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Reiche Ernte

Für Geld, das erst in zehn oder mehr Jahren gebraucht wird, werfen Langfristanlagen die höchsten Zinsen ab. Hier kannŽs gerne auch ein bisschen risikoreicher zugehen.
Aktien, Anleihen, Versicherungen, Riester, Rürup & Co. ? beim Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren aufwärts kommen sie endlich zum Zuge. Für die Altersvorsorge sollte langfristig und auch ein bisschen risikoreicher angelegt werden. Dann fällt die Rendite entsprechend höher aus und kurbelt den benötigten Zinseszinseffekt an ? ausgeschüttete Zinsen, Dividenden und Gewinne deshalb immer wieder anlegen und nicht verjubeln. Die Gefahr, Zinsen oder sogar Kapital durch eine risikoreicheres Portfolio einzubüßen, bekommen Anleger durch eine bunte, gegenläufig reagierende Produktpalette in den Griff. ?Breit streuen? heißt das Zauberwort. Ebenso wichtig: ?Keep it simple!? Einkaufen sollte man nur Finanzprodukte, die man versteht und für die man sich die entsprechende Zeit nehmen kann.Bundeswertpapiere

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Richtschnur für alle Entscheidungen unter Renditegesichtspunkten sind Wertpapiere wie Bundesschatzbriefe, -anleihen und -obligationen, Pfandbriefe, Weltbank- oder Investitionsbankanleihen (Infos z.B. unter www.bwvonline.de). Diese ?Kredite? an die Bundesrepublik und andere öffentliche Institutionen gelten als sehr sicher. Jede andere ? unsicherere ? Anlage sollte proportional zum Risiko mehr Zinsen abwerfen, sonst lohnt es mögliche schlaflose Nächte nicht. Sinnvollerweise staffelt man bei den Papieren mehrere Laufzeiten und lädt bei Fälligkeit immer nach. Wer mit steigenden Zinsen rechnet, sollte kurz laufende Papiere wählen ? und umgekehrt. Unternehmensanleihen?Kreditpapiere? an Unternehmen werden in der Regel über die Börse gehandelt und verzinsen sich wegen des höheren Ausfallrisikos besser als öffentliche Anleihen. Zurzeit fallen die Zinsdifferenzen aber nicht sehr groß aus, Finanzexperten sehen bei vielen ? auch namhaften ? Unternehmen zu niedrige Risikoprämien. Wer sicher gehen will, sollte sich an einem sehr guten Unternehmensrating orientieren (z.B. von www.morningstar.de, www.fidelity.de)Börsengehandelte WerteAktien, Anleihen, Zertifikate & Co, die für die Altersvorsorge gedacht sind, sollten zehn Jahre und länger im Depot liegen können, um langsam im Wert zu wachsen.Natürlich kann man mit schnellen Tradings auch gute Geschäfte machen ? manch einer ist im Börsenboom Ende der Neunziger über Nacht damit reich geworden ? aber dieses Zocken sollte man nicht mit der Rentensparrate, sondern mit überzähligem Geld machen.Bei der Auswahl der Werte muss sich ein Anleger fragen: Welchen Ländern, Märkten, Branchen, Unternehmen traue ich in verschiedenen Zeithorizonten das meiste zu? Aussichtsreiche Kandidaten werden dann so gemischt, dass ruhig ein Markt schwächeln kann, weil ein anderer das ausgleichen wird. Beispiel: Telekommunikationsfonds China plus ein weltweiter Blue Chip-Fonds und ein Europa-Rentenfonds.Mies gelaufene Wertpapiere werden dann verkaufen, wenn die Perspektive fehlt. Entscheidende Frage: Würde ich nach heutigen Gesichtspunkten einen Euro in diesen Wert investieren? Das Aussitzen von Verlusten nutzt wenig, denn in der Zwischenzeit hätte das freigewordene Kapital neue Gewinne erzielen können. EinzelaktienEinzelne Unternehmenswerte sind für kleine Vermögen kein Thema. Für eine sinnvolle Streuung müsste man gut drei Dutzend unterschiedliche Aktien im Depot haben. Dieses aufwändige Handling und Beobachten macht erst ab einem Volumen von 100.000 Euro wirklich Sinn.FondsKleinanleger sind mit Fonds besser als mit Einzelwerten bedient, da die auflegenden Gesellschaften im Idealfall für die gewinnträchtigste Mischung sorgen. Mittlerweile ist fast jeder Fonds auch bei kleinen Monatsraten sparplanfähig. Der Vorteil: Durch den Cost-Average-Effekt ? bei niedrigen Kursen erhält man fürs gleiche Geld viele Anteile, bei hohen Kursen weniger ? sinkt der Durchschnittspreis für einen Fondsanteil.Einmal im Jahr sollte ein Anleger prüfen, ob sein Produkt noch zu den zehn besten gehört und im Zweifelsfall umschichten oder den Sparplan umlenken (Ratings unter www.morningstar.de, www.fidelity.de).Auch bei den Fonds ist Risikostreuung angesagt ? und zwar abhängig vom persönlichen Risikoprofil und dem Anlagehorizont.Grundsätzlich kann bei einer langen Laufzeit, sprich: junger Anleger, der Anteil Aktienfonds höher ausfallen als der Rentenfondsanteil.Mit zunehmendem Alter sollte der Sparer dann zugunsten der weniger schwankungsanfälligen Anleihen umschichten. Rentenfonds sind auch schon für Laufzeiten ab fünf Jahren geeignet.Im Zehn-Jahres-Vergleich waren Aktienfonds mit deutlich über zehn Prozent die rentabelste Sparform, Rentenfonds lagen um acht Prozent. Im Fünfjahresvergleich haben die Renten wegen der zurückliegenden Börsenschwäche aber wieder die Nase vorn.Ein risikoscheuer Anleger würde sein Depot mit jeweils 20 Prozent Aktien-, Renten-, offenen Immobilien- und Geldmarktfonds bestücken sowie 20 Prozent alternativen Investments wie Hedgefonds oder Zertifikaten.Ein offensiver Anleger würde den Anteil an Aktien und alternativen Investments auf bis zu insgesamt 60 Prozent rauffahren. Wer mit kleinem Budget anfängt und nicht wirklich breit in diverse Fonds streuen kann, fährt mit einem führenden weltweit anlegenden Blue-Chip-Fonds erstmal nicht schlecht.Oder er entscheidet sich für einen so genannten Mischfonds, in dem Aktien und Renten in unterschiedlichen Risikoausprägungen vorgemischt sind.Wer ? wegen der teilweise dürftigen Ergebnisse der vergangenen Jahre nicht ganz unbegründet ? einem Fondsmanager nicht zutraut, gut zu wirtschaften, greift am Besten zu Indexfonds, die nicht von Bankern zusammengerührt werden, sondern einen festen Index wie den Dax nachbilden. Zertifikate Bei den mittlerweile sehr erfolgreichen kleinen Schwestern der Fonds erwirbt ein Anleger keinen Anteil an einem Wertpapierfonds, sondern eine Inhaberschuldverschreibung eines Bankhauses, das einen Wertpapiertopf nachbildet. Bei einem Indexzertifikat auf den Dax beispielsweise wird die Dax-Zusammensetzung imitiert. Zertifikate sind auf der Gebührenseite meist billiger als Fonds, weil Manager und Research fehlen.Die Ausgestaltung der Zertifikate reicht von sehr simpel und sicher ? Indexzertifikate ? bis zu diffizileren und risikoreicheren Varianten wie Garantie-, Discount- oder Sprintzertifikate.Für die Altersvorsorge sollte man sich an die sicheren Produkte halten und die übrigen nur mit überzähligem Geld ausprobieren. Bei Indexzertifikaten sollte man darauf achten, dass sie endlos laufen und nach Möglichkeit als Performancezertifikat bei der Wertermittlung die Dividenden der zugrundeliegenden Aktien mit einrechnen. Infos: www.zertifikateweb.de, www.wallstreet-online.de, http://zertifikate.onvista.deKapitallebensversicherungen Das einstige Lieblingsprodukt der Deutschen ist als Altersvorsorgeprodukt out. Wegen der Steuereränderungen zum 1.1.2005, wegen der zurzeit sehr dürftigen Renditen (Garantieverzinsung 2,75 Prozent), der Unflexibilität, der hohen Abschlusskosten,? Rentenpolicen Bei einer Rentenversicherung spart man sich das Recht an, im Alter lebenslang eine monatliche Summe ausgezahlt zu bekommen, um die gesetzliche Rente aufzumöbeln. Beiträge für diese Form der Altersvorsorge sind begrenzt steuerfrei, während die Rente später versteuert werden muss (siehe karriere Moneystyle 11/2004). Je nach Güte der Versicherungsgesellschaft geht diese Anlageform zurzeit als recht sicher durch, ob das in 30 Jahren noch so sein wird, ist trotz Protector-Auffanggesellschaften ungewiss.Nachteile der Policen: Stirbt man früh, so ist das eingezahlte Kapital futsch. Das Produkt ist unflexibel, wirkt nicht kapitalbildend und es ist mit hohen Gebühren verbunden. 12-20 Prozent der eingezahlten Kapitals. Der Zins (2,75 Prozent garantiert auf angelegtes Kapital) sinkt dadurch auf unter zwei Prozent auf das eingesetzte Kapital.Riester-ProdukteLanglaufende Sparpläne, Fonds und Renten-Versicherungen, die bestimmten Sicherheitsvorschriften unterliegen. Der Vorteil: Staatliche Förderung und begrenzte Steuerfreiheit. Die Nachteile: Sehr unflexibel. Produkt läuft bis Alter 65 und kann zu einem großen Teil nur als Rente gezahlt werden. Nicht vererbbar. Positiv seit 2005: Vereinfachte Anträge, ein kleines Kapitalwahlrecht (30 Prozent). Je mehr Kinder und je weniger Einkommen, desto lohnender.Rürup-ProdukteLeibrenten, die seit dem 1.1.2005 auf dem Markt sind und sehr strikten Regeln unterliegen, dafür aber steuerlich gefördert werden. Bislang ist die Auswahl begrenzt, so dass in Sachen Rendite noch keine Infos vorliegen. Aber: Die Nachteile werden wohl kaum aufzuwiegen sein. Die Produkte dürfen nicht vererbt werden, sind nicht künd- und beleihbar und eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich. Ergo bindet man sich lebenslang an eine Rente und an einen einzigen Anbieter.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2005