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Profi-Kläger auf der Pirsch

bdo
Eine neue, unangenehme Bewerber-Spezies könnte demnächst die Rechtsabteilungen der Unternehmen beschäftigen. Sobald das Antidiskriminierungsgesetz am 1. Juli in Kraft tritt, so befürchten Arbeitsrechtler, durchforsten Pseudo-Bewerber Stellenanzeigen nach diskriminierenden Formulierungen zu Alter oder Geschlecht, etwa ?Sekretärin zwischen 25 und 35 gesucht?.
Eine neue, unangenehme Bewerber-Spezies könnte demnächst die Rechtsabteilungen der Unternehmen beschäftigen. Sobald das Antidiskriminierungsgesetz am 1. Juli in Kraft tritt, so befürchten Arbeitsrechtler, durchforsten Pseudo-Bewerber Stellenanzeigen nach diskriminierenden Formulierungen zu Alter oder Geschlecht, etwa ?Sekretärin zwischen 25 und 35 gesucht?.Fallen sie nicht in die gesuchte Gruppe, bewerben sie sich und klagen auf Schadenersatz, sobald sie eine Absage erhalten. Experten warnen sogar vor der Entstehung eines regelrechten Klage-Gewerbes. ?Es wird jede Menge Leute geben, die Stellenanzeigen nach solchen Formulierungen durchsuchen und bei einer Ablehnung sofort vor Gericht ziehen?, glaubt Thomas Hoffmann, Geschäftsführer der Horizont Personalberatung in Koblenz. Dafür brauche es lediglich eine Rechtsschutzversicherung und die nötige Chuzpe. Maximal drei Monatsgehälter des entgangenen Jobs können erfolgreiche Kläger vor Gericht absahnen. ?Für einen abgelehnten Bewerber ist es relativ leicht, eine Diskriminierung nachzuweisen?, bestätigt Regina Glaser, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Düsseldorfer Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek. Denn nur 30 Prozent der Unternehmen, so schätzt sie, seien bislang ausreichend vorbereitet.

Die besten Jobs von allen

?Schon wenn der Bewerber sich per Telefon meldet, müssen am anderen Ende geschulte Mitarbeiter sitzen?, erläutert die Anwältin. ?Wenn da jemand unbedacht sagt: ,Wir suchen aber einen Jüngeren?, kann das schon Anlass für eine Klage sein.? Immerhin: Langsam beginnt das neue Gesetz in den Unternehmen zu wirken. So sank laut einer Analyse des Kölner Büros gegen Altersdiskriminierung der Anteil der FAZ-Stellenanzeigen mit direkten Altersangaben wie ?nicht älter als 40? innerhalb eines Jahres von 68,4 auf 22,7 Prozent. Indirekte Altersangaben wie ?zwei bis fünf Jahre Berufserfahrung? sind dagegen auf dem Vormarsch. Doch auch sie können böse Folgen für Unternehmen haben. Denn noch weiß niemand, wie streng die Arbeitsgerichte das neue Gesetz auslegen werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2005