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Peter Schwarzenbauer - Der Star von Atlanta

Katja Ridderbusch
Peter Schwarzenbauer übernimmt bei Audi eine Schlüsselposition: Vertrieb und Marketing. Außerdem soll er die Automarke aus Ingolstadt auf dem wichtigen US-Markt endlich auf Touren bringen. Aber wer ist dieser Mann, den selbst viele Branchenexperten nicht kennen?
Peter Schwarzenbauer hat Porsche erfolgreich in den USA verkauft. Foto: ap
Peter who? Diese Frage stellen sich viele in diesen Tagen, in Telefonaten, E-Mails und Gesprächen zwischen Branchenanalysten oder Mitarbeitern der Audi-Zentrale in Ingolstadt. Wer ist Peter Schwarzenbauer?So viel ist allgemein bekannt: Derzeit ist er noch Nordamerika-Chef von Porsche. Ab 1. April wird er zu Audi nach Ingolstadt wechseln. Er soll als Vorstand für Vertrieb und Marketing neuen Schwung in das schwächelnde US-Geschäft der VW-Tochter bringen. Und er ist Teil der neuen Porsche-Strategie, den Einfluss im VW-Konzern zu verstärken.

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Doch ansonsten ist Peter Schwarzenbauer für viele Autoexperten nicht viel mehr als ein Name auf dem Papier. Vielleicht weil er nicht zum Klub derjenigen gehört, die sich am Rande der Automobilsalons am Branchenklatsch ergötzen oder weil er nicht mit jedem Kollegen per Du ist.Peter Schwarzenbauer ist nicht hemdsärmelig. Kein Kumpeltyp. Allein äußerlich nicht. Er ist hager, hochgewachsen, mit drahtigem, grauem Haar und randloser Brille. In seinen italienischen Anzügen sieht er eher wie ein Wirtschaftsanwalt aus. Er gilt als schweigsam. Manche finden, er sei arrogant.In Atlanta kann man das nicht verstehen. Denn hier, in der Businessmetropole im amerikanischen Süden, wo Porsche seinen US-Firmensitz hat, ist Peter Schwarzenbauer so etwas wie ein Star. Und manchmal sogar einer zum Anfassen.Wie an diesem Tag ? die Entscheidung über seinen Wechsel ist noch nicht bekannt ?, als er vor der stattlichen Gemeinschaft der Auslandsdeutschen über das Markenimage von Porsche spricht. Die Honoratioren, vom Generalkonsul bis zum Chef der Handelskammer, begleiten den Gast zu seinem Tisch; er lacht und wechselt mit jedem, der sich zu ihm gesellt, ein paar Worte. Man kennt sich ? vom Spargelessen im Frühjahr, vom Pfifferlingessen im Herbst oder von der Gala mit Tombola. Da schaut Schwarzenbauer schon einmal vorbei, wenn es sein Terminkalender zulässt."Die Gastfreundschaft der Südstaaten? werde er vermissen, wenn er Atlanta verlasse, sagt Peter Schwarzenbauer dem Handelsblatt und fügt hinzu: ?Das Leben wird einem hier schon sehr angenehm gemacht.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Audi hat in den USA kein Markenimage" Obwohl wenige wissen, wer Peter Schwarzenbauer eigentlich ist, so war unter Automobilexperten doch schnell klar, was sein Wechsel bedeutet: Die Personalie Schwarzenbauer ist Teil der Strategie des Mehrheitsaktionärs Porsche, seinen Einfluss im Volkswagen-Konzern zu vergrößern. Seit Jahren fährt die VW-Tochter Audi auf dem US-Markt BMW und Mercedes hinterher. ?Porsche hat die Markenstrategie von Audi in den USA stets kritisch gesehen?, sagt Christian Breitsprecher, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. ?Da ist es logisch, dass Porsche mit Schwarzenbauer einen Mann bei Audi platziert, der die Markenphilosophie von Porsche im Blut hat.?Der 48-jährige Franke übernahm im Jahr 2003 das Nordamerika-Geschäft von Porsche. In fünf Jahren fuhr er viermal in Folge Rekordergebnisse ein, steigerte den Absatz in den USA auf zuletzt 36 680 Fahrzeuge, das sind 40 Prozent des weltweiten Verkaufs. Damit ist Nordamerika der größte Absatzmarkt für Porsche. Unter Schwarzenbauer führte Porsche den Edel-Geländegänger Cayenne ein, der in kürzester Zeit zum Bestseller in Nordamerika wurde. Vor allem aber sei es ihm gelungen, während seiner Zeit in Atlanta die Vertrauensbasis mit der Stuttgarter Zentrale zu festigen, sagt Schwarzenbauer selbst. Eine Erfahrung, die ihm in seinem neuen Job zugute kommen werde. ?Ich weiß, was eine Zentrale von einem Markt erwartet. Ich weiß aber auch, dass die Wirklichkeit in diesem Markt oft anders aussieht.?Branchenexperten indes sehen Schwarzenbauer vor einer riesigen Herausforderung. ?Audi hat in den USA kein Markenimage?, sagt Kevin Krause, Kenner des deutsch-amerikanischen Automobilmarktes und Partner der Headhunting-Agentur Baxter Krause in Atlanta. ?Niemand weiß, welche Zielgruppe Audi in Amerika ansprechen will. Das zu ändern, und zwar schnell und radikal, wird Schwarzenbauers Job sein.?Der neue Audi-Vorstand ist ein Manager von globalem Zuschnitt. Seine Jugend verbringt der Sohn eines Textilingenieurs in Brasilien, als junger Mann arbeitet er zweieinhalb Jahre für die Motorradsparte von BMW in New Jersey, später ist er als Chef von Porsche Ibérica in Madrid für Spanien und Portugal zuständig. Er spricht vier Fremdsprachen fließend, doch den Hauch seines bayerischen Dialekts hat er sich in allen Sprachen erhalten.Als Bayer mag es Schwarzenbauer, ganz entgegen seinem Image als kühler Spitzenmanager, durchaus volkstümlich und bodenständig. Er engagiert sich an der Internationalen Schule von Atlanta, auf die sein Sohn geht. Das Train-the-Trainer-Programm bezeichnet er als sein ?persönliches Baby?: Porsche-Fahrlehrer bieten Eltern kostenlos Fahrstunden im Porsche an. ?Damit können wir etwas Sinnvolles tun und zugleich die Marke in einem Umfeld platzieren, das sympathisch ist und nicht auf Verkauf angelegt?, sagt er.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Sein Vorgänger liebte schillernde Auftritte Im direkten Gespräch ist er freundlich und humorvoll. Vor größerem Publikum wirkt er hingegen scheu, steif und kalt, ?sehr deutsch eben?, wie Mitarbeiter augenzwinkernd bemerken.Peter Schwarzenbauer ist das Gegenstück zu seinem Vorgänger bei Audi, Ralph Weyler. Der war wegen seines Hangs zu schillernden Auftritten und seiner Nähe zur Promi-Szene in die Kritik geraten; zuletzt ließ er sich mit Thomas Gottschalk im Cabrio ablichten.Gegen derartige Versuchungen dürfte Schwarzenbauer immun sein. Und dass manche dann ?Peter who?? fragen, stört ihn ganz und gar nicht.Peter Schwarzenbauer 1959 Er wird in der fränkischen Stadt Weissenburg geboren. Peter Schwarzenbauer verbringt seine Schulzeit in München und in Nova Friburgo/Brasilien, wo sein Vater arbeitet. Nach dem BWL-Studium in München startet er seine Karriere bei BMW in München. Dort ist er zunächst für die Überseemärkte und später für die Motorradsparte in den USA und in Europa verantwortlich. 1994 Er wechselt zu Porsche, wo er bis 1997 zum Geschäftsführer der Porsche Ibérica in Madrid aufsteigt. 2003 Er wird Chef von Porsche Nordamerika in Atlanta/USA. 2008 Ab 1. April wird er Vertriebs- und Marketingvorstand von Audi.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.03.2008