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Prescott und Kydland forschen vielfältig

Auf vielen Hochzeiten tanzen sie in ihren Fachgebieten, der US-Wirtschaftswissenschaftler Edward C. Prescott und der ebenfalls in den USA lehrende Norweger Finn E. Kydland, die beiden diesjährigen Wirtschafts- Nobelpreisträger.
HB NEW YORK. Den Grundstock für den Nobelpreis hatten sie bereits 1977 mit einer gemeinsamen Studie zur gescheiterten Inflationsbekämpfung in den 70er Jahren gelegt. Ihre Hauptverdienste haben sich Prescott und Kydland mit der Forschung über Konjunkturzyklen erworben. Dabei beleuchteten sie die wirtschaftliche Depression der 30er Jahre, die ?Stagflation?, das heißt die gleichzeitige Inflation und Stagnation in den 70er Jahren, Ölpreisschocks und rückläufiges Produktivitätswachstum.Prescott ist derzeit leitender Währungsberater der Federal Reserve Bank of Minneapolis und Professor an der W.P. Carey School of Business der Universität von Arizona. Die ?Fed? in Minneapolis ist eine der zwölf zum US-Notenbanksystem gehörenden regionalen Zentralbanken.

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?Dies ist das goldene Zeitalter für Wirtschaftswissenschaften?, erklärte Prescott kürzlich. Nach seiner Auffassung sind wirtschaftliche Resultate selten zufällig, sondern das Ergebnis von Politik und Aktionen, die genau abgewogen werden müssten. Er hat auch über die Wirtschaftsflaute in Japan während der 90er Jahre, über Aktienmarktbewertungen, Monopolrechte und andere Themen geschrieben.Prescott hatte 1977 gemeinsam mit Kydland, in einem heute als Klassiker geltenden Bericht (?Rules Rather than discretion: The inconsistency of optimal plans?), nachgewiesen, dass wirtschaftliche Ergebnisse besser ausfallen, wenn Politiker oder Notenbanker glaubwürdige Zusagen über zukünftige Politik machen können. Das 1982 verfasste Papier ?Time to Build and Aggregate Fluctuations? gehört zu den am häufigsten zitierten Artikeln der vergangenen 30 Jahre.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Forschungen zur Wirtschaftsentwicklung in ArgentinienPrescotts Vielseitigkeit zeigt sich auch in einem gerade veröffentlichten Bericht, wonach die Amerikaner 50 Prozent mehr arbeiten als die Europäer. Er führt die großen Unterschiede auf unterschiedliche Steuersätze in den wichtigsten Industrieländern zurück und plädiert für eine Änderung der Steuersysteme. Wenn Einzelpersonen mehr arbeiteten und produktiver seien, sollten sie auch einen größeren Anteil am erhöhten Gesamtausstoß konsumieren dürfen, argumentierte er.Prescott hatte am Swarthmore College, an der Case-Western Reserve University und an der Carnegie-Mellon University studiert. Er war mehr als 20 Jahre lang Wirtschaftsprofessor an der University of Minnesota gewesen, ehe er nach Arizona wechselte.Kydland hatte 1973 an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh promoviert. Der vielseitige Wirtschaftswissenschaftler lehrt an der Tepper School of Business Administration der Carnegie-Mellon- Universität. Er ist auch Professor an der University von California in Santa Barbara. Eine seiner jüngeren Forschungsarbeiten bezog sich auf die Wirtschaftsentwicklung in Argentinien. Er brachte Konjunkturzyklen mit Arbeitsmarktfluktuation in Verbindung und legte mathematische Modelle über globale Konjunkturzyklen vor.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.10.2004