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Pfleiderer kommt einfach nicht zur Ruhe

Von Markus Fasse
Wer so seinen Posten verliert, der muss etwas ausgefressen haben. ?Mit sofortiger Wirkung? hatte der Holzwerkstoffspezialist Pfleiderer am Montagabend seinen Finanzvorstand Derrick Noe, 50, vor die Tür gesetzt. Dabei hatte der Spitzenmanager noch einen Vertrag bis 2011.
Pfleiderer-Mitarbeiter bei der Laminat-Produktion. Foto: dpa
MÜNCHEN. Über die Gründe des plötzlichen Rauswurfs herrschte auch am Dienstag Rätselraten. Offiziell nannte eine Unternehmenssprecherin nur "persönliche Differenzen" zwischen Noe, dem Vorstandschef Hans Overdiek und dem Aufsichtsrat. In der Pressemitteilung fehlten die üblichen Floskeln über Dank und Verbundenheit zwischen dem entlassenen Manager und dem Unternehmen.Es muss zu einem plötzlichen Knall gekommen sein. Denn noch am Freitag schien die Welt zwischen dem Finanzchef und dem Aufsichtsrat in bester Ordnung. So kaufte Suterco, ein mit Pfleiderer kooperierendes Unternehmen, drei Prozent der Aktien der Oberpfälzer. Suterco-Chef Friedhelm Päfgen ist Mitglied des Aufsichtsrates von Pfleiderer. Sein Investment war nach der Bekanntgabe des Noe-Rauswurfs am Dienstag gleich zehn Prozent weniger wert. Pfleiderer -Aktien fielen auf einen neuen Tiefstand.

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Auch an den Unternehmenszahlen soll es nicht gelegen haben, versicherte Konzernchef Hans Overdiek am Dienstag gegenüber Analysten. Overdiek bestätigte die Gewinnprognose für 2007. Der Holzwerkstoffspezialist will trotz der Immobilienkrise einen operativen Gewinn von 250 Millionen Euro erwirtschaftet haben bei einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Mittelfristig soll das Unternehmen vier Milliarden Euro umsetzen, betont Overdiek stets. Der ehemalige Stahlmanager will Pfleiderer zu einem global führenden Anbieter von Laminat, Spanplatten und mitteldichten Faserplatten aufbauen, einem wichtigen Vorprodukt für die Möbelindustrie.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Heimliche Gespräche Der Grund für den schnellen Rauswurf Noes hat offenbar mit dem eigenwilligen Vorgehen des ehemaligen Klöckner-Managers zu tun. Seit Monaten ist Pfleiderer mit Investoren im Gespräch, die dem schwächelnden Börsenkurs der Oberpfälzer wieder etwas mehr Stabilität verleihen wollen. Mit einem Free-Float von über 90 Prozent ist Pfleiderer immer ein potenzielles Angriffsziel. Noe, der einen exzellenten Ruf in der Finanzbranche genießt, hat offenbar hinter dem Rücken Overdieks Gespräche mit Finanzinvestoren geführt. Das roch zu sehr nach Palastrevolte.Denn Noe hatte im vergangenen Jahr die Zügel schon vorübergehend in der Hand, als Vorstandschef Hans Overdiek nach einem schweren Autounfall für mehrere Monate ausfiel. Ausgerechnet in dieser Zeit geriet das Unternehmen in schweres Fahrwasser. Doch der Vorstand überstand die Turbulenzen auch ohne Overdiek gut. Nachdem Pfleiderer Pergo, den schwedischen Erfinder des Laminatbodens, übernommen hatte, krachte der Immobilienmarkt in den USA. Ausgerechnet dort sollte die Pfleiderer -Wachstumsstory richtig zünden. Die Oberpfälzer hatten große Produktionskapazitäten in Kanada aufgebaut. Jetzt muss das Geschäft in Nordamerika für 25 Millionen Euro saniert werden.Derrick Noe hat Overdiek gut vertreten, heißt es in der Branche. Doch Overdiek kam zurück und nahm die Zügel wieder an sich. Dennoch ging der Kurs im vergangenen Jahr immer weiter bergab.Experten bleiben jedoch auch nach dem Kursrutsch gelassen. Die Analysten von Equinet bestätigten am Dienstag ihre Kaufempfehlung. "Wir glauben auch weiterhin an die Pfleiderer -Story", urteilt auch Unicredit -Analyst Andre Remke.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.01.2008