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Rede II

Ansprache des Präsidenten Prof. Dr. Derek F. Abell zur Gründungsfeier der European School of Management and Technology.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
Exzellenzen,
sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Minister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, hier in Berlin zu sein und als Präsident dieser neuen Schule die Verantwortung zu übernehmen. Das ist nicht nur die Gründung einer neuen erstklassigen Managementschule hier in Mitteleuropa, sondern ein wichtiger Baustein für die Zukunft Europas und für das Management weltweit.

Die besten Jobs von allen


Weil die Sprache der neuen Schule Englisch sein wird und natürlich auch meine Muttersprache ist, erlaube ich mir heute, diese Rede auf Englisch zu halten.

Ein altes Sprichwort besagt, dass jeder lange Marsch mit kleinen Schritten beginnt. Der lange Marsch zum Aufbau dieser Schule bedurfte anfänglich eines sehr großen Schrittes!

Ich befinde mich in der glücklichen Lage, Nutznießer des außergewöhnlichen Weitblicks, der Ausdauer und der harten Arbeit zu sein, die die "Gründerväter" dieses neuen internationalen Unternehmens geleistet haben. Innerhalb eines Jahres stellte die deutsche Industrie rund 100 Millionen Euro an Kapital bereit, erhielt dabei die Unterstützung der Bundesregierung und der Landesregierungen in Berlin und München für die Erschließung bzw. den Bau ausgezeichneter Gelände und Gebäude und lieferte einen klaren Bezugsrahmen für den Start. Professor Wulff Plinke, der als erster Dekan der Schule Seite an Seite mit mir agieren wird, hat für diese außerordentlichen Leistungen die akademische Basis geschaffen.

Meine Aufgabe ist es, diesen Rahmen mit einer weit spezifischeren Vision für die Schule auszufüllen, dieser Vision Leben einzuhauchen und Professor/inn/en und Unternehmer/innen zu finden, die gemeinsam mit Professor Plinke und mir der Schule jetzt den Antrieb geben, damit sie ihre höchsten Ziele auch erreicht.

Was für Ziele sind dies? Nun, zuallererst sind es europäische Ziele: das Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung des "neuen" erweiterten Ost- und Westeuropas zu unterstützen. Für mich bedeutet das zwei Dinge: zum einen, unsere Wettbewerbsfähigkeit auf den fortwährend durch Wettbewerb bestimmten globalen Märkten zu sichern, und zum Zweiten, in einer zunehmend mit Problemen belasteten Welt einen neuen europäischen Management- und Führungsstil zu propagieren. Hier haben uns Ost- und Mitteleuropa mit ihren starken Kultur- und Herrschaftstraditionen viel zu bieten.

Wir selbst werden uns mit harter Konkurrenz auseinandersetzen müssen. Es gibt rund 250 Managementschulen in Westeuropa, 150 in Ost- und Mitteleuropa und Russland, dazu mehr als 500 in den U.S.A.; und etliche weitere Schulen entstehen überall auf der Welt. Einige von ihnen können auf eine 50 - 80-jährige Geschichte zurückblicken. Darunter sind fünf bis zehn in Europa und den U.S.A. bekannte Namen. Ich selbst war an drei dieser Schulen als Professor tätig: IMD, INSEAD und Harvard Business School. Daher bin ich mit ihren Vorzügen, aber auch mit ihren Defiziten eng vertraut. Einmal war ich zugegen, als ein Journalist den Dekan der Columbia University Business School fragte: "Herr Dekan, zählt Ihre Schule zu den Top-Ten Businessschulen in den U.S.A.?" Seine Antwort war: "Ja, aber es gibt noch 35 weitere, die auch zu den Top-Ten gehören!"

Tatsächlich fallen die vorhandenen Schulen in drei klar abzugrenzende Kategorien: Es gibt nur zwei bis drei Schulen in Europa und den U.S.A., die wirklich auf einer internationalen Ebene operieren, d.h. sie beschäftigen Professor/inn/en und lehren Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt und unterrichten Managementformen in einer globaler werdenden Welt. Es gibt zehn bis zwanzig Schulen in Europa und den U.S.A., bei denen es sich um hervorragende nationale Institutionen handelt (dass einige davon in Deutschland sind, ist nahe liegend), und hunderte weiterer Schulen, die sich lokaler und spezieller Bedürfnisse bei der Heranbildung des Führungsnachwuchses annehmen. Viele von ihnen unterrichten nur Studierende. Ihnen fehlen sowohl die Kompetenz als auch die Glaubwürdigkeit, die Fortbildung von praktizierenden Managern und Führungskräften vorzunehmen.

Deutschland hat zurzeit keine solche internationale Weiterbildungsinstitution mit internationalem Renommee, wenngleich es über hervorragende nationale universitäre Wirtschaftsfakultäten und einige exzellente Privatschulen verfügt.

Vor solch einem Hintergrund ist unsere Zielsetzung klar. Wir müssen natürlich in der nicht allzu fernen Zukunft zu den wenigen internationalen Institutionen weltweit gehören, die Führungskräfte ausbilden. Aber das ist bei weitem nicht genug, vor allem, weil wir erst spät ins Geschehen einsteigen. Wir müssen unser eigenes, unverwechselbares Profil kreieren, das uns in unseren selbst gewählten Hauptbereichen zügig an die Weltspitze katapultieren wird.

Bevor ich zu unserer Vision und diesem unverwechselbaren Profil komme, möchte ich uns alle daran erinnern, in welche Geschäftswelt wir heutzutage hinein geboren werden. Da die Welt alles andere als perfekt ist, erhalten wir jede Menge Möglichkeiten, Lücken zu schließen und uns scharf vom Gros der international führenden Managementinstitutionen abzugrenzen.

Erstens. Unsere Hochgeschwindigkeitswelt hat mit der Krise eines zu langsamen wirtschaftlichen Wachstums zu kämpfen. Das Grundproblem besteht darin, dass Unternehmen von Ereignissen eingeholt werden, Zukunftsvisionen sich als unangebracht herausstellen, Innovationen zu klein angelegt sind und zu spät einsetzen und es sich als schwierig erweist, die Menschen so zu mobilisieren, dass sie auf den Wellen des Wandels Gewinn bringend bis zur Küste reiten.

Zweitens. Wir befinden uns in der so genannten Krise des Kapitalismus, die, wie ich glaube, auf eine Führungskrise und auf eine Krise der Aufsichts- und Kontrollapparate hinausläuft. Sie hat nur am Rande zu tun mit einer Verbesserung der Buchhaltung, obwohl mehr Transparenz hier sicherlich hilfreich wäre. Zwar gibt es offensichtlich einige Gauner auf den Führungsetagen, doch die meisten Manager sind ehrlich, gewissenhaft und stellen sich ihrer Verantwortung. Das eigentliche Problem ist, dass die Veränderungen, die um uns herum passieren, von den mittleren und unteren Ebenen der meisten Unternehmen unternehmerisches Handeln verlangen. Und wie mein ehemaliger Kollege Professor John Kotter von der Harvard Business School einmal sagte: "In vielen Unternehmen wird zu viel gemanagt und zu wenig geleitet."

Drittens. Das Business des Business ist nicht mehr nur Business, wie ein anderer ehemaliger Harvard-Kollege, Professor Ted Levitt, früher meinte. Mit der Verbreitung eines multinationalen Business, dem abnehmenden Einfluss nationaler Regierungen auf globaler Ebene und dem Umstand, dass es anderen Familieneinrichtungen und religiösen Institutionen nicht gelingt, die Lücken zu schließen, müssen führende Geschäftsleute die Verantwortung für den "Fortschritt" über den Umsatz ihres eigenen Unternehmens hinaus übernehmen. Zumindest in einigen Bereichen ist die breite Öffentlichkeit der Meinung, dass wir uns in dieser Hinsicht eher rückwärts statt vorwärts bewegen.

Viertens. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist noch nicht dort angelangt, wo sie sein sollte - und besonders, weil Europa sich vergrößert hat, müssen wir große Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, dass viele Unternehmen im Osten und auch etliche im Westen am neuen globalen Markt der Waren, Dienstleistungen, Kompetenzen, Technologien und Menschen überleben und auch wachsen können.

Fünftens. Der öffentliche Sektor überall auf der Welt, aber auch hier in Europa, hat im Großen und Ganzen den notwendigen Wandel zu einer wettbewerbsorientierten, professionell gemanagten Welt noch nicht vollzogen. Hier muss noch viel getan werden.

Sechstens. Auch wenn unsere Wissenschaften und Technologien hervorragend sein mögen, sind wir nicht so gut darin, diese Kompetenz und dieses Potential mit den Märkten zu verknüpfen. Noch immer gibt es zwei getrennte Welten, in der die Technologie vom gewerblichen Management getrennt ist, und zwar sowohl in der Geschäftswelt als auch in der Akademia.

Siebtens, und damit möchte ich meine Ausführungen zur Geschäftswelt beenden, obgleich es noch viel mehr gibt, worüber man sprechen könnte: Da die Industrie dezentralisiert wird und da die "Geschäftsleitung" (General Management) immer weiter nach unten verlagert wird, herrscht ein zu großer Mangel an qualifizierter Führung, um den Herausforderungen des Wandels und der Komplexität gerecht werden zu können. Noch vor wenigen Jahrzehnten brauchte ein Unternehmen mit 5.000 Mitarbeitern vielleicht fünf echte Führungskräfte an seiner Spitze. Heute sind es fünfzig, und zwar auf allen Verwaltungsebenen, wo über Gewinn oder Verlust entschieden wird.

Die führenden internationalen Businessschulen von heute befinden sich nicht gerade in einer guten Ausgangsposition, um mit diesen neuen Realitäten zurecht zu kommen. Erstens haben sich nur wenige Businessschulen, wenn überhaupt, für Europa als Hauptbeschäftigungsfeld entschieden. Sie konzentrieren sich entweder eher auf internationale bzw. globale Märkte oder auf lokale bzw. nationale Märkte. Hier gibt es eine offensichtliche Lücke, in die wir hineinschlüpfen können und müssen. Zweitens haben die Schulen erst relativ spät erkannt, dass ein fundamentaler Wandel von der Fertigungsindustrie zu einer neuen dienstleistungs- und wissensbasierten Wirtschaft stattgefunden hat, oder sie haben versäumt, die starken aufkommenden Wirtschaften in Ost- und Mitteleuropa, Russland, Asien und Lateinamerika in ausreichendem Maße zu berücksichtigen. Drittens haben sie mit ihrer einseitigen unternehmensorientierten Ausbildung eine zu schmale Basis. Ein weiter gefasster, staatsmännischer Führungsstil braucht eher eine breite kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche Plattform, um sich entwickeln zu können. Viertens haben sie sich allzu sehr der Theorie verschrieben. Natürlich habe ich nichts gegen "Theorien", aber beim Management geht es ums Handeln und um harte Analysen. Im Gesamtzusammenhang mit den Stärken des Managements verblassen Tools und Theorien gegenüber konzeptionellen Einblicken, praktischen Erfahrungen und der Fähigkeit, mit Menschen umzugehen.

Vor diesem Hintergrund sind unsere Vision und unser unverkennbares Profil recht einfach zu verstehen. Vor einigen Jahren schrieb ich ein Buch mit dem Titel Managing with Dual Strategies (Management mit dualen Strategien), und das ist es, was wir jetzt in die Tat umsetzen müssen. Die folgenden sieben "Dualitäten" werden uns definieren, während wir uns weltweit eine führende Position erarbeiten.

Erstens werden wir dafür sorgen, dass alle Führungskräfte, die in unserer Schule das "breite Spektrum von Lerninhalten" (extended coverage) meistern, sowohl die "Grundlagen" des Managements beherrschen als auch mit den neusten Ansichten vertraut sind. Um eine Metapher zu verwenden, sie müssen alle zeichnen lernen, bevor sie moderne Künstler werden. In der Praxis heißt das, sie müssen in der Lage sein, den Kern eines jeden Managementproblems schnell zu erfassen, die richtigen Fragen zu stellen und erst dann die richtigen Antworten zu geben, ebenso, Probleme zu definieren, bevor sie Lösungen anbieten. Wir dürfen uns nicht nur mit der Schulung befassen, sondern müssen uns auch für eine breit angelegte Managementausbildung stark machen, um diese dualen Ziele zu erreichen.

Zweitens werden wir uns stark an die Traditionen Mitteleuropas anlehnen, also dort, wo wir ansässig sind (zu dieser Tradition zählen harte Arbeit, Disziplin, Präzision und unternehmerisches Denken), während wir eine globale Perspektive einnehmen. Unsere Betonung liegt auf Europa, aber mit dem Ziel, global zu denken und zu handeln. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas in der globalen Wirtschaft und eine führende Rolle Europas werden einen besonderen Schwerpunkt bilden.

Drittens, werden wir sowohl dem öffentlichen als auch dem privaten Sektor dienen, und zwar durch Forschung und Managementausbildung. Die von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung großzügigerweise bereitgestellten 25 Millionen Euro schaffen die gesunde finanzielle Basis, um dies erreichen zu können.

Viertens werden wir sowohl auf ein "wertorientiertes Management" hinarbeiten, (ein zeitgenössisches Modewort mit der Bedeutung: Wertschöpfung für Kunden und Aktionäre als erste Priorität), und auf einen wertebasierten Führungsstil, d.h. ein kluger, in sich abgerundeter, staatsmännischer Ansatz zum Führungsstil (eine aus Europa stammende Version dieses Stils kommt unserer geschichtlichen Tradition nahe) in einer Welt, die dessen dringend bedarf. Viele sprechen von einem politischen "Dritten Weg". Meiner Überzeugung nach ist das wahre Geheimnis kein politischer Kompromiss, sondern eine marktorientierte Wirtschaft, kombiniert mit einem verantwortungsvollen und weitsichtigen langfristig ausgerichteten Führungsstil auf allen Ebenen.

Fünftens müssen wir weltweit führend sein, wenn es darum geht, Technologie und Marktchancen zusammenzubringen. In Europa (und besonders in Deutschland) sind wir stark in punkto Wissenschaft und Technik und hätten gegenüber anderen, deren Interesse an einer technischen und wissenschaftlichen Ausbildung stark abnimmt, auf globaler Ebene einen großen Vorteil.

Sechstens werden wir zwar primär Führungskompetenzen (Management Skills) unterrichten, dies aber mit Inspirationen für einen breiten Führungsstil verbinden, die aus ganz anderen Bereichen stammen: Kunst, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und andere Fächer.

Siebtens werden Vertreter/innen aus dem Management unsere Zielgruppe stellen, die sich bereits in einem "Metier" bewährt haben. Ich bin der Meinung, dass ein gesunder Führungsstil zwei Standbeine haben muss. Das eine Bein ist die berufliche Kompetenz in einem "Metier" wie z.B. Maschinenbau, Architektur, Medizin, Politik, öffentliche Verwaltung usw. Das andere, das man am besten anschließend erwirbt, ist eine professionelle Ausbildung im Bereich Management und Führungsstil. Dies ist eine schon alte europäische Tradition, und in dem neuen Streben nach kurzfristigen Managementleistungen laufen wir Gefahr, sie zu vergessen.

Unser "Businessmodell" ist ganz einfach: eine qualitativ sehr hochwertige Fortbildung für Führungskräfte zu hohen, aber trotzdem fairen Preisen, bei der die Gewinne in qualitativ sehr hochwertige Forschung reinvestiert werden, was in diesem "Kreis der Tugenden" wiederum eine qualitativ sehr hochwertige Fortbildung für Führungskräfte fördert.

Wie werden wir diese Vision erfüllen? Die Schule wird nach den Richtlinien eines "Rasters" organisiert. Die eine Seite des Rasters werden die üblichen Wirtschaftsfächer ausmachen: Marketing, Finanzen und Buchhaltung, Arbeitsweisen, Unternehmensstrategie, Organisation, Personalmanagement, Rahmenbedingungen für Unternehmen und Führungsformen. Auf der anderen Seite wird es in der Schule (und das ist für eine Managementschule einzigartig) fünf oder sechs "Europäische Kompetenzzentren" geben, in die 80% des Forschungs- und Innovationsetats investiert werden.

Es herrscht eine anhaltende und mehr oder weniger fruchtlose Debatte in den Businessschulen und an den Universitäten über die akademische Legitimation praxisbezogener Businessforschung. Viele Schulen und Forscher sind an diesem Punkt bereits in die Irrelevanz abgeglitten. Im Unterschied dazu werden wir uns dafür engagieren, dass neue Ideen und Perspektiven eingebracht werden, die es praktizierenden Managern ermöglichen, in einer immer komplexeren und globaleren Welt auf effektivere Weise der Konkurrenz standzuhalten. Die Mitarbeiter der Schule müssen nicht nur in erstklassigen Zeitschriften publizieren (nach meiner Definition Zeitschriften, die von Führungskräften, Managern und Akademikern gelesen werden und lesenwert sind), sondern auch in der Lage sein, die Praxis direkt zu beeinflussen.

Die Kompetenzzentren der Schule werden am meisten von den schätzungsweise fünf Millionen Euro an jährlichen Zinserträgen profitieren, die durch die 100 Millionen an Stiftungskapital erzielt werden. Diese Finanzmittel werden, genauso wie der positive Cashflow durch die Fortbildung von Führungskräften, konstant unsere Position als Führer im Wissensbereich stärken und die "Motoren" sein, mit denen die hervorragende Fortbildung der Führungskräfte angetrieben wird. Momentan stehen folgende sechs Kompetenzzentren zur Diskussion:

Das European Center for Technology and Knowledge-Based Industry - wahrscheinlich mit Sitz in München, um die neue High-Tech-Industrie in der Region zu nutzen und sie zu bedienen.

Das European Center for Systems Management and Long-Term Sustainability - mit möglichem Sitz in München oder Berlin.

Das European Center for Enterprise Competitiveness in the New Europe - mit Sitz in Berlin.

Das European Center for "Win-Win" Employment Practices - mit Sitz in Berlin.

Das Hertie Institute for Public Management - mit Sitz in Berlin.

Das European Center for Leadership and Governance - ebenfalls mit Sitz in Berlin.

Angesichts einer solchen Bandbreite von Aktivitäten werden sich vielleicht manche von Ihnen über diese "Arbeitstitel" und auch den "Arbeitstitel" der Schule selbst, d.h. die "European School of Management and Technology" wundern. Dies ist jedoch "Zukunftsmusik". Bis uns noch etwas Besseres einfällt, werden wir erst einmal damit arbeiten.

Welches sind die nächsten Schritte? Natürlich werden wir uns als Erstes der wichtigsten Aufgabe widmen: der Rekrutierung des Lehrpersonals und dem Organisationsaufbau. Ich bekenne mich dazu, dass wir sehr selektiv vorgehen werden. Wir wollen nur mit jenen arbeiten, die die Brücke zwischen der akademischen Welt und der Welt der Managementpraxis mühelos überqueren können. Wir wollen Forscher, die Führungskräfte unterrichten und mit neuen Perspektiven motivieren können. Es wird nur eine Fakultät geben, in der alle die Grundlagen des Managements begreifen müssen. Alle werden ein Spezialgebiet haben, auf dem sie führend sind, und alle werden ausgezeichnete Lehrer für die Fortbildung von Führungskräften sein. Dies sind hohe Anforderungen, mit denen das Feld sich weltweit auf nur ein paar hundert Individuen reduziert. Das Kollegium soll sich ungefähr zu 20% aus Deutschen, zu 20% aus Westeuropäern, zu 20% aus Ost- und Zentraleuropäern, zu 20% aus Nordamerikanern und zu 20% aus Lehrkräften aus Asien, Lateinamerika und der restlichen Welt zusammensetzen. Die gleiche Selektivität und ungefähr die gleiche Verteilung wird für die Zusammensetzung der Teilnehmer gelten.

Als zweiten unmittelbaren Schritt werden wir schon im Jahr 2003 einige Programme für die Fortbildung von Führungskräften anbieten. Wir haben eine aufregende und wahrlich neue Art und Weise, diesen Markt zu betrachten, und wir sind der Meinung, dass wir in der Managementfortbildung das erreichen können, was die Autoindustrie erreicht hat, d.h. eine grundlegende Neudefinition der Segmentierung, um unseren Kunden eine bessere Wertschöpfung zu bieten. Sie werden auf unserer Website und zu gegebener Zeit in den Broschüren, die wir veröffentlichen werden, über diesen neuen Ansatz lesen können. Lassen Sie mich einstweilen einfach sagen, dass ungefähr zehn verschiedene Programme und kürzere Veranstaltungen im Frühjahr und im Herbst 2003 angeboten werden. Und bereits diese Programme werden das Profil, das wir letztendlich erwerben wollen, schärfen und stärken.

Ich möchte zum Schluss einige Bemerkungen an diejenigen richten, die unsere Zukunft und unsere ehrgeizige Vision vielleicht in Frage stellen. Erstens. Unsere Programme werden finanziell autark sein. Von Anfang an steht uns eine unvergleichbare Summe von 100 Millionen Euro zur Verfügung, deren Zinsen ausschließlich zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Auf diese Weise können wir mit den Forschungsaufwendungen der weltweit besten Schulen mehr als konkurrieren. Zweitens. Wir wollen mit exzellenten Universitäten in Deutschland und anderswo kooperieren und diese keinesfalls kopieren. Wir werden uns die vielen Kompetenzen, die sie in den Bereichen Wissenschaft und Technologie, Gesellschaftswissenschaften, in den Kulturbereichen und anderen beruflichen Bereichen haben und die wir nicht haben werden, zunutze machen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass wir im Gegenzug Kompetenzen von Weltklasse in der internationalen Fortbildung von Führungskräften anbieten können. Und Drittens. Wir werden weltweit akademischer Vorreiter für tief greifende Forschung im Bereich Management und Führungsstil sein. Hier planen wir, auf einer breiten Basis zu stehen. Gäbe es einen Nobelpreis für die Erforschung internationaler Management- und Führungsformen, würden wir danach trachten, ihn mit einem starken europäischen Auftritt zu gewinnen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.12.2002