Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Radikaler Schnitt bei IWKA

Von Wolfgang Gillmann
Der neue Vorstandschef Wolfgang-Dietrich Hein greift beim Maschinenbauer IWKA durch. Er verlegt den Firmensitz und denkt sogar über einen neuen Namen nach. Wäre das nicht schon schwierig genug, hat er bei all seinem Tun auch noch den streitbaren US-Investor Guy Wyser-Pratte im Nacken sitzen.
IWKA-Chef Wolfgang-Dietrich Hein erläutert am 29.03.2006 die Ergebnisse des Unternehmens. Der Konzern will 2006 wieder auf Wachstumskurs gehen. Foto: dpa
KARLSRUHE. Er ist keiner der Manager, die sich nach jedem erreichbaren Mikrofon drängen. Wolfgang-Dietrich Hein prüft erst einmal, ob und wie man das Mikrofon des TV-Senders ausschalten kann. ?Man muss auch ausschalten können?, sagt er an diesem Mittwochmorgen im Karlsruher Queens-Hotel ? und er will die Kontrolle behalten.Es ist sein erster Auftritt als Chef des Not leidenden Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauers IWKA vor der Presse. Von Nervosität ist ihm aber nichts anzumerken. Der Mann mit der randlosen Brille und dem Schnurrbart meistert den Auftritt souverän, lässt auch seine Vorstandskollegen am Tisch zu Wort kommen, aber behält das Heft immer fest in der Hand.

Die besten Jobs von allen

?Die Sanierung eines Unternehmens ist ein 36-Stunden-Job?, kokettiert Hein nach der Veranstaltung im lockeren Gespräch. Aber keine Frage: Hein hat, seit er am 1. September vergangenen Jahres bei der IWKA antrat, kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Wo sein Vorgänger Hans Fahr Verkäufe nur zögerlich einleitete und die Gesellschaften der defizitären Prozesstechnik um die Mannheimer Bopp & Reuther zunächst sanieren wollte, räumte Hein auf.Den Konzernbereich Prozesstechnik hat er bereits vollständig verkauft. Auch Gesellschaften des Werkzeugmaschinenbaus wie Ex-Cell-o und Boehringer hat er veräußert oder will sie noch in diesem Jahr abstoßen. Dafür nimmt Hein hohe Buchverluste und Sanierungskosten in Kauf. Rund 100 Millionen Euro verbucht er dafür in der Bilanz für 2005. Aus einem Jahresüberschuss von 48,8 Millionen Euro im Vorjahr wird ein Verlust nach Steuern von 147,5 Millionen Euro. Die Dividende für 2005 fällt aus.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hein hat Erfahrung mit SanierungenDer etwas füllige, grauhaarige IWKA-Chef hat Erfahrung mit Sanierungen. Seit Anfang der 90er-Jahre arbeitet der heute 57-jährige, studierte Elektroingenieur als Manager oder Berater, zunächst bei MAN und Krupp. Dann saniert er im Auftrag des Großaktionärs WestLB den Not leidenden Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister. Zuletzt ist er Geschäftsführer der Holding in Stuttgart, einer Holding, zu der auch der Kunststoffmaschinenbauer Werner & Pfleiderer in Stuttgart gehört. ?Die Gesellschaft ist saniert und wird demnächst verkauft?, sagt Hein. Auch bei seiner eigenen Unternehmensberatung Hein & Partner in München ist er ausgeschieden.Denn seine Aufgabe bei IWKA nimmt ihn voll in Anspruch. Bis zum Herbst 2003 war die Karlsruher IWKA ein unübersichtliches, etwas verschlafenes Unternehmen mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro und über 100 Konzerngesellschaften, geführt von Vorstandschef Hans Fahr.Doch dann kommt ein Paukenschlag. US-Investor Guy Wyser-Pratte steigt ein und baut sein Engagement auf sieben Prozent aus. In bewährter Manier nutzt der streitbare Amerikaner seine Position als größter Aktionär und mischt die Gesellschaft auf. Er sammelt bei Fonds Bundesgenossen, fordert die Konzentration der IWKA auf die Robotersparte rund um die Augsburger Kuka und betreibt die Abwahl von Aufsichtsrat und Vorstand.Während Wyser-Pratte auf der Hauptversammlung 2004 noch knapp scheitert, erreicht er im Sommer 2005 eine Mehrheit auf der Hauptversammlung. Die Kapitalseite des Aufsichtsrats tritt zurück, und Vorstandschef Hans Fahr reicht seinen Rücktritt ein ? noch vor Beginn der Hauptversammlung.Lesen Sie weiter auf Seite 3: IWKA hat das Gröbste hinter sich?Heute hat die IWKA das Gröbste an Aufräumarbeiten hinter sich?, sagt Hein in seiner ruhigen, aber bestimmten Art auf der Pressekonferenz. Die jüngste Grausamkeit hat der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung vergangenen Dienstag beschlossen: Die IWKA Holding zieht von Karlsruhe nach Augsburg um, an den Sitz der größten Tochtergesellschaft Kuka. ?In Augsburg laufen 70 Prozent unseres Geschäftes?, begründet er die Entscheidung. Ob dann auch der Name umgewandelt wird, lässt er offen. ?Es ist eine Überlegung wert. Der Name IWKA ist im Ausland schwer auszusprechen.?Er will das Robotergeschäft auf weitere Geschäftsfelder ausdehnen. Die bisherige Konzentration auf die Autoindustrie hat zu Problemen geführt, wenn die Branche wie im vergangenen Jahr ihre Investitionen kürzt oder auch nur verschiebt. Hier kritisiert Hein scharf Hans Fahr. ?Mein Vorgänger hat gigantische Geschäftsfelder geblockt.?Um den streitbaren Großaktionär Wyser-Pratte ist es ruhig geworden. In einem Brief hat er kürzlich die Arbeit des neuen Aufsichtsrats und die Unternehmensstrategie gelobt. Aber Hein sieht sich nicht als sein Erfüllungsgehilfe. ?Ich stimme mich mit ihm nicht persönlich ab?, sagt er. Bisher hat er sich erst einmal mit ihm getroffen. Dafür habe er auf den Roadshows Zustimmung für seine Strategie von allen Investoren bekommen.Wyser-Pratte erhält für 2005 keine Dividende und auch für 2006 bestenfalls eine geringe. Auch der Aktienkurs hat in den vergangenen Monaten durch die schlechten Nachrichten gelitten, den Rückschlag aber inzwischen wieder aufgeholt. Doch bisher hat der US-Investor noch nicht Kasse gemacht, obwohl sich der IWKA-Kurs seit seinem Einstieg im November 2003 verdoppelt hat. Analysten der HVB indessen halten die derzeitige Bewertung der Aktie für ?ziemlich ambitioniert?.Hein will möglichst bald wieder eine Dividende zahlen. Bis Ende 2006 will er IWKA neu aufstellen. Jetzt blickt er sogar wieder nach vorne und denkt an Wachstum und Zukäufe. ?Ich trete nicht in der Bundesliga an, um Zweiter zu werden?, lautet seine selbstbewusste Strategie.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vita von Wolfgang-Dietrich HeinVita von Wolfgang-Dietrich Hein1949: Er wird am 1. Februar in Moers geboren. Später studiert er Elektrotechnik in Bochum.1974: Er beginnt bei MAN. Ab 1979 arbeitet er als Generaldirektor für MAN in Afrika.1984: Er geht als Managing Director zu MAN in Australien.1987: Er wechselt als Präsident zur Friedrich Krupp GmbH nach Pittsburgh/USA.1990: Er gründet in München die Unternehmensberatung Hein & Partner. Er saniert in den folgenden Jahren diverse Maschinenbauunternehmen.2002: Er wird Vorsitzender der Geschäftsführung der Coperion Holding in Stuttgart.2005: Im September wechselt er als Vorstandschef zu IWKA.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2006