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Premiere-Chef Kofler geht überraschend

Der Chef des Bezahlsenders Premiere, Georg Kofler, verlässt überraschend das Unternehmen. Vor Bekanntgabe der Personalie machte der Manager noch ordentlich Kasse. Koflers Nachfolger steht bereits fest ? ein Name, auf den Analysten nicht gerade mit Begeisterung reagieren.
Georg Kofler verlässt den Bezahlsender Premiere. Foto: ap
HB MÜNCHEN. Kofler verlasse das Unternehmen bereits zum 31. August, teilte Premiere am Montag mit. Er habe den Aufsichtsrat um die vorzeitige Auflösung seines Dienstvertrags gebeten, hieß es. Neuer Chef werde Finanzvorstand Michael Börnicke. Als neuer Finanzvorstand wurde Alexander Teschner, bisher stellvertretender Finanzvorstand, berufen.Zuvor verkaufte der Manager seine rund 1,23 Mill. Premiere-Aktien, was ihm Reuters-Berechnungen zufolge etwa 23 Mill. Euro eingebracht haben dürfte. Koflers Aktienpaket entspricht etwa 1,25 Prozent des Grundkapitals des Pay-TV-Anbieters. Die Aktien seien über die Börse veräußert worden, teilte das Unternehmen mit.

Die besten Jobs von allen

Nach dem erfolgreichen Vertragsabschluss mit Arena beginne für Premiere eine neue Entwicklungsphase, sagte Kofler einer Pressemitteilung zufolge. In den kommenden Monaten kämen wichtige Rechtepakete auf den Markt. Es gehe um Vertragslaufzeiten bis 2012 oder länger, entsprechend langfristig müssten strategische Weichenstellungen und operative Geschäftspläne entwickelt werden.?Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich für einen solchen Zeithorizont nicht mehr für die Vorstandsarbeit bei Premiere zur Verfügung stehe. Konsequenterweise übergebe ich daher jetzt, bevor diese wegweisenden Entscheidungen anstehen, die Verantwortung in die Hände meines Nachfolgers?, sagte Kofler. Seine Entscheidung beruhe ausschließlich auf Überlegungen zu seiner persönlichen Lebensplanung.Lesen Sie weiter auf Seite 2: ?Die Aktie wird leiden.?Seit 25 Jahren beschäftige er sich mit dem Medium Fernsehen in all seinen Ausprägungen. Jetzt sei es Zeit für einen Themenwechsel. ?Ich beabsichtige, als führender Gesellschafter eine Unternehmensgruppe aufzubauen, die sich in ausgewählten Wachstumsmärkten positioniert, allerdings nicht in der Medienbranche?, lässt sich Kofler zitieren.Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Großkopf sagte, das Unternehmen bedauere ?außerordentlich?, dass der Manager nicht mehr länger für die Vorstandsarbeit zur Verfügung steht. Kofler hatte die Geschäftsführung bei dem Bezahlfernsehsender im Februar 2002 übernommen.Der Rücktritt von Premiere-Chef Georg Kofler wird von Analysten als negativ für das Unternehmen angesehen. Sein Nachfolger Michael Börnicke sei zwar ein guter Finanzchef, heißt es von Analysten, allerdings sei Kofler an der Spitze des Bezahlsenders der bessere Mann. Zudem komme der Zeitpunkt des Abgangs überraschend. ?Kofler wollte die Firma erfolgreich verlassen. ?Jetzt hat er zwar mit Arena Erfolge verbucht, aber noch nicht den großen Durchbruch.?Auch Analystin Sonia Rabussier von Sal. Oppenheim sieht den Rücktritt kritisch und erwartet Kursverluste. ?Die Aktie wird leiden?, prognostiziert sie. Ihre Einstufung für das Papier lautet ?Kauf?. Aus Bewertungsgründen liegt ihr Kursziel bei 21 Euro. Analyst Friedrich Schellmoser von der HVB bewertet das Papier ebenfalls mit ?Buy? mit einem Kursziel von 23 Euro.Die Premiere-Aktie fiel vorbörslich um 2,6 Prozent. Börsianer zeigten sich überrascht - schließlich sei Kofler ja nach außen sehr offensiv aufgetreten. ?Kofler war das Aushängeschild von Premiere?, sagte ein Händler.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.08.2007