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Referentin Interne PR: Andrea Peter

Annette Michel-Zielke
Hauptsache Praxis: Wie eine Romanistin in die interne Kommunikation kam.
Ein kurzer Anruf, und Andrea Peter macht sich mit Block und Stift auf den Weg - Termin zum Interview. "Normalerweise nehme ich ein Aufnahmegerät mit" sagt sie, "aber bei manchen Leuten spüre ich, dass sie sich unwohl fühlen, wenn man das Mikro an sie richtet." Andrea Peter ist Referentin Interne PR beim Wasserfilterhersteller BRITA. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Betreuung der Mitarbeiterzeitung ihrer Firma. Themen suchen, Artikel schreiben, Fotos machen, Absprachen mit der Grafik - bis eine Ausgabe in die Druckerei geht, ist das Heft ganz in ihrer Hand. Referentin Interne PR - so lautet die korrekte Bezeichnung für ihre Position. Ein Job, von dem zu Beginn ihres Studiums noch gar nicht wusste, dass es ihn gibt.

Pluspunkte für den Lebenslauf

Die besten Jobs von allen


"Journalismus" hieß die grobe Marschrichtung, die sich Andrea Peter nach dem Abitur setzte. Nach einem Au-Pair-Jahr im französischen Orléans schrieb sie sich an der Uni Münster für Romanistik, Kunstgeschichte und Wirtschaftspolitik ein: "Ich wollte Sprachen und Wirtschaft, aber nicht Publizistik studieren. Das schien mir zu wenig an der Praxis orientiert." Wo und in welchem Bereich sie journalistisch tätig werden wollte, das stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Debatte. Im Gegenteil, für sie bedeutete das Studium auch, die eigenen Fähigkeiten und den Markt erst mal auszuloten: "Vielen Geisteswissenschaftlern ist doch am Anfang des Studiums nicht klar, was sie einmal werden wollen."

Finanzielle Unterstützung erhielt die Studentin zum Teil von den Eltern. Die restlichen Kosten bestritt sie wie die meisten Studenten - man nimmt, was kommt, Jobs im Büro oder auch mal als Eisverkäuferin. In den Semesterferien verdiente sie aber auch Pluspunkte für den persönlichen Lebenslauf. Insgesamt sechs Praktika absolvierte Andrea Peter neben dem Studium, darunter beim Lokalradio Siegen. Dort wurde sie nach kurzer Einweisung relativ flott mit dem Mikro herum geschickt, mal zum Schülerlesewettbewerb, mal zum Bericht über eine Aussenwette der ZDF Sendung "Wetten-Dass". In vier Wochen produzierte sie insgesamt acht Beiträge, die sie auch selber sprechen und schneiden lernte. Eine Zeit lang schrieb sie außerdem als freie Mitarbeiterin für die Münstersche Zeitung und für die Sportredaktion der Siegener Zeitung. Auch hier lernt sie lauter Handwerkszeug, dass sie für ihr Berufsziel gut gebrauchen kann.

Praktika als Warteschleife

Nach sechs Jahren inklusive einem Auslandsemester schloss Andrea Peter das Studium mit einer Eins ab. Sie absolvierte ein weiteres Praktikum in der PR-Abteilung der R+V Versicherung, mit der Hoffnung, anschließend dort eine Stelle zu bekommen. Und wurde enttäuscht: leider zur Zeit nichts frei. Ähnlich erging es ihr bei der Frankfurter PR-Agentur Trimedia: Praktikum ja, Volontariat nein. Aber immerhin - so machte sie sich weiter fit für die PR. "Es war für mich wichtig, weitere Erfahrungen zu sammeln. Vor allem im Print-Bereich bei Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften. Ich wurde überall eingesetzt - von der Planung bis zur Druckvorstufe."

Das Volontariat tritt sie schließlich beim Falken Verlag an. Gleichzeitig bewarb sich Andrea Peter weiter für eine Festanstellung. Rund 100 Bewerbungen schrieb sie in dieser Zeit, und im zweiwöchigen Rhythmus tummelten sich Bewerbungsgespräche in ihrem Kalender. Urlaub war in dieser Zeit nicht für sie drin. Ein Jahr nach Studien-Ende landete sie den ersten Treffer: eine Festanstellung als PR-Assistant bei Kothes Klewes, Deutschlands größter PR-Agentur. Die vielen Praktika hatten sich endlich gelohnt, denn für einen Berufseinstiger konnte sie sehr viel Erfahrung vorweisen.

Studium hat viel gebracht

Schon ein halbes Jahr später stieg sie zur Junior-Beraterin auf. Kurz bevor sie weiter zur Beraterin avancierte, stieß sie in einer Tageszeitung auf eine Stellenanzeige: Die Firma BRITA, Hersteller von Wasserfiltern, suchte eine "Referentin Interne PR" in der Unternehmenskommunikation. Die Stelle klang sehr ansprechend: mehr Verantwortung, mehr Gehalt und außerdem wieder viel Einsatz im Printbereich. Andrea Peter nahm die Gelegenheit wahr und sattelte um.

Seit anderthalb Jahren ist sie mittlerweile bei BRITA, und sehr zufrieden. "Der Stoff an der Uni war zwar sehr theoretisch, aber das ist beim Magister eben so. Und mir war von vorneherein klar, dass ich mich gleichzeitig um Jobs und Praktika kümmern muss", sagt Andrea Peter rückblickend über ihr Studium. Für ihren heutigen Beruf hat die Uni ihr viel gebracht: "Ich habe gelernt, mit Sprache umzugehen, Texte zu schreiben und redigieren, und natürlich wissenschaftlich zu arbeiten. Wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte, würde ich mich allerdings für ein FH-Studium entscheiden. Die Uni ist einfach zu langatmig."
Dieser Artikel ist erschienen am 19.12.2001