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Rede I

Ausführungen des Koordinators der Gründungsinititative Dr. Gerhard Cromme zur European School of Management and Technology anlässlich der Gründungsfeier der European School of Management and Technology am 31. Oktober 2002 in Berlin.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
Exzellenzen,
sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Bundesminister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie alle im Namen der Stifterunternehmen der European School of Management and Technology herzlich begrüßen zu können. Heute ist der Gründungstag der Stiftung unserer neuen European School of Management and Technology. Wir haben dieses Ereignis zum Anlass genommen, Sie hierher nach Berlin einzuladen, um gemeinsam diese Feier zu begehen

Die besten Jobs von allen


Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit die Herren Dr. Breuer (Deutsche Bank), Hartmann (E.ON), Schrempp (DaimlerChrysler) und Dr. Schulte-Noelle (Allianz) den Impuls für eine von der Wirtschaft getragene internationale Management School in Deutschland gegeben und zu diesem Zweck eine Stiftung angeregt haben. Die beteiligten Unternehmen haben mich seinerzeit gebeten, die weiteren Vorbereitungen zu koordinieren.

Wir haben im Laufe des letzten Jahres bereits im Stillen viel erreicht, worüber wir Sie heute informieren wollen. Mit der juristischen Gründung und der Errichtung der gemeinnützigen Stiftung hier in Berlin wird heute das Fundament gelegt, auf dem sich die European School of Management and Technology entwickeln wird. Für die Stiftung ist ein Vorstand bestimmt worden, der aus den vier Initiatoren besteht. Herr Dr. Schulte-Noelle wird der Vorsitzende sein. Das Kuratorium besteht anfänglich aus 21 Repräsentanten der Stifterunternehmen.

Das anfängliche Stiftungsvermögen beträgt ca. 90 Millionen Euro. Kapital und Sachvermögen fließen auch durch die Überführung des USW Schloss Gracht und des Instituts für Management und Technologie, IMT BERLIN, in die Schule. Zusätzlich wird die Hertie-Stiftung das Hertie-Institute for Public Management in Europe als integralen Bestandteil der ESMT finanzieren. Dazu leistet die Hertie-Stiftung eine Zuwendung von zunächst 25 Millionen Euro. Heute wurde die Stiftung gegründet wird. Jetzt können wir intensiv daran arbeiten, neue Sponsoren zu gewinnen und das Stiftungsvermögen durch weitere Zustiftungen zu erhöhen. Nachdem die Baulichkeiten zur Verfügung gestellt sind ist es unser Ziel, dass die Schule sich im operativen Bereich finanziell selbst trägt. Die Zinsen des Stiftungsvermögens sollen dazu dienen, durch Forschung und Entwicklung der Schule in Zukunft eine führende Position zu garantieren

Die gemeinnützige ESMT GmbH als Trägergesellschaft der Schule ist als GmbH bereits rechtsfähig. Die neue Schule ist damit rechtlich und wirtschaftlich autonom. Die Leitung der Schule übernimmt der Präsident

Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen heute als Präsidenten der Schule Herrn Prof. Derek F. Abell persönlich vorstellen können. Herr Prof. Abell ist von Hause aus Ingenieur und lehrt seit vielen Jahren Management, Technologie und strategisches Marketing. Als Professor war Herr Abell lange Zeit an der Harvard Business School und am IMD, Lausanne. Ich bin sicher, er wird das Profil der Schule und die Programmgestaltung aufgrund seiner ausgewiesenen internationalen Kompetenz und Erfahrung entscheidend prägen. Prof. Abell wird in seinem Vortrag auf die Ziele, Herausforderungen und Vision der Schule eingehen.

Unser Anspruch ist hoch. Wir wollen uns mit der Schule innerhalb kurzer Zeit erfolgreich an den besten Schulen Europas messen können und gleichzeitig anders sein als diese. Damit die neue Schule exzellent wird, kommt es im wesentlichen auf die Menschen an, die hier arbeiten, d.h. auf die Studierenden und auf die Professoren. Wir werden in beiden Richtungen große Anstrengungen unternehmen

Es kommt aber noch etwas hinzu. Durch ihren Standort im Herzen Berlins und in Zentraleuropa ist die Schule in ein besonders günstiges Umfeld eingebettet, und das wird ein Katalysator für die weitere Entwicklung in Ost- und Westeuropa sein. Berlin bietet eine einmalige Mischung aus Aufbruch, Dynamik, hervorragendem wissenschaftlichen Umfeld mit Universitäten und Forschungsinstituten und der Nähe zur Politik. Wir sind überzeugt, dass diese Aspekte besondere Erfolgsfaktoren zur Umsetzung der Ziele der ESMT sind. Folgerichtig haben wir uns für den Standort Berlin als Sitz der Schule entschieden.

An dieser Stelle möchte ich die wichtige Unterstützung unterstreichen, die uns durch Herrn Bundeskanzler Schröder und die Bundesregierung sowie den regierenden Bürgermeister von Berlin, Herrn Wowereit, und den Berliner Senat zuteil worden ist. Mit ihrer Hilfe haben wir die Standortfrage für die Schule gelöst und können an einem zentralen Platz, hier in diesem Gebäude, dem ehemaligen Staatsratsgebäude und auch kurz Bundeskanzleramt, die Schule und den Campus errichten. Berlin, Schlossplatz 1 ist nicht nur eine herausragende erste Adresse, sondern signalisiert auch den hohen Anspruch der Schule an ihre internationale Qualität.

Wir haben beim Thema Gebäudesanierung noch einige Aufgaben zu bewältigen. Wir sind aber mit dem Senat zusammen zuversichtlich, auch für die anstehende Finanzierungsfrage eine Lösung zu erreichen, ohne dabei finanzielle Forderungen an den Senat zu richten. Wir stehen kurz vor der Übernahme des Gebäudes. Wenn alle Verträge mit dem Land Berlin unter Dach und Fach sind, wird unverzüglich die Herrichtung des Gebäudes in Angriff genommen. Die European School of Management and Technology soll als staatlich anerkannte Hochschule in privater Trägerschaft betrieben werden. Dazu ist es erforderlich, die entsprechende Anerkennung des Landes Berlin zu erreichen. Wir sind Herrn Senator Flierl bei diesem Thema sehr dankbar für die Inaussichtstellung der wissenschaftlichen Anerkennung. Selbstverständlich müssen auch die inhaltlichen Voraussetzungen geschaffen sein, die wir in bester Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsverwaltung des Senats erfüllen werden

Die Aspekte eines besonders günstigen Umfeldes gelten auch für den zweiten Standort der ESMT in München, wo wir das Kompetenzfeld Innovation and Technology Management ansiedeln wollen. Das Potenzial an technischem Wissen, Forschung und technischen Entwicklungen ist dort in vielen erfolgreichen HighTech-Unternehmen fest verankert. Die Standortvoraussetzungen in der Stadt sind sehr gut. Nicht zuletzt haben viele herausragende Unternehmen im Stifterkreis ihren Sitz in München. Die Bayerische Staatsregierung, namentlich Herr Ministerpräsident Stoiber, haben außerordentlich großzügige Hilfe bei der Standortfrage zugesagt. Wir sind in München so weit, dass wir in Kürze ein exzellentes Quartier auf dem ehemaligen Flughafen München- Riem bzw. dem neuen Münchener Messegelände beziehen werden

Immer wenn Neues geschaffen wird, überschreitet man zwangsläufig die Grenzen des Bestehenden und erntet dabei Neugier, Zustimmung und Kritik. Das trifft auch im Fall der ESMT zu: Sei es in der bestehenden Universitätslandschaft, in der Landschaft der etablierten Management Schools oder wegen des Gebäudes, das optimal für die neuen Zwecke gestaltet werden soll. Um Neues entstehen zu lassen, wollen wir unbedingt die Synergien mit dem Bestehenden nutzen. Deshalb war es uns sehr wichtig, die Organisationen und Einrichtungen vor Ort in die Entwicklung rechtzeitig mit einzubeziehen

Wir streben eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Berliner und den Münchner Universitäten an. Hierzu haben bereits Gespräche mit deren Präsidenten bzw. Rektoren stattgefunden, die kontinuierlich fortgesetzt und sehr bald zu einem Rahmenabkommen führen werden. Aber auch Kooperationen mit anderen Universitäten und Management Schools stehen wir offen gegenüber

In den vergangenen Monaten haben sehr viele daran mitgearbeitet, die Idee der Initiative mit konkreten Zielen, mit erheblichen finanziellen Mitteln, mit notwendigen Genehmigungen und mit einer attraktiven Botschaft zu versehen. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen, die engagiert mitgeholfen haben, diese breite Basis zu schaffen. Dazu gehören insbesondere die Häuser Allianz, DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Siemens, ThyssenKrupp und weitere, die ich nicht alle aufzählen kann. Ich möchte bei meinem Dank nicht alle Personen einzeln beim Namen nennen, aber ich mache eine Ausnahme: Herr Prof. Wulff Plinke. Herr Prof. Plinke hat mit großem Sachverstand und hohem Engagement entscheidend mit dazu beigetragen, dass unsere Schule heute gegründet werden kann. Ohne ihn, und das kann ich ohne Übertreibung sagen, stünden wir nicht da, wo wir heute sind. Deshalb möchte ich in der Person von Herrn Plinke allen den vielen Helfern und Mitstreitern danken, die heute nicht erwähnt werden, die wir aber alle kennen und um deren Beitrag wir wissen.

Meine Damen und Herren,
Wir haben uns auf den Weg begeben, den weltweiten Entwicklungen, die sich in den letzten fünfzehn Jahren vollzogen haben, gerecht zu werden. Wir stellen uns mit unserer Initiative den Markterfordernissen an eine adäquate Aus- und Weiterbildung von Top-Führungkräften der Wirtschaft und Verwaltung in Europa. Wir wollen dafür sorgen, dass es in Deutschland eine Management School mit eigenständigem europäischen Profil als Ergänzung zum internationalen Spektrum der Management Schools gibt.

Deshalb haben wir uns für eine vollständige Neugründung entschieden. Wir gründen heute eine wissenschaftliche Hochschule, die im eingeschwungenen Zustand 60 Vollzeit- und weitere 20 Gast-Professoren aus aller Welt haben wird. Damit wird eine im europäischen Wettbewerb vergleichbare Größe erreicht. Wir wollen einen fühlbaren Beitrag zur Sicherung und zum Ausbau des Bildungsstandorts Deutschland leisten und die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken

Die ermutigende Unterstützung aus der Wirtschaft und der Öffentlichen Verwaltung aus Bund und Ländern hat uns geholfen, in der kurzen Zeit von weniger als einem Jahr den heutigen Stand zu erreichen. Das Fundament ist gelegt.

Für den weiteren Auf- und Ausbau der European School of Management and Technology wünsche ich allen Beteiligten, insbesondere dem Präsidenten, Herrn Prof. Abell und dem Dean, Herrn Prof. Plinke alle nötige Energie. Dann können wir bald nicht nur Richtfest feiern, sondern in das Haus ESMT einziehen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.11.2002