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Preußische Tugenden

Handelsblatt-Korrespondentin Nicole Bastian berichtet aus Japan und Südkorea
Generalstabsmäßig wie die Preußen hatten Korea und Japan die Weltmeisterschaft geplant. Doch auch die Schwächen der Preußen sind den Japanern nicht fremd.
Fast 100 000 leere Sitze in angeblich ausverkauften Stadien in den ersten Tagen und lange Schlangen von Fans, die für ihr Ticket schon bezahlt, es aber noch nicht erhalten haben, haben die Organisatoren jetzt davon überzeugt, dass doch nicht alles optimal gelaufen ist. Jetzt werden die Karten in Japan kurzfristig über Telefon und Internet verkauft. Das jedoch führt zu noch größerer Verwirrung, denn eigentlich ist ja für jedes Ticket schon gezahlt worden ? und zudem sollen die Internetseiten hoffnungslos überlastet sein. In Korea wollten die Organisatoren rund 3 000 Tickets beim Spiel Korea-Polen direkt vor dem Stadion verkaufen. Auch Sponsoren mussten ihre Tickets von Mitarbeitern aus Großbritannien abholen lassen.Zu den preußischen Untugenden soll ja auch eine gewisse Inflexibilität gehören. Die scheint sich allerdings mancherorts erhalten zu haben. In Sapporo etwa durfte eine Frau nicht ins Stadion, weil sie für ihr acht Monate altes Baby keine Karte hatte. Als sie die Tickets kaufte, war der Kleine noch gar nicht geboren.

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Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2002