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Quer durch den Mediendschungel

Hans-Martin Barthold
Im Medienzeitalter sind Publizisten und Kommunikationswissenschaftler gern gefragte Experten. Sie arbeiten in Kommunikationsberatung, Werbung, Markt- oder Meinungsforschung. Denn sie kennen die verschlungenen Wege der öffentlichen Meinungsbildung und wissen, wie die modernen Medien ticken.
Brotlose Kunst, Laberfach – diesen Stempel sind die Studiengänge Publizistik oder Kommunikationswissenschaft nie ganz losgeworden. Doch die Absolventen bringen Qualifikationen mit, die viele Arbeitgeber schätzen. Im Medienzeitalter sind Publizisten und Kommunikationswissenschaftler gern gefragte Experten. Sie arbeiten in Kommunikationsberatung, Werbung, Markt- oder Meinungsforschung. Denn sie kennen die verschlungenen Wege der öffentlichen Meinungsbildung und wissen, wie die modernen Medien ticken. Know-how, das auch im Job von Christian Salazar-Volkmann unverzichtbar ist.

Der Kommunikationswissenschaftler ist in Guatemala-Stadt Leiter der Unicef-Landesprogramme. ?Um die Probleme eines Landes, das vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichnet ist, in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu bringen, sind die Medien für Unicef wichtige Bündnispartner. Durch mein Studium kenne ich mich außerdem gut mit verschiedenen Institutionen aus und kann einschätzen, wie beispielsweise Ministerien Informationen aufnehmen. Und mehr noch, ich weiß, wie ich sie formulieren muss, damit sie dort in der gewünschten Weise aufgenommen werden.“ Da reicht es nicht aus, flüssig zu schreiben und wortgewandt zu sein. Kommunikationstheorie, Methoden der empirischen Kommunikationsforschung, Struktur und Organisation der öffentlichen Kommunikation gehören zu den Fächern, die an allen Hochschulen auf dem Lehrplan stehen. Außerdem sind in Publizistik und Kommunikationswissenschaft wie in allen empirischen Sozialwissenschaften Scheine in Statistik Pflicht.

Die besten Jobs von allen


Die Prüfungsordnungen schreiben meist zwei Nebenfächer vor, seltener nur eins. Hin und wieder besteht Wahlfreiheit zwischen beiden Möglichkeiten. Vor- und Nachteile halten sich dabei die Waage: Zwei Nebenfächer eröffnen eine breitere Perspektive – zum Preis eines geringeren Tiefgangs. Ein Einheitsrezept für die ideale Fächerkombination gibt es nicht. Dafür ist das Spektrum möglicher Berufsfelder zu breit. Das der Nebenfächer ebenso: Psychologie, Pädagogik, Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, Jura, Geschichte zählen zu den wichtigsten.

Bei der Wahl der Nebenfächer sollten sich Studienanfänger deshalb fragen: Was interessiert mich, wo liegen meine Begabungen, und welche Berufswünsche habe ich? Annette Rinck, Marketing-Communications Managerin bei BMW Motorrad in München, empfiehlt allen, die ins Marketing wollen, die Ergänzungen BWL, Werbe- und Marktpsychologie. ?So wird man befähigt, ökonomische wie sozialpsychologische Zusammenhänge zu analysieren“, sagt die Publizistin. Reinhold Fuhrberg, ein Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Ahrens & Behrent, plädiert allgemein für ein wirtschaftswissenschaftliches Nebenfach; ohne dieses fehle der ?erforderliche Stallgeruch“.

Anke Bathelt, Projektleiterin Medienforschung, Fernsehen und Werbeforschung beim WDR, findet wichtig, dass Studenten Instrumente für die Medienwirkungsanalyse kennen lernen. ?Das Handwerkszeug etwa für die psychologische Zielgruppendifferenzierung und Typologieentwicklung musste ich mir erst im Nachhinein aneignen.“ Außerdem rät sie Studenten, die Hochschule wenigstens einmal zu wechseln, um unterschiedliche Lehrmeinungen zu hören. ?In unserem Job braucht man die Vielfalt der Perspektiven.“ Und immer wieder Praxiserfahrung – um die sich allerdings jeder Student selbst kümmern muss.

?Die Verknüpfung mit der Praxis ist an den Universitäten noch immer viel zu wenig institutionalisiert“, bemängelt Gernot Gehrke, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz ecmc in Marl. Die angehenden ?PuKs“, Publizisten und Kommunikationswissenschaftler, seien da als Nothelfer in eigener Sache gefordert. In ihrer jüngsten Studie fanden der Essener Professor H. Walter Schmitz und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Claudia Schirrmeister bestätigt, ?dass parallel zum Studium erworbene Praxiserfahrungen für Kommunikationswissenschaftler bei der Stellensuche weitaus mehr Gewicht haben als ein schnelles Studium oder ein bloß niedriges Abschlussalter“.

Michael Darkow, Geschäftsführer der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg, nennt eine weitere Kompetenz, die Bewerber mitbringen sollten: ?Wir brauchen Mitarbeiter, die mit sich selbst geduldig umgehen können.“ Die Fernsehforschung sei hoch komplex und man müsse sich in deren Details regelrecht hineinleben. ?Loslassen können“, hebt Anke Bathelt vom WDR als unverzichtbare Eigenschaft hervor: ?Ich mache das Briefing für die Datenerhebung, analysiere die Ergebnisse und gebe eine Einschätzung ab. Was der Redakteur daraus für Konsequenzen zieht, liegt aber nicht mehr in meiner Hand.“

Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001