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Reiche Inder machen Bill Gates Konkurrenz

Von Oliver Müller
Warren Buffett steigt zum reichsten Mann der Welt auf. Mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway schafft er es in der neuesten Liste des US-Magazins Forbes mit 62 Milliarden Dollar auf Platz eins. Ihm folgen der Mexikaner Carlos Helu Slim (60) und dann erst Bill Gates (58). Zwei Inder gehören zu den Überschungen des Rankings.
Mukesh (links) und Anil Ambani gehen erfolgreich getrennte Wege. Foto: dpa
NEU-DELHI. 13 Jahre führte Bill Gates die Liste der Superreichen an. Nun wurde er von Warren Buffett verdrängt. Als vermögendste Frau der Welt kommt Liliane Bettencourt, Erbin des L?Oreal-Imperiums, auf Platz 17.Zu den Überraschungen gehören die zwei Inder, Mukesh und Anil Ambani, die es auf Platz fünf und sechs der Liste schaffen. Seit einem bitteren Erbstreit im Jahr 2005, als das Imperium ihres gestorbenen Vaters aufgespalten wurde, sind die grundverschiedenen Brüder zwar zerstritten. Doch sie eint der Willen, Indiens Gründerzeit-Stimmung zum Aufbau von Imperien zu nutzen.

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Der 50-jährige Mukesh Ambani investiert mit seiner Gruppe Reliance Industries, die ihr Geld mit Petrochemie verdient hat, derzeit Milliarden in den Einzelhandel und Infrastruktur. Sie soll, so Ambani, ?die Rolle eines Katalysators spielen, der den Indern zeigt: ,Schaut her, wir können Großes schaffen.??
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Mukesh Ambanis Konzern, an dem er die Hälfte der Anteile hält, hat die Marktkapitalisierung im vergangenen Jahr auf 106 Milliarden Dollar verdoppelt. Der Umsatz stieg von 27 auf 34 Milliarden Dollar.Den anschwellenden Reichtum des Großindustriellen kontert Bruder Anil mit einem Dienstleistungs-Imperium. Dem 48-Jährigen gehören ein Finanzhaus sowie der zweitgrößte Mobilfunkkonzern und Energieversorger Indiens. Außerdem kauft er sich fleißig in die Medienbranche ein. Die Marktkapitalisierung seiner Firmen hat sich im Vorjahr ebenfalls verdoppelt.?Anil ist vom blinden Ehrgeiz getrieben, den Reichtum seines Bruders zu übertreffen?, sagt ein westlicher Manager, der mit beiden Geschäfte macht. Beide Brüder seien ?mit allen Wassern gewaschen?. Aber Mukesh sei verlässlicher.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die beiden Brüder könnten unterschiedlicher nicht seinTatsächlich könnten die Ambanis kaum unterschiedlicher sein: Der stets in klassische Anzüge gekleidete Mukesh ist eher scheu und konservativ. Als liebste Freizeitbeschäftigung gibt er an, seinen zwei Kindern bei den Mathehausaufgaben zu helfen.Anil spielt die Rolle des extrovertierten Rebellen. Er liebt das Rampenlicht, hat eine Vorliebe für schicke Autos und tritt meist hemdsärmlig vor die Kameras. Anders als sein fülliger Bruder ist der Vegetarier ein Fitness-Fanatiker, der in der Morgendämmerung durch Bombays Straßen joggt.Doch beim Versuch, seinen älteren Bruder möglichst schnell zu überrunden, hat sich Anil im Januar massiv verkalkuliert: Der drei Milliarden Dollar schwere Börsengang seiner Kraftwerkssparte Reliance Power war nach Analysten-Meinung heillos überbewertet. Die Aktie stürzte nach der Erstnotiz um fast die Hälfte ab, Kleinanleger fühlten sich betrogen. ?Das hat sein Image schwer beschädigt?, urteilt Udayan Mukherjee, Börsenexperte des Fernsehsender TV 18.Auch sein Bruder Mukesh sorgt im bitterarmen Indien für Aufregung: Für eine Milliarde Dollar baut er ein neues Haus in Bombay mit 27 Stockwerken für seine Familie und ihren umfangreichen Stab von 600 Hausangestellten.In den Firmenimperien der beiden ungleichen Brüder ist eben alles überdimensioniert: Ehrgeiz, Erfolge und Egos.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.03.2008