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Pop-Veteran Farian geht im Streit mit BMG

Von Gregory Lipinski, Handelsblatt
Er trägt immer noch sein lockiges Haar schulterlang: der 62-jährige Frank Farian, Ex-Schlagerstar und in den achtziger Jahren einer der bekanntesten Pop-Produzenten Deutschlands. Nun verlässt der Pop-Veteran die Bertelsmann-Tochter im Streit.
HB HAMBURG. Der ?Hitman?, dessen Bürowände mehr als 850 goldene Schallplatten zieren, gründete zahlreiche Bands und vermarktete Hits für Boney M., Milli Vanilli oder La Bouche. Dabei sahnte die Bertelsmann-Tochter BMG zum Teil kräftig ab: Sie habe, so Farian, in den vergangenen zehn Jahren mit seinen Werken mehr als 400 Millionen Euro umgesetzt.Doch jetzt kehrt der Pop-Veteran dem Musikriesen den Rücken. ?Der Vertrag mit der BMG ist ausgelaufen, und ich werde ihn nicht mehr verlängern?, kündigt Farian gegenüber dem Handelsblatt an. Als Grund nennt er einen Zwist mit BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz. Der habe es nicht geschafft, einen Streit um die Verletzung von Urheberrechten zu schlichten, behauptet Farian. Die BMG habe ohne sein Wissen über ein nicht konzerneigenes belgisches Unternehmen eine Doppel-CD mit 40 Boney-M.-Titeln gepresst und jahrelang weltweit vertrieben ? darunter bekannte Titel wie ?Daddy Cool?, ?Sunny? oder ?Ma Baker?.

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Bis heute erhielt Farian nach eigenen Angaben für diese Pressungen nicht die erwarteten Lizenzgebühren in Millionenhöhe. ?Ich habe sogar einen Brief an den Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen geschrieben. Der hat sich hierfür zwar entschuldigt. Doch das Geld habe ich bis heute nicht gesehen?, empört sich Farian. Für den Musik-Manager gibt es deshalb nur noch den Weg über das Gericht: ?Meine Anwälte in New York bereiten derzeit eine Millionenklage gegen die BMG vor?, betont der Musikmanager. Die BMG stellte auf Anfrage dazu fest: ?kein Kommentar?.Geboren wird der Pop-Produzent 1941 in Kirn bei Mainz, wo er unter dem bürgerlichen Namen Franz Reuther aufwächst. Zunächst arbeitet er als Koch. Doch der Job scheint ihm nicht zu schmecken: Er gründet deshalb 1962 die eigene Band ?Frank Farian & Die Schatten?. Einige Jahre später legt er nach einer Solokarriere als Sänger den Grundstein für das Disco-Quartett Boney M.Mit dem Rückzug Farians setzt sich bei der BMG die Fluktuation unter den Künstlern fort. In den vergangenen Jahren sind insgesamt rund 100 Sänger und Gruppen bei der Bertelsmann-Tochter ausgeschieden. Vor allem in jüngster Zeit gerät das Musikgeschäft durch das Downloaden im Internet zunehmend unter Ertragsdruck. BMG reagiert: Die Gesellschaft fusioniert mit der Musiksparte von Sony.Farian dürfte der Bertelsmanntochter demnächst weitere Sorgen bereiten: Denn der zeitweise zwischen Miami und Deutschland pendelnde Musik-König kratzt in seinem in wenigen Wochen erscheinenden Buch am Image von ?Deutschland sucht den Superstar?-Jurymitglied und BMG-Ikone Dieter Bohlen. Frank Farians Buchtitel lautet ganz provokant: ?Stupid Dieter Bohlen?.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.03.2004