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Promis einen Bären aufgebunden

Er schlägt zu, wenn seine Opfer es am wenigsten vermuten. Fidel Castro ist es passiert, George Bush senior auch, Schwedens Königin Silvia, Sportstars wie Michael Schumacher oder Franz Beckenbauer. Ihnen allen hat der deutsche Manager Joachim Zahn ?einen Bären aufgebunden?. Wie beim Gartenzwerg aus dem Kultfilm ?Amélie?, dessen Reisen um den Globus genau dokumentiert wurden, nötigt Zahn seinen Opfer stets Beweisfotos ab.
HB KAPSTADT. Auch bei einem Dutzend Präsidenten von Thabo Mbeki (Südafrika) bis Lula da Silva (Brasilien) ist es ihm schon geglückt. Der braune Teddybär aus Bern, den der Professor bei all seinen Reisen um die Welt seit zwanzig Jahren im Gepäck hat, ist ein Star über Politik-, Glaubens- und Rassengrenzen hinweg. Zahn überrumpelt seine Opfern geradezu, um sie dann mit dem Bären abzulichten.Wie beim Gartenzwerg aus dem Kultfilm ?Amélie?, dessen Reisen um den Globus genau dokumentiert wurden, nötigt Zahn seinen Opfer stets Beweisfotos ab. Jüngstes Mitglied im Bärenclub des Managers wurde TV- Moderatorin Sabine Christiansen, die sich in Kapstadt beim Afrikagipfel des Weltwirtschaftsforums mit Teddy ablichten ließ. Die Marotte des Managers trifft meist auf Erheiterung und zunächst höfliche Ablehnung: ?Aber sobald ich Bilder von Castro zeige, bricht der Widerstand.? Rund 15 000 Fotos hat der 60-Jährige bereits ? und es werden täglich mehr.

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Angefangen hat alles, als ihm seine vierjährige Tochter vor seinen Dienstreisen ihren Teddy in den Koffer schmuggelte und Beweise forderte, dass das Kuscheltier auch wirklich mit unterwegs war. Zahn: ?Ich habe angefangen, ihn vor dem Weißen Haus abzulichten, aber nach dem dritten Mal fand meine Tochter das dann nicht mehr so spannend.? Also konzentrierte er sich auf Prominente. Der erste Star, dem er mit pochendem Herzen den Teddy in die Hand drückte, war ein brasilianischer Rennfahrer auf dem Flug nach Miami.Schon bald entdeckte er, dass sein Spleen ihm nutzte. ?Es ist ein echter Türöffner. Prominente drücken jeden Tag Dutzende Hände, haben aber Namen schnell vergessen. Mir ist das nie passiert?, sagt der Deutsche, der in seinen 27 Jahren bei seinem Arbeitgeber Daimler-Chrysler unter anderem für Konzern-Repräsentanz zuständig war.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fidel Castro persönlich ließ den Bären holenIn Kapstadt vertraute ihm Mosambiks Ex-Präsident Joaquim Chissano gerade an, dass sein Teddy-Bild noch immer an der Wand hängt. ?Ich werde die Bilder mal in einem Buch veröffentlichen und den Erlös einer karitativen Einrichtung zukommen lassen?, sagt Zahn, der einen Spruch seines Vaters beherzigt: ?Wenn schon Narr, dann konsequent.?Auch Fußballstar Pelé oder Musiker wie Gilberto Gil oder Daniela Mercury seien problemlos gewesen. Zahn: ?Schwierig sind immer nur die Militärs ? die meinen, das passe nicht zur Uniform.? Brasiliens Oberkommando hatte jedenfalls Berührungsängste und verschanzte sich mit gequältem Lächeln hinterm Schreibtisch, auf dem der Bär posierte. ?Der Planungschef des chinesischen Heeres dagegen war unkomplizierter?, erzählt Zahn beim Blättern in seinem Album. Manche der Fotografierten sind schon Teil der Geschichte. Argentiniens Ex- Präsident Carlos Menem etwa, der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau oder Ex-Rennfahrer Emerson Fittipaldi.Wie er seine Opfer überzeugt? ?Das Schwierigste ist es, den Teddy durch die Sicherheitskontrollen zu schmuggeln. Und dann muss ich die Leute in ein Gespräch verwickeln und ihnen eine Geschichte erzählen.? Im Falle von Fidel Castro war es etwas schwieriger ? die Leibwächter fürchteten eine explosive Subversion des Klassenfeindes. ?Aber als ich das Fidel erzählt hatte, ließ er selbst den Bären holen.?Oben auf der Liste stand auch der Papst. ?Ich habe zwar ein Teddy-Foto mit der Nummer drei des Vatikans, aber den Papst hat er mir nicht besorgt?, bedauert der heute in Brasilien lebende Bären-Fan.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2006