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Professor Günter Wöhe wird 80

Von Reinhard Lückmann
Der langjährige Hochschullehrer der Universität des Saarlandes und führender Kopf in der modernen Betriebswirtschaftslehre wird 80 Jahre alt. Die Studierenden wußten vor allem seine verständliche Sprache und seine didaktischen Fähigkeiten zu schätzen.
HB DÜSSELDORF. Man könnte ihn glatt für einen rüstigen Mittsechziger halten, wenn man es nicht besser wüsste. Es ist in der Tat kaum zu glauben, dass Professor Dr. Dr. h.c. mult. Günter Wöhe am kommenden Sonntag sein 80. Lebensjahr vollendet. Der nicht nur geistig, sondern auch körperlich jung gebliebene ist nicht nur ein langjähriger Hochschullehrer der Universität des Saarlandes, sondern auch einer der herausragenden Köpfe der modernen Betriebswirtschaftslehre.Seine ?Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" gilt noch immer als die Standardeinführung in dieses Fach und liegt inzwischen in ihrer 21. Auflage vor. Insgesamt ging ?der Wöhe?, der auch zu einem Markenzeichen leicht verständlicher Wissensvermittlung wurde, eine viertelmillionenmal über den Ladentisch. Inzwischen ist das Buch auch in japanischer, russischer, tschechischer und koreanischer Fassung als Standard-Lehrbuch vorhanden.

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Darüber hinaus prägte Wöhes vierbändiges Werk zur Steuerlehre die Grundkonzeption dieses betriebswirtschaftlichen Fachgebiets. Seine theoretische Durchdringung trieb er entscheidend voran. Diese Forschungsleistungen bilden heute die Grundlage der Lehrpläne des Faches an allen deutschsprachigen Hochschulen. Doch Wöhe ist nicht nur ein excellenter Theoretiker, sondern er gilt auch als ein ausgezeichneter Pädagoge. ?Seine hervorragenden didaktischen Fähigkeiten haben Ihn zu einem hoch geschätzten Universitätslehrer gemacht.?, so Heinz Kußmaul, ein Schüler Wöhes und heute dessen Nachfolger am Saarbrücker Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre.Trotz mehrfacher Rufe an andere Universitäten hielt Wöhe der Universität des Saarlandes bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 die Treue. Seine Saarbrücker Fakultät war ihm zur bleibenden Heimat geworden. Die Stationen davor: Gleich nach dem Abitur, das Günter Wöhe in seiner Geburtsstadt Zeitz ablegte, wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. 1946 nahm Wöhe in Würzburg sein Studium auf: zunächst der Philosophie und Geschichte, dann der Volkswirtschaftslehre. Es folgten 1951 die Diplomprüfung für Volkswirte, 1954 die Promotion und 1958 die Habilitation, bevor er 1959 dem Ruf an die Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Universität des Saarlandes folgte. Als Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Revisions- und Treuhandwesen hat Wöhe Generationen von Studenten auf ihre berufliche Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder allgemein als Unternehmenspraktiker vorbereitet.Für sein umfangreiches wissenschaftliches Werk hat Wöhe vielfältige Anerkennung erfahren: Die Universitäten Duisburg und Lüneburg verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Die Bundesregierung berief ihn 1968 in die Große Steuerreformkommission. Die Universität St. Gallen zeichnete ihn mit dem international angesehenen Dr. Fritz Kausch-Preis aus und die japanische Universität Kobe übertrug ihm eine Gastprofessur.Der umtriebige Professor ist heute zwar im Ruhestand aber beruflich keineswegs untätig. Zwar widmet er sich jetzt häufiger seinen privaten Hobbys zu denen weniger der Computer, mit Sicherheit aber die Modelleisenbahn und das Fotografieren gehören. Ganz umschalten auf ?Privatier? möchte Wöhe aber offenbar nicht. Er tippt nämlich gerade die Manuskripte für ein Buch über Rechnungslegung und Prüfung von Kapitalgesellschaften - auf einer Schreibmaschine.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.04.2004