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Personalrochade bei Sony in Europa

Von Axel Postinett, Handelsblatt
Leopold Bonengl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sony Deutschland GmbH, verlässt Ende März kommenden Jahres das Unternehmen. Die Nachricht kam überraschend, der 48-Jährige bestätigte am Montag jedoch Informationen des Handelsblatts.
Er gehe aus persönlichen Gründen, begründete er seinen Abgang. Es sei noch nicht entschieden, ob er sich selbstständig machen oder in eine andere Führungsposition ? außerhalb der klassischen Konsumelektronikbranche ? wechseln werde. Derzeit führe er Verhandlungen.Der unerwartete Weggang des Deutschlandchefs der Konsumelektroniksparte des japanischen Unterhaltungsriesen kommt zu einer schwierigen Zeit. Er ist vorläufiger Höhepunkt einer Personalrochade bei Sony Europa, die bereits im vergangenen Jahr begonnen hat und zu Kräfteverschiebungen innerhalb der Europaorganisation führt. Weltweit werden bei Sony unter dem Titel ?Transformation 60? Hierarchien der Tochtergesellschaften verflacht und Unternehmensbereiche enger verzahnt. Die Folge: Werksschließungen und Personalabbau.

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Dazu musste auch Bonengl seinen Teil beitragen. In Deutschland ? Jahresumsatz rund 1,2 Mrd. Euro ? ließ er zuletzt Teile der Forschung und Entwicklung in Stuttgart schließen und Leute bei Sony Wega entlassen. Das Hochregallager in Köln musste er opfern. Es wird nach Holland verlegt, um die Logistik zu zentralisieren. Unter dem Strich konnte Bonengl, der auch im Präsidium des Branchenverbands Bitkom arbeitet, die Kosten im vergangenen Jahr in Deutschland im ?einstelligen Prozentbereich? senken.Das Weihnachtsgeschäft für Sony Deutschland sei ? wie der Gesamtmarkt ? nicht wirklich zufrieden stellend gewesen, räumt er ein. Den Umsatz beziffert er mit rund einem Prozent unter Vorjahr.Einen Nachfolger für Bonengl ? den Mitarbeiter als eine integrierende Manager-Persönlichkeit bezeichnen ? als Vorsitzenden der Geschäftsführung in Deutschland wird es zunächst nicht geben. Zum 1. Februar dieses Jahres sollen Michiaki ?Mike? Tsurumi, 61, derzeit President Sony Europe, und Wolf-Dieter Griess, 61, Vice President e-Vehicle Europe bei Sony Europe, die deutsche Niederlassung kommissarisch übernehmen.Europachef Tsurumi sollte eigentlich Anfang April dieses Jahres mit Erreichen der Sony-internen Altersgrenze ganz ausscheiden. Der Brite Chris Deering wird nun der starke Mann bei Sony Europe. Er ist noch President and Chief Executive Officer (CEO) der einflussreichen Sony Computer Entertainment Europe Ltd. und verantwortete von London aus die Einführung der erfolgreichen Playstation-Spielekonsole in Europa. Deering wird neben seiner Funktion als Europachef der Konsumelektroniksparte noch Chairman und CEO der Sparte Computerspiele bleiben. Er soll die Geschäfte von Berlin, Europasitz von Sony, aber auch von London aus leiten.Das Zusammenwachsen der Bereiche Spiele, Konsumelektronik und Musik zeichnete sich bereits ab, als Sonys neue Multimedia-Maschine ?PSX?, eine Kreuzung aus Videorekorder und Spielekonsole, vorgestellt wurde. Videogaming soll verstärkt mit der Konsumelektronik kombiniert werden und so Sonys Anspruch als führendes IT-Unternehmen unterstreichen. Die Einführung der PSX, die auch Musik-CD kopieren kann und einen Internet-Anschluss hat, ist in Europa für dieses Jahr vorgesehen.Der gebürtige Österreicher Leopold Bonengl war seit neun Jahren für Sony in verschiedenen leitenden Positionen tätig. 1999 wurde er zum Geschäftsführer berufen. Seit 1. Januar 2000 war er Vorsitzender der Geschäftsführung. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Positionen bei Apple Computer Europa.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2004