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Regina Paetel

Einführungstext
Rückblick auf den ersten Term (September 2002 - Dezember 2002)
Erste Woche in CIMP 2 (zweiter Term)
3. bis 5. Woche in CIMP 2
7. bis 8. Woche in CIMP 2
10. bis 11. Woche in CIMP 2
13. bis 14. Woche in CIMP 2
7. Woche im Personalized Program I
Abschluss (?) Feier - Ende des ersten Jahres
Endspurt ? Teil 1
Unfreiwillige Haustiere
Endspurt - Teil 2 (fast geschafft)
Endlich fertig!











Endlich fertig!

Die besten Jobs von allen


Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende. Die arbeitsamste genauso. Und dann war es auch schon soweit: die letzten Arbeiten waren fertig, das letzte Mal saßen wir in den uns nun schon so bekannten Unterrichtsräumen. Und irgendwie kam es uns vor, als ob wir erst gestern angefangen hätten.

Eigentlich merkte keiner so richtig etwas vom Ende des Studiums. Wir waren alle so beschäftigt mit Studium und Jobsuche (die auch dieses Jahr nicht gerade einfach war), so dass uns erst kurz vor der Abschlussfeier klar wurde, dass alles vorbei war.

Es folgten auf die offizielle Feier noch viele inoffizielle und so manche Träne floss am Ende dann doch, als man auf einmal merkte, dass man sich jetzt wohl zu einem Wiedersehen in ein Flugzeug und nicht mehr nur in die Metro setzen müsse.

Was ist aus unseren Pärchen geworden?

Wie schon einmal berichtet, ist es mit der Arbeitserlaubnis nicht ganz einfach, wenn man aus unterschiedlichen Ländern (ausgenommen EU) kommt. Ein, zwei positive Beispiele haben wir allerdings, was mal wieder zeigt, dass manche Dinge einfach so sein sollen. Zum Beispiel fanden ein Kanadier und eine Brasilianerin beide in London eine Stelle. Sie soll nach einem Jahr zurück nach Brasilien. Und er? Nach 1,5 Jahren kann auch er es sich aussuchen, wo er hingehen möchte. Brasilien wäre für ihn kein Problem - beide haben Stellen bei großen internationalen Konzernen mit größeren Niederlassungen in Brasilien gefunden ?

Bei anderen sieht es leider eher nach Trennung aus, aber das war schon fast vorauszusehen. Auch wenn man sich noch so leicht im Studium kennen lernt; nach Abschluss ist es oftmals schwer zusammenzubleiben, vor allen Dingen mit der jetzigen Arbeitsmarktlage.

Und was wird aus mir?

Nun, es sieht wohl recht gut aus, dass ich bei J&J anfangen werde, mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen. Es sieht auch so aus, dass ich in Paris bleibe, was mir sehr recht ist. Meine engeren Freunde sind in der Zwischenzeit zu 50% in alle Winde verstreut, aber es bleiben zum Glück noch ein paar im Pariser Umkreis.

Hat es sich denn gelohnt?

Auf jeden Fall. Es hat viel Spaß gemacht, wir haben viel gearbeitet aber genauso viel gefeiert. Es war nicht immer ganz einfach und so manches Mal hätten wir uns am liebsten gegenseitig die Haare ausgerissen, weil natürlich jeder Recht haben wollte. Gruppenarbeit will eben gelernt sein/werden.

Was ich noch jemandem rate, der ein MBA Studium machen möchte:
- Überleg Dir genau was Du willst: Finance/Marketing/General Management - welche Uni ist gut für was?
- Sprachen: zweisprachig oder nur auf Englisch? Zweisprachig hat Vorteile, kann aber auch doppelt so anstrengend sein.
- Wie weit weg? Das MBA-Studium ist eine richtig gute Chance, einmal etwas anderes in einem anderen Land zu machen und es wäre schade, wenn sie vertan wird.
- Finanzprobleme während des Studiums hat übrigens fast jeder, die meisten haben sich Gelder für das Studium geliehen und Banken sind in solchen Fällen sehr großzügig.
- Wenn Du verheiratet bist und Kinder hast, macht es im Normalfall Sinn, diese mitzunehmen. Das gibt auf der einen Seite den "moral support", und auf der anderen Seite schließt Du Deine Familie nicht von Deinem Leben aus, was sonst ganz schnell passiert.
- Vergiss das Feiern nicht! Es ist notwendig, um Kontakte zu knüpfen und um ein wenig Stress abzulassen.
- Zu guter Letzt: wenn Du nach Paris ziehen solltest, dann such die Wohnung nach Mäuselöchern ab und schließe sie so schnell als möglich!

Und mehr fällt mir jetzt beim besten Willen nicht ein. Solltet Ihr aber Fragen haben, könnt Ihr mir gerne ein E-Mail senden: regina.paetel@web.de

Viel Erfolg & Spaß bei Euren Bewerbungen bzw. Eurem Studium!

Endspurt - Teil 2 (fast geschafft)

Kaum hatte ich die letzte Maus gefangen, ging es für ein Wochenende von Paris nach Princeton, New Jersey, zu einem Assessment Center von Johnson & Johnson.

Ich ließ also meine ganze Arbeit für drei Tage ruhen (als nächstes stand die End-Präsentation meiner Marketing Spezialisierung in der Woche darauf an) und flog mit einigen weiteren HEC MBA Kommilitonen in die USA.

Das Programm war MBA-mäßig straff und richtig schön anstrengend. Wenn man bedenkt, dass etliche stark erkältet oder Fieber hatten (dank Grippe), wurde es natürlich erst recht strapaziös. Aber, dank der (leider immer noch) etwas angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt fuhren alle hin, auch wenn sie eigentlich ins Bett gehört hätten. Es lief aber am Ende alles glatt, auch wenn die Abreise durch einen Schneesturm etwas verzögert wurde. Gegen 22:00 saßen wir dann aber doch wieder in einem Flugzeug von NY/JFK nach Paris. Glück gehabt: am Dienstag hatte ich meine Abschlusspräsentation für Marketing, die ich am Sonntag (direkt nach meiner Ankunft) mit meiner Gruppe vorbereiten sollte.

Von diesen paar Tagen und wahrscheinlich von einigen der herumfliegenden Grippeviren war ich dann aber doch etwas zu müde und kam erst am Montag dazu, meine Gruppe bei den Vorbereitungen zu unterstützen. Mein Team verstand das glücklicherweise, und wir schafften auch noch alles rechtzeitig, wenn ich auch ausnahmsweise in dieser Nacht im Holiday Inn am Campus übernachtete und nicht zurück nach Paris fuhr.

Da dieses Marketing-Projekt im Auftrag einer Firma realisiert wurde, waren bei der Präsentation nicht nur Professoren, sondern auch einige Mitarbeiter anwesend. Es lief am Ende alles recht gut; wir kamen mit unserem Konzept auf den 3. Platz (es gab 8 Teams insgesamt).

Am Ende der Woche bekam ich einen erfreulichen Anruf von J&J: sie teilten mir mit, dass sie großes Interesse an mir hätten und dass ich sehr bald von ihnen nähere Details hören würde.

Und mit diesem netten Gedanken ging ich dann in ein schon etwas ruhigeres Wochenende (Job in Aussicht, Marketing Präsentation fertig und nur noch zwei Fächer, eine Woche Unterricht und viele Abschlussfeiern ?).

Unfreiwillige Haustiere

Pigalle, Pigalle
Das ist die große Mausefalle mitten in Paris
Pigalle, Pigalle
Der Speck in dieser Mausefalle schmeckt so zuckersüß
Da sieht man Türken, Perser, Inder und Chinesen
Wer auf der Welt was auf sich hält ist da gewesen
Pigalle, Pigalle
So heißt die große Mausefalle mitten in Paris

Oh lala Ich bin da
In der herrlichen Stadt an der Seine
Oh, ich finde Paris ja so schön
Und heut Nacht hab ich was Tolles gesehen

? und so weiter sang Bill Ramsey 1961.

Na, also diese Mausefalle muss wohl zu klein geworden sein - jedenfalls aufgrund der Tatsache, dass ich vor zwei Wochen die dritte Maus in meiner Wohnung zu Besuch hatte.

Als ich meine erste hatte, meinte mein Französischlehrer im Sommer nur ganz trocken, dass bei ihnen im Winter immer so 3-5 in der Wohnung herumhopsen würden. Gift streuen? Das hilft vielleicht am Anfang - aber irgendwann werden die Mäuschen dagegen immun ? Also ging ich auf Mausefallensuche - die habe ich aber erst beim zweiten Hinsehen entdeckt - wahrscheinlich weil sie hier gleich im Dreierpack angeboten werden. Vorsichtig beäugte ich darauf die Rattenfallen - werden einzeln verkauft (da hab ich ja noch einmal Glück gehabt).

Also, wer Angst vor Mäusen hat, sollte in Paris seine Wohnung nach Löchern in der Wand absuchen - die Stadt wimmelt davon.

Ich habe zum Glück keine Angst vor diesen grauen kleinen Tierchen mit ihren glänzenden Knopfaugen. Nur, sauber sind sie nicht gerade, vermehren sich rasend schnell und machen einen ziemlichen Lärm nachts (meine Wohnung ist nur 25 m² groß). Meine letzte Maus wurde allerdings ein wenig zutraulich. Ich wachte nachts auf, weil ich etwas neben meinem Ohr kratzen oder knabbern hörte. Als ich dann aufsah, bemerkte ich, wie eine Maus AUF meiner Matratze schnell weglief. Anschließend sah ich, wie sie im Bad in einem Loch verschwand? Ich habe ihr ein wenig Gift hingestellt und nie wieder etwas von ihr gehört - sie war also noch nicht immun.

Und ansonsten? Die Jobsuche ist leichter als letztes Jahr. Ich denke, es werden einige von uns zu Weihnachten mindestens ein Angebot haben. Ich bin übrigens von Johnson & Johnson in die USA zum Assessmentcenter eingeladen worden (letzter Recruiting-Schritt).

Endspurt ? Teil 1

Der Sommer ist nun schon lange vorbei, vergessen sind die Hitze in Paris, das Sich-Beschweren, weil man für die Französischkurse schon um 8:00 Uhr morgens aufstehen muss, die schwierigen Entscheidungen, welches Museum/Straßencafé man denn heute in Paris besucht, etc?

An der Tagesordnung ist momentan

6:30 Uhr
Aufstehen

7:15 Uhr
Auto suchen, das man dank Parkplatznot in Paris natürlich irgendwo abgestellt hat. Dann bloß schnell losfahren, bevor der Verkehr gegen 8:00 Uhr auf dem Höhepunkt ist.

8:00 Uhr
Ankunft in Jouy-en-Josas, danach Study Group Meetings oder Kurse. Das ganze geht dann durch bis mindestens 17:00 Uhr, oft komme ich momentan allerdings nicht vor 23:00 Uhr wieder weg.
Das liegt teilweise an den Firmen- bzw. Recruitingpräsentationen, die am späten Nachmittag stattfinden. Außerdem haben wir jetzt für jeden unserer 9 bis 10 Kurse eine andere Study Group, was heißt, dass die Arbeitsteilung, die so schön in den ersten beiden Semestern geklappt hat, nicht mehr richtig funktioniert.

Aber: Hat es sich denn gelohnt, nach Paris zu ziehen?
Ich denke ja. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich jeden Morgen um 6:00 Uhr und abends beim Parkplatzsuchen diese Entscheidung gerne rückgängig machen würde. Aber es ist schon angenehmer zu wissen, dass man beim "vor die Tür treten" auf mehr trifft als Felder. Ich rate allerdings jedem, der zur HEC kommt, mindestens das erste Semester auf dem Campus zu wohnen, um Kontakte aufzubauen und um sich an die Arbeit zu gewöhnen.

Und ? wahrscheinlich die wichtigste Frage für alle: Wie läuft die Jobsuche?
Wir haben mehrere Firmen, die uns zwischen September und Ende November besuchen. Dabei sind u.a. American Express, L'Oreal, Mercer Consulting, Aventis, Astra Zeneca, Michelin, Johnson & Johnson. Die Jobsuche gestaltet sich dennoch als nicht einfach. Es ist weitaus besser als letztes Jahr, aber ob wir alle am Ende einen Job haben, ist momentan noch fraglich.
Zusätzlich erschwert sich die Jobsuche für Paare, die sich hier neu gefunden haben (wir haben mittlerweile 5). Einen Job im gleichen Land, oder wenigstens gleichen Kontinent zu finden ist nämlich nicht so ganz einfach, vor allen Dingen, wenn beide nicht die gleichen Bedingungen in punkto Arbeitserlaubnis haben.

Am 19. Dezember ist dann alles vorbei. Ich werde Euch bis dahin auf dem Laufenden halten.

Abschluss (?) Feier - Ende des ersten Jahres

Am 11. Juli war es dann endlich soweit: das erste Jahr im MBA Programm war geschafft, alle Examen geschrieben und alle Papers abgegeben. Dementsprechend wurde natürlich auch gefeiert. Auf der Feier ist uns dann aber auch ganz schnell bewusst geworden, dass das Programm eigentlich vorbei ist. 20 von uns verbringen ihr letztes Semester an einer anderen Universität, drei machen ein sog. Doppeldiplom und sind frühestens nächstes Jahr im Juni fertig und alle anderen werden mit Jobsuche soviel zu tun haben, dass zum gemeinsamen Zusammensein kaum noch Zeit bleiben wird. Hinzu kommt, dass wir nur noch Wahlfächer haben und uns dadurch nicht mehr so oft sehen werden.

Es wurde an diesem Abend lange und ausgiebig gefeiert. Eigentlich sollte es ja erst etwas Feierlicheres werden, aber am Schluss hatten wir uns doch für einfach nur eine nette, lockere Party vor unserem Studentenwohnheim entschieden. Die letzten gingen gegen 5:00 Uhr morgens ? hinein in 10 Wochen Unifreie Zeit.

Und jetzt ist es auch schon Ende August und der Sommer ist fast vorbei ?das neue Semester fängt am 22. September an.

Die Pläne für den Sommer waren für alle sehr unterschiedlich. Diejenigen, die zum Austausch auf eine andere Uni gehen, hatten zum Großteil nur ein paar Wochen (wenn überhaupt) Zeit, da viele Unis schon im August anfangen. Einige wenige machen Praktika, andere Französischkurse (so wie ich) und andere wiederum verbringen die Zeit mit ihren Familien.

Ich bin übrigens nach Paris gezogen - in eine 25 Quadratmeter große Schuhschachtel / oder Mauseloch (das ist es momentan - ich habe vor einer Stunde entdeckt, dass ich seit heute Nacht ein Haustier habe). Neben Mäusejagd und Französischkursen verbringe ich die Zeit mit Informationen zu Jobs suchen, Sightseeing (muss auch mal sein - gestern war endlich der Eiffelturm dran), Familie, Freunden und Vorbereiten auf das nächste Semester (muss vorher noch mindestens ein Buch lesen).

Das Leben in Paris ist natürlich etwas anderes als das Leben in Jouy-en-Josas, auch wenn im August nicht gerade viel los ist und sehr viel geschlossen hat. Dafür habe ich ab September das Vergnügen, jeden Morgen 40 Minuten nach Jouy-en-Josas zu fahren und jeden Abend einen Parkplatz zu suchen.

So, und mehr gibt es über den (teilweise) wirklich sehr heißen Sommer nicht zu berichten ?
Also dann, bis September ?

7. Woche im Personalized Program I

So schnell vergeht die Zeit. Das MBAT ist schon 2 Wochen her. Eigentlich sollte das ein ausführlicher Bericht zum MBAT werden, aber irgendwie schaffe ich das im Moment nicht. Nur vielleicht soviel: das MBAT habe ich wie fast alle vom Organizing Committee in der Trance verbracht. Außer Arbeiten war nicht mehr viel drin. Geschlafen habe ich in den 3 Tagen vielleicht 5 Stunden. Zwei Tage lang habe ich mich von einer Stange Menthos und ein paar Madleines ernährt, bis es endlich einen Grillabend am Samstag gab ? (an dem man mir das Essen zum "Arbeitsplatz" brachte)

Die Woche drauf waren wir alle krank und haben nur geschlafen. Zum Glück hatten wir nicht allzu viel Unterricht. War auch gut so; es war sowieso keiner aufnahmefähig. Dafür haben wir jetzt doppelt soviel zu tun. Wir sind seit Mitte Mai in der "Personalized Phase", das heißt wir haben fast keine Pflichtkurse mehr sondern vor allem Wahlfächer.

Die Highlights des MBAT waren für alle unterschiedlich; am meisten habe ich mich allerdings darüber gefreut, dass zwei Teilnehmer (von RSM und Bocconi) nach dem Event noch einmal kamen und sich bei mir bedankt haben. Leider gab es natürlich auch das Gegenteil: ich musste mir immerhin auch von einem anderen Teilnehmer anhören, dass es unverständlich wäre, wie ich auf eine französische Schule gehen könnte, wieso wir am Freitag Abend die Mensa schon um 21:00 geschlossen hätten und wie man so etwas überhaupt organisieren könnte, das wäre doch glatte Zeitverschwendung.

Aber es hieß auch, dass dieses das am besten organisierte MBAT wäre und von einigen Schulen (die zweijährige Programme hatten) wäre man schon zum zweiten Mal da.

Ich kann nicht sagen, was am stressigsten war, aber meine Kollegen im Logistik-Team (Catering, Check-in, On-field, Transport) sahen am müdesten aus. Ich selbst habe am Samstag unserem Check-in geholfen, um die Nachzügler zu bedienen. Von Freitag auf Samstag war der Check-in bis 4:00 Uhr morgens geöffnet - so sah dann auch das Team aus.

Als ich Sonntagmorgen dann mit Kollegen nach der Party um 5:00 Uhr aufräumte, waren alle zwar todmüde, aber auch glücklich. Um 7:00 ging ich dann ins Bett, um um 8:30 wieder aufzustehen und unserer Volleyball Damenmannschaft beim Finale gegen IESE zuzusehen. IESE hat gewonnen ?

Am selben Tag auf der Abschlussfeier (auf der viel Champagner floss und vor allem spritzte) wurde dann dem Gewinner der Pokal überreicht. Gewonnen hat dieses Jahr IESE aus Barcelona - Herzlichen Glückwunsch!

Nun, und jetzt ist alles zwei Wochen her und wir sind wieder mitten im Examenstress; wir haben noch 3 Wochen Unterricht, bis wir dann alle 9 Wochen Sommerpause haben. Einige von uns machen Internships, andere Urlaub und andere nutzen die Zeit, um ihr Französisch zu perfektionieren - das ist vor allen Dingen für diejenigen wichtig, die nachher in Frankreich arbeiten wollen. Perfekte Französischkenntnisse sind Voraussetzung. Ich habe mich dementsprechend auch für das letztere entschieden ?

Allerdings habe ich mir, wie die meisten meiner Kollegen, für das letzte halbe Jahr eine Wohnung in Paris genommen ? Ab Mitte Juli kann ich Euch dann berichten, wie das Pariser Leben ist und wie leicht oder schwer es sein wird, sich morgens durch den Verkehr nach Jouy zu quälen.

13. bis 14. Woche in CIMP 2

Frühling in Paris ?

Der Frühling lässt die Stadt und Umgebung sehr romantisch werden. Dementsprechend scheint sich hier auch einiges in punkto Liebe zu tun ?

Jedenfalls hat sich hier seit meinem letzten Beitrag einiges getan. Ob es nun daran liegt, dass der Frühling in der Luft liegt oder dass die Hälfte der Zeit rum ist, ist noch etwas unklar. Jedenfalls scheint sich das Flirten der Singles der letzten Monate ausgezahlt zu haben: Es kommen hier und da neue Pärchen zum Vorschein - ob sie auch alle heiraten werden, kann ich natürlich noch nicht sagen ?

Interessant nach wie vor ist, dass es mindestens ein halbes Jahr gedauert hat bis sich die ersten wirklich gefunden hatten. Es scheint fast so, als ob alle Möglichkeiten erst angesehen wurden, um sich dann die beste herauszusuchen.

Ansonsten gab es eine Woche Osterferien, die ich zu Hause verbracht habe und mich erst einmal ausgeschlafen habe. Gleich nach den Ferien hatten wir eine Woche Seminar, was wider Erwarten allerdings recht anstrengend war. Wir wurden in mehrere Teams aufgeteilt und die beiden besten Teams durften am Samstagmorgen vor dem Aufsichtratvorsitzenden von Thomson (und zugleich Finanzvorstand der France Telecom) präsentieren. Da mein Team ausgewählt wurde, waren wir gut beschäftigt.

Die Kurse sind dank Feiertage momentan etwas weniger. Mitte Mai fängt der 3. Term für uns an. Im 3. und 4. Term haben wir kaum noch Pflichtkurse und hauptsächlich Wahlfächer. Außerdem können wir den 4. Term an einer anderen Universität verbringen oder aber hier eine Spezialisierung wählen. Ca. 20 meiner 120 Kommilitonen gehen auf Austausch.

Ich habe mich entschlossen hier zu bleiben und mein Französisch weiter zu verbessern. Als Spezialisierung konnte ich zwischen Finance, Marketing, Management for Growth, Entreprendre, Company Consulting Project und Individual Project wählen. Nach einigem hin- und her habe ich mich für Marketing entschieden. Die Spezialisierungen sind im Normalfall so aufgebaut, dass jeder den "Hauptkurs" einer jeweiligen Spezialisierung nehmen muss plus noch 2-3 "Electives" in diesem Gebiet. Die restlichen 10 Kurse sind frei wählbar.

Die einzige Spezialisierung die etwas anders abläuft ist das Company Consulting Project: hier verbringen Teams von ca. 4 Studenten fast das gesamte letzte Semester in einer Firma und agieren als externe Berater. Der Vorteil ist ein Maximum an "Exposure to the real world", der Nachteil, dass sie so gut wie keine Kurse im 4. Term belegen können, da die gesamte Zeit für das Projekt in Anspruch genommen wird.

10. bis 11. Woche in CIMP 2

Es ist Sonntagnachmittag, 17:30, und der erste Sonntag seit Wochen, an dem ich nicht gearbeitet habe. Aber nachdem wir unser Management Accounting Final Exam am Freitag geschrieben hatten und am selben Abend mit unserer Französischklasse im Theater waren, war endlich einmal ausschlafen angesagt. Das Theaterstück (Ruy Blas, Victor Hugo) war ja ganz nett, aber 3 Stunden Victor Hugo nach tagelangem Stress war dann doch etwas zuviel des Guten.

Nach dem Abendessen werde ich mich dann wohl oder übel doch auf die kommende Woche vorbereiten. Auf dem Menü steht: zur Vorspeise ein Strategie Case und zwei HR Cases, als Zwischengang ein Marketing Projekt, als Hauptgang ein Final für Corporate Finance und als Nachspeise ein Französisch Report. Leider muss man das komplette Menü nehmen - wählen geht nicht.

Aber genug gejammert. Ich dachte, ich schreibe einmal über ein anderes Thema als Arbeit?.

Das Dating-Life im MBA Studium

Ja, wie läuft das eigentlich in einem Studium, in dem das Durchschnittsalter bei 29,5 Jahren liegt?

Immerhin sind von den 120 Studenten der September 2002 Promotion ein Drittel schon verheiratet.

Am Beginn unseres Studiums wurde uns gesagt, dass sich traditionell in einem Jahrgang 4 Paare bilden, die dann auch später heiraten. Na also nach 8 Monaten kann ich das noch nicht so ganz bestätigen, aber wir werden mal sehen, wie es am Ende aussieht ...

Ob man nun verheiratet, mit festem Freund/Freundin oder als Single ins MBA Studium geht, hat in allen Fällen seine Vor- und Nachteile. Die Verheirateten können, wenn sie sich vorher mit ihrem Partner einig waren, Studiums-Krisen oftmals besser verkraften, allerdings hängt das sehr von den einzelnen Paaren ab. Viele, die mit festem Freund/Freundin ins Studium gegangen sind, haben sich in der Zwischenzeit getrennt (würde mal schätzen 50%). Die Singles sind in recht guter Flirtlaune, wobei man aber auch sagen muss, dass sich kaum jemand richtig festlegen möchte. Es suchen fast alle, aber so richtig festlegen tut sich so gut wie keiner. Also wer hofft, hier seine bessere Hälfte zu finden, der kann seine Hoffnungen zum Teil begraben ? aber wer weiß, vielleicht sieht am Ende alles ganz anders aus ... Auswahl ist auf jeden Fall vorhanden. Vor allen Dingen für die jüngeren männlichen Studenten sind die Grand Ecole Studentinnen von großem Interesse (die Studentinnen sind meist so ca. 22, 23 Jahre alt, intelligent und aus gutem Hause).

Amüsant ist, dass sich ein Großteil der Singles auf das MBAT freut (MBA Sports Tournament der besten Europäischen Business Schools auf dem HEC Campus) - da habe man ja schließlich noch mehr Auswahl. Mmmmh, mir als Head des Marketing Teams stellt sich dann langsam die Frage, ob wir den diesjährigen Slogan "Where tomorrow's Leaders meet today" vielleicht in "Where tomorrow's Leaders find significant others today" umdichten sollten ?

7. bis 8. Woche in CIMP 2 (zweiter Term)

Die Examens-/Assignment Zeit hat momentan einen Höhepunkt. Ein Midterm letzten Freitag (Managerial Accounting) und ein Final Exam in Financial Economics (60% der Endnote!) kommenden Freitag. Wenn da nicht dazwischen noch ein Financial Economics Assignment, eine Managerial Accounting Präsentation, eine Logistics Präsentation, ein Marketing und ein HR Report liegen würden, wäre das ja alles recht locker zu sehen. Von unserem Managerial Accounting Examen waren wir nicht gerade begeistert. Es war extrem lang und die wenigsten konnten zu jeder Frage etwas schreiben (ein Großteil kam gerade mal bis zur Hälfte). Jedenfalls ist jeder gespannt wie die Verteilung der Noten aussehen wird.

Seit letzter Woche haben wir zwei neue Kurse hinzubekommen: Strategic Management (war ziemlich klasse und mit einer sehr angeregten Diskussion zum Thema Southwest Airlines verbunden) sowie Corporate Finance. Der Case zum Thema Southwest Airlines war für uns auch deshalb so interessant, weil wir ihn eine Woche vorher in unserem HR Kurs durchgenommen hatten und ihn jetzt von einer weiteren Seite beleuchten konnten.

Zum Thema MBAT kann ich im Moment nur sagen: selbst unser so MBAT-pflichtbewusster MBAT - Head Coordinator/President hat das letzte MBAT Meeting wegen zu viel Arbeit abgesagt. Aber immerhin sind die ersten Erfolge unserer Arbeit schon sichtbar: die Sponsoren Broschüre ist nun endlich fertig und an eine Vielzahl von Unternehmen gesendet worden und wir dürften eine Rekordteilnehmerzahl dieses Jahr haben (ca. 1.800).

Zum Sport machen kommen wir übrigens im Moment überhaupt nicht, auch meine wöchentliche Golfstunde habe ich seit einiger Zeit nicht mehr besucht. Ich versuche schon seit Tagen morgens um 6:00 Uhr zum Joggen aufzustehen, aber wenn man nie von 1:30 morgens ins Bett kommt, ist das nicht so ganz einfach. Aber irgendwie müssen wir etwas in Kondition kommen, dass wir nicht wieder so miserabel im MBAT abschneiden wie in den meisten Jahren zuvor (vor lauter Organisieren bleibt der Sport bei uns auf der Strecke).

So, das waren die Neuigkeiten der letzten Woche - nächstes Wochenende dürfte nach Financial Economics etwas ruhiger sein, was heißt, dass wir mal wieder aus Jouy raus nach Paris fahren können (dringend notwendig).

3. bis 5. Woche in CIMP 2 (zweiter Term)

Es ist Sonntagabend, nein eigentlich Montagmorgen 1:43. Die letzten zwei bis drei Wochen waren recht anstrengend.

Wochen 2 und 3 waren von einem Skiwochenende unterbrochen, wovon wir alle richtig schön müde zurückgekommen sind. Nun, schließlich wollte man ja alle Gesichter der neuen January Promotion kennen lernen und musste dementsprechend viel "socializen".

Wem der Winter in Paris zu mild war (trotz seltenem Schnee) brauchte nicht lange zu warten. Woche 3 schlug die Witterung um und auf einmal kam ein richtig kalter Wind aus dem Land der MBA Professoren. Während wir im ersten Semester zwar jede Menge zu tun hatten, aber viele Sachen mit einer guten Vorbildung schnell zu meistern waren, sieht es jetzt aber ganz anders aus - wir haben zwar nur etwas mehr zu tun, aber die Fächer sind insgesamt wesentlich anspruchsvoller.

Hinzu kam in der 4. Woche das HEC Carrefour (Careerfair) für zwei Tage. An diesen beiden Tagen waren an die 120 Firmen mit ihren HR Mitarbeitern auf dem HEC Campus zwecks Recruiting. Es hieß also vorbereiten, vorbereiten und nochmals vorbereiten (man will ja schließlich keine dummen Fragen stellen) und dann "lange in der Schlange stehen" und schließlich "ein intelligentes Gespräch führen". Zum Glück hatten wir an diesen beiden Tagen keinen Unterricht, so dass wir uns also wirklich nur auf das Carrefour konzentrieren konnten.

Und warum bin ich jetzt noch wach? Nun, ganz einfach: Letzte Woche Montag hatten wir ein Logistik Examen, in dem wir alle vor Schreck feststellten, dass Logistik doch manchmal etwas schwerer ist als es auf den ersten Blick scheint. Für morgen (nein, ich meine später am Tag) sind ein Logistik Projekt und ein Management Accounting Projekt abzugeben. Während sich die Hälfte meiner Gruppe mit Logistik beschäftigt hat, brüteten wir mehrere Tage an dieser Management Accounting Case Study.

Am Dienstag ist eine Arbeit in HR abzugeben, am kommenden Freitag haben wir eine Präsentation in HR. Hinzu kommt, dass morgen die MBAT Sponsoring Broschüre in den Druck gehen soll und mir immer noch Logos von zwei teilnehmenden Schulen fehlen. Nun, ich glaube um diese Uhrzeit werde ich sie nicht mehr herzaubern können. Ach, und fast hätte ich es vergessen: jedes Jahr publiziert die HEC ein CV-Buch, mit den englischen und französischen CVs aller MBA Teilnehmer. Das wird dann an zig Firmen gesendet. Deadline: morgen 10:00 Uhr. Ein Glück haben mir meine Studienkollegen bei meinem französischen CV geholfen, alleine hätte ich es wohl doch nicht hinbekommen.

So, und jetzt ist es mittlerweile 2:11 und ich habe heute um 9:00 Uhr Logistik. Ich werde mich noch ein wenig schlafen legen ? und von Sponsoren-Broschüren und Management Accounting Case Studies träumen ?

Erste Woche in CIMP 2 (zweiter Term)

Zwei Wochen Weihnachten sind schnell vergangen. Ehe wir uns versahen, saßen wir schon wieder im Flugzeug oder in der Bahn Richtung Paris. Dieses Jahr war das allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden: ich hatte Glück und kam noch vor dem Schneesturm an, der hier am 4.1. losging und so ziemlich alles lahm legte - vor allen Dingen den Straßenverkehr und somit auch Taxis.

Bei einem Blick auf unseren Stundenplan wurde mir dann aber doch etwas mulmig: fast jeden Tag Unterricht um 8:00 Uhr. Das kann ja heiter werden. Und dann absolute Anwesenheitspflicht in Management Accounting. Mit einem Blick auf die Bücherliste, die ich mir gleich über den Schreibtisch gehängt habe erwartet mich dieses Term: Management Accounting, Financial Economics, Management Industriel et Logistique, Human Resources Management, Corporate Finance, Strategic Management, Dimension financière des décisions stratégiques, Strategie et Management Social, ein Marketing Projekt in einer Firma plus diverse Seminare mit Anwesenheitspflicht. Und natürlich, wie auch letztes Semester, Französisch oder dritte Fremdsprache. Um nicht durcheinander zu kommen, ist es bei mir wieder Französisch.

Wir sind auch in neue Study Groups eingeteilt worden. Außerdem haben einige vom französischsprachigen Zweig in den englischsprachigen Zweig gewechselt, oder umgekehrt. Ich bin weiterhin im französischsprachigen Zweig.

Mein über Weihnachten Nichts-tun für das MBAT hat mich auch sofort bestraft. Bis Ende des Monats muss die Broschüre für die Sponsoren stehen und die Website fertig sein.

Hinzu kommen jetzt verstärkt Vorbereitungen für die Job- und Internshipsuche - meine englischen und französischen Lebensläufe habe ich mir zum Glück über Weihnachten gründlich vorgenommen.

Wir haben auch eine neue Gruppe Studenten bekommen (HEC hat Intakes im September und im Januar). Da es im Januar immer etwas weniger Neuzugänge gibt wie im September, haben wir nur 75 neue Gesichter, wieder aus aller Welt. Um sie alle näher kennenzulernen gehen wir vom 17.1. bis 21.1 Skifahren.

Und jetzt ist es Sonntagabend, 22:30. Unser Logistikassignment für morgen ist fertig, das nächste Studygroupmeeting für Management Accounting findet morgen Nachmittag statt. Ich glaube, es ist Piano-Bar Zeit!

Rückblick auf den ersten Term (September 2002 - Dezember 2002)

Für mich und einige Kommilitonen fing das Studium mit drei Wochen Sonnenschein an: wer wollte, konnte vor Studiumsbeginn drei Wochen Französisch in Montpellier lernen. 30 von uns 120 "Neuen" nahmen diese Gelegenheit wahr. Angefangen mit einer Party am Strand, waren diese drei Wochen eine fantastische Gelegenheit uns auf informelle, relaxte Weise zu "beschnuppern".

Nur zu schnell waren diese drei Wochen "Hausaufgaben im Café machen" um und schon saßen wir im Zug nach Paris. In Paris wurden wir dann am Bahnhof mit einem Bus abgeholt, der uns nach Jouy-en-Josas, dem Sitz der HEC, brachte. Jouy-en-Josas ist ein sehr kleines Städtchen etwa 20 km außerhalb von Paris.
v Wir kamen an einem Samstag aus Montpellier an und am Montag sollte der Unterricht losgehen. Viel Zeit blieb nicht um unsere Zimmer zu beziehen. Bei der HEC wohnen die meisten MBA Studenten während der ersten beiden Terms in der Résidence Expansiel, dem Studentenwohnheim für MBAs. Studentenwohnheim mag für manche abschreckend klingen, aber wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein: eigenes Bad und Dusche, großer Schreibtisch, Kabelanschluss, die Apartments (reserviert für Ehepaare) haben kleine Küchen. Und natürlich die beliebte "Piano Bar" im Hause, wo jeden Mittwoch und Sonntag ab 22:30 Drinks serviert werden. Nach ca. 8 Monaten Aufenthalt ziehen die meisten allerdings nach Paris, weil ein Daueraufenthalt in Jouy-en-Josas dann doch aufs Gemüt schlägt.

Am ersten Abend lernten wir bei einem Welcome Cocktail unsere Study Group Partner kennen. Die Einteilung in die Study Groups war natürlich sehr spannend. Schließlich würden die Mitglieder der Study Group diejenigen sein, mit denen man die nächsten 4 Monate alle Projekte und Aufgaben erledigen würde. Jede Gruppe enthielt 5-6 Mitglieder. Soweit es ging hatte man die Gruppen aus Mitgliedern unterschiedlicher Nationalitäten und Hintergründen zusammengesetzt. Da 75% der Studenten aus 45 verschiedenen Ländern kommen und die restlichen 25 % aus Frankreich, war das im englischsprachigen Zweig kein Problem; im französischsprachigen Zweig hatten wir meist 2-3 Franzosen pro Gruppe.

Damit wir uns auch gleich an Gruppenarbeit gewöhnen konnten, gab es in der ersten Woche noch keinen richtigen Unterricht, sondern ein Business Simulation Game. Und so diskutierten wir fünf Tage lang in unseren Gruppen wie viel mehr oder weniger produziert werden sollte, was wir im Marketing ausgeben wollten, ob wir lieber in Malaysia oder in Portugal produzieren sollten, etc. Zwischenergebnisse bekamen wir zweimal am Tag. Hier zeigte sich schon sehr bald, wer gut und wer weniger gut in der Gruppe arbeiten konnte.

Daneben gab es in dieser ersten Woche diverse Ansprachen und Veranstaltungen. Eine sehr klare Ansage kam in der Ansprache unseres stellvertretenden Deans: "We do not compete here. Die Wettbewerbsphase um einen Studienplatz ist zu Ende - von jetzt an gilt es, als Team zusammenzuarbeiten." Das funktionierte tatsächlich - und trotzdem arbeiteten wir sehr viel. Diese Einstellung war im Übrigen recht nützlich: zum Beispiel hatten wir letztes Jahr einen Professor, der uns 1 Woche vor allen Final Exams mitteilte, dass wir noch ziemlich viel zu lesen hatten, um durchzukommen. Wir wussten alle, dass das Lesen einige Nächte in Anspruch nehmen würde und wir dafür wirklich keine Zeit mehr hatten. Eine Kommilitonin hatte da eine bessere Idee: sie fragte mehrere Studenten, jeweils einen Text zu lesen und dazu eine Zusammenfassung zu schreiben. Diese Zusammenfassungen wurden im Anschluss allen vorgestellt und dann an alle 120 Studenten gesendet.

Das MBA Studium an der HEC ist in 4 Abschnitte gegliedert: CIMP 1 (Core International Management Program 1), CIMP 2, Personalized Program (bestehend aus 2 Abschnitten). Das ganze dauert 16 Monate

CIMP 1 und CIMP 2 sind für alle Studenten gleich, nur dass - vor allen Dingen in CIMP 1 - einige Studenten nur englische und andere Studenten zur einen Hälfte englische und zur anderen Hälfte französische Vorlesungen haben. Für mich hieß das: Auf Französisch: Analyse Comptable & Analyse Financière, Statistique und Marketing Auf Englisch: Microeconomics, Macroeconomics und Organizational Behavior Dazu kam noch eine weitere Fremdsprache für diejenigen, die keine Probleme mit Französisch hatten, oder aber Französisch als Fremdsprache oder - wer unbedingt wollte - beides. Ich entschied mich für Französisch.

Da ich meine Französischkenntnisse ja erst im Sommer erworben hatte, waren die französischen Vorlesungen für mich zumindest in den ersten drei Wochen leichter gesagt als getan. Zuerst verstand ich fast gar nichts. Aber nach so drei Wochen ging es langsam bergauf. Und natürlich hatte ich auch das Vergnügen meine erste Präsentation im MBA Studium auf Französisch halten zu dürfen. Irgendwie war am Ende allerdings alles halb so schlimm. Wobei ich aber dazusagen muss, dass ich am Ende des Semesters sehr müde war. Die ständige Anspannung beim Französischsprechen und das Vokabellernen am laufenden Band können sehr kräftezehrend sein. Aber es hat sich gelohnt.

Neben all den Unterrichtsfächern kam natürlich noch hinzu, dass es kaum einer lassen konnte, sich nicht auch noch anderweitig zu engagieren. An der HEC zu sein, heißt auch an der Universität zu sein, die jedes Jahr Gastgeber des MBA Tournaments ist. Das heißt mit anderen Worten: fast jeder muss an der Vorbereitung kräftig mitarbeiten. Das MBAT ist die größte Sportveranstaltung für europäische Business Schools: Jedes Jahr kommen Studenten der 10 besten europäischen Business Schools für 3 Tage auf den Campus der HEC, um gegeneinander in den unterschiedlichsten Sportarten anzutreten. Das sind rund 1500 Leute. Ich habe die Leitung des Marketing Teams übernommen. Dieses Team ist dann noch einmal in PR, Merchandising und Advertising unterteilt. Wenn die Marketing Arbeit zum großen Teil fertig ist, werden wir uns auf die anderen Teams (z. B. Logistik) verteilen.

Es überrascht jetzt wohl kaum jemanden, wenn ich sage, dass wir am Ende alle müde waren von den vielen Arbeiten, Aktivitäten und natürlich auch Feiern und sehr froh über 2 Wochen Weihnachtsferien waren.

Einführungstext

Seit September 2002 bin ich im MBA Studiengang an der HEC School of Management. Ich bin 29 Jahre alt und damit hier genau im Durchschnittsalter. Bevor ich mit dem Tagebuchschreiben anfange, möchte ich kurz erzählen was ich vorher gemacht habe: In der 12. Klasse ging ich ein Jahr nach Los Angeles zu einer High School. Ich hatte das Glück eine sehr gute High School besuchen zu können, die in der Qualität des Unterrichtsstoffs den deutschen Schulen nicht nachstand (Chadwick High School in Palos Verdes Peninsula, CA). Da mir aber aufgrund des Punktesystems das 12. Jahr in Deutschland nicht angerechnet werden sollte und ich damit 14 Schuljahre bis zum Abitur gebraucht hätte, entschied ich, mich in den USA für einen Studienplatz zu bewerben.

Dort studierte ich zunächst am Macalester College in St. Paul, Minnesota, Mathematik (Abschluss: Bachelor of Arts in Mathematics) und später im Rahmen eines Dual Degree Programms an der Washington University in St. Louis, Missouri, Ingenieurswesen mit Konzentration in Bioinformatik (Abschluss: Bachelor of Science in Biological and Engineering Sciences). Während meines sehr technischen Studiums belegte ich zwar diverse Kurse in BWL, aber es war mir damals schon klar, dass ich ein MBA Studium später brauchen würde, um nach ein paar Jahren Erfahrung im Berufsleben weiterkommen zu können.

Aus diversen Gründen entschloss ich mich - trotz einiger Angebote aus den Staaten - das Feld der Medizinischen Informatik nach Beendigung meines Studiums zu verlassen und in die Multimediabranche zu wechseln. Somit fing ich im Februar 1997 als Praktikantin bei der Concept! GmbH in Wiesbaden an, war innerhalb eines Jahres Projektleiterin und arbeitete dort als Projektleiterin bis Ende September 1999. Danach ging ich für kurze Zeit nach Berlin, um im familieneigenen Unternehmen auszuhelfen. Im Juni 2000 fing ich bei OgilvyInteractive in Frankfurt an, wo ich zuerst die Abteilung für Konzeption aufbaute und leitete, später dort als Management Supervisor eine der beiden Consulting Units leitete. Als Management Supervisor wurde mir sehr bald klar, dass ich an einen idealen Zeitpunkt für ein MBA Studium gekommen war: Ich war weit genug, um an einer sehr guten Universität angenommen zu werden und wiederum noch nicht so weit, dass man den Mehrwert eines solchen Studiums in Frage stellen konnte.

Die Wahl der Universität war sehr bald getroffen:Da ich in den USA studiert hatte, wollte ich ein anderes Land kennen lernen. Und da ich den ersten Teil meines Studiums schon auf Englisch abgeschlossen hatte, wollte ich unbedingt das Studium in einer weiteren Sprache absolvieren. Von allen europäischen Sprachen fand ich Französisch am sinnvollsten. Ich hatte in der Schule nie Französisch gehabt (sondern Englisch, Latein, Spanisch) und auf der Universität vor 10 Jahren gerade einmal 1,5 Jahre - diese Kenntnisse wollte ich unbedingt ausbauen. Und da bot die HEC für mich den entscheidenden Vorteil, das Studium zweisprachig - auf Englisch und Französisch - absolvieren zu können.

Da meine Französischkenntnisse allerdings sehr schlecht waren, musste ich mich zwangsläufig für den englischsprachigen Zweig bewerben. Als dann die Zusage aus Frankreich kam, kündigte ich bei Ogilvy und fing ab Mitte Juni 2002 an, Französisch zu lernen. Im September 2002 - 2 Wochen vor Studienbeginn - wechselte ich in den französischsprachigen Zweig.

Bevor ich mit meinen Erzählungen anfange, kurz noch ein paar Worte zu den Finanzen. Die Studiengebühren belaufen sich auf ca. 30.000 ?. Lebensunterhalt, Bücher, Miete, etc. sind noch einmal 20.000 ? bis 25.000 ?. Es gibt ein Stipendium von der HEC selbst, für das sich jeder bewerben kann. Ansonsten bieten die französischen Banken Darlehen zu recht guten Konditionen.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.01.2003