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Portraits von Kreativen

Vier junge Kreative erzählen, wann sie die besten Ideen haben und wie sie diese im Berufsleben umsetzen.
Jan Schulz-Hofen, 25

"Mit offenen Augen durch die Welt gehen" - das ist das Motto von Jan Schulz-Hofen. Der Berliner hat in den vergangenen Jahren auf Basis seiner Firma yeahrock.de gleich mehrere Online-Projekte gestartet, unter anderem die Community Cyclr.com oder die Browser-Applikation Footiefox, die live am Bildschirm Fußballergebnisse anzeigt. Seit dem Sommer ist er auch in der Sportler-Community Spielerkabine.net dabei, die er mit seinen drei Mitstreitern in Stuttgart ständig weiterentwickelt. Obwohl Schulz-Hofen durch sein Software-Engineering-Studium am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, seine Auslandszeiten in Frankreich und in den Vereinigten Staaten sowie durch seine Erfahrungen als Programmierer top-qualifiziert ist, hat er gleich mehrere Stellenangebote großer Software-Häuser ausgeschlagen. Lieber will er weiterhin Projekte entwickeln - selbstständig und unabhängig. "Wenn man einmal auf den Trichter gekommen ist, fallen einem ständig neue Sachen ein", sagt Schulz-Hofen. "Die meisten Ideen kommen dann, wenn ich sehe, dass irgendwo etwas fehlt und man es besser machen könnte". Jeder Mensch könne kreativ sein, sagt der junge Tüftler. Sein Tipp für alle, die auf der Suche nach Ideen sind: "Nicht krampfhaft nach einem genialen Einfall suchen, viel und offen mit Leuten darüber reden und keine Angst davor haben, dass die Idee nicht ankommt. Denn selbst wenn sich der Vorschlag als untauglich erweist - gelernt habe man immer etwas. "Man kann nicht verlieren." Das solle man sich in Deutschland ruhig öfter trauen.

Die besten Jobs von allen


Danny Baarz, 28
"Danny Baarz muss von Berufs wegen ständig kreativ sein: Er ist Art Director bei der Berliner Werbeagentur Heimat und dort einer der Verantwortlichen für die Hornbach-Baumärkte ("Jippie jaja jippie jippie yeah"!). Gemeinsam mit einem Texter hat er schon mehrere Projekte für den Kunden entwickelt - darunter die satirische Broschüre "Women at Work" für Baumarkt-Kundinnen und die Figuren "Schnick und Schnack", die im TV-Spot durch den Markt wuseln und am Ende immer umkommen. Wie kommt er auf solche Ideen? "Ich brauche eine kahle, weiße Wand", sagt Baarz. "Ich bin nicht so der Typ, der draußen rumläuft, bis mir ein Einfall kommt." Steht eine neue Kampagne an, zieht er sich mit seinem Kompagnon ins Büro zurück, um sich dann gegenseitig die Bälle zuzuspielen. "Dabei entstehen immer gleich mehrere Konzepte", sagt Baarz. "Da liegen dann eine Menge zerknüllter Papiere rum." Um auf gute Ideen zu kommen, sei es wichtig, sich in den Kopf des Kunden und auch des Konsumenten hineinzudenken. "Je weiter man drin ist, desto mehr fällt einem ein." Baarz, der ursprünglich einmal Journalist werden wollte, lernte Mediengestalter für Digital und Print und arbeitete zunächst vier Jahre bei einer anderen Werbeagentur, bevor er zu Heimat stieß. Schon als Teenager war er ein kreativer Kopf: Er schrieb Kurzgeschichten, malte im Jugendclub, drehte kleine Filme und spielte in einer Band. Baarz wünscht sich von deutschen Unternehmen mehr Mut: "Sie sind manchmal noch etwas konservativ", sagt der Kreative. Aber es werde besser.

Sabine Heinrichs, 25, und Stephan Weber, 26
""Die besten Ideen kommen mir, wenn ich's nicht erwarte", sagt Stephan Weber, "wenn ich die Treppe hochgehe, die Tür aufschließe oder im Supermarkt." Gemeinsam mit seiner Kommilitonin Sabine Heinrichs, hat der Architektur-Student soeben den ersten Preis beim Tchibo Think Tank gewonnen - ein Ideenwettbewerb des Kaffeerösters, bei dem Studierende neue Produkte entwickeln können. Die beiden haben eine Art Kaffee-Zapfsäule entwickelt, über die Tchibo noch nichts Genaueres sagen will. Preisgeld: 6000 Euro. "Als wir uns entschieden haben mitzumachen, bin ich zuerst mal von mir selbst ausgegangen und habe überlegt, was Kaffee eigentlich für mich bedeutet", sagt Heinrichs. "Dann stellte sich die Frage: Was ist cool?" Die beiden trafen sich daraufhin regelmäßig - natürlich im Café - und bauten ihre Idee durch Brainstorming schließlich zu einer Präsentation aus. "Seid offen, denkt nicht nur an euer Fach, redet mit den Leuten und sprecht alles an", rät Heinrichs. "Traut euch nur, denn blöde Ideen gibt es nicht." Weber ergänzt: "Lauft wach durch die Gegend, es passiert sehr viel." Und wenn dann mal ein Einfall kommt: "Nie mit der ersten Idee zufrieden geben!" Und: "Hinterfragt die Idee immer wieder!"
Dieser Artikel ist erschienen am 03.01.2008