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Pierer auf dem Rückzug

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer zieht sich angesichts der anhaltenden Diskussionen über seine Rolle im größten deutschen Schmiergeldskandal nun doch aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank zurück. Zuvor hatte er sich bereits aus dem Kontrollgremium von VW verabschiedet. Doch wahrscheinlich wird es nicht bei den beiden Posten bleiben.
Die Affäre um schwarze Kassen bei Siemens setzt den ehemaligen Chef des Unternehmens, Heinrich von Pierer, zunehmend unter Druck. Foto: dpa
ax/ben/HB FRANKFURT/MAIN. Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte vor gut einer Woche mitgeteilt, dass sie ein Ordnungswidigkeitenverfahren gegen Pierer und andere Ex-Siemens-Manager einleitet. Die Behörde wirft dem früheren Konzern- und Aufsichtsratschef die Verletzung seiner Aufsichtspflicht vor. Im Höchstfall droht Pierer ein Bußgeld in Höhe von einer Million Euro. Anhaltspunkte für die Einleitung eines Strafverfahrens hatte die Münchener Staatsanwaltschaft nicht gefunden.Kleinaktionäre machten in Gegenanträgen gegen eine Wiederwahl Pierers in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank mobil. ?Herr von Pierer hält es für ein Gebot der Fairness und der Loyalität gegenüber der Deutschen Bank, der Hauptversammlung solche Diskussionen zu ersparen?, sagte dessen Anwalt Winfried Seibert dem Handelsblatt. Bei anderen Mandaten will Pierer von Fall zu Fall entscheiden. Er sitzt unter anderem noch im Kontrollgremium bei ThyssenKrupp und der Münchener Rück. Aus dem Aufsichtsrat von VW hatte sich Pierer erst kürzlich zurückgezogen.

Die besten Jobs von allen

Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Clemens Börsig hatte bis zuletzt zu Pierer gestanden. Das Kreditinstitut habe allen Anlass, Pierer ?für sein außerordentliches Engagement zu danken, mit dem er die Bank stets unterstützt und begleitet hat?, erklärte Börsig nun nach Pierers Entscheidung.Der Rückzug Pierers steht für eine weitere Lockerung der einst engen Beziehungen zwischen beiden Unternehmen. Georg von Siemens, Cousin des Konzerngründers Werner, war 1870 einer der Gründungsdirektoren der Deutschen Bank, später erster Vorstandssprecher. Die Bank sollte die deutschen Unternehmen bei der Auslandsexpansion unterstützen. Auch später gab es enge geschäftliche Beziehungen.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.05.2008