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Prima Klima

Von E. Krummheuer
Düsseldorfs Flughafenchef Christoph Blume holt als Seiteneinsteiger immer mehr Fernflüge auf die Pisten am Rhein. Sein besonderer Stolz aber ist die neue Airport City.Die startet am Wochenende mit einem riesigen Kongresshotel.
Der Geschäftsführer der Flughafen Düsseldorf GmbH, Christoph Blume. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Von seinem Büro aus blickt er ? typisch Flughafenchef ? aufs Rollfeld mit den startenden und landenden Maschinen. Doch wenn sich Christoph Blume die Zukunft des Düsseldorfer Flughafens anschauen will, dann geht er gerne mal auf die sogenannte Landseite.Denn dort, auf dem einstigen Kasernengelände neben dem Flughafen, hat er Großes vor. Da baut er die Airport City, einen Business-Park mit repräsentativen Firmenniederlassungen, der auch Einkaufsziel und Erlebnisstandort sein soll. An diesem Wochenende eröffnet das erste Highlight des Parks: ein Maritim-Hotel. Das Vier-Sterne-Haus mit über 500 Zimmern ist das größte Kongresshotel in Nordrhein-Westfalen.

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Es ist kein Zufall, dass sich Blume so sehr um das neue Areal kümmert. Der 55-Jährige ist erfahrener Stadtplaner, eine Seltenheit in der Branche, wo sonst Diplom-Kaufleute und Juristen das Sagen haben.Doch auch das Kerngeschäft treibt Blume voran. ?Lange Zeit haben wir uns nur als den drittgrößten deutschen Flughafen nach Frankfurt und München gesehen. Heute verstehen wir uns als den Airport der wirtschaftsstärksten Region des Landes, in der zehn von 30 Dax-Unternehmen sitzen?, sagt er selbstbewusst. Früher gab es Interkontinentalflüge von Düsseldorf aus fast ausschließlich mit dem dort beheimateten Ferienflieger LTU. Viele internationale Anbieter mieden die Pisten. Lufthansa setzte vor allem auf die Drehkreuze Frankfurt und München.Das ist vorbei. Emirates etwa, die aggressiv wachsende Airline der Ölscheichs, fliegt schon zweimal täglich nonstop von Düsseldorf nach Dubai. US-Gesellschaften wie Continental oder Delta überqueren regelmäßig den großen Teich. Und nun zieht die Lufthansa nach. Ab nächstem Frühjahr fliegt sie täglich mit großen Airbussen nach USA und Kanada.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Blume und sein ?klimatischer Neubeginn? Das ist ein Stück erfolgreicher Diplomatie von Christoph Blume: ?Markt und Wettbewerb sind immer die Stichworte von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber?, sagt er. ?Auf dieser Basis haben wir mit den Fluggesellschaften ausgelotet, welche Potenziale sich ihnen bieten.? Und das habe, wie es Blume nennt, zu einem ?klimatischen Neubeginn? geführt.Geholfen hat ihm die Einkaufstour der Air Berlin. Nach der Übernahme des Lufthansa-Rivalen DBA und der LTU will sie Düsseldorf zum Umsteigeflughafen für ihr europäisches und künftig interkontinentales Netz machen. Der Flughafen investiert dafür einen hohen Millionenbetrag.Blume hat vieles eingefädelt. Doch Kerosin hat er, wie man in der Branche gerne sagt, nicht unbedingt im Blut. Aber er hatte den Geruch als Junge gerne in der Nase: Manchen Kindergeburtstag verbrachte der gebürtige Essener auf der Besucher-Terrasse in Düsseldorf-Lohausen: ?Flughafen war schon immer etwas Besonderes?, erinnert er sich und kann in der Stimme die Heimat an der Ruhr nicht ganz verbergen.Beruflich hat den Diplom-Ingenieur eine glänzende Beamtenkarriere zum Flughafen zurückgebracht. Mit 30 ist er bei der Stadt Bielefeld jüngster Baudezernent Deutschlands. Dann Köln, wo er den Rheinhafen und das Konzept der Köln-Arena mit entwickelt ? ?nicht eben so typische Beamtenprojekte?, wie er heute anmerkt.In Düsseldorf startet er als Stadtdirektor und ist auch für den Flughafen zuständig. Den Stadtentwickler bewegt, wie er heute sagt, vor allem die Frage, wie ?man aus einem Flughafen eine Lage machen kann?. Die Airport City, in der sich nach dem Maritim als Nächste der Verein Deutscher Ingenieure und Porsche ansiedeln werden, ist seine Antwort darauf.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Blume galt nicht bei allen als erste WahlDer äußerlich jung gebliebene Vater dreier Kinder, der gerne Ski fährt und ?auf Salzwasser immer hart am Wind segelt?, wird 2001 Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Flughafen-GmbH. Fünf Jahre nach einem Brand im Terminal, der 17 Opfer fordert, befindet sich der Airport erst im Wiederaufbau. Die Kassen sind leer, die Passagierzahlen sinken, ein harter Sanierungskurs muss Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Da ist Feingefühl gefragt, beim Personal, den Gewerkschaften und den Anteilseignern ? der Stadt Düsseldorf und dem privaten Konsortium aus Hochtief sowie dem irischen Flughafenbetreiber Aer Rianta. ?Das war ziemlich komplex. Wir mussten sehen, dass sich alle Beteiligten weiter in die Augen sehen können?, sagt Blume.Als sein Vorgänger Rainer Schwarz im Frühjahr 2006 Chef der Berliner Flughäfen wird, gilt Blume insbesondere bei Hochtief wegen seiner Herkunft als Stadtplaner nicht als erste Wahl. Doch knapp eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt ist die Kritik leiser geworden. Auch in der Branche gilt er als umgänglich, kollegial und kompetent. Im Unternehmen schätzen die Mitarbeiter die ruhige, offene Art ihres Chefs.Bei der Wahl zum Airport-Manager des Jahres des Fachblatts ?Touristik Report? belegte er vor kurzem zwar nur den dritten Rang hinter den Kollegen aus München und Hamburg. Aber für einen Newcomer ohne Kerosin im Blut, so das einhellige Branchenurteil, war das schon fast ein Ritterschlag.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2007