Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Reinfall Rückkehr

Leserfragen zum Thema "Auslandsentsendung und Probleme der Re-Integration" und die Antworten unseres Experten Albrecht von Bonin. Der Personalberater ist auf die Vermittlung von rückkehrwilligen Expatriates spezialisiert.
Immer öfter stehen deutsche Auslandsmanager nach ihrer Rückkehr in die Heimat auf der Straße. Statt des versprochenen Karrieresprungs fallen die als verwöhnt und schwer reintegrierbar betrachteten Expatriates dem Sparkurs der Unternehmen zum Opfer. "Je länger und je weiter ein Bewerber weg war, um so größer werden die Vorurteile der Personalchefs gegen ihn", weiß Albrecht von Bonin, auf die Vermittlung von Expatriates spezialisierter Personalberater. "Doch das Problem, später zuhause wieder Fuß zu fassen", wird von Arbeitgeberseite entweder ignoriert oder gegenüber Entsendungs-Kandidaten schön geredet", beobachtet der Fachmann.

Leserfragen zum Thema "Auslandsentsendung und Probleme der Re-Integration" und die Antworten unseres Experten Albrecht von Bonin. Der Personalberater ist auf die Vermittlung von rückkehrwilligen Expatriates spezialisiert

Die besten Jobs von allen




FRAGE: Ich habe im letzten Jahr auf dem Gebiet der Beschichtungstechnik meine Promotion abgeschlossen. Derzeit befinde ich mich in der Bewerbungsphase für den Jobeinstieg. Mein Ziel ist es, nach einigen Jahren in einer Firma für einige Zeit für diese Firma ins Ausland zu gehen. Können Sie mir Tipps geben, auf welche Dinge man bereits jetzt im Vorfeld in den Bewerbungsgesprächen und während der ersten Zeit im Unternehmen achten sollte, um zielgerichtet auf einen solchen Auslandseinsatz hinzuarbeiten? Für wie sinnvoll halten Sie es, bereits 2 bis 3 Jahre vor dem Auslandseinsatz die Rückkehr zu planen (z. B. indem man Möglichkeiten mit dem potenziellen Arbeitgeber erörtert, was danach passieren könnte)?

VON BONIN: Wenn Sie sich derzeit in der Bewerbungsphase befinden, haben Sie gewiß präzise recherchiert, ob und wo die anvisierten Unternehmen im Ausland vertreten sind. In Bewerbungsgesprächen sollten Sie signalisieren, daß Sie mittelfristig Interesse an einer Auslandsentsendung haben. Klären Sie, wann und ob das überhaupt in Frage kommt und wie lange derartige Einsätze geplant sind. Fragen Sie, was das Unternehmen für die Reintegration seiner "Rückkehrer" tut. Allerdings macht es wenig Sinn, schon 2 bis 3 Jahre im Voraus zu planen, wie die Reintegration nach dem Auslandseinsatz ablaufen könnte. Zunächst werden Sie sich als Neueinsteiger für den Auslandseinsatz profilieren müssen. Also machen Sie nicht den zweiten Schritt vor dem ersten.


FRAGE: In der Literatur zum Thema "Expatriates" wird die Thematik interessanterweise meistens aus einer anderen Perspektive betrachtet. So heißt es, dass über 86 Prozent der Expatriates mit einer Wiederbeschäftigungsgarantie ausgestattet sind und eher freiwillig ein Unternehmen verlassen, wenn sich ihnen keine geeigneten Karrierechancen (z.B. Beförderung) im Stammhaus bieten. Daher sei es für ein Unternehmen äußerst wichtig, Mitarbeiter richtig reintegrieren zu können (Begründung: Kosten einer Entsendung, Wissen, das sich ein Expatriate im Ausland angeeignet hat, schlechte Reintegration führt zu Auslandmüdigkeit bei anderen Mitarbeitern usw.). Maßnahmen, die eine Reintegration erleichtern, sollten entsprechend auch von der Unternehmensseite kommen (Wiedereingliederungsseminare, Mentoren usw.). Ihr Kommentar in der Jungen Karriere wirft darauf ein anderes Licht, deswegen hätte ich in diesem Zusammenhang folgende Fragen: In dem Artikel wird erwähnt, dass immer öfter deutsche Auslandsmanager nach ihrer Rückkehr "auf der Strasse stehen". Basieren diese Angaben auf einer empirischen Erhebung? Handelt es sich dabei um eine bestimmte Gruppe von Expatriates (zum Beispiel eher Manager als Fachkräfte?), die größere Gefahr laufen, den Arbeitsplatz nach der Heimkehr zu verlieren? Kann jemand trotz Wiederbeschäftigungsgarantie entlassen werden? Wann sollte ein Mitarbeiter eine Entsendungsanfrage seines Unternehmens nicht annehmen? Wie kann man sich gegen eine Kündigung nach dem Auslandseinsatz schützen?

VON BONIN: Sie haben offenbar schon erkannt, daß Wunsch und Wirklichkeit für Expatriates stark auseinander klaffen. Theoretisch gibt es natürlich Wiederbeschäftigungklauseln, doch die Realität zeigt, daß die Unternehmen sie aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage oft nicht einhalten können (Personalabbau, Umstrukturierungen etc.). Darüber gibt es aber leider keine empirischen Erhebungen. Welches Unternehmen läßt sich da schon gern in die Karten schauen. In der Regel wird dem rückkehrwilligen Expatriate dann ein Alternativposition angeboten, die er nicht annehmen kann oder will (die Tochtergesellschaft in Sibirien, die Baustelle in Afganistan etc.)
Daher mein Rat an alle langjährig entsandten Expatriates, sich rechtzeitig vor ihrer Rückkehr nach Alternativen umzuschauen. Genau hier setzt unser Auslands-Bewerber-Service an. Grundsätzlich sollte sich jeder die Frage stellen, was ihm der Auslandseinsatz bringt. Sie sammeln Erfahrungen, die man Ihnen nicht mehr wegnehmen kann. Wenn Ihr Arbeitgeber hinterher keinen Wert mehr darauf legt, dieses Know-how im Unternehmen zu halten, ist es wenig sinnvoll darüber zu streiten. Gegen eine Kündigung nach einem Auslandseinsatz können Sie sich ebenso wenig schützen, wie bei Inlandsjobs. Gefährdet sind vor allem Manager, die zu lange im Ausland gearbeitet haben und ihr Netzwerk in der Heimat vernachlässigt haben. Besondere Vorsicht ist bei Entsendungen geboten, wenn der Arbeitsvertrag nicht mit der Heimatzentrale abgeschlossen werden soll, sondern mit einer ausländischen Joint Venture Gesellschaft, in der natürlich Landesarbeitrecht gilt.

FRAGE: Ich stehe nach einem Magister in Amerikanistik in Deutschland (FU Berlin) und einem Master in Humanities in den USA (New York University) vor der Entscheidung, ob ich meine erste Stelle in den USA oder in Deutschland antreten soll. Welche Nachteile haette es, wenn ich zunaechst einen Job in den USA haette? Was ist in puncto Sozialversicherungsschutz und Krankenkasse zu beachten

VON BONIN: Ich kann keinen Nachteil darin entdecken, nach dem Studium gleich in den USA zu arbeiten. Planen Sie dafür maximal 2 bis 3 Jahre ein, sofern Sie die entsprechende Aufenthalts-und Arbeitsgenehmigung erhalten. Da Sie dann im Ausland tätig sind, sollten Sie freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, jedoch ist jeder Betrag in einer privaten Rentenvorsorge effektiver, d.h. sie sollten selbst vorsorgen. Eine private Krankenversicherung ist hier die erste Wahl

FRAGE: Wir, eine Familie mit einem Kleinkind, denken über einen 3jährigen befristeten Auslandseinsatz in den USA nach. Mein Mann, 33, (arbeitet in der Automobilzulieferbranche) erhofft sich durch diese Auslandserfahrung eine Steigerung seines Marktwertes und möchte auch somit für den Arbeitsmarkt interessant bleiben, ohne gleich Karriere machen zu wollen. Im Artikel "Reinfall Rückkehr" sprechen Sie von Integrationsproblemen, die viele Heimkehrer machen mussten. Meine Frage zu diesem Thema: In Entsendungsverträgen wird oft von einer Arbeitsplatzgarantie gesprochen, ohne jedoch auf einen bestimmten Posten in der Firma Anspruch zu haben. Wie kann man sich als Arbeitnehmer also sicher sein, dass man an einem adäquaten Arbeitsplatz nach der Rückkehr eingesetzt wird und wie kann man gehaltlich bereits im Vorfeld der Vertragsverhandlungen sich eine gute Ausgangsposition verschaffen (z. B. Schattengehalt?)

VON BONIN: Natürlich wünscht man sich im Leben stets ein Höchstmaß an Sicherheit. Doch Sie sollten die Chance, die Ihnen Ihr Arbeitgeber bietet, im Ausland zu arbeiten, höher bewerten als die Garantie für einen bestimmten Job und ein entsprechendes Gehalt nach Ihrer Rückkehr. Sollten Sie das suchen, wären Sie beim öffentlichen Dienst vermutlich besser aufgehoben. Aber ich vermute, Sie suchen in USA die Gelegenheit zur Horizonterweiterung. Da ist es doch schon ein großes Entgegenkommen Ihres Arbeitgebers, wenn er Ihnen bei Ihrer Rückkehr einen "Arbeitsplatz garantiert, der Ihrer Qualifikation entspricht", oder?
Es ist an Ihnen, sich rechtzeitig vor Ihrer Heimreise bzw. Ablauf des Auslandsvertrages um Alternativen zu bemühen. Halten Sie Ihr Netzwerk zur Konzernzentrale aufrecht. Informieren Sie sich über den (Arbeits-)Markt, Trends in der Heimat und signalisieren Sie rechtzeitig, an welchen Positionen Sie Interesse haben. In Konzernen werden in der Regel Karriereentwicklungsgespräche geführt, in denen auch dieses Thema angesprochen werden kann. Schauen Sie aber auch über den tellerrand Ihres derzeitigen Arbeitgebers hinaus. Auch "andere Mütter haben schöne Töchter". Unserer Erfahrung nach ist Eigeninitiative gefragt, um die Rückkehr optimal vorzubereiten.

FRAGE: Wie kann man sich als angehender Expatriate im Vorhinein vor dem "Reinfall Rückkehr" schützen?

VON BONIN: Es wird keine Garantien geben können, denn Ihr Arbeitgeber würde sich Verpflichtungen ans Bein binden, die nicht vertretbar sind. Die einzige Zusage, die Ihnen gemacht werden kann, sichert Ihnen bei Ihrer Rückkehr "eine Ihrer Qualifikation entsprechende Position (wo auch immer im Konzern) zu. Was hilft Ihnen jedoch eine noch so wasserdichte Rückkehrversicherung, wenn dann aber gerade keine Vakanz verfügbar ist. Kümmern Sie sich lieber rechtzeitig selbst um Alternativen und seien Sie dankbar für die Chance, die Ihnen Ihr Arbeitgeber mit dem Auslandeinsatz bietet

FRAGE: Ich stehe zwar noch mit Mitte 20 am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, habe jedoch jetzt das Glück, einen längeren Auslandsaufenthalt wahrnehmen zu können. So werde ich die nächsten 8 Monate in Saigon, Vietnam, arbeiten; bin jedoch in dieser Zeit nicht hier in Deutschland angestellt. In wieweit stimmt es, dass es zu Problemen der Reintegrierbarkeit kommt, besonders aus der Sicht eines Personalverantwortlichen? Mir ist zu Ohren gekommen, dass es speziell für den Südostasienraum heißt, dass ein längerer Aufenthalt die Chancen am deutschen Arbeitsmarkt reduziert (Stichwort: Einstellung zur Arbeit). Persönlich kann ich mir so was eher nicht vorstellen, vielleicht trifft dies erst bei sehr langen Auslandsaufenthalten ein und nicht bei einem von weniger als ein Jahr, wie in meinem Fall. Unabhängig von der Dauer des Aufenthalts in Asien hatte ich auch die Überlegung, anschließend eine Arbeitsstelle im europäischen Ausland anzunehmen. Im Studium hatte ich schon die Gelegenheit für 6 Monate die ersten Erfahrungen hierbei zu sammeln. Gelten für Aufenthalte in Europa die gleichen Punkte wie für Asienaufenthalte hinsichtlich einer Rückkehr? Würde die Kombination mit einem Postgraduierter Studiengang im Ausland die Situation beeinflussen?

VON BONIN: Es zeichnet Sie aus, daß Sie sich schon am Anfang Ihrer Karriere so kritisch mit den Pros und Cons von Auslandseinsätzen beschäftigen. Aber ich möchte Ihre Bedenken etwas mildern. Bei einem Auslandseinsatz von unter einem Jahr werden in der Regel noch keine Handicaps für die Reintegration entstehen. Unserer Erfahrung nach entstehen die erst ab etwa 3 Jahren - und dann auch nur in "fremden" Kulturen wie Asien, Lateinamerika, Afrika. In der Tat gibt es dann oft Vorbehalte wie:

> nur noch in der Lage, mit Massen von gering bezahlten Mitarbeitern zu arbeiten
> kennt sich ja nicht mehr aus auf dem Heimatmarkt, in Arbeitsrecht, Führungskultur etc.
> hat kein eigenes Netzwerk mehr in der Heimat
> schwer integrierbar im "engen" Deutschland etc.

Bei Auslandseinsätzen im europäischen Ausland verschwinden diese Ressentiments immer mehr. Aber Sie sollten natürlich wissen, daß bei Positionen, die auf den deutschen Markt fokussiert sind (Vertrieb, Marketing etc.), Kenntnisse und Arbeitserfahrungen in diesem unserem Lande unbedingt nötig sind. Es könnte also notwendig werden, daß Sie nach Ihrer langjährigen Rückkehr erstmal wieder eine Stufe zurückgehen müssen, um sich mit dem Heimatmarkt vertraut zu machen. Aber wenn Sie das nicht scheuen - nix wie raus!!!

FRAGE: Nach einem Studium zum MBA in Texas mit anschließender 6-jähriger Beschäftigung in der New Yorker Finanzwelt bin ich nun in die Heimat zurückgekehrt. Der Großteil meiner - über die reine Betriebswirtschaftslehre hinausgehenden - Erfahrungen und damit verbundenen Qualifikation findet in meinem jetzigen beruflichen Umfeld allerdings keinerlei Anwendung. Ich wäre sehr verblüfft, wenn es nicht gerade für gut ausgebildete Kräfte mit meinem Hintergrund Bedarf gäbe. Gibt es Headhunter oder Organisationen, die mir bei meiner Suche nach interessanter Beschäftigung (möglichst auch wieder im Ausland) behilflich sein könnten?

VON BONIN: Wenn Sie feststellen, daß Ihre Kenntnisse und Erfahrungen in der Heimat (noch) nicht gefragt sind, sollten Sie die Zielmärkte definieren, in denen Sie Ihr know how besser einbringen können. Die Alternative dazu sind Stellen in deutschen Niederlassungen ausländischer (bzw. US-) Konzerne, in denen Sie der Katalysator zwischen Head-Office und Deutschland sein könnten. Oder Sie verzichten darauf, sich unbedingt nur auf Ihre bisherige Erfahrung zu beschränken und erweitern Ihr Wissen auf den Gebieten, die in Deutschland mehr gefragt sind.
Vielerorts ist aber allein die USA-Erfahrung schon etwas wert. Als Headhunter in Deutschland kann Ihnen eventuell Michael Page International (www.michaelpage.de) weiterhelfen. Diese Vermittlung ist auf internationale Führungspositionen im Finanzbereich spezialisiert.

FRAGE: Ich bin zur Zeit Studentin der Berufsakademie Sachsen (Fachrichtung Hotelmanagement) und mein Praxispartner ist ein Hotel. Nun werde ich im Oktober fertig mit meiner Ausbildung. Auf dem HHRC in Frankfurt, einer Informationsveranstaltung für Azubis & Studenten in der Konzernhotellerie, wurde uns geraten, gleich nach der Ausbildung/Studium einen Auslandseinsatz zu beginnen. Die Chancen mit einem solchen Einsatz klangen vielversprechend. Aussagen wie "ein Job ist Ihnen danach sicher" gehörten zum Standard.
Mein Wunschjob ist aber auch erst Ende 2005 zu besetzen. Wie kann ich meine Chancen optimal nach meinem Studium erhöhen? Ist ein Jahr Auslandseinsatz wirklich zu lange - oder ein halbes Jahr zu kurz ? In England (meinem bevorzugten Einsatzort) werden meines Wissens Arbeitszeugnisse erst nach einem Jahr fester Anstellung ausgestellt. Gibt es andere Möglichkeiten, Beurteilungen ausstellen zu lassen? Welche Länder werden überhaupt von den Personalern anerkannt? Gibt es bestimmte Branchen, in denen diese Ablehnung weniger stark ausgebprägt ist? In der Hotellerie z.B. ist das Beherrschen von Fremdsprachen ein entscheidendes Kriterium bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern. Vor allem interessiert mich, ob ein unbekanntes Hotel/Unternehmen auch in Deutschland Anerkennung findet, oder ob man sich vorwiegend an renommierte Unternehmen wenden soll, deren Namen auch in Deutschland geläufig sind?
Ist die Anerkennung eines Auslandseinsatzes vielleicht im Osten geringer als in Westdeutschland?

VON BONIN: Aus meiner 25-jährigen Praxis in der Beratung der Hotellerie kann ich Ihre Fragen sehr gut nachvollziehen. In der Tat zählt hier Auslandspraxis besonders viel. Hotellerie ist schon seit eh und je ein internationales Business. Vor allem Hotelkonzerne suchen daher Fach-und Führungskräfte, die sich "draußen" die Hörner abgestoßen haben. Die Dauer des Auslandseinsatzes sollte - anders als in anderen Branchen - mindestens ein Jahr, maximal jedoch 3 bis 5 Jahre dauern. Es gibt aber auch durchaus Manager, die nach längerer Abwesenheit in anderen Weltmärkten wieder nach Deutschland zurückkehren. Hier bieten allerdings nur die internationalen Hotelketten eine reibungslose Re-Integration, in der Privathotellerie gibt es leider oft Akzeptanzprobleme.
Je nachdem, wo Sie Ihre persönliche berufliche Zukunft suchen, sollten Sie sich entsprechend beim Auslandseinsatz ausrichten. Für die Ketten-Karriere sind Einsätze in USA, GB und Frankreich empfehlenswert (Fremdsprachen, Managementkultur etc.). Auch Fernost, Afrika und Mittlerer Osten finden gute Akzeptanz. Für den Weg in die Privathotellerie kommen aber auch andere europäische Länder infrage. Natürlich sind renommierte Namen von Hotels dabei immer Karriere fördernder als "No Names".
Neben der Festigung der Fremdsprachen zählt beim Auslandseinsatz vor allem die Horizonterweiterung, das "Durchbeissen" und Leben in anderen Kulturen und die Erfahrung, selbst als Ausländer angesehen zu werden. In der Regel kommen auslandserfahrene Manager mit offenerem Blick für die Realitäten zurück. Wer allerdings zu lange draußen war, erlebt oft nach der Rückkehr, daß ihm "die deutsche Jacke zu eng" geworden ist.
In angelsächsischen Ländern legt man auf Zeugnisse keinen allzu großen Wert. "To whom it may concern" ist oft nicht mehr als ein Gefälligkeitsbeweis. Nur wer ausdrücklich betont, wie wichtig für ihn ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ist, erhält dieses von seinem Arbeitgeber.
Wenn Sie Ihren Wunsch vom Auslandseinsatz verwirklichen wollen, sind gute Fremdsprachenkenntnisse Voraussetzung. Wenden Sie sich z.B. an folgende Stellen, die Ihnen weiterhelfen können:

ZIHOGA, Bonn
Carl Duisberg Gesellschaft (Auslandsstipendien), Bonn
ACCOR Hotels Deutschland, München
Ritz Carlton Hotels
Steigenberger Hotels, Frankfurt
Robinson/TUI, Hannover oder andere Ketten..

FRAGE: Insgesamt verfüge ich nach Abschluss meines Fachhochschulstudiums zum Dipl.-Ing. über 10 Jahre Beruferfahrung, davon die letzten 8 Jahren bei einem global agierenden Unternehmen in gesicherter ungekündigter Position. Erfahrungen besitzte ich im technischen und kaufmännischen Bereich. Meine Funktionen waren immer mit deutscher und europäischer Verantwortung verbunden. Meine Frau ist als Medizinerin in Deutschland berufstätig und hat jetzt eine unbefristete, gut dotierte Stelle in einem Krankenhaus in Spanien angenommen. Für mich stellt sich die Frage ob und wie ich meine berufliche Zukunft planen kann bzw. soll, um eine spätere Rückkehr aus Spanien nach Deutschland nicht zu erschweren. Eine Delegation durch mein Unternehmen ist nicht geplant, wobei der weitere Karriereweg in Deutschland ebenfalls nicht klar ist. Worauf muss ich bei der Stellensuche in Spanien achten? Darf man ohne Entsendung durch das eigene Unternehmen überhaupt mit einer Rückkehrmöglichkeit rechnen? Was sind die schlimmsten Fehler, die eine Rückkehr erschweren würden? Wieviele Auslandsjahre sind akzeptiert, um in Deutschland als eingliederungsfähig eingestuft zu werden?

VON BONIN: Grundsätzlich sind Auslandserfahrungen empfehlenswert für Ihre Karriere und die persönliche Horizonterweiterung. Wenn sich für Ihre Frau die Chance dazu ergibt, nach Spanien zu gehen, sollten Sie versuchen, dort ebenfalls einen Arbeitsplatz zu finden. Dies kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Wenn Ihr derzeitiger Arbeitgeber Ihnen keine entsprechende Auslandsposition anbieten kann, haben "andere Mütter auch noch schöne Töchter"

> Lernen Sie so schnell wie möglich Spanisch, falls Sie es noch nicht können
> Suchen Sie in internationalen Online-Jobbörsen und spanischen Tageszeitungen nach entsprechenden Stellenangeboten
> Nehmen Sie Kontakt auf mit deutschen Unternehmen aus dem Wettbewerb Ihres derzeitigen Arbeitgebers, um herauszufinden, ob sie Sie nach Spanien entsenden können (Initiativbewerbung)
> Sprechen Sie mit deutschen Firmen, die dort Niederlassungen, Werke etc. haben
> Kontakten Sie internationale Headhunter, die in Spanien Niederlassungen betreiben

Idealerweise lassen Sie sich als Expatriate mit deutschen Vertrag ins Ausland entsenden. Die Dauer des Aufenthaltes sollte 3, max. 4 Jahre nicht überschreiten, da danach erfahrungsgemäß die Rückkehr immer schwerer wird. Der größte Fehler der Expatriates ist, im Ausland das alte heimatliche Netzwerk zu vernachlässigen. Dazu zählen auch Marktkontakte, Infos über den deutschen Arbeitsmarkt, Kontakte zu Kollegen, Unternehmenszentrale, Chefs, Headhuntern etc. Für deutsche Personalchefs ist nichts unattraktiver als ein Auslandsbewerber, der zu lange "draußen" war, den Draht zur Heimat verloren hat und jetzt völlig ahnungslos zurückkommt. "Kann mir nicht passieren", sagen Sie? Unterschätzen Sie nicht die mediterrane Arbeitsmentalität, das tolle Klima und die verlockenden Lebensbedingungen im Süden...

FRAGE: Ich befinde mich bereits im Ausland, genauer gesagt in Großbritannien. Wie kann ich sicherstellen, dass die Versprechungen, die mir mein Arbeitgeber gemacht hat für die Zeit nach dem Auslandseinsatz, dann auch eingehalten werden?
Und was passiert, wenn der avisierte Job nach der Rückkehr nicht meinen Vorstellungen entspricht? Ist es sinnvoll, die Personalabteilung oder den Ansprechparter (Chef) in Deutschland schon frühzeitig zu meinen Vorstellungen zu informieren und wenn ja wie geht man am geschicktesten vor?

VON BONIN: Bedauerlicherweise können Sie von keinem Arbeitgeber erwarten, daß er Ihnen bei der Entsendung bereits verbindlich verspricht, welche Position Sie nach Ihrer Rückkehr einnehmen können. Das können selbst Behörden ihren Mitarbeitern nicht mehr bieten. Wir leben nun mal in einer Welt der Veränderungen. Umso wichtiger ist es, Ihr eigenes Netzwerk in der Heimat, zur Abteilung Human Resources, zu Kollegen, zum Vorgesetzten, zu Wettbewerbern und Headhuntern in der Heimat oder zu Fachbereichen der Zentrale, in denen Sie gern nach Ihrer Rückkehr arbeiten wollen, zu pflegen bzw. zu aktivieren. Informieren Sie diese Stellen und Personen über Ihre derzeitigen Erfolge im Ausland, über Ihre Pläne und Präferenzen, besuchen Sie regelmäßig das Head-Office etc. Getreu dem Motto: "Tue Gutes und sprich darüber!"
Wichtig ist außerdem, daß Sie schon Monate vor Ablauf der Entsendung selbst aktiv werden und nicht darauf warten, daß man Ihnen etwas passendes anbietet. Falls man Ihnen keine interessanten Alternativen in der Heimat bieten kann, können Sie sich dann rechtzeitig am externen Arbeitsmarkt orientieren. Genau auf diesen Bedarf übrigens ist unser Auslands-Bewerber-Service zugeschnitten. Hier sind wir für rückkehrwillige Manager der "Brückenkopf" in der Heimat, um ihre Re-Integration in den heimatlichen Arbeitsmarkt zu unterstützen. Eine Investition, die sich gerade für langjährige Expatriates immer wieder rechnet. Zunehmend übernehmen auch Arbeitgeber die Kosten dieser Beratung, wenn sie dem "Rückkehrer" keine Alternative bieten können. Fragen Sie Ihre Personalabteilung danach

FRAGE: Ich bin 45 Jahre alt und seit nunmehr 22 Jahren ununterbrochen in verschiedenen Laendern im Ausland taetig, momentan im Nahen Osten. Ende des Jahres soll ich nun nach Deutschland zurueck versetzt werden, was mich sehr verunsichert, ist mir das Land doch sehr fremd geworden, mittlerweile sogar die deutsche Sprache. Mein Arbeitgeber versprach mir zwar vorher einen leitenden Posten, davon ist nun keine Rede mehr. Ich werde nach meiner Rueckkehr nicht befoerdert und werde wohl recht langweilige Taetigkeiten ausueben muessen. Das alles bereitet mir natuerlich ziemliche Kopfschmerzen und schlaflose Naechte. So stelle ich mir natuerlich die Frage, ob ich kuendigen solle und entweder einen anderen Arbeitgeber suche oder mich im Ausland selbstaendig machen soll. Meine Frage an Sie als Experten ist nun, ob man nach so langer Zeit im Ausland ueberhaupt in Deutschland wieder integrierbar ist. Dinge wie Dosenpfand oder Muelltrennung erscheinen mir wie unueberwindbare Hindernisse, ich verstehe solche Entwicklungen einfach nicht. Auch habe ich ueberhaupt keinen Bekannten- und Freundeskreis mehr in Deutschland.

VON BONIN: Sie sind für mich der typische Kandidat, wie wir ihm regelmäßig in unserem Auslands-Bewerber-Service begegnen. All das, was Sie erlebt haben, ist symptomatisch für expatriates, die nach zu langer Zeit die Rückkehr in die Heimat suchen. In Ihrem Fall sehe ich - um offen zu sein - wenig Chancen, daß Sie in Deutschland erneut mit Erfolg beruflich Fuß fassen können. Zu fremd sind Arbeitsbedingungen, Marktgegebenheiten und Mentalität von Ihren Erfahrungen Ihrer letzten Jahre entfernt. Vielleicht können Sie aber diese Kenntnisse nutzen, indem Sie sie Unternehmen anbieten, die in den Märkten expandieren, wachsen wollen, die Sie perfekt kennen. Bieten Sie Ihre marktspezifischen, kulturellen oder gar politischen Kenntnisse und Netzwerke an. In Rahmen der Globalisierung könnten Sie ein wertvoller Katalysator zwischen den Märkten und Ländern sein!
Dieser Artikel ist erschienen am 03.02.2004