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Preis für EZB-Kritiker

Von Norbert Häring
Der US-Ökonom Michael Woodford hat den ?Deutsche Bank Prize in Financial Economics? erhalten. Woodford habe eine Theorie von der Wirkungsweise der Geldpolitik entwickelt, die konsequent aus der Entscheidungssituation der einzelnen Haushalte und Unternehmen abgeleitet sei, begründete CFS-Direktor Volker Wieland.
FRANKFURT. Ein prominenter Kritiker der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank, (EZB), der US-Ökonom Michael Woodford, erhält den mit 50 000 Euro dotierten ?Deutsche Bank Prize in Financial Economics?. Der Preis wird seit 2005 alle zwei Jahre vom Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt und dem Stiftungsfonds Deutsche Bank verliehen.CFS-Direktor Volker Wieland stellte zur Begründung der Preisverleihung besonders heraus, dass Woodford eine Theorie von der Wirkungsweise der Geldpolitik entwickelt habe, die konsequent aus der Entscheidungssituation der einzelnen Haushalte und Unternehmen abgeleitet sei.

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Eine wichtige Folgerung aus Woodfords Arbeit ist die hervorragende Bedeutung der Erwartungen für die Geldpolitik. Daraus leitet er ab, dass Notenbanken alles tun sollten, damit die Öffentlichkeit gut einschätzen kann, wie sie auf bestimmte Entwicklungen in der Wirtschaft reagieren werden. Woodford ist aus diesem Grund ein Anhänger der Strategie der direkten Inflationssteuerung. Sie beruht im wesentlichen darauf, dass die Notenbank ein Inflationsziel vorgibt und ihre Zinsen danach ausrichtet, ob dieses Ziel über- oder unterschritten wird.?Ich empfehle der EZB, ebenso wie den Vertretern der US-Notenbank, sich ganz genau anzuschauen, wie die Notenbanken von England, Schweden und Norwegen ihre Entscheidungen fällen und kommunizieren?, sagte Woodford dem Handelsblatt. Diese Notenbanken gehörten derzeit zur Avantgarde in Sachen klare Kommunikation und Vorhersehbarkeit. Die Zentralbanken Norwegens und Schwedens prognostizieren inzwischen sogar öffentlich, welche Leitzinsentscheidungen sie nach heutigem Informationsstand in Zukunft voraussichtlich treffen werden.Die Europäische Zentralbank verfolgt eine der Inflationssteuerung ähnliche Strategie. Allerdings legt sie Wert darauf, dass sie nicht so bezeichnet wird. Im Rahmen ihrer ?Zwei-Säulen-Strategie?, beobachtet die EZB parallel zur Inflation auch noch Geldmengen- und Kreditaggregate und weist diesen Indikatoren eine herausgehobene Stellung zu.Woodford, der neben anderen Zentralbanken auch immer wieder für die EZB berät, lässt kein gutes Haar an der hervorgehobenen Rolle der Geldmenge. Aus seiner Sicht gibt es dafür keinen vernünftigen Grund mehr. Vielmehr binde sie unnötig Ressourcen und mache es der EZB schwer, ihre Entscheidungen klar und nachvollziehbar zu begründen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Woodford ist beeindruckt, von der Offenheit, mit der sich die EZB ihren Kritikern stellt.Im November 2006 hatte Woodford seine Thesen auf Einladung der EZB bei einer wissenschaftlichen Tagung ausführlich vorgestellt und war damit auf breite Zustimmung bei den anwesenden hochkarätigen Wissenschaftlern gestoßen. ?Ich war immer beeindruckt, von der Offenheit, mit der sich die EZB den Kritikern ihrer Strategie stellt?, sagt Woodford dazu.Diese Offenheit wurde auch bei der Preisverleihung an Woodford deutlich. Im Auswahlkomitee sitzt auch Otmar Issing, der Vater der von Woodford so unnachsichtig kritisierten Zwei-Säulen-Strategie und bis vor kurzem Chefvolkswirt der EZB.
Wofür Woodford stehtSpitzenforscher: Neben Lars Svensson und dem US-Notenbankchef Ben Bernanke gilt Woodford derzeit weltweit als einer der drei besten Geldtheoretiker.Neo-Keynesianismus: Sein Standardwerk ?Interest and Prices: Foundations of a Theory of Monetary Policy? ist so etwas wie die Bibel der neo-keynesianisch orientierten monetären Ökonomen. Diese derzeit dominierende Forschungsrichtung geht davon aus, dass Zinspolitik kurzfristig Produktion und Beschäftigung beeinflusst. Neoklassische Ökonomen wie Milton Friedman oder Edward Prescott haben das bestritten.Laufbahn: Woodford lehrt an der Columbia University. Voraus gingen Stationen an den wichtigsten Spitzenuniversitäten. Er wurde 1955 in Massachusetts geboren.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.01.2007