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Ranking d'Eurovision

Foto: Photocase.de
Die Zahl der Auslandsstudenten wächst, der europäische Uni-Wettbewerb auch. Nationale Hochschulrankings gewinnen fast überall an Bedeutung. karriere zeigt, wer in Großbritannien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden die Nase vorn hat und wie die besten akademischen Lehranstalten ermittelt werden.
Text: Dorothee Fricke
Niederlande: Rankings von höchster Stelle

Sie gelten als praxisnah und international ausgerichtet: Immer mehr Studenten entdecken holländische Hochschulen als Alternative zur deutschen Massen-Uni. Im Studienjahr 2005/2006 waren 12.046 Deutsche - ohne Austauschstudenten - in unserem kleinen Nachbarland eingeschrieben. Die Niederländer machen es Studieninteressenten leicht, sich über die besten Hochschulen und Studienangebote zu informieren. Eine unerlässliche Orientierungshilfe sind die Keuzeguids (Studienführer), in denen die Rankings des niederländischen Bildungsministeriums verarbeitet sind. Erst vor wenigen Wochen sind die Keuzeguids 2006/2007 veröffentlicht worden.


Großbritannien
Frankreich
Spanien


Eine Kurzversion kann man sich auf der Webseite downloaden, die ausführliche Version ist entweder gedruckt oder als CD-ROM zum Preis von jeweils 19,95 Euro erhältlich. Der holländischen Sprache sollte man allerdings mächtig sein, andere Versionen gibt es noch nicht. Für das staatliche Ranking werden jedes Jahr Tausende von Studenten befragt. Sie beurteilen unter anderem die Qualität von Studium und Lehrenden, die Ausstattung von Bibliothek und Computerräumen oder auch die Schnelligkeit, mit der Prüfungen korrigiert werden. Daraus entsteht jeweils ein Gesamtranking für Universitäten und Hogeschools, dem holländischen Pendant zu Fachhochschulen.

Die besten Jobs von allen


Außerdem kann man in den Keuzeguids die Studentenurteile für 1.456 Studiengänge nachlesen. So flach das Land, so gering auch das Gefälle der Hochschulen untereinander: Zwar gibt es klare Favoriten, wie die Unis in Maastricht und Wageningen, die in den letzten Jahren so gut wie immer weit vorne gelandet sind, doch auch die Noten der anderen Unis können sich sehen lassen: Bei einer Notenskala von eins bis zehn erreichte die beste Uni, die WU Wageningen, im Schnitt einen Score von 7,27. Die schlechteste Uni, die TU Delft, erreichte immerhin 6,87 Punkte. Herausragend ist außerdem das gute Abschneiden der Open Universiteit, der niederländischen Fern-Uni.
www.keuzeguids.org, www.choi.nl (Seite des Centrum Hoger Onderwijs Informatie, das die Rankings erstellt), www.elsevier.nl (Die Wochenzeitung Elsevier veröffentlicht ein weiteres Ranking)

Beste Unis Niederlande 1)

1 Wageningen WU
2 Open Universiteit
3 Maastricht UM
4 Eindhoven TUE
5 Tilburg UvT

1) nach Studentenurteil
Quelle: Keuzeguids 2006/2007

Die besten Hogeschools (FHs) 1)
1. Ede CHE
2. Zwolle Geref
3. Rijswijk THR
4. Arnhem Artez
5. Breda NHTV

1) nach Studentenurteil Quelle: Keuzeguids 2006/2007

Fächer-Rankings 1)
Studienfach Top-Hochschulen
Wirtschaft (Economie)2) 1. Maastricht UM
2. Amsterdam VU
3. Tilburg UvT
BWL (Int. Business and Management Studies) 3) 1. Arnhem HAN
2. Den Haag Haagse
3. Breda Avans
Jura (Rechten) 1. Nijmegen RU
2. Groningen RuG
3. Open Universiteit
Medizin (Geneeskunde) 1. Maastricht UM
2. Groningen RUG
3. Nijmegen RU
Ingenieurwesen (Constructiestudies) 1. Eindhoven TUE
2. Enschede UT
3. Delft TUD

1) nach Studentenurteil
2) Wirtschaftswissenschaften (BWL und VWL) an Unis
3) nur an Hogeschools angeboten (FHs)
Quelle: Keuzeguids 2006/2007

Großbritannien: Klare Spitzengruppe
Oxford oder Cambridge - welche der beiden Traditions-Unis liegt diesmal vorne? Das ist die große Frage aller britischen Uni-Rankings. In den letzten Jahren hat fast immer Cambridge das Rennen in der Gesamtwertung gemacht, 2006 konnte sich Oxford in zwei wichtigen Rankings mit einem hauchdünnen Vorsprung wieder an die Spitze schieben. 112 Universitäten gibt es in Großbritannien, die Spitzenplätze aber sind von einer Hand voll fest gebucht: Hinter Oxford und Cambridge platzieren sich in wechselnder Reihenfolge fast immer das Imperial College London, die London School of Economics und das University College London.

Einige der so genannten "New Universities", ehemalige Fachhochschulen (Polytechnics), schaffen es inzwischen in die vordere Hälfte des Rankings, darunter zum Beispiel die Oxford Brookes University. Die Open University (OU) wiederum, Großbritanniens Fern-Uni, schneidet zwar in den meisten Leistungsvergleichen sehr gut ab, taucht jedoch in den Tabellen oft nicht auf, weil sich viele Kriterien nicht in das Ranking-Raster der Präsenz-Unis pressen lassen

Hochschulvergleiche, League Tables genannt, haben auf der Insel eine lange Tradition. Seit Anfang der 90er Jahre veröffentlicht The Times ihr jährliches Uni-Ranking. Neben dem Times Good University Guide haben sich der University Guide der Tageszeitung The Guardian und der Sunday Times University Guide (nicht identisch mit dem Ranking von The Times) etabliert. Die britischen Rankings gehören zu den aussagekräftigsten: Sie werden jährlich aktualisiert und beziehen eine Vielzahl von Fächern und Kriterien ein. The Times rankt 57 Fächer von Aeronautical Engineering bis Veterinary Medicine, der Guardian immerhin 21.

Die Kategorien variieren leicht: Viele der neun Hauptkriterien wie Studentenzufriedenheit, Betreuungsrelation, Ausstattung der Bibliothek, Finanzmittel pro Student, Abbrecherquote, Forschungsleistung oder beruflicher Erfolg der Absolventen, die das Times-Ranking enthält, finden sich auch in den anderen Ranglisten wieder. Der linksliberale Guardian bezieht die Studierendenzufriedenheit nicht ein, wertet aber den Faktor "Inclusiveness", also die Rekrutierung von Studierenden aus Minderheitengruppen.

Die dynamischste Online-Recherche nach verschiedenen Kriterien ermöglicht der Guardian, während das Netzangebot der Times eher statisch ist. Hingegen ist der gedruckte "Times Good University Guide" (Preis bei Amazon 24,89 Euro) ein Muss für alle, die nicht nur ein paar Monate, sondern ihr ganzes Studium in Großbritannien verbringen wollen.
Internet: www.timesonline.co.uk, http://education.guardian.co.uk/

Die besten Unis
1. Oxford University
2. Cambridge University
3. Imperial College London
4. London School of Economics
5. University College London
6. Loughborough University
7. Bristol University
8. University of Warwick
9. University of Bath
10. Durham University

Quelle: Times Good University Guide 2007

Fächer-Rankings

Studienfach Top-Hochschulen
VWL (Economics) 1. London School of Economics
2. Cambridge University
3. University College London
BWL (Business Studies) 1. Oxford University
2. London School of Economics
3. Cambridge University und Warwick University (punktgleich)
Jura (Law) 1. Cambridge University
2. Oxford University
3. University College London
Medizin (Medicine) 1. Cambridge University
2. Oxford University
3. Imperial College London
Ingenieurwesen (General Engineering) 1. Cambridge University
2. Oxford University
3. Imperial College London

Quelle: Times Good University Guide 2007

Frankreich: Egalité est passée
Hochschulrankings, Classements oder Palmarès genannt, sind auch in Frankreich schwer in Mode. Die Magazine L'Etudiant, L'Express und L'Expansion haben im Herbst 2006 ein gemeinsames Ranking vorgelegt. Le Nouvel Observateur, Le Point und Challenges ranken ebenfalls fleißig mit.

In der Regel beziehen sich diese Classements nur auf einen Teil des französischen Hochschulsystems, die so genannten Grandes Écoles. An diesen Elitehochschulen werden die Führungskräfte für die Unternehmen und den öffentlichen Dienst ausgebildet. Sie sieben ihre Bewerber in strengen Auswahlverfahren (Concours) aus. Praktisch jeder, der heute in Frankreich Rang und Namen hat, hat eine Grand École besucht. Zu den Absolventen zählt unter anderem der französische Staatspräsident Jacques Chirac

Am wichtigsten sind die Rankings für die Ecoles de Commerce, die teils privaten Business Schools. Schulen wie die HEC in Jouy-en-Josas im Umland von Paris, die ESSEC in Cergy Pointoise und die ESCP-EAP in Paris, die im aktuellen Ranking von L'Etudiant vorne liegen, gehören stets zu den Top-Favoriten. Für ein gutes Abschneiden in den Rankings zählen weniger Kuschelfaktoren als harte Zahlen, wie etwa die Einstiegsgehälter der Absolventen und ihre Gehälter nach drei Jahren. Ein Großteil der Ingenieurausbildung findet in Frankreich an den Écoles d'ingenieur statt. Für diese hat Le Point 2005 das letzte Ranking vorgelegt.

Haben sich die Grandes Écoles Ausländern gegenüber lange sehr abgeschottet, ist der Zugang für Nicht-Franzosen inzwischen leichter geworden. Vor allem die Écoles de Commerce öffnen sich gegenüber dem internationalen Managementnachwuchs. Der einfachste Weg an die Elitehochschulen führt aber immer noch über ein Austauschprogramm. Für die staatlichen Universitäten, an denen etwa drei Viertel der französischen Studenten studieren, gibt es in Frankreich keine Rankings. Der Ruf einer herausragenden Uni oder "Fac" (Fakultät) spricht sich jedoch herum. Als beste Juristenschmiede gilt die Universität Panthéon-Assas in Paris, renommiert in der Medizinerausbildung sind die Universität René Descartes in Paris oder die Universität Montpellier

Internet: www.letudiant.fr, www.lexpress.fr, www.nouvelobs.com , www.challenges.fr, www.lepoint.fr

Beste Écoles d'ingenieur
1. INSA Lyon
2. UTC Compiègne
3. INSA Toulouse
4. UTT Troyes
5. ESIEE Paris
6. INSA Rennes
7. ECE Paris
8. ESIGElEC Saint Etienne
9. EFREI Ville Juif
10. ISEP Paris

Quelle: Le Point 2005

Beste Écoles de Commerce
1. HEC Jouy-en-Josas
2. Essec Cergy Pointoise
3. ESCP-EAP Paris
4. EM Lyon
5. Edhec Lille-Nice
6. ESC Toulouse
7. ESC Grenoble
8. Audencia Nantes
9. ESC Rouen
10. Sup de Co Reims

Quelle: gemeinsames Ranking von L'Etudiant, L'Express und L'Expansion 2006

Spanien: Junge Unis vorn
Als die Zeitung Gaceta Universitaria im Dezember 1999 des erste Uni-Ranking für staatliche Universitäten präsentierte, ging ein Aufschrei durch die akademische Welt Spaniens. Die Ergebnisse, die auf einer Studie von Forschern der Universität Barcelona beruhten, wurden kontrovers diskutiert.

Kritisch werden die Leistungsschauen noch immer gesehen, nichtsdestotrotz veröffentlicht seit 2001 auch die Tageszeitung El Mundo einmal jährlich ein Ranking für staatliche und private Universitäten. Neben einem Gesamtranking ermittelt El Mundo für 50 verschiedene Studiengänge die jeweils fünf besten Universitäten. In das Ranking fließen insgesamt 25 Kriterien ein: Beurteilt werden unter anderem die Betreuungsrelation, die Ausstattung, die Zahl der Absolventen und Abbrecher sowie die Studiendauer.

Die Hochschulen Madrids und Barcelonas scheinen die vorderen Plätze abonniert zu haben. Die Medaillenränge nahmen sowohl 2005 als auch 2006 drei vergleichsweise junge Unis ein: Die Politécnica de Madrid (gegründet 1971) ist die technische Hochschule in der spanischen Hauptstadt. Ähnlich jung - beide wurden 1968 gegründet - sind die zweitplatzierte Autónoma de Madrid und die drittplatzierte Autònoma de Barcelona. Die älteste und mit fast 100.000 Studenten größte Uni Spaniens, die Complutense de Madrid, die 2004 noch Platz eins belegte, muss sich inzwischen mit dem vierten Rang zufrieden geben. Bei den Privat-Unis liegt die vom Opus-Dei-Orden getragene Universidad de Navarra in Pamplona vor der Ramon Llull in Barcelona und der Deusto in Bilbao.

Internet: http://aula.elmundo.es/aula/especiales/2006/50carreras/ (Ranking von El Mundo), www.tugueb.com/e_campus/2002/06/reportaje/ranking/ (Webseite von Gaceta Universitaria, letztes Ranking 2002)

Die besten Unis
1. Politécnica de Madrid
2. Autónoma de Madrid
3. Autònoma de Barcelona
4. Complutense de Madrid
5. Pompeu Fabra, Barcelona
6. Pompeu Fabra, Barcelona
7. Politècnica de Catalunya
8. Universidad de Barcelona
9. Carlos III, Madrid
10. Politècnica de València

Quelle: El Mundo 2006/2007

Fächer-Rankings

Studienfach Top-Hochschulen
VWL (Economía) 1. Pompeu Fabra, Barcelona
2. Carlos III, Madrid
3. Autònoma de Barcelona
BWL (Ciencias empresariales) 1. Carlos III, Madrid
2. Pompeu Fabra, Barcelona
3. Autònoma de Barcelona
Jura (Derecho) 1. Autónoma de Madrid
1. Pompeu Fabra, Barcelona
2. Carlos III, Madrid
Medizin (Medicina) 1. Autónoma de Madrid
2. Autònoma de Barcelona
3. Universidad Navarra
Ingenieurwesen (Ingeníería industrial) 1. Politécnica de Madrid
2. Politècnica de Catalunya
3. Universidad Sevilla

Quelle: El Mundo "50 Carreras 2006/2007"
Dieser Artikel ist erschienen am 26.01.2007