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Reich werden mit Ebay

Ulrike Heitze
Designeruhren, Laptops, Konzertkarten, angebissene Toastbrote - bei Ebay lässt sich alles zu Geld machen. Junge Karriere zeigt, wie Sie Ihr Hobby erfolgreich zum Beruf machen - als Feierabendversteigerer, Powerseller oder Verkaufsagent.
Ebay in Zahlen
Ebay schlägt alles


E-shopping-Marktführer in Europa:
Anzahl Besucher (in Millionen)
Ebay 22,5
Amazon 11,7
Kelkoo 5,4
Expedia 2,5
Otto 2,2

angeklickte Seiten pro Besucher:
Ebay 22,5 209
Amazon 11,7 28
Kelkoo 5,4 9
Expedia 2,5 10
Otto 2,2 22

Die besten Jobs von allen
2

Quelle: Nielsen Netratings, 9/2003
Land der Dealer

Ebay-Nutzer in Deutschland (in Mill.)
3. Quartal 2000 1,1
3. Quartal 2001 2,7
3. Quartal 2002 6,4
3. Quartal 2003 11,4
Quelle: Ebay

Fix unter dem Hammer

Alle ... wird bei Ebay ... verkauft

... 13 Sekunden ... ein Roman
... 30 Sekunden ... ein Handy
... 2 Minuten ... ein Laptop
... 3 Minuten ... ein Auto
... 4 Minuten ... ein Fahrrad
... 6 Minuten ... ein Gartenzwerg
... 15 Minuten ... eine Espressomaschine
... 7 Tage ... ein Bagger

Angaben für Deutschland
Quelle: Ebay, 2003
Unternehmen entdecken Auktionen
Die wachstumsstärksten Ebay-Kategorien

Anstieg des Handelsvolumens*:

Business & Industrie - 260 %
Heim & Garten - 215 %
Auto & Motorrad - 192 %
Sport - 84 %
Bekleidung & Accessoires - 152 %
Foto und Elektronik - 132 %
Unterhaltungselektronik - 104 %
Bücher, Filme, Musik - 96 %
Spielzeug - 79 %
Computer - 69 %

* =Wert der in Deutschland gehandelten Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahresquartal (2. Qu. 2002 - 2. Qu. 2003) Quelle: Ebay
Über die Fünf-Prozent-Hürde
Anteil der Ebayer im WWW

655 Millionen Internet-Nutzer weltweit
davon
75 Millionen registrierte Ebay-Nutzer (11 % aller Internet-Nutzer)
davon
34 Millionen aktive Ebay-Nutzer (5 % aller Internet-Nutzer)

Quelle: Ebay
Stand: 9/2003
Profiteure im Hintergrund
Womit Ebay sein Geld macht*

45 % Einstellungsgebühren
35 % Verkaufsprovision
20 % Gebühren für Zahlungsabwicklung

*Einnahmen aus der normalen Geschäftstätigkeit; = 97,6 % der Gesamteinnahmen; weltweit)
Quelle: Ebay
Stand: 9/2003
Der Konzern in Zahlen
Ebay weltweit

Registrierte Nutzer* 85,5 Mill. $
Aktive Nutzer* 37,4 Mill. $
Handelsvolumen (1.-3.Qu. 2003) 16.720 Mill. $ (2002: 14.870)
Umsatz (1.-3.Qu. 2003) 1.500 Mill. $ (2002: 1.210)
Operativer Gewinn 426 Mill. $ (2002: 354)
Netto-Gewinn 299 Mill. $ (2002: 250)


* Stand 10/2003
Quelle: Ebay
Ein Ballkleid krempelte Diana Grimmes Leben um. Schwarz, gebraucht, Konfektionsgröße 50. "Vorher hatte ich es schon mit Ölbildern und alten Nähmaschinen vom Flohmarkt versucht. Die wollte aber keiner haben," erzählt die 32-Jährige. "Nach meiner Abendkleid-Auktion bekam ich dagegen so viele Anfragen, ob ich noch mehr in der Größe vorrätig hätte, dass ich ganz schnell für Nachschub gesorgt habe." Das war Ende 2001, das Kleid brachte rund 80 DM ein. Ebay macht's möglich.

Ein halbes Jahr später kündigte Diana Grimme ihren Marketing-Job bei Tchibo und gründete Lara's Dreamland. Seitdem kauft sie hauptberuflich Abendmode und Brautkleider ein, lässt selber Modelle fertigen, fotografiert ihre Ware, textet Modellbeschreibungen für die Ebay-Auktionen, checkt Geldeingänge, beantwortet Kundenanfragen und packt Pakete. Aus anfänglich 40.000 sind 400.000 Euro Umsatz im Jahr geworden. Unterm Strich bleiben im Schnitt zwischen 3.000 und 5.000 Euro pro Monat, in der Weihnachts- und Sylvestersaison auch mal 10.000. Ein Leben als Ebay-Powersellerin.

Rund 10.000 Menschen leben hierzulande mittlerweile wie Diana Grimme hauptberuflich von und mit Ebay. In zwei, drei Jahren, schätzt das Auktionshaus, werden es dreimal so viel sein. Infizierte gibt es genug: Über 11 Millionen registrierte Nutzer zählte Ebay Deutschland im 3. Quartal 2003. Rein rechnerisch besucht die Hälfte aller Internetnutzer innerhalb eines Monats den Ebay-Marktplatz.

Fast über Nacht eroberte das US-Auktionshauses den deutschen Internet-Markt. 1999 übernahmen die Amerikaner www.alando.de, nannten die Plattform fortan Ebay und avancierten binnen drei Jahren zum größten Händler im deutschen Web. Heute zählt Ebay laut einer aktuellen Studie der Werbeagentur Young & Rubicam zu den populärsten Marken überhaupt. Die Konkurrenz ist längst abgehängt. Nebenbuhler Ricardo stellte im November den Betrieb ein, andere begnügen sich mit Marktnischen, wie Online-Händler Amazon, der sich erfolgreich im Buch- und CD-Bereich schlägt, oder Autoscout, die den Automobilmarkt dominiert. Aller Anfang ist easy

Jeder kennt mittlerweile jemanden, der auf Ebay handelt, jeder weiß eine Geschichte zu erzählen. Und nicht wenige Nutzer spielen beim feierabendlichen Ersteigern von Babyklamotten oder beim Versteigern ihrer Comicsammlung mit dem Gedanken, das Hobby zum Beruf zu machen und von der grassierenden Ebay-Mania zu profitieren. Am heimatlichen Wohnzimmertisch - mit dem Krempel, den der Speicher so hergibt, einem internettauglichen Computer und der Digitalkamera, die sonst die Urlaubsfotos schießt - begannen viele der heute professionellen Vielverkäufer, die so genannten Powerseller, ihre Ebay-Karriere.

Wie Timo Büchsenmann: "Anfangs habe ich den Ebay-Handel neben meinem normalen Beruf gemacht. Morgens um 5 Uhr raus, bis 15 Uhr gearbeitet, dann bis Mitternacht Ebay-Pakete gepackt." Das Geschäft florierte, die Zeit zum Durchatmen wurde immer knapper, der Erfolg drohte ihm über den Kopf zu wachsen

Anderthalb Jahre hat er das durchgehalten, dann den Job in der Fahrzeugendkontrolle bei Kässbohrer nach langem Überlegen doch an den Nagel gehängt und "es noch keine Sekunde bereut."
Heute, nach einem Jahr hauptberuflicher Selbstständigkeit, verkauft der 31-jährige Schwabe über seinen Ebay-Shop Computer und Zubehör im Wert von 1,5 bis zwei Millionen Euro, verdient zwischen 3.000 und 5.000 Euro pro Monat - und arbeitet hart dafür. Ein 14- bis 16-Stunden-Tag ist die Regel, im Weihnachtsgeschäft wird es noch länger. "Als hauptberuflicher Ebayer führt man ein härteres Leben als als Nebenberufler. Man muss plötzlich von den Einkünften leben," erklärt der Familienvater.

Mal eben aus dem Stand mit Ebay erfolgreich zu werden, klappt deshalb selten. Spektakuläre Auktionen wie das Damen-Six-Pack, das sich samt einer Kiste Bier im November als Partymitbringsel für 25.000 Euro versteigerte und zum Medien-Event wurde, sind Eintagsfliegen. Trittbrettfahrer wie die Party-Granaten wurden beispielsweise von Ebay gleich wieder vom Markt verbannt. University, Volkshochschule und Co.

Wer dauerhaft seine Brötchen mit Ebay verdienen will, muss sich den gleichen rauen Sitten von Angebot und Nachfrage wie im Offline-Handel stellen - bei noch größerer Preistransparenz. Plus dem Hindernis, dass Verkäufer-Charme online keine Kunden bringt, allerhöchstens für die im Ebay-Geschäft so wichtigen guten Noten als Verkäufer sorgt.

Das Know-how für Einsteiger verabreicht Ebay allen Interessierten in seinen Ebay-Universities: Wochenendcrashkurse in diversen Großstädten, gehalten von erfolgreichen Ebayern. Die Themen: Wie kalkuliert man Preise, wie optimiert man die Produktbeschreibungen, welche Software-Tools helfen bei der Auktion und der anschließenden Abwicklung, wie tut man Quellen für Ware auf? Ab Januar will Ebay auf noch breiterer Front für Nachwuchs sorgen: Steigern und Versteigern als Volkshochschulkurs überall im Lande

Damit führt Ebay "seinen" Verkäufern zwar kontinuierlich neue Kundschaft zu - schafft gleichzeitig aber auch noch mehr Konkurrenten im ohnehin schon hart umkämpften Markt.

Ohne entsprechende Professionalität ist man dann schnell weg vom Fenster, weiß Vorzeige-Ebayer Niclas Walser. "Am wichtigsten sind Produktkenntnisse. Wenn ich keine Ahnung habe, von dem was ich verkaufe, wie will ich da beim Einkauf die Qualität und den Preis beurteilen? Man sollte sich von dem inspirieren lassen, was man gerne macht und kann" so seine Empfehlung. Höchstens, wer sich auf Geschirrspülmittel spezialisiert, wird ohne Marktkenntnisse auskommen. Der 25-jährige Großverdiener und Chef des gleichnamigen Unternehmens verkauft seit 1999 Fotoartikel über die Auktionsplattform, beschäftigt mittlerweile 30 Mitarbeiter, verschickt täglich rund 500 Pakete und leistet sich eines der modernsten Warenwirtschaftssysteme der Branche - im eigenen Büro- und Lagerhallenkomplex. Mit Blick auf seine eigenen Schwierigkeiten, das enorme Wachstum seines Ladens nachträglich in den Griff zu bekommen, rät er Nachwuchs-Ebayern: "Lieber langsam und solide anfangen und gleich Strukturen wählen, die Platz lassen, sonst wächst einem das Geschäft über den Kopf". Auf einem Bein steht man schlecht

Dass man trotz aller Professionalität schneller auf den Trockenen sitzt, als einem lieb ist, mussten viele Ebay-Verkäufer im vergangenen Sommer erleben. Die üblichen jahreszeitbedingten Einbrüche fielen wegen der Hitze in vielen Bereichen stärker und länger aus als in den Vorjahren. "Im September war uns schon sehr mulmig," erinnert sich Mode-Händlerin Diana Grimme. "Das Lager war voll, die Ware bezahlt. Und keiner wollte bei der Wärme Abendgarderobe haben. - Da fängt man langsam an, um Regen zu beten."

Um sich von solchen Abhängigkeiten zu emanzipieren, legen sich viele professionelle Ebayer ein zweites Standbein zu, sei es in Form eines anderen Produktes oder - um der sehr umstrittenen Monopolstellung von Ebay zu entgehen - einen eigenen Laden oder separaten Webshop, wenngleich der bei weitem nicht so viel Resonanz hervorruft wie ein Shop auf der Ebay-Plattform

Während die Sommermonate vielen Ebayern eine ungewöhnlich lange Durststrecke verpasste, konnte sich Matthias Matthes freuen: Endlich konnte der Chemie-Student die Ladung Bikinis, die er seit dem Winter nicht losgeworden war, an die Frau bringen - und damit die Flaute bei seiner Haupthandelsware "Gameboys" überbrücken. Mit denen finanziert der 26-Jährige sein Studium und macht sich die Flexibilität des Ebay-Handels zu Nutze: "Je nach Zeit und Geldbedarf kann ich mal mehr, mal weniger Ware ins Netz stellen."

Seinen Arbeits- und Zeitaufwand hält der Student durch den Einsatz von diversen "Nach-der-Auktion"-Softwaretools in Grenzen: Antwortmails, Geldeingangcheck, Paketaufkleber - alles standardisiert und automatisiert. Bei wenig beratungsintensiven und stets baugleichen Produkten wie dem Gameboy eine gut funktionierende Arbeitserleichterung. "Meine Mails checke ich in den Uni-Pausen und packe die Päckchen am Wochenende vor. Mehr als eine Stunde pro Tag, muss ich zurzeit nicht investieren." Und kann doch 150 bis 200 Artikel im Monat abwickeln. Neue Jobs entstehen

Softwaretools, wie Baywotch, Afterbuy oder Business Shop, die Ebayern das Leben vor und nach einer Auktion erleichtern, stehen hoch im Kurs - und bieten Programmieren möglicherweise neue Einkommensquellen. Ebay selber vermittelt seit kurzem in einem speziellen - kostenpflichtigen - Developer-Programm Programmierer an Auftraggeber. Branchenexperten erwarten davon zwar keine großen Beschäftigungseffekte, weil solch eine Tool-Entwicklung für einen einzelnen Programmierer zu zeitaufwändig und deshalb unprofitabel sei. Dennoch sieht Ebay hier Potenziale für Programmierer, die ihren bisherigen Kunden die Entwicklung Ebay-kompatibler Erweiterungen anbieten können. Mehr als 100 Interessenten sollen sich schon angemeldet haben.

Eindeutig voll im Trend liegen die sogenannten Verkaufsagenten, die es gleich in verschiedenen Varianten gibt. Zum einen bieten erfahrene Powerseller Herstellern und Händlern an, ihre (zweite Wahl-) Ware, Produktionsüberhänge oder Auslaufmodelle gegen Provision über Ebay zu verkaufen - idealerweise per Exklusivvertrag. Vorteile für die Unternehmen: Ihr Name bleibt verschont von Dumping-Preisvorwürfen und Kritik durch ihre Einzelhändler. Gleichzeitig werden sie ihre überschüssige Ware mit minimalem Aufwand los.

Der Markt für Verkaufsagenten ist gigantisch, denn kaum ein Mittelständler macht sich bisher die Mühe, selbst zu handeln. Ebay selbst bietet seit kurzem auf seinen Seiten eine Verkaufsagentenvermittlung an. Erfolgreiche Powerseller wie Marion von Kuczkowski raten aber allen Verkaufsagenten in spe, sich selbst auf die Suche nach einem Unternehmen zu machen, dessen Waren einem passen: "Die guten Produkte gehen auf diese Weise unter der Hand weg. Übrig bleiben die Ladenhüter auf der Ebay-Plattform.

Große Jobpotenziale erwartet Kuczkowski für erfahrene Verkaufsagenten, die als Springer von Powerseller zu Powerseller hoppen und dort Personalengpässe überbrücken helfen.

Sie bringen, wir verkaufen

Eine andere, brandneue Variante der Verkaufsagenten verdient an der Tatsache, dass zwar viele Leute Trödel rumstehen haben, ihn aber niemals selbst über Ebay verkaufen würden, weil sie keinen Computer, keine Zeit oder keine Ahnung haben. Seit Herbst treten hier Dropshop (München), CleverEasy (Hannover und Braunschweig), Best End (Berlin) und die Verkaufsagenten Eppendorf (Hamburg) auf den Plan und übernehmen gegen Provision das professionelle Versteigern für ihre Laufkundschaft. Alle vier Betreiber haben einen riesigen Markt für ihre Dienste ausgemacht und berichten von reger Nachfrage. Für den Nachweis, dass diese "Sie bringen, wir verkaufen"-Läden wirtschaftlich erfolgreich sein können, ist es allerdings noch zu früh. Das amerikanische Vorbild auctiondrop arbeitet angeblich aber bereits profitabel

In Sachen Job-Maschine Ebay sind der Phantasie findiger Dienstleister indess keine Grenzen gesetzt. Nahezu alle Services, die einem Vielverkäufer Arbeit bereiten, ließen sich anbieten: Vom professionellen Päckchenpackservice, über spezialisierte Steuer- oder Gründungsberater, Anwälte, Bilderscandienste und E-Mailabwickler - bei allen Diensten entscheidet letztlich die Menge über die Wirtschaftlichkeit. Die Konkurrenz schläft nicht

Wer allerdings reich werden will mit Ebay, muss sich Strategien überlegen, wie er mit der knüppelharten Konkurrenz umgehen will. Der härteste Brocken für professionelle Ebay-Händler sind die vielen Schwarzhändler und Hehler. Zum Beispiel Zig-tausende von Feierabendversteigerern, die längst wissentlich oder unwissentlich die Grenze zum Eigenbedarfshandel hinter sich gelassen haben, aber weiter als Privatleute agieren. Sie haben kein Gewerbe angemeldet, ersparen sich so Umsatzsteuer- und möglicherweise Gewerbesteuer, versteuern natürlich auch nicht die Einnahmen aus ihren Verkäufen und räumen ihren Kunden keine gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung ein.

Gegen Marktteilnehmer, die ihre Preise ohne solche Kosten kalkulieren, haben es korrekt arbeitende Händler schwer. Mittlerweile haben sich die Finanzbehörden dieses Problems angenommen - werden hier doch Millionen von Steuern hinterzogen. Eigens abgestellte Internetfahnder machen hauptsächlich Jagd auf Powerseller, die den Nebenjob nicht angemeldet haben oder mit einem Ladengeschäft Verluste produzieren, und die Ebay-Gewinne nicht gegenrechnen. Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist aber noch gering, muss Martin Fliedner, Pressereferent der Oberfinanzdirektion Düsseldorf, einräumen. "Zurzeit kriegen wir nur die Spitze vom Eisberg. Bei den Mengen an täglichen Bewegungen auf der Ebay-Plattform stoßen wir ruckzuck an Kapazitätsgrenzen.

Ärgernis Nummer 2 für Profihändler sind die Kopierer. Es wird geklaut, was das Zeug hält: Produkte, Lieferanten, Bilder, Texte, ganze Websites. "Wenn ich irgendeine Innovation ausgegraben habe oder selbst produzieren lasse, dauert es keine drei Wochen, bis die irgendjemand kopiert oder meine Quelle angezapft hat," berichtet Computer-Powerseller Büchsenmann säuerlich. Diana Grimme geht es mit ihrer Abendmode kaum besser: "Schnitte werden abgekupfert, meine Kundinnen per Mail abgeworben, Texte geklaut. Aber ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern. Ich versuche mir konsequent über Qualität und Kundenservice einen Namen zu machen, nicht nur über den Preis." Erst als ein Konkurrent ihren kompletten Webauftritt inklusive Farben, Schriften und Produkten kopierte und Cara's Dreamland daraus machte, platzte ihr der Kragen. Ebay löschte schließlich den Anbieter aus dem Angebot

Argwöhnisch betrachten die Powerseller auch das zunehmende Treiben von Herstellern auf "ihrem" Marktplatz. Quelle, Sony, Fujitsu, IBM und Hewlett-Packard, sie sind mittlerweile mit eigenen Shops bei Ebay vertreten und verscherbeln dort via Auktion und Sofort Kauf ihre Restposten, Überhänge oder auch schon mal aktuelle Kollektionen. Wer also bislang billig an Quelle-Produkte herankam, schaut jetzt blöd aus der Wäsche. Sein ehemaliger Lieferant möchte binnen Jahresfrist selbst größter Powerseller werden. Und geht es nach Ebay, sind diese Hersteller erst der Anfang.

Mit cleveren Strategien überleben

All diese Entwicklungen führen nicht dazu, Geld verdienen mit Ebay einfacher zu machen. Der Preiskampf hat in den vergangenen Jahren immens zugelegt. Besonders im Computer-, Foto- und Elektronikbereich, bei Designerbekleidung und im Musik-/DVD-Geschäft wählen die Käufer fast ausschließlich nach dem Preis aus. "Hatte ich im vergangenen Jahr nur fünf Konkurrenten in meinem Bereich, sind es jetzt 150", berichtet Timo Büchsenmann. "Ich überlebe, indem ich den Zwischenhandel ausschalte und direkt aus Fernost importiere und dort fertigen lasse. Nur dann liegen die Margen noch höher als die durchschnittlich 30 bis 40 Prozent." Der Foto-Walser-Chef bestätigt: "Früher konnte ein Produkt zehn Prozent billiger sein, heute müssen es 60 bis 70 Prozent sein, damit der Verkauf funktioniert. Die Kunden machen mit ihren Preisvorstellungen langsam den Markt kaputt.

Eine Entwicklung, der viele Powerseller nicht mehr tatenlos zusehen wollen. Diverse Interessengruppen haben sich in den letzten Monaten gegründet. Auch Matthias Matthes und seine Freundin Maja Mücke wollen mit ihrer International eBusiness Association zusammen mit 160 Mitstreitern die Wettbewerbsbedingungen für Powerseller verbessern: zum Beispiel über Einkaufsgenossenschaften bessere Preise erzielen, Aufklärungsarbeit in Sachen Schwarzhandel leisten und für mehr Fairness untereinander werben.

"Wenn man als Kunde zehn bis 15 Prozent auf Ebay sparen könnte, wäre das doch auch okay. Immer 80 Prozent billiger sein zu müssen, kann doch auf Dauer nicht gesund für einen Markt sein," findet die 32-Jährige, die auf Ebay mit Designerbekleidung für Kindern handelt. - Eine Ansicht, die Hard-Core-Ebayern, die dem freien Spiel der Marktkräfte anhängen, sauer aufstoßen dürfte. Ebay jedenfalls wird seinem Prinzip des "Bei uns sind alle gleich" treu bleiben, denn ob ein großer oder kleiner letztlich die Provisionen und Gebühren zahlt, ist dem Unternehmen schnuppe - Hauptsache die Käufer gehen nicht aus. Und die wird man via University und Volkshochschule schon aktivieren.

Ergo können Ebay-Verkäufer trotz Konkurrenzkampf weiter mit Millionen potenzieller Kunden rechnen - mehr als mit jedem Ladengeschäft zu erreichen wären. Und wenn einem dazu noch eine clevere Marktlücke einfällt.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005