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Qualmend ans Ziel

Von Dirk Heilmann
Gareth Davis, Chef von Imperial Tobacco, hat am Dienstag die vorletzte Hürde im Rennen um den Kauf des Konkurrenten Altadis genommen. Der Kettenraucher mit den grau-weißen Haaren formte Imperial Tobacco über Jahrzehnte hinweg zu einem führenden Spieler der Branche.
Ein bis zwei Schachteln der Hausmarke "Embassy" genehmigt sich Gareth Davis pro Tag. Foto: ap
LONDON. Gareth Davis hat einen langen Atem ? soweit man das von einem Kettenraucher sagen kann. Der bullige 57-jährige Chef von Imperial Tobacco, der täglich ein bis zwei Packungen der Konzernmarke ?Embassy? inhaliert, hat am Dienstag die vorletzte Hürde in einem fast einjährigen Rennen um den Kauf des Konkurrenten Altadis (Gauloises, Gitanes) genommen. Die außerordentliche Hauptversammlung des spanisch-französischen Konzerns beschloss die Abschaffung einer Klausel, wonach kein Aktionär mehr als zehn Prozent der Stimmrechte ausüben darf.Nun läuft bis zum 11. Januar das formelle Übernahmeangebot, und kein Analyst zweifelt, dass es 80 Prozent der Altadis-Aktionäre annehmen werden. Damit behauptet sich Imperial in der weltweiten Konsolidierung der Tabakindustrie neben Altria aus den USA, Japan Tobacco und BAT aus Großbritannien. Davis wird das Ergebnis aus Madrid in der üblich trockenen Art zur Kenntnis nehmen. Große Sprüche sind seine Sache nicht; er lässt lieber Taten sprechen.

Die besten Jobs von allen

Der Manager mit den grau-weißen Haaren hat Imperial Tobacco über Jahrzehnte hinweg zu einem führenden Spieler der Branche gemacht. Dabei legte er einen weiten Weg zurück: Vor 33 Jahren kommt er frisch von einem Wirtschafts- und Geografie-Studium in Sheffield in eine Tabakfabrik des Mischkonzerns Hanson. Es ist nicht sein Traumjob, wie er zugibt, aber er macht seine Sache gut und steigt in der wachsenden Zigarettensparte des mächtigen Mischkonzerns stetig auf. 1987 wird er erst Produktionschef und dann auch Leiter des internationalen Geschäfts.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kein Problem mit dem negativen Image?Ich habe den Job nur bekommen, weil keiner glaubte, dass das internationale Geschäft irgendeine Zukunft hätte?, erinnerte sich Davis einmal in typischer Selbstironie. ?Wir verkauften in Spanien und auf den Kanalinseln und ein paar Zigaretten an die Saudis.? Heute macht Imperial Tobacco drei Viertel des Geschäfts im Ausland ? zum Glück, denn der Heimatmarkt verkümmert dank Rauchverbot und hoher Steuern.1996 schwimmt sich Davis endgültig frei: Er führt Imperial Tobacco als Chief Executive Officer (CEO) in die Selbstständigkeit und an die Börse. Kein anderer Teil des zerlegten Hanson-Konglomerats schlägt sich dort so gut wie der Zigarettenhersteller. 2002 wagt er mit dem Kauf des deutschen Konkurrenten Reemtsma für gut fünf Milliarden Euro die größte Übernahme ? bisher, denn Altadis wird mehr als zwölf Milliarden kosten. Bis auf ein paar Privatisierungen in Schwellenländern werde künftig aber organisches Wachstum im Vordergrund stehen, sagt er.Damit besteht die Aussicht, dass dem verheirateten Vater einer Tochter mehr Zeit für Golf und Cricket bleibt und dass er häufiger zu Spielen seines Lieblings-Fußballclubs Bolton Wanderers kommt. Mit der Familie lebt er in der Nähe der Konzernzentrale in Bristol, die er bei einer Präsentation in London jüngst ?unseren Raucherbunker? nannte.Den bodenständigen Mann scheint das negative Image der Tabakbranche nicht zu belasten. Noch 2003, als seine Kollegen an der Spitze anderer Zigarettenkonzerne längst die Büßerhemden übergestreift hatten, stritt er vor Gericht in Edinburgh ab, dass der Zusammenhang zwischen Rauchen und tödlichen Krankheiten medizinisch erwiesen sei. Nur zähneknirschend akzeptiert er, wenn bei Präsentationen in London keine Aschenbecher auf dem Tisch stehen.?Ich lade Sie noch auf eine Tasse Kaffee und Gebäck ein?, schloss er jüngst eine Analystenkonferenz, ?aber wenn Sie wirklichen Genuss wollen, kommen Sie auf die Raucherterrasse.?
Dieser Artikel ist erschienen am 19.12.2007