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Praktikum bei T-Systems in Hong Kong

Die Join the Best-Stipendiatin Laura Nonnenmacher arbeitet für drei Monate als Praktikantin im Marketing der T-Systems in Hong Kong. In ihrem karriere-Tagebuch berichtet sie wöchentlich von ihren Erlebnissen in Asien.
Woche 1 + 2: 15. bis 26. August Wie schnell doch die Zeit vergeht. Morgen sind es schon zwei Wochen, die ich hier in Hong Kong bin und als Praktikantin im Marketing der T-Systems arbeite. Und in diesen zwei Wochen scheint es mir, als habe ich mehr erlebt als in den letzten zwei Monaten. Fast fühle ich mich schon ein bisschen heimisch.

Die besten Jobs von allen

Bei meiner Ankunft war ich erstmal ziemlich erschlagen, von dem Flug, dem Wetter, den Menschenmassen und den Hochhäusern! In einem dieser Hochhäuser sitzt auch T-Systems: im 50. Stock des Central Plaza. Dort werde ich jetzt also für die nächsten drei Monate arbeiten. ?Gut, dass ich weder Höhen- noch Platzangst habe? dachte ich mir, als ich an meinem ersten Arbeitstag zum Büro fuhr. Denn um dorthin zu gelangen, musste ich zunächst mit lauter anderen Hong Kong Chinesen mit der MTR (U-Bahn) fahren, dann mit einem Aufzug bis zum 46. Stock, umsteigen in einen anderen Aufzug und weiter bis zum 50. Stock. Die Aussicht von da ist wirklich gewaltig!Pünktlich wie wir Deutschen nun mal sind, war ich natürlich erstmal zu früh, nach und nach trudelten dann meine Kollegen ein. Das Team besteht aus circa 20 Leuten und ist gemischt aus Deutschen und Hong Kong-Chinesen, die alle sehr freundlich und hilfsbereit sind. Trevor, mein Betreuer, hat mich auch gleich in mein eigenes Projekt eingeweiht. Ich soll eine Kundenveranstaltung in China Ende des Jahres organisieren. In den letzten zwei Wochen habe ich dazu also mit verschiedenen Kollegen gesprochen, Erwartungen eingeholt, die Ergebnisse zusammengestellt und aufbereitet. Es macht mir Spaß, da ich selbstständig arbeiten kann und trotzdem mit vielen Kollegen in Kontakt bin.Mittags gehen wir gemeinsam zum Lunch, in der ersten Woche ging?s gleich mal ganz typisch zum Dim Sum (verschiedene gedämpfte Teigtaschen). Mmmh! Abends wird es einem eigentlich auch nie langweilig, da es eine sehr große deutsche Praktikantengemeinde in Hong Kong gibt, mit denen man immer etwas unternehmen kann. So gehen wir zusammen essen, auf Nachtmärkte, in Museen oder machen Ausflüge am Wochenende (je nachdem wie fit wir vom Vorabend sind). Bis jetzt habe ich noch kaum einen Abend in meinem kleinen Studio in der Wing Lok Street in Sheung Wan verbracht.Eines meiner Highlights bis jetzt war mit Sicherheit ein Abend in der Hotelbar des Intercontinental auf der Kowloon-Seite von Hong Kong mit Blick auf die Skyline. Eine Jazzband im Hintergrund und die Skyline von Hong Kong in der Dämmerung vor mir sitze ich zufrieden und glücklich da und muss mich wieder und wieder selbst daran erinnern, dass ich jetzt wirklich in Hong Kong bin! Die Stadt tut ihr Bestes, mich zu begrüßen und das allabendliche Feuerwerk trägt seinen Teil dazu bei. 3. und 4. WocheNoch schneller als die ersten beiden sind auch die dritte und vierte Woche vergangen. Man gewöhnt sich so schnell an die Umgebung, die Arbeit, die vielen Möglichkeiten etwas zu unternehmen und den damit verbundenen Schlafmangel, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie es denn sein soll, wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Aber das ist bei mir ja glücklicherweise noch einige Zeit hin!Mein Projekt bei T-Systems gedeiht zwar langsam, aber es gedeiht. Weitere Schritte wurden mit dem Headquarter in Frankfurt bestimmt und ausgearbeitet. Aus der einen Kundenveranstaltung werden nun zwei, die dann Anfang November in Peking und Shanghai in Kooperation mit einem Partnerunternehmen der T-Systems in China stattfinden werden. Nun geht es darum, den Ablauf der Events zu planen. Von der Einholung der Themenvorschläge über den Kontakt zu dem Partnerunternehmen bis hin zur organisatorischen Planung der Events bin ich in alles eingebunden.Fast wird der tägliche Weg zu und von der Arbeit schon zur Routine, man taucht ein in diesen Strom aus Menschen, Geräuschen und Gerüchen und findet sich wieder in einer Welt voller Überraschungen und Gegensätze. So habe ich in den letzten Wochen in einem ?Hot Spring? mit Kaffeezusatz in China gebadet, gekochte Hühnerfüße und Kuhmagen dankend abgelehnt, dafür ?Hot Pot? umso lieber probiert, eine Kathedrale in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macao besichtigt, abends am Strand gesessen, einen Geburtstag in einem unglaublichen Appartement mit Blick auf ganz Hongkong gefeiert, bei der Arbeit Unmengen an ?Mooncake? und Obst essen müssen (Geschenke zum kommenden Mid-Autumn-Festival), einen Wochenendtrip mit vier chinesischen Freundinnen überlebt, den Big Buddha gesehen, ?Seafood?-Dinner auf einer der kleinen Inseln gehabt und sogar eine deutsche Bäckerei aufgetan! Um die Kollegin einer Freundin hier zu zitieren: ?Das Einzige, was einem in Hongkong fehlt, ist Schlaf.? 5. und 6. WocheDie 5. und 6. Woche gestalten sich vom Arbeitspensum her eher ruhig. Die Kooperation mit dem Partnerunternehmen wurde in einem Meeting diskutiert und es wurde festgelegt, dass ein Groß,teil der organisatorischen Arbeit die Events betreffend nun nicht von T-Systems selber durchgeführt wird. Ich diene weiterhin als Ansprechpartnerin und nutze die Verschnaufpause für einen Wochenendtrip nach Peking.Dachte ich zu Beginn meines Aufenthaltes noch, Hong Kong sei China, so wurde ich nun eines Besseren belehrt. Jetzt war ich erst richtig in China: alles ist viel chaotischer, lauter, dreckiger, quirliger als in Hong Kong! Und kälter. Ein leichtes Frösteln bei der Ankunft erinnerte mich daran, wie es ist, wenn man draußen friert und drinnen schwitzt. Zwei Tage voller beeindruckender und atemberaubender Erfahrungen später kann ich kaum glauben, dass ich tatsächlich die Verbotene Stadt gesehen und auf der Großen Mauer gestanden habe, freue mich aber auch wieder darauf, nach Hong Kong zu fahren. Und da war es wieder, dieses versteckte Gefühl, sich heimisch zu fühlen. Auf dem Weg vom Flughafen nach Hong Kong Island erblicke ich die mittlerweile so vertrauten Wolkenkratzer und habe das Gefühl nach Hause zu kommen.7. und 8. WocheObwohl man, wenn man wieder zu Hause ist, eigentlich schnell vom Alltag wieder eingeholt wird, gab es diesmal einige Aufregung bei T-Systems: der Besuch einer Delegation aus Deutschland stand an. Ich war froh, unserer Finance Managerin bei der Vorbereitung einiger Präsentationen helfen zu können und auch in Bezug auf die Events mussten einige Dinge ins Rollen gebracht werden.Als wäre die allabendliche Lightshow nicht schon Spektakel genug, kam ich am chinesischen Nationalfeiertag (1.10.) in den Genuss, das große Feuerwerk mit meinen Freunden von unserem Büro aus zu verfolgen. Auch in den nächsten Tagen lernte ich Hong Kong von seiner besten Seite kennen, denn meine Eltern waren zu Besuch - gibt es eine bessere Gelegenheit, sich schön zum Essen ausführen zu lassen? "So lässt es sich aushalten!" - und mir fällt auf, wie oft ich diesen Gedanken seit meiner Ankunft bereits hatte!
Dieser Artikel ist erschienen am 05.09.2005