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Philipp Althof

Philipp Althof stellt sich vor
Die Ausgangsfragen
Die Orientierungswochen
Ein normaler MBA-Tag





Philipp Althof stellt sich vor: 27, zuletzt am Aufbau einer Produktion fuer einen deutschen Automobilzulieferer in China beteiligt, 3 Jahre General Manager in Singapur, Finanzcontrolling in Deutschland und Nord-Irland, aufgewachsen in Suedafrika. Dies war meine Ausgangspositionen, als ich mich entschied einen MBA zu machen.

Die besten Jobs von allen

Seit September 2004 studiere ich nun an der City University Cass Business School in London. Die Entscheidung, wieder zu studieren fiel mir nicht leicht, schliesslich bedeutete das fuer mich das Aufgeben einer aussichtsreichen beruflichen Position mit einem recht komfortablen Gehalt, und eine Rueckkehr zum Studentenleben.Nach dem Abitur an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt, Suedafrika, habe ich an der VWA Bielefeld Betriebswirtschaft studiert. Die hohe Qualitaet dieses Studiums mit Professoren von den Universitaeten Bielefeld und Muenster, die kleine Klassengroesse und Motivation aller Studierenden erlaubte ein kompaktes und sehr praxisbezogenenes Studiums abseits von ueberfuellten Hoersaelen.Schon waehrend des VWA Studiums habe ich im Controlling eines mittelstaendischen deutschen Automobilteilezulieferers gearbeitet. Im Anschluss arbeitete ich Finanzcontrolling der Beteiligungsgesellschaft und war zustaendig fuer das Controlling von 24 Tochtergesellschaften weltweit, habe ein Management Reporting System entwickelt, Business Plaene erstellt und Budgetierungen, Konsolidierungen und interne Revisionen durchgefuehrt. Dabei habe ich fuer ein Projekt mehrere Monate in Nord-Irland verbracht und Vertriebsgesellschaften weltweit besucht. Bei einem Management-Lehrgang der St. Galler Junior Business School in der Schweiz habe ich das Interesse an einem MBA-Studium gewonnen.Die letzten 4 Jahre habe ich in Asien verbracht. Als General Manager des Distributionszentrum in Singapur war ich fuer die Verwaltung der Gesellschaft zustaendig. Mein Aufgabenfeld beeinhaltete Finanzen, Buchhaltung, Vertrieb, Marketing, Personalwesen und Lagerfuehrung. Waehrend dieser Zeit habe ich viel ueber die asiatische Kultur gelernt.In China habe ich grundlegende Untersuchungen fuer den Aufbau einer Lagergesellschaft und Produktion durchgefuehrt. Mehrere Reisen fuehrte mich nach Japan und tief in die Provinzen Chinas zu Industrieparks, Maschinenherstellern und Rohstofflieferanten. Nach Erstellung des Business Plans und den notwendigen Verhandlungen mit den chinesischen Behoerden haben wir die Gesellschaft vor wenigen Monaten im Umkreis von Shanghai gegruendet.Ich schreibe Euch hier ueber meine Erfahrungen an der Cass Business School. Ich hoffe, Euch damit einen kleinen Einblick in das MBA-Studium zu geben, und damit Eure Entscheidung fuer ein solches Studium etwas zu vereinfachen. Wenn Ihr Fragen habt koennt Ihr mich gerne unter p.althof@city.ac.uk erreichen. Warum also ein MBA?Mit dem Hintergrund der strategischen Arbeit, Management in Singapur und Firmengruendung in China habe ich einen exzellenten Hintergrund fuer strategisches Consulting, das Management einer Business Unit oder fuer groessere Entrepreneur?Projekte. Mit dem MBA moechte ich meine Kenntnisse formalisieren, Entscheidungssicherheit fuer zukuenftige strategische Entscheidungen gewinnen und mich persoenlich weiterentwickeln. Es ist eine grosse Investition: Studiengebuehren im Rahmen eines Mittelklassewagens und Lebenshaltungskosten in London ? bleibt zu hoffen dass sich diese Investition bezahlt macht!Warum Cass? Besonders wichtig bei der Wahl einer Business School waren fuer mich das Ranking, die Reputation und die Akkreditierung.Im neuesten internationalen Ranking der Financial Times (06/09/2004) belegt Cass Platz 2 in England (hinter London Business School, vor Oxford und Cambridge) und Platz 6 in Europa. Beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der Cass in den vergangenen Jahren im Ranking aufstieg ? dies ist zurueckzufuehren auf das Bestreben, zu den Top 5 Business Schools in Europa zu gehoeren, der Verbindung zur ?City of London? und dem in 2003 neu bezogenen state-of-the-art Gebaeude. Rankings werden vom Handelsblatt, Business Week, The Financial Times, U.S. News & World Report and The Wall St Journal veroeffentlicht. Letztlich sind diese jedoch kommerziell ausgerichtet und nur ein Anhaltspunkt, da der Gehaltssprung nach dem MBA oft ein schwer gewichteter Faktor ist. Bei einer Schule mit vielen Absolventen im Bank- und Consultingbereich wirkt sich dies positiv aus auf das Ranking aus, bei einer Schule mit vielen Existenzgruendern eher negativ.Viele Top-Arbeitgeber (insbesondere Banken und Consulting-Firmen) rekrutieren nur von den besten Business Schools. Die Wahl dieser Schulen wird zwar oft von Erfahrungen mit Alumnis bei diesem Arbeitgeber beinflusst, und waehrend eine gute Schule sicherlich keine Einladung zu einem Interview sichert, sind die Chancen bei einer weniger angesehenen Schule deutlich niedriger.
Weltweit gibt es ueber 1.500 MBA-Programme, darunter viele von zweifelhafter Qualitaet. Die Akkreditierung ist ein zuverlaessiges Qualitaetsmerkmal. Cass ist von der AMBA (Association of MBAs) und EQUIS (European Quality Improvement Scheme) akkreditiert. Die AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business) Akkreditierung ist derzeit in Bearbeitung.
Die Cass Business School ist direkt im Finanzzentrum von London und hat daher hevorragende Verbindungen zur Geschaeftswelt. Gastredner von Firmen aus der City haben es nicht weit und kommen oft fuer einen kurzen Vortrag in die Schule.
Ein Studium in Amerika kam fuer mich wegen der Visumspflicht nach Studienende nicht in Frage ? obwohl das Studium wegen dem aktuellen USD-Kurs sicher etwas guenstiger waere.FinanzierungEin MBA ist teuer. Die Kosten fuer ein Jahr betragen GBP 22.000. Dazu kommen Kosten fuer ein Laptop (GBP 1.000), Buecher (GBP 500 wenn neu) und fakultative Auslandsreisen (GBP 1.000). Das alles finanziere ich mir aus privaten Ersparnissen.Wohnen & LebenshaltungskostenDen MBA-Studenten steht wenige Minuten von der Schule ein Studentenwohnheim zur Verfuegung (ca. GBP 4.000). Ich habe mich entschieden, mitten im Stadtzentrum privat mit einem anderen Studenten zusammen zu wohnen, das kostet aber auch entsprechend. Eine U-Bahn-Station ist direkt gegenueber, ein Bus direkt zur Schule (ca. 20 min) faehrt direkt vor meiner Haustuer ab. Die Wohnungssuche ist in London recht einfach, 2 Wochen vor Beginn des Studiums reichen aus. Ein Auflistung von Wohnungen findet Ihr unter www.mylondonhome.com. Die OrientierungswochenDas MBA-Studium begann am 13. September 2004, 2 Wochen vor regulaerem Semesterbeginn, mit einer Orientierungswoche. Insgesamt 52 Studenten werden dieses Jahr am MBA-Programm teilnehmen, 70 Prozent aus Uebersee. Durchschnittsalter ist 32 Jahre, die meisten sind 26 ? 35, einige sind Anfang / Mitte 40. Wir werden in Gruppen zu 7 Leuten aufgeteilt, die Zusammensetzung wurde nach der groesstmoeglichen Vielfalt gewaehlt. Den Rest des Jahres werden wir in unserer Gruppe verbringen und im Team zusammenarbeiten. In meiner Gruppe sind: Chris, Grieche/Kanadier und Manager eines Nachtclubs in SoHo; Nick, Banker aus London; Maciej, Consultant aus Polen, Stuart, Entrepeneur aus England; Christine, Managerin aus Nigeria und Viplob, Telekom-Manager aus Indien. Insgesamt 70 Prozent kommen von Uebersee, 81 Prozent maennlich, durchschnittliche Berufserfahrung ist 8 Jahre.In den ersten beiden Wochen stehen Kennenlernen und Teamarbeit auf dem Plan. Dies geschieht mit einer Vielzahl von Uebungen: der Wahl eines Gruppennamens (wir nannten uns BASECAMP, nach den Inititialen unserer Namen (?and we stuck a ?P? at the end?) und einem Logo, das den zu besteigenden Berg symbolisiert) Gruppendiskussionen die auf Video aufgezeichnet werden und im Anschluss ausgewertet werden, Haeuschen aus Pappe bauen (7 studierte Leute waren nicht in der Lage innerhalb von 20 Minuten ein Papphaeuschen zusammenzubauen!), verschiedenen Fallstudien und mehreren Praesentationen.Waehrend des MBA?s werden wir ueber 300 Praesentationen machen und sehen. Mein Team besucht einen Praesentationsworkshop, und schon bald verbessern sich unsere Vortraege. Ein normaler MBA-Tag7:00
Aufstehen, 30 min Joggen auf der Tretmuehle oder draussen. Fruehstueck mit CNN oder Bloomberg TV. 20 min. Busfahrt zur Schule ? kurzer Blick in die Vorlesungsnotizen fuer heute, die stehen online zur Verfuegung, Cafe Mocha von Starbucks, und kurzer Sprung in den Bloomberg Trading Room.
9:00
Team BASECAMP. Wir besprechen die Hausarbeiten: wir vergleichen zwei Medienfirmen und schreiben einen Analystenbericht ? Capital Asset Pricing Model, Discounted Present Value, Weighted Average Cost of Capital usw. Jedes Teammitglied hat etwas vorbereitet, die Hausarbeit wird als Gruppenarbeit benotet. Die Aufgaben sind klar verteilt, Nick ist diesmal Projektmanager.
11:00
Vorlesungen Prinzipien der Finanzierung. Professor Keith Cuthbertson haelt eine 2-stuendige extrem kompakte Vorlesung, die er mit trockenem britischen Humor auffrischt. Es stehen Swaps und Options auf dem Plan. Eine Option, laut Keith, ist die Moeglichkeit, Hugh Grant in einem Jahr zu einem heute bestimmten Preis zu kaufen. Mit diesen Vergleichen versteht dann auch jeder das Prinzip, und es ist sehr unterhaltsam.
13:00
Lunch ? wir haben japanisches Chicken Teriyaki bestellt, das wird direkt in die Schule geliefert. Ansonsten gibt es 2 Cafe?s in der Schule. Wir essen in unserem Besprechungsraum, schliesslich muessen wir noch die anderen Hausarbeiten besprechen: Marketing-Plan ueber Harley Davidson, Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den europaeischen Arbeitsmarkt.
14:00
Vorlesung Strategie. Professor Charles Baden-Fuller. Hier heisst es wachsam sein ? Charles liebt Ueberraschungen. Die Vorlesung entwickelt sich zu einer Klassendiskussion, Charles moderiert. Wer schwafelt, Fragen nicht konkret beantwortet oder nicht auf Beitraege anderer eingeht, wird brutal unterbrochen.
16:00
Charles Baden-Fuller hat einen Gastredner geladen ? einen ehemaligen Direktor von Shell, jetzt Vorstandsvorsitzender von dem Telekommunikationsunternehmen O2. Er spricht ueber Corporate Governance, den Sarbanes-Oxley Act und seine Erfahrungen. Schweigen als er uns sein Gehalt verraet?
17:00
Kurze Teambesprechung, ueber weitere Arbeiten.
18:00
Vortrag von Lord Stevenson, Direktor von Pearson. Organisiert von der Marketing-Zunft der City of London under Cass Business School. Anschliessend Networking mit kleinen Haeppchen. Was haben wir im Networking-Seminar gelernt? Einfach auf die Leute zugehen, und wir koennen einige interessante Kontakte knuepfen.
20:00
Abendessen zuhause. Jetzt muss ich noch 100 Seiten im Marketing-Buch lesen, und ein Kapitel im Corporate Finance Buch duracharbeiten.
24:00
Der Tag ist endlich vorbei ? ich falle todmuede ins Bett?.
Fortsetzung folgt?..
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2004