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Privaten PC absetzen

Michael H. Schulz
Die Kosten für die berufliche Nutzung von Computer, Scanner und Drucker können anteilig von der Steuer abgesetzt werden.
Na bitte, es geht doch!

Nach Feierabend fährt Ralf Bergmann zu Hause öfter seinen PC hoch und erledigt in aller Ruhe die Arbeit, die er im Büro nicht geschafft hat. Sein zeitliches Engagement dankt ihm der Fiskus natürlich nicht. Dafür kann der 38-jährige Abteilungsleiter ? und mit ihm die meisten der 18 Millionen Erwerbstätigen, die zu Hause einen PC stehen haben ? die Kosten für die berufliche Nutzung des Computers, Scanners oder Druckers anteilig als Werbungskosten in seine Steuererklärung eintragen. Das mindert die Steuerlast, vorausgesetzt, der anrechnungsfähige Preis übersteigt zusammen mit anderen Werbungskosten, zum Beispiel Fachliteratur, den Pauschbetrag von 2.000 Mark im Jahr.

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So leicht ließ sich der Heim-PC nicht immer absetzen: Bislang handelten die Finanzbeamten nach der Devise ?alles oder nichts?. Nur wenn die private Nutzung so gut wie ausgeschlossen war, konnten Arbeitnehmer die Kosten für das Gerät abschreiben ? dafür aber dann in Höhe des kompletten Anschaffungsbetrags.

Dieser Nachweis gelang bei PCs mit Computerspielen und Soundkarten allerdings so gut wie nie. Lediglich der Kauf von teuren Notebooks galt den Finanzämtern als Indiz für die überwiegend berufliche Veranlassung. Die Zeit der Klassenunterschiede ist jetzt vorbei: Schon in der Steuererklärung für 2000 kann jeder Arbeitnehmer die Kosten für die berufliche Nutzung seines PCs anteilig abschreiben.

Entscheidend für den Umfang der steuerlichen Anerkennung ist dabei das Verhältnis zwischen beruflicher und privater Nutzung (siehe Beispielrechnung). Für Studenten gilt das Gleiche, wobei das Abschreiben bei ihnen nur Sinn macht, wenn sie überhaupt Steuern zu zahlen haben. Der Grundfreibetrag liegt in diesem Jahr bei 14.093 Mark plus 2.000 Mark Werbungskostenpauschale. Die neue Großzügigkeit des Fiskus kommt auch Besitzern von Internet-Anschlüssen zugute. Denn der private Klick ins Internet schadet nicht länger der steuerlichen Anerkennung der beruflich veranlassten Onlinekosten. Ab sofort interessiert es das Finanzamt nicht, ob das Internet zu zehn oder zu 60 Prozent privat genutzt wird, solange die beruflichen Kosten glaubhaft gemacht werden können.

Die Kehrtwende bei der Anerkennung des Heimcomputers verdanken Arbeitnehmer dem Bundeskanzler. Gerhard Schröder entdeckte im vergangenen Jahr auf der Expo mit den Worten ?jeder soll seinen PC abschreiben können? sein Herz für die zu Hause arbeitenden Berufstätigen. Den Worten des Regierungschefs ließen die obersten Finanzbehörden der Länder schnell Taten folgen.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Peer Steinbrück preschte mit einem Erlass an die Finanzbeamten vor (Aktenzeichen S 2354 - 1 - V B 3). Einige Länder haben schon nachgezogen, die übrigen bereiten Weisungen vor. Doch noch gibt es keine Regelung, wie die Aufteilung der Kosten nachgewiesen werden kann. Harald Hafer vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine rechnet aber damit, ?dass man in der Regel den schlüssigen Angaben des Steuerpflichtigen zur Aufteilung in einen privaten und beruflichen Nutzungsanteil folgen wird?. Im Klartext: Wenn die Aufstellung halbwegs plausibel aussieht, werden die Finanzämter nicht meckern. Bis sich diese neue Weltanschauung aber bei allen Finanzbehörden durchgesetzt haben wird, könnte es noch ein Weilchen dauern. Wer auf Nummer sicher gehen will, dokumentiert die privat und beruflich vor dem PC verbrachten Stunden. Hilfreich ist dabei ein Surf-Protokoll, in dem man jede aufgerufene Web-Site inklusive der jeweiligen Verweildauer auflistet.

Sind die berufsbedingt angefallenen Kosten für PC, Notebook oder Scanner ermittelt, so wird diese Summe nach den geltenden Abschreibungsfristen (steuerdeutsch: Afa-Fristen) über mehrere Jahre verteilt in der Steuererklärung als Werbungskosten berücksichtigt. Nur Anschaffungen unter 928 Mark ? 800 Mark plus 16 Prozent Mehrwertsteuer ? werden als geringwertige Wirtschaftsgüter einmalig im Jahr des Kaufs abgeschrieben.

In der Steuererklärung 2000 gelten für Computer und Zubehör Abschreibungsfristen von vier Jahren. Das heißt, ein Viertel der Gesamtkosten wandert pro Jahr in die Steuererklärung. Seit 2001 gilt eine Frist von drei Jahren. Der Vorteil: Pro Jahr kann man höhere Beträge steuermindernd ansetzen.

Über einen Steuerbonus können sich auch Arbeitnehmer freuen, die von ihrem Brötchengeber einen PC für daheim geliehen bekommen. Der so genannte geldwerte Vorteil aus der privaten Nutzung von betrieblichen PCs ist seit dem Kalenderjahr 2000 steuerfrei. So steht es jedenfalls sinngemäß im neuen Paragrafen 3, Nr. 45 des Einkommensteuergesetzes. Und dabei stört es den Fiskus auch nicht, wie oft der Arbeitnehmer hobbymäßig im Internet surft.

Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2001