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Power-Bankerin für Bayern

Von Christian Potthoff, Handelsblatt
Christine Licci soll sich künftig bei der Hypo-Vereinsbank um das Privatkundengeschäft kümmern. Das ?Wall Street Journal Europe? nahm sie zuvor bereits in die Liste der erfolgreichsten Geschäftsfrauen Europas auf. Die ?Wirtschaftswoche? ernannte sie 2003 sogar zur Managerin des Jahres.
Die frühere Deutschlandchefin der Citibank, Christine Licci, wurde in den Vorstand der Hypovereinsbank berufen. Foto: dpa
HB FRANKFURT. Es folgten unzählige Gerüchte über die Gründe und ihre berufliche Zukunft. Seit gestern ist sie wieder da: Christine Licci, 40, zieht in den Vorstand der Hypo-Vereinsbank (HVB) ein und soll das angeschlagene Privatkundengeschäft der zweitgrößten deutschen Bank in Schwung bringen.Ein Wechsel im Rampenlicht der Öffentlichkeit: Mal schien mit den Münchenern alles klar zu sein, dann wieder keimten Zweifel an der Berufung der Power-Bankerin.

Die besten Jobs von allen

Langes, hellbraunes Haar, zierliche Figur, dazu ein sanftes Lächeln ? eigentlich wollte Licci Pianistin werden. Doch statt mit den schönen Künsten verdient sie heute ihr Geld mit harten Zahlen. Sie studierte schließlich Betriebswirtschaft in Mailand, wechselte ins Bankenfach und machte aus der Citibank in Deutschland binnen drei Jahren eines der rentabelsten Geldhäuser des Landes.Getreu den Vorgaben der amerikanischen Muttergesellschaft trimmte sie die frühere KKB Bank auf Kostenkontrolle und Vertriebsstärke. Zunächst mit beispiellosem Erfolg: Während viele Konkurrenten in den letzten Jahren schrumpften, legte die Citibank ein rasantes Wachstumstempo vor. Als einzige Frau an der Spitze einer großen Bank, dazu erfolgreich und attraktiv, avancierte Licci allmählich zu einer Art Glamour-Lady der Finanzszene.Umso überraschender kam im Mai der Abschied von der Citibank ? angeblich auf eigenen Wunsch. Doch halten sich hartnäckig Gerüchte, dass ihr im Konzern der rasante Anstieg der Risikovorsorge für faule Kredite angekreidet wurde. ?Sie hat viel zu spät bei der Kreditvergabe auf die Bremse getreten?, moniert ein Insider ? ein grober strategischer Fehler bei einem Institut, das lange Zeit kaum etwas anderes machte, als Ratenkredite zu vergeben. Zudem soll es Differenzen mit dem früheren Europachef der Bank, Jean-Paul Votron, gegeben haben.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vor allem ein Thema wird nun diskutiertNun wird in der Branche vor allem ein Thema diskutiert: Wie wird sich die Bankerin in die strenge Aufgabenteilung eines Konzernvorstands integrieren? Nach Meinung eines Frankfurter Personalberaters ist dies die wohl größte Herausforderung in ihrem neuen Job. ?Sie muss sich das übertriebene Eigenmarketing schnell abgewöhnen.? Bei der Citibank war sie die Nummer eins, jetzt wäre sie eine von sieben Vorständen.Leicht wird ihr die Umstellung nicht fallen, vermutet ein früherer Weggefährte: ?Teamarbeit muss sie noch lernen.? Helfen dürfte ihr dabei ihre ungezwungene Art im Umgang mit Menschen. ?Sie kann sich auf den Gegenüber sehr gut einstellen?, lobt einer, der sie lange und gut kennt.Die Fähigkeit, die Belegschaft zu motivieren, wird in der Citibank bis heute hoch gelobt. Berührungsängste kennt die ?Christl?, wie sie in Düsseldorf genannt wurde, weder gegenüber Mitarbeitern noch gegenüber Kunden. Zweimal pro Woche besuchte sie eine der rund 300 Citibank-Filialen, um von den Betreuern in den Filialen zu erfahren, wo es noch hakt. Eines ihrer beruflichen Credos lautet: Die Mitarbeiter in den Filialen sollen weitgehend von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und so viel Zeit wie möglich mit den Kunden verbringen.Diese konsequente Vertriebsorientierung kann die HVB gut brauchen. In den letzten Jahren legte Konzernchef Dieter Rampl sein Augenmerk auf Bilanzsanierung und Kostenkontrolle. Eine Strategie im Privatkundengeschäft fehlte hingegen. Von den fünf Managern, die sich in vier Jahren in der Sparte versuchten, hat keiner überzeugt.Für weitere Unruhe in der Belegschaft sorgt jetzt auch noch die Ankündigung eines neuen Sparpakets, dessen Inhalt 2500 Stellen zur Diskussion stellt. Gerade in dieser Situation könnte die Kommunikationsspezialistin Licci Wunder wirken, glaubt der Berater: ?Sie wäre die Richtige, um eine angeschlagene Truppe auf Trab zu bringen.?Allerdings ist die Aufgabe bei der HVB weitaus komplexer als in ihrem früheren Job. Während die Citibank vor allem vom Konsumentenkredit lebt, muss sie bei der HVB 700 Filialen und eine breite Produktpalette steuern. Ein Banker sagt es so: ?Es reicht nicht, den Kunden Kredite reinzudrücken ? sie muss nun eine Strategie hinstellen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2004