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Rechts neben Schrempp

Von Carsten Herz
Am 10. Februar hat Bodo Uebber seinen ersten großen Auftritt. Dann wird der 45-jährige Manager zum ersten Mal als neuer Daimler-Finanzvorstand die Zahlen für das abgelaufene Jahr von Deutschlands größtem Industriekonzern präsentieren.
Doch auf dem Podium wird diesmal nicht alles wie immer sein, wenn Daimler-Chef Jürgen Schrempp auf der Bühne des Mercedes-Event-Centers zur Jahrespressekonferenz Platz nimmt. Zu seiner Rechten wird dann Bodo Uebber sitzen ? ein neues Gesicht für Investoren, Anleger und Öffentlichkeit. Dann wird der 45-jährige Manager zum ersten Mal als neuer Daimler-Finanzvorstand die Zahlen für das abgelaufene Jahr von Deutschlands größtem Industriekonzern präsentieren.Seit Mitte Dezember ist der sportlich wirkende Finanzfachmann der neue Herr der Zahlen im Daimler-Konzern ? und es sind große Fußstapfen, in die Uebber mit der Nachfolge von Manfred Gentz bei Daimler-Chrysler getreten ist. Doch die Vergleiche mit dem hochaufgeschossenen Preußen, der das Unternehmen nach 35 Jahren aus Altersgründen verließ, bringen Uebber nicht aus der Ruhe. ?Ich werde meinen persönlichen Stil fortführen, ob man mich vergleicht oder nicht?, sagt er trotzig in kleinem Kreis. Klar ist aber, dass der Finanzmarkt ihn vor allem daran messen wird, ob er auch in puncto Unabhängigkeit ein würdiger Nachfolger sein wird. Galt Vorgänger Gentz doch als einer der wenigen, die Schrempp schon mal ruhig, aber bestimmt in die Parade fuhren.

Die besten Jobs von allen

Uebber selbst umschreibt als seine erste wichtige Aufgabe als Finanzvorstand, die Mittel- und Langfristprognosen des Konzerns rascher an die volatilen Marktentwicklungen anzupassen. Ganz wichtig ist ihm, dass ?zuallererst die Company kommt?. Und dass er auch kontroversen Diskussionen nicht aus dem Weg geht.Als der gebürtige Solinger zur Finanzdienstleistungstochter Daimler-Chrysler Financial Services wechselte, sollen die ersten Vorstandssitzungen recht turbulent verlaufen sein, erzählt man sich auf den Bürofluren. Im Gegensatz zu dem als unnahbar und bedächtig wirkenden Gentz ist Uebber ganz nach dem Geschmack von Schrempp. Hemdsärmelig, unkompliziert, jovial, mit guten Manieren ? so charakterisieren ihn Mitarbeiter. Die Tür zu seinem Büro habe immer offen gestanden, erzählt ein Ex-Mitarbeiter aus der Zeit beim Luftfahrtunternehmen MTU.Der neue Finanzmann sieht sich selbst nicht nur als Zahlenmensch, sondern auch als Manager mit Interesse für Technik und das operative Geschäft. ?Ich bin gerne eng am Geschäft, eng an der Entscheidung?, sagt er über sich selbst und seinen Anspruch für die Zukunft. Dass dies bei einem großen Unternehmen wie Daimler nicht einfach ist, weiß auch Uebber. Doch der studierte Wirtschaftsingenieur, der nun als jüngstes Mitglied im Daimler-Vorstand sitzt, gilt als scharfer Analytiker, der Dinge rasch auf den Punkt bringt.Klar, dass so ein Mann Daimler-Chef Schrempp schon vor mehr als zehn Jahren auffiel. Damals war Schrempp Chef bei der Daimler-Tochter Dasa, dem Luft- und Raumfahrtunternehmen, das später in der EADS aufging. Als Uebber Schrempps Weg kreuzte, war er Chef des Controllings der Dasa-Tochter Dornier. Zunächst förderte allerdings Rainer Hertrich, bis vor kurzem noch Co-Chef bei EADS, die Karriere des Mannes, der in seiner Freizeit gerne kocht, dem man dieses Hobby aber gar nicht ansieht. Hertrich holt Uebber als Finanzchef zur Daimler-Tochter MTU. Hier hilft der Manager kräftig bei der Sanierung und führt ein Controllingsystem ein. Eine Leistung, die sich auch beim Konzernlenker einprägt.Als Schrempp 2001 einen Finanzvorstand für die Daimler-Finanzdienstleistungssparte sucht, muss er nicht lange überlegen und schickt Uebber nach Berlin. Mit Erfolg: Schon ein Jahr später übernimmt er die Leitung von Klaus Mangold. Spätestens seitdem gilt er als Vertrauter des Konzernchefs. Das Etikett ?unkritischer Gefolgsmann? will sich Uebber deswegen aber noch lange nicht anheften lassen. Der 45-Jährige muss allerdings in den Augen vieler Analysten noch beweisen, dass er ebenso kompromisslos wie sein Vorgänger die Finanzstrukturen des Konzerns zu verteidigen weiß.Dass er aber schwierige Situationen meistern kann, hat Uebber bereits gezeigt. Als Chef der Daimler-Servicesparte war er nämlich bis vor kurzem noch auf Seiten der Stuttgarter für den Maut-Betreiber Toll Collect verantwortlich. Für das Debakel trägt er zwar kaum Verantwortung. Aber er musste die massiven Probleme mit lösen, die andere ihm beschert hatten. Auch dem Finanzexperten fiel deshalb angesichts des reibungslosen Starts des Maut-Systems ein Stein vom Herzen. Gefeiert habe er allerdings nicht, betont der drahtige Manager. ?Wirkliche Freude kommt erst auf, wenn das System auch monatelang reibungslos im Betrieb ist.? Im neuen Finanzchef steckt offenbar ein vorsichtiger Kaufmann. Kein schlechtes Omen.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005