommen habe und am 01. November bei meiner alten Firma wieder anfangen kann. Ich habe dort eine Stelle angeboten bekommen und werde in Kürze dort noch einmal Gespräche führen. Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Augen und Ohren nicht offen halte!

Tschüss Dublin: 10 Monate neigen sich dem Ende

Langsam breche ich meine Zelte in Dublin ab. Einen Nachmieter habe ich für mein Zimmer bereits über die exzellente Online-Börse www.daft.ie finden können. Last-minute-Besucher aus Deutschland kündigen sich an, die die Gelegenheit noch beim Schopfe packen wollen, Dublin und die grüne Insel zu sehen. Natürlich ist es auch ein bisschen schade, meine netten deutschen und französischen Mitbewohner zurückzulassen. Am 17. Juni werde ich die letzte Vorlesung haben, am 18. Juni findet dann ein Abschieds-Barbecue der Business School statt.

Hallo Shanghai: Das 3. Semester

Ich werde dann für einige Tage nach Deutschland zurückkehren, bevor es dann für mich am 25. Juni weiter nach China geht. Dort werde ich dann bis zum 09. September bei Liebherr's Dependance in Shanghai ein Praktikum absolvieren. Das Praktikum ist Not-for-Credit, d.h. ich werde keine Diplomarbeit über das Praktikum schreiben und es wird damit nicht in meine MBA-Abschlussnote mit einfließen. Ich habe mich gegen die Option entschieden, da ich es wichtiger finde, in China Land und Leute kennen zu lernen als abends an einer Diplomarbeit zu schreiben. Ich werde auf dem Campus der CEIBS University leben und dort versuchen, einige Abendkurse zu besuchen. Statt der Diplomarbeit, die die anderen 3 Austauschstudenten schreiben, werde ich 3 Wahlfächer in den kommenden 3 Wochen belegen, womit ich dann den MBA komplett absolviert habe. Aus termintechnischen Gründen habe ich mich für die drei ersten angebotenen Wahlfächer entschieden, von denen ich jedoch 2 in jedem Fall auch ohne den Termindruck belegen wollen: "Leadership" und "M&A". Dass diese Kombination möglich ist, habe ich einer flexiblen Programmverwaltung der Smurfit zu verdanken, die wenig bürokratisch gehandelt hat.

Das wars für Heute. Bis bald mal wieder. Euer?.Robert 12/07/2005: Angekommen in China

Hallo aus Shanghai! Ist das aufregend, jetzt hier in China zu sein. Alles neu und vieles anders. Sogar in einer Weltstadt wie Shanghai ist man auf einmal als Deutscher Exot und wird von Klein und Gross mit weiten Augen angeschaut.

Shanghai ist eine Stadt, die mit zwei Herzen schlägt. Da ist zum einen das traditionell-chinesische wie z.B. Strassenküchen und Massagesalons, die in vielen Ecken noch anzutreffen sind. Auch muss man nicht meinen, dass es überhaupt keine Fahrräder mehr gibt. In manchen Teilen der Innenstadt, sind Autos durchaus noch in der Unterzahl und tun sich trotz lautstarkem Hupprotesten schwer, schneller voranzukommen als die Fahrräder. Das Autofahren scheinen sich die Chinesen allerdings bei den Süditalienern abgeguckt zu haben. Zum anderen gibt es hier die Transrapid-Teststrecke , die gerade so lang ist, das die Spitzengeschwindigkeit von 431 km/h erreicht werden kann und den Wettlauf um immer höhere und moderne Wolkenkratzer, wie den Jinmao Tower (5. höchstes Gebäude der Welt).

Der Campus der China European International Business School (CEIBS) liegt in dem in 15 Jahren aus dem Boden gestampften, östlich vom Fluss Huang Pu gelegenen Stadtteil Shanghais (Pudong), wo auch der Oriental Pearl Tower und der Jinmao Tower anzutreffen sind. Die Uni wurde 1994 gegründet und stetig erweitert. Der Campus der vom deutschen Dekan Rolf Cremer geführten Uni ist state-of-the-art, mit modern eingerichteten Zimmern. Die Zimmer sind klimatisiert, was bei 40 Grad extrem schwüler Hitze im Sommer auch nötig ist. Im Vergleich zur Smurfit in Dublin gibt es eine sehr gut sortierte Bibliothek, ein Fitness-Studio, eine Kantine, die 7 Tage die Woche geöffnet ist und ein Café, wo sogar bis 11 Uhr abends gespeist werden kann. Die Administration kümmert sich um nahezu alles, was ihr angetragen wird und sorgt umgehend für Lösungen.

Soweit das Positive. Was mir negativ aufgefallen ist, ist das recht schlechte gesprochene Englisch einiger Kommilitonen und die strikte Handhabung der Kurse. Es wird teilweise in einem militärisch anmutenden Kommandoton E-Mails geschrieben und Anwesendheit eingefordert, die manchem Austauschstudenten in Probleme bringt, der aus verschiedenen Gründen nicht an allen Vorlesungen eines Kurses teilnehmen kann, jedoch keine Probleme hätte, den Kurs insgesamt gut zu bestehen.

Man muss sich natürlich die kulturellen Unterschiede und auch die historischen Gegebenheiten bei der Bewertung vor Augen führen. So ist z.B. die universitäre Ausbildung in China erst seit der Öffnung zum Westen ausgeweitet worden. Vor dem Regierungswechsel Mitte der 70er noch soll Chinas bester Ökonom auf das Land zur Erziehung beim Bauern geschickt worden sein ? heute lehrt er an der CEIBS. Daher scheint heute der Hunger nach Bildung noch größer zu sein als das Angebot. Die Universität hat dank einer konsequenten Branding-Strategie einen tadellosen Ruf. Asia-Pacific Manager internationaler Konzerne wie Citibank, Lucent etc. geben sich die Klinke in die Hand, um vor den Studenten sprechen zu können und um die zukünftige Elite Chinas zu werben. Das bestätigt nur meinen Eindruck, dass CEIBS die Top-Adresse in China und auch Asien ist, sozusagen das chinesische Harvard.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Tagebuch-Eintrag!

Euer Robert

Dieser Artikel ist erschienen am 23.11.2004