Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Referentin beim Deutschen Bauernverband: Antje Bauch

Annette Michel-Zielke
Russisch als Kapital: Von der Slawistik-Absolventin, die ausszieht, um Praktikanten zu prüfen.
Einmal im Jahr fliegt Antje Bauch nach Osteuropa. Drei Wochen lang klappert sie nacheinander Russland, Weißrussland und die Ukraine ab. Ihr Auftrag dort lautet, zukünftige Praktikanten aus den Ländern auf Herz und Nieren zu prüfen: Macht der Kandidat einen aufgeschlossenen Eindruck? Zeigt er ernsthaftes Interesse, sich für vier Monate in Deutschland fortzubilden? Alles Fragen, die in einer schriftlichen Bewerbung nicht zum Ausdruck kommen. Dazu braucht es schon ein persönliches Gespräch, und jemanden, der die Sprache der Bewerber beherrscht. Antje Bauch ist Referentin beim Deutschen Bauernverband, wo sie dafür sorgt, dass junge Agrar-Fachkräfte aus aller Welt eine Fortbildung bekommen. Die 31jährige spricht fließend russisch, und ist auch mit Land und Leuten in Osteuropa gut vertraut.

"Jetzt gibt's im Osten viel zu tun"!

Die besten Jobs von allen


Wenn sie die richtigen Kandidaten gefunden hat, geht ihre Arbeit in Bonn weiter: Einreiseformalitäten der Praktikanten erledigen, das Lernprogramm zusammenstellen und sie besucht auch die Höfe, auf den ihre Praktikanten lernen. Hintergrund dieser Fortbildung ist die Förderung der Landwirtschaft in Osteuropa. Und dort mithelfen zu können, dass wünschte sich Antje Bauch schon lange, weil sie die Gegebenheiten vor Ort gut kennt.

Bereits in der Schule kam sie mit der Sprache in Kontakt, als sie in der Oberstufe einen Russisch-Kurs belegte. Glasnost und Perestroika waren zu dieser Zeit in aller Munde, und sehr bald wurde der sprachbegabten Schülerin klar, dass sie ihre Kenntnisse weiter ausbauen wollte. Nach dem Abitur schrieb sie sich an der Kölner Uni für Slawistik, osteuropäischer Geschichte und Südslawistik ein. Wenige Wochen später, als am 9. November 1989 die Mauer fiel und damit das Zeitalter der neuen Ost-West-Verständigung endgültig begann, zeigte sich für Antje Bauch, dass sie mit ihrer Fächerwahl richtig lag: "Jetzt gibt's im Osten viel zu tun."

Schwerpunkt Osteuropa - auch privat

Nicht nur an der Uni drehte sich für sie alles um Osteuropa, sondern auch im Job und in der Freizeit. Für das Bundesverwaltungsamt übersetzte sie russische Geburts- und Heiratsurkunden - eine mitunter mühselige Arbeit: "Die Dokumente waren meist handschriftlich verfasst. Da musste ich schon mal mit der Lupe drübergehen, um alles genau entziffern zu können." Später arbeitete sie an der Uni als wissenschaftliche Hilfskraft, was ihr neben einem regelmäßigen Einkommen weitere Einblicke verschaffte. Ihr Chef, Professor Alexander Kappeler, gilt bis heute als Koryphäe unter den Osteuropa-Historikern. Der Job bestand nicht nur aus Schreibarbeiten für Vorlesungen und Bücher des Professors. Manchmal betreute sie auch osteuropäische Kollegen ihres Chefs, bis hin zum Kleidershopping - auch eine Art Kulturaustausch. In den Semesterferien reiste sie gen Osten, so oft es der Geldbeutel erlaubte, und knüpfte schnell Kontakte. Bei ihrem ersten Aufenthalt kam sie noch ganz klassisch bei einer Gastfamilie in Petersburg unter, die weiteren Reisen konnte sie schon unter Freundschaftspflege verbuchen.

Nach bestandenem Magister besuchte sie eine Fortbildung: vier Monate Theorie über Neue Medien, mit anschließendem Praktikum, das sie bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik - Arbeitsstelle Russland - absolvierte. Doch noch während dem Praktikum winkte der Job beim Bauernverband und Antje Bauch griff zu. "Auch wenn ich von Landwirtschaft damals keine Ahnung hatte" wie sie verschmitzt zugibt. "Ich setzte mich anfangs neben meine Praktikanten auf die Bank, und lernte mit - von der Kunst des Getreideanbaus bis zur Tierhaltung." Inzwischen kann sie da gut mitreden, natürlich auch auf russisch.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.12.2001