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Redakteur bei Spiegel-Online

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Ein Online-Redakteur braucht keinen Stift, kein Papier, kein Aufnahmegerät. Und auch keinen Stuhl oder Tisch. "Manchmal sitzen wir bei irgendeinem Ereignis nur mit dem Laptop auf den Knien und ticken unsere Texte", sagt Yassin Musharbash.
Ein Online-Redakteur braucht keinen Stift, kein Papier, kein Aufnahmegerät. Und auch keinen Stuhl oder Tisch. "Manchmal sitzen wir bei irgendeinem Ereignis nur mit dem Laptop auf den Knien und ticken unsere Texte", sagt Yassin Musharbash. Online-Journalisten wie der 29-jährige Göttinger schreiben überall: im Büro, im Auto, im Zug, im Flugzeug oder auch im Staub - so wie im November 2004, als er bei der Beerdigung Jassir Arafats auf dem Friedhof seine Artikel über Handy in die Hamburger Spiegel-Online-Zentrale schickte. Im zweiten Semester an der Uni Göttingen fing Musharbash journalistisch an zu arbeiten - als Praktikant und freier Mitarbeiter bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, bei Unicum und auch bei der taz. Nach dem Studium kam das 15-monatige Volontariat bei Spiegel-Online.

Dass er heute viel schneller schreiben muss, als zu Printzeiten, macht für ihn den Reiz aus: "Als Onlinemedium haben wir keine festen Sendezeiten, keinen Redaktionsschluss und kein Veröffentlichungsdatum. Und wenn es hart auf hart kommt, können wir beinahe in Echtzeit berichten." Schreiben wie ein Live-Kommentator, mit Prickeln in den Fingern, Schweiß auf der Stirn und Nerven aus Stahl. "Wenn die Printkollegen wegen der Andruckzeiten nach Hause gehen dürfen - egal was ist -, sitzen wir unter Umständen noch die halbe Nacht am Rechner." Heute, im Berliner Spiegel-Korrespondentenbüro, schreibt Musharbash meistens über Politik und Bundestag. Richtig heiß wird's für ihn bei Großereignissen: Parteitage, Staatsbesuche, Terroranschläge, Naturkatastrophen. "Feuerwehreinsatz" nennt er das: "Manchmal drei Tage, manchmal drei Wochen wird man dann im In- und Ausland als Reporter herumgeschickt.

Die besten Jobs von allen


Online-Redakteur, der Traumberuf? Musharbash kennt niemanden, der von Anfang an Online-Redakteur werden wollte: "Die meisten Kollegen kommen von Zeitungen. Wen es reizt, was Online bietet - also schneller zu sein oder mehr Platz zum Schreiben zu haben -, der findet seinen Weg."
Dieser Artikel ist erschienen am 23.03.2005