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Per Klick zum Geld

Ulrike Heitze, Stefan Terliesner. Foto: Pixelio.
Geld anlegen, aufnehmen, ausgeben - für seine Geldgeschäfte muss man dank Online-Banking keinen Fuß mehr vor die Tür setzen. Allerdings wird die Auswahl langsam ein bisschen verwirrend. So finden Sie das passende Angebot.
Die Ebay-Überweisung um Mitternacht auf den Weg bringen, den Fonds-Sparplan im ICE zwischen Hamburg und Hannover einrichten und die Finanzierung für die neue Küche vom Hotelzimmer aus klarmachen. - Davon, dass Online-Banking eine feine Sache ist, muss man kaum noch jemanden lange überzeugen. Mehr als ein Drittel aller Deutschen pfeifen bereits auf starre Öffnungszeiten und ersparen sich Wege zur Bankfiliale.

Die Online-Finanzwelt wächst und gedeiht - und beschert uns so langsam ein ziemliches Produktdickicht: Hier noch ein neues Tagesgeld mit Supersonderkonditionen, dort ein rosarotes Kreditangebot - beides selbstverständlich an ein halbes Dutzend Bedingungen geknüpft.

Die besten Jobs von allen


Für Kunden ist es deshalb nicht immer einfach, das beste Angebot auszusieben. Und passgenau sollte es schon sein, denn Web-Produkte sind zwar meist billiger als Filialbank-Angebote, doch können je nach Nutzerprofil die Preisunterschiede auch innerhalb der Internetwelt gehörig ausfallen. Wer aber die wichtigsten Preis-Stellschrauben kennt, kann gegensteuern:

Girokonto, Kreditkarte & Co.

Über 300 Euro pro Jahr kann ein Girokonto bei einer Filialbank im ungünstigsten Fall kosten. Deutlich billiger wird es bei einer Direktbank (Konditionen für einen Musterkunden siehe Tabelle). Die Kommunikation per Telefon und Brief sollten Kunden dabei aber nur in Ausnahmefällen wählen, da die meisten Banken dafür Aufpreise verlangen. Unschlagbar günstig ist und bleibt nun mal das Internet. Das wissen natürlich selbst die Filialbanken. Fast alle bieten ihren Kunden daher die Möglichkeit zum Online-Banking. Und wegen des scharfen Wettbewerbs geben sie den so erzielten Kostenvorteil an ihre Kunden weiter. An die Konditionen der Direktbanken reichen sie aber selten heran

Bei denen ist das kostenlose Girokonto nebst günstigen Maestro- und Kreditkarten inzwischen Standard. Für Studenten gilt die kostenlose Kontoführung bei vielen Anbietern uneingeschränkt. "Für alle anderen Kundengruppen ist ein Verzicht auf Kontoführungsgebühren sehr oft an Bedingungen geknüpft. Zum Teil werden monatliche Mindesteingänge oder auch ein Mindestguthaben vorausgesetzt", erklärt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung.

Kostentreiber meiden

Ein wesentlicher Aspekt bei der Wahl des Instituts ist die Verfügbarkeit von preisgünstigen Automaten: Da Geld ziehen an fremden Geräten teuer ist, sollten ausreichend "befreundete" Maschinchen den Lebensweg kreuzen.

So kann man innerhalb des Sparkassenverbunds sämtliche 23.000 Geldautomaten in Deutschland kostenlos nutzen. Die Cash Group (Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank sowie deren Tochterinstitute) bietet zu 7.600 Automaten Zugang. DKB und Citibank ermöglichen über die Kreditkarte eine kostenfreie Bargeldversorgung an allen Geldautomaten weltweit

Unschlagbar günstig ist Online-Banking bei Buchungen: Für Überweisungen per PC fallen in der Regel keine Gebühren an. Wer aber auf Überweisungen per Beleg oder Kontoauszügen per Post besteht, muss oft extra zahlen. Pdf-Kontoauszüge oder Auszugsdrucker sind deshalb die bessere Wahl

"Wichtig für die Wahl eines geeigneten, preisgünstigen Kontos ist daher, die eigenen Bedürfnisse und Gewohnheiten zu kennen", betont Sigrid Herbst. Wer beispielsweise immer ordentlich Geld auf dem Konto hat, sollte nach einem hohen Habenzins Ausschau halten. Für chronische Überzieher sind die Dispozinsen interessanter.

Aktien und Fonds via Internet

Wichtigster Motor des Online-Finanzbooms ist inzwischen das Online-Brokerage - der Handel mit Aktien, Fonds und Zertifikaten über das Internet, zu Preisen, die oft um ein Vielfaches unter denen einer Filialbank liegen (Konditionen siehe Tabelle).

Wer beispielsweise Aktien im Wert von 5.000 Euro kauft, zahlt im Internet bei einem günstigen Anbieter gerade mal sechs bis zehn Euro, in der Filiale kann es rund 50 Euro kosten. Zusätzlich verlangen die meisten Filialbanken noch Depotgebühren in Höhe von rund 60 Euro im Jahr. Bei den Online-Brokern dagegen ist die Lagerung der Papiere viel günstiger, teilweise kostenlos.

Immer weniger Anleger machen das mit - vor allem, wenn sie nicht ganz unerfahren bei der Geldanlage sind. Wer selber eine fundierte Meinung hat, verzichtet auf die Beratung in der Filiale und wandert ins Web ab. Das Angebot der etablierten Online-Broker wie Comdirect, Cortal Consors, Maxblue und DAB ist reichhaltig. Das Orderangebot an in- und ausländischen Wertpapieren und Fonds mit reduzierten Ausgabeaufschlägen kann es problemlos mit jeder traditionellen Filialbank aufnehmen.

Der Teufel steckt im Detail

Online-Häuser, die zu den Platzhirschen aufschließen möchten, versuchen durch niedrige Preise zu punkten oder sich in einer Nische zu etablieren. Besonders aggressiv wirbt derzeit Flatex um Kunden: Außer auf Depotgebühren verzichtet der Wertpapierhändler auf sämtliche Limitgebühren. Für pauschale fünf Euro - plus Börsengebühren - können Anleger unabhängig von der Größe der Order handeln.

Zumindest bei kleinen Aufträgen bis 1.000 Euro ähnlich günstig ist Easytrade. Der Postbank-Ableger kassiert in diesem Fall 6,66 Euro. Zu den günstigen Anbietern zählt auch die Citibank. Für eine Online-Transaktion verlangt das Institut pauschal 9,99 Euro. Das ist zwar immer noch etwas teurer als das Angebot von Flatex, die Citibank langt dafür bei Teilausführungen nicht so kräftig zu: Gerade bei kleineren, nicht so umsatzstarken Aktien wird ein Auftrag in der Regel nicht sofort und vollständig, sondern in zwei, drei oder mehr Teiltransaktionen ausgeführt - was je nach Anbieter jedes Mal die volle Ordergebühr kosten kann. Teure Teilausführungen lassen sich in solch einem Fall vermeiden, wenn die Order als "Fill or Kill" aufgegeben wird. Dann wird diese entweder vollständig oder gar nicht ausgeführt. Bei der Citibank bleiben Teilgeschäfte zumindest bei taggleicher Ausführung zum gleichen Kurs gratis. Andere Anbieter wie DAB oder Maxblue machen das stets kostenlos - unabhängig von Tag und Kurs

"Um den passenden Anbieter zu finden, müssen Kunden ihr Nutzerprofil bestimmen", bringt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Lösung für den Preiswirrwarr auf den Punkt. Wie hoch ist gewöhnlich das Ordervolumen? Wie oft im Jahr tätige ich Transaktionen und mit welcher Art von Wertpapieren handele ich? Möchte ich Aufträge limitieren? Wie gewichte ich Preis und Leistung bei der Auswahl des Anbieters?

In den Preisprospekten verstecken sich oft weitere Extras, deren Nützlichkeit man für sich klären muss. So lohnt sich ein Blick auf den Produktumfang des Anbieters: Sparplan-Fans sind bei breit aufgestellten Brokern wie Comdirect, Cortal Consors und DAB besser aufgehoben als bei Spezialisten. Für Gelegenheitshändler sind die Höhe der Kontoverzinsung und die Depotkosten interessanter als die Transaktionsgebühren.

Online parken

Wilde Schlachten um Marktanteile werden schon seit einigen Jahren bei den kurzfristigen Geldanlagen - Tages- und Festgeldern - geführt. Mit leicht gemischten Ergebnissen für den Kunden: So bieten Online-Banken mittlerweile eine stattliche Verzinsung für täglich verfügbare Gelder (Konditionen siehe Tabelle) und statten ihre Konten mit allerlei Zückerlis wie Tankgutscheinen oder Startguthaben aus - Filialbanken können da schon längst nicht mehr mithalten. Gleichzeitig sind viele Angebote mit Einschränkungen versehen: Manches Schnäppchenangebot gilt nur kurzfristig, andere gelten nur für Neukunden oder ab beziehungsweise bis zu einer bestimmten Anlagesumme.

"Bei der Auswahl des Anbieters sollten Anleger deshalb nicht allein auf die aktuellen Zinsen achten, sondern beispielsweise eine Bank auswählen, wie die ING-Diba oder Santander, die keine Unterschiede zwischen Neu- und Bestandskunden macht. Auch der Vermittler WPH trennt nicht mehr. Da profitieren dann alle von Zinserhöhungen", empfiehlt FMH-Beraterin Sigrid Herbst. Grundsätzlich kann man sich zwar auch fürs Zins-Hopping begeistern und mit seinem Ersparten nacheinander alle Neukundenangebote abgrasen, aber das Kontoeröffnungsprocedere und ständiges Umbuchen macht eben auch Arbeit und kostet Zinstage.

Kredite Per Mausklick

Beim Online-Ratenkredit können Kunden ihren Finanzierungswunsch vom Wohnzimmer aus bei der Bank vorbringen: Sie füllen ihren Antrag selbst aus, die Kreditprüfung erfolgt anhand der gemachten Angaben meist automatisiert. Einige Anbieter teilen eine vorläufige Entscheidung unmittelbar in der Anwendung oder per E-Mail mit. Anschließend schickt der Kreditnehmer nur noch seine Gehaltsabrechnungen an die Bank

Die Angebote richten sich in der Regel an Berufstätige, die seit mindestens sechs Monaten in einem ungekündigten und unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen. Weitere Sicherheiten sind nicht nötig. Teilweise bekommen auch Selbstständige die Kredite. Sie müssen ihre Gewinne dann per Bilanz und Steuererklärung nachweisen.

Da der Online-Geldverleih von der Standardisierung lebt, kann es passieren, dass an sich kreditwürdige Kunden durchs Raster fallen und abgelehnt werden. Wer nach der Pauschaldefinition der Bank etwa den falschen Job, eine komplizierte Familienkonstellation oder eine schlappe Schufa-Auskunft hat, ist raus aus dem Rennen. Verhandelt wird nicht.

Durch dieses rigide Vorgehen können Web-Ratenkredite oft - aber nicht per se - günstiger sein als in der Filiale. Aber es gibt auch Kostenfallen: So sind die Bearbeitungsgebühren zwar im Effektivzins enthalten, bei einer vorzeitigen Rückzahlung werden sie jedoch nicht anteilig rückvergütet, sind also verloren.

Gerne und vehement mitverkauft werden auch - sehr oft überteuerte - Restschuldversicherungen, die einspringen sollen, wenn der Kreditnehmer als Rückzahler ausfällt. In dieser Koppelung von Kredit und Restschuldversicherung sieht die Verbraucherzentrale Bremen sogar eine "neue Form des Kreditwuchers"

Ebenfalls nicht so ernst nehmen sollten Kreditinteressierte die von den Banken rausposaunten Niedrigzinssätze. Viele sind nicht mehr als Schaufensterkonditionen, denn der supersagenhaft günstige Zins ist oft bonitätsabhängig und wird nach Schätzung der FMH-Finanzberatung weniger als drei Prozent der Kunden gewährt. Wie bei allen Bankangeboten lohnt folglich auch hier der ausführliche Preisvergleich (s. Tabelle). Denn auch in der Online-Welt gilt: Die Bank gewinnt immer

Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007