Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Ralf Rangnick zieht aufs Dorf

Von Thomas Nonnast
Der SAP-Gründer und Sportmäzen Dietmar Hopp sorgte am Donnerstag dafür, dass ab jetzt auch der letzte Fußballinteressierte den Namen Hoffenheim kennt, denn Hopp holte den Ex-Schalke-Trainer Rangnick just in diesen kleinen Ort. Der Grund: der Drittligist TSG Hoffenheim soll auf Vordermann gebracht werden. Der 47 Jahre alte Schwabe war im Dezember 2005 bei Schalke entlassen worden, ab Juli trainiert er Hoffenheim.
HEIDELBERG. Überdimensioniert? Nicht nach Meinung des Namensgebers der Spielstätte: Dietmar Hopp. Der fußballbegeisterte SAP-Gründer will den Drittligisten TSG Hoffenheim nach oben bringen.Am Donnerstag hat er zumindest dafür gesorgt, dass ab jetzt auch der letzte Fußballinteressierte in Deutschland den Namen Hoffenheim kennt: Hopp gab die Verpflichtung des Ex-Schalke-Trainers Ralf Rangnick bekannt. Der 47 Jahre alte Schwabe war im Dezember 2005 bei Schalke entlassen worden, ab Juli trainiert er Hoffenheim. Doch Hopp setzte gleich noch einen drauf: Rangnick zur Seite stehen wird Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, der als Direktor für Sport- und Jugendförderung fungieren soll. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte den 46-Jährigen zu Beginn des Jahres als Sportdirektor beim DFB ins Gespräch gebracht.

Die besten Jobs von allen

Das erklärte Ziel von Hopp ist es, den TSG Hoffenheim, als ?FCH Heidelberg 06? in die erste Bundesliga zu boxen. Dafür will er auf der Gemarkung der weltbekannten Stadt Heidelberg bis 2008 für 50 Millionen Euro ein bundesligataugliches Stadion bauen lassen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Jugendlicher kickte der Software-Milliardär selbst im Nachwuchskader Als Jugendlicher hat der Software-Milliardär selbst bei der TSG im Nachwuchskader gekickt und träumte vielleicht damals schon von der Bundesliga. Jetzt sieht es so aus, als wolle Hopp, seit 1990 in Personalunion Präsident, Geschäftsführer und Finanzier des Vereins, seine Träume wahr machen. Beflügelt von Hopps üppigen Sponsorengeldern stieg der Verein in den 90er-Jahren von der Dorfkickerklasse bis in die Regionalliga Süd auf. Lange hieß es, die TSG sollte Drittligist bleiben und ein Sammelplatz für Talente aus der Region ? das hat sich geändert.Doch Fußball ist nicht die einzige sportliche Leidenschaft von Hopp. Tennis und vor allem Golf gehören ebenfalls dazu. Finanziell engagierte sich Hopp darüber hinaus bei der Rettung der Eishockeymannschaft Adler Mannheim, die vor der Pleite stand. Sein Sohn Daniel ist heute Geschäftsführer der Adler. Auch bei den Handballern in Kronau-Östringen stieg Hopp ein, die vergangene Saison schloss der Club auf Platz sechs der 1. Bundesliga ab.Beide Vereine nutzen seit 2005 für ihre Heimspiele die SAP-Arena, einen nagelneuen Sport- und Veranstaltungspalast vor den Toren Mannheims. Mit rund 100 Millionen Euro als eine Art zinsloses Darlehen hat Hopp die SAP-Arena vorfinanziert. In 30 Jahren soll die Arena dann in das Eigentum der Stadt Mannheim übergehen, die bis dahin 65 Millionen Euro in Raten abstottert, 35 Millionen Euro übernimmt Hopp. Geschäftsführer der Arena: Daniel Hopp.Am Herzen liegt dem Senior aber vor allem die Förderung des Nachwuchses. ?Die Jugend braucht positive Vorbilder, und die findet sie im Sport?, glaubt Hopp. So will er ein Sportinternat für Nachwuchsfußballer gründen. Mit dem Gründer des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP, Manfred Lautenschläger, hat Hopp diese Woche ein Projekt zur sportlichen Talententwicklung von Kindern in der Rhein-Neckar-Region angekündigt.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.06.2006