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Persönlichkeitstest austricksen

Unternehmen setzen bei der Auswahl neuer Mitarbeiter immer stärker auf Persönlichkeitstests. Fast ein Viertel der deutschen Unternehmen checkt mittlerweile den Charakter seiner Bewerber mit Hilfe von Tests, berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin karriere in seiner September-Ausgabe unter Berufung auf eine Studie des Karrierenetzwerks e-fellows.net. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken: In den USA, England und Spanien stellen bereits bis zu drei Viertel aller Unternehmen ihre Jobkandidaten erst nach Absolvierung der Testreihen ein.Aussagekraft und Qualität solcher Bewerbertests sind allerdings äußerst umstritten. "Weniger als zehn Prozent der Persönlichkeitstests sind seriös und valide. Das Meiste ist wissenschaftlich grober Unfug", sagt Rüdiger Hossiep, Wirtschaftspsychologe an der Universität Bochum, gegenüber karriere.

Die besten Jobs von allen

Auch wenn viele Unternehmen das Gegenteil behaupten: Auf Psychotests können Bewerber sich durchaus vorbereiten, berichtet das Magazin weiter. "Wenn man begriffen hat, was abgeprüft wird - Flexibilität etwa oder Kontaktfreudigkeit -, kann man die Antworten auch manipulieren", meint Jürgen Hesse, Mitautor eines Testknacker-Ratgebers, in karriere.Bei abgestuften Antworten sollten Bewerber beispielsweise nicht zu häufig die Extreme wählen, aber auch nicht stoisch in der Mitte bleiben. Manche Tests sind sogar mit Lügenfallen gespickt, die Schummler enttarnen sollen. Dazu gehören Aussagen wie "Ab und zu sage ich nicht ganz die Wahrheit" oder "Manchmal rede ich hinter ihrem Rücken über andere Leute", die nur Heilige verneinen können. Wer hier ein empörtes "Trifft gar nicht zu" ankreuzt, ist schon durchgefallen.Die September-Ausgabe von karriere erscheint am 26. August 2005.
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Dieser Artikel ist erschienen am 23.08.2005