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Paul Morgenthaler

Entscheidung für den MBA
Start ins erste Semester mit ?Crimson Greetings?
Die Kultur an der Harvard Business School
Das Lernmodell
Leben in der Section
Klausuren und Grade Non-Disclosure
Summer-Recruiting
Konferenzen











Entscheidung für den MBA (August 2005)
Vor meinem Studium an der Harvard Business School (HBS) war ich Geschäftsführer der auf mittelständische Unternehmen spezialisierten Ratingagentur Prof. Dr. Schneck Rating. Als Mitgründer und Gesellschafter habe ich das Unternehmen mit meinen Mitarbeitern und Kollegen im Management erfolgreich am Markt etabliert

Die besten Jobs von allen


Nach drei Jahren unternehmerischer Tätigkeit mit starkem Fokus auf Deutschland ist der Zeitpunkt für eine zusätzliche internationale Erfahrung günstig. Mittelfristig möchte ich den Schritt vom rein deutschen zum internationalen Unternehmer machen. Im Harvard MBA sehe ich eine gute Vorbereitung für die damit verbundenen zusätzlichen persönlichen und fachlichen Herausforderungen. Entscheidend waren für mich die Kriterien:

Die besten Jobs von allen

  • Internationalität: In Harvard treffen Studenten und Professoren aus mehr als 70 Ländern zusammen
  • Praxisrelevanz: Die Case Study Method garantiert eine interaktive und praxisnahe Wissensvermittlung
  • Netzwerk: Die mehr als 65.000 Absolventen der Harvard Business School (HBS)gelten als das weltweit einflussreichste Wirtschaftsnetzwerk
Nicht zuletzt haben mich Freunde, die ebenfalls an der HBS studierten, von dem Wert dieser Ausbildung für meine Zukunftspläne überzeugt. Start ins erste Semester mit ?Crimson Greetings? (September 2005)Das Semester beginnt mit der Orientierungswoche, den ?Orientations?. Fester Bestandteil der Orientations ist die interaktive Unternehmenssimulation ?Crimson Greetings?. 18 Studenten sanieren als Team einen in die wirtschaftliche Schieflage geratenen Hersteller von Grußkarten. Wir bilden verschiedene Abteilungen, wie Produktion, Vertrieb, Produktentwicklung und Verwaltung. Der Realitätsgehalt der Simulation ist extrem hoch. Die Leute in der Produktentwicklung müssen echte Grußkarten entwerfen, die von den Arbeitern in der Produktion tatsächlich mit Papier, Schere und Klebstoff hergestellt und von dem Vertriebsteam an echte Kunden verkauft werden müssen. Basierend auf diesen Geschäftsvorfällen muss dann die Verwaltung echte Jahresabschlüsse für unser Unternehmen erstellen. Die Simulation erstreckt sich über 2 Tage und am Ende haben wir es geschafft: unser insolvenznahes Grußkartenunternehmen erreicht den Turnaround und erzielt wieder Gewinne und positive Cash-Flows. Eines gelernt haben wir dabei schon in den ersten beiden Tagen des MBA-Programms: Entscheidend ist
  • die reibungslose Kommunikation zwischen und innerhalb der Unternehmensbereiche
  • die Bereitschaft aller, eigene Interessen den Unternehmenszielen unterzuordnen.
Je besser die Teams zusammenhalten, desto positiver sind am Ende die finanziellen Ergebnisse.Neben diversen akademischen Einführungsveranstaltungen organisieren die Studenten des zweiten Studienjahres zahlreiche Social Events für uns neue Studenten. Hierzu zählen gemeinsame Abendessen in kleinen Gruppen, Club Nights in downtown Boston, Sportturniere, ein Partyschiff, das auf dem Bostoner Charles River kreuzt?Wohl kaum sonst wo kann man in so kurzer Zeit so viele neue Freunde aus der ganzen Welt kennen lernen. Die Kultur an der Harvard Business School (September 2005)Die Erfahrungen, die meine Studienkollegen in ihrer Zeit vor Harvard gesammelt haben, sind beeindruckend. Hierzu zählen z.B.:
  • Persönlicher Assistent des britischen Premierministers
  • Self-Made Millionär in der IT-Branche
  • Offizier beim israelischen Militär-Geheimdienst
  • Vorstandsassistentin beim weltgrößten Bankkonzern
  • Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind Mitarbeiter des Beratungsunternehmens McKinsey sowie der Investmentbank Goldman Sachs ? zwei Unternehmen mit einer starken Kultur, die auch die Kultur an der Harvard Business School (HBS) nachhaltig beeinflussen. So ist z.B. mein Professor für Leadership Aufsichtsratsmitglied bei Goldman Sachs.Die Studenten an der HBS haben über die Jahrzehnte einen Ehrenkodex entwickelt, der auch heute noch strikt eingehalten wird. Fehlen oder zu spät kommen zu einer Vorlesung sind genauso tabu wie ?unerlaubte Hilfsmittel? jeglicher Art. Das Lernmodell (Oktober 2005)Jeder Student an der HBS wird zu Beginn des Semesters einer Section zugeteilt. Jede Section besteht aus 90 Studenten und trifft sich täglich im gleichen Vorlesungssaal mit fester Sitzordnung. Die Vorlesungen haben dabei fast nichts gemein mit den Lehrveranstaltungen, wie wir sie von deutschen Universitäten kennen.Für jede Vorlesung bereiten wir eine Fallstudie (Case Study) vor. Dazu gehört die detaillierte Analyse der jeweiligen Situation und ein konkreter Lösungsvorschlag für das betroffene Unternehmen und dessen handelnde Personen. Am Anfang jeder Vorlesung wird ein Student vom Professor aufgerufen und gebeten, seine Analyse und seinen Lösungsvorschlag mit Maßnahmenplan vorzustellen. Im Anschluss daran moderiert der Professor eine Diskussion der Studenten untereinander. Bei 90 Studenten im Saal gehen die Einschätzungen einer Situation naturgemäß weit auseinander. Während es in Fächern wie Finance oder Accounting jedoch oftmals eine objektiv richtige Lösung gibt, sieht das bei Kursen wie Marketing oder Leadership etwas anders aus. Hier gelten keine "absoluten Wahrheiten", es zählt vor allem der Aufbau der Argumentation und nicht zuletzt das Selbstbewusstsein, mit dem diese vorgetragen wird.Um eine Fallstudie vorzubereiten, sind im Schnitt ca. 25 bis 30 Seiten Lektüre erforderlich. Darüber hinaus wird in vielen Fällen die Durchführung quantitativer Modellrechnungen in MS-Excel erwartet, um in der Vorlesung eine fundierte und mit harten Fakten unterlegte Argumentation vorstellen zu können. Bei drei Fallstudien, die wir pro Tag vorbereiten, ist dies eine intensive und hochgradig interaktive Form der Wissensvermittlung. Die Qualität der Diskussionsbeiträge zu den Fallstudien wird dadurch sichergestellt, dass sie zu 50% in die Benotung des jeweiligen Kurses einfließt. Leben in der Section (November 2005)Kern der HBS experience im ersten Studienjahr ist das Lernen und Leben in der Section. In meinem letzten Tagebucheintrag habe ich bereits über das Lernmodell berichtet. Dieses ist jedoch nur ein Aspekt der Section. Denn darüber hinaus spielt sich auch das soziale Leben zu einem großen Teil innerhalb der "Section family"ab. Absolute Höhepunkte im "social calendar" jeder Section ist der Retreat (Anfang November) und der Holidazzle Ball (Anfang Dezember, in der Woche vor Beginn der Klausuren).Dem Retreat hatten wir schon seit Wochen entgegengefiebert - ganz zu Recht, wie sich herausstellte. Das Konzept ist schnell erklärt: 90 Leute im Alter von 25 bis 30 Jahren verbringen ein gemeinsames Wochenende in einer einsamen (und natürlich viel zu kleinen) Lodge in den Bergen. Die Party ist non-stop und wild - nach diesem Wochenende brauchen viele erstmal ein paar Tage Erholung!Ziemlich high class ist dagegen der Holidazzle Ball. Alle Sections treffen sich im Sheraton Hotel Boston zu einem Gala Dinner. Dabei gestaltet jede Section ihr eigenes Entertainment Programm. Es kommen viele ungeahnte Talente zum Vorschein. Im Anschluss an ihr Gala Dinner gehen alle Sections in den großen Ballsaal, mit offener Bar bis 2 Uhr morgens. Weiter geht es dann auf privaten After-Parties auf dem Campus - und wenn die Leute nach Hause aufbrechen, ist es schon wieder hell. Klausuren und Grade Non-Disclosure (Dezember 2005)Es ist Dezember und die Klausuren für das erste Semester stehen vor der Tür. Dieses Jahr wird die Klausurwoche von der Diskussion über die Grade Non-Disclosure überschattet. Seit 1998 regelt ein Verhaltenskodex an der Harvard Business School (wie auch an vielen anderen führenden US-Universitäten), dass die Studenten ihre Noten geheim halten. Unternehmen, die Studenten nach ihren Noten befragen, müssen mit Sanktionen rechnen und können sogar vom Recruiting an der HBS ausgeschlossen werden. Dieser Kodex hat derzeit jedoch einige Kritiker an der Harvard University. Sie befürchten, dass sich viele Studenten zu sehr aufs Networking und Socializing konzentrieren und der akademische Aspekt der Ausbildung dabei zu kurz komme.Nach meinen Beobachtungen ist diese Befürchtung falsch. Die meisten Studenten wissen sehr genau, zu welchem Zeitpunkt sie welche Prioritäten setzen müssen. Dies zeigt sich jeden Tag aufs Neue an den hervorragenden Beiträgen meiner Kommilitonen in den Case Study Diskussionen. Im Vergleich zu Deutschland ist die Zeit, die hier zur Erfüllung der akademischen Anforderungen aufgewendet werden muss, ohnehin wesentlich höher.Nach einer aktuellen Umfrage lehnen mehr als 95% der Studenten eine Änderung des derzeit gültigen Kodex ab. Die Hochschulleitung hat angekündigt, dass sie ihre Entscheidung hierzu noch im Januar 2006 treffen wird. Summer Recruiting (Januar 2006)Gute Nachrichten in Sachen Recruiting: Der Arbeitsmarkt für MBAs hat sich seit seinem Tiefpunkt in 2002/ 2003 massiv gedreht und reicht inzwischen fast schon wieder an die Jahr 2000 Boomzeiten heran. Consultingfirmen und Investmentbanken fluten den Campus. Etablierte Unternehmen und Start-Ups buhlen um die Aufmerksamkeit der Studenten. Zahlreiche Studenten haben bereits jetzt schon Angebote für Sommerpraktika, obwohl die offiziellen Bewerbungsrunden bei den meisten Unternehmen noch gar nicht begonnen haben. Die gezahlten Gehälter erreichen Rekordhöhen und liegen klar über dem Niveau vom Jahr 2000. Wie schon im vergangenen Jahr steht auch 2006 die Private Equity Branche am höchsten in der Gunst der Studenten. Selbst in dieser recht überschaubaren Branche, in der Jobs traditionell dünn gesät sind, haben die ersten Studenten bereits Angebote ?gelandet?.Nur Licht und kein Schatten auf dem MBA Arbeitsmarkt? Nicht ganz. Für Studenten, die einen Job bei traditionellen Industrieunternehmen außerhalb der USA suchen, ist es nach wie vor eine Herausforderung, adäquate Einstiegspositionen zu identifizieren. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten dieser Unternehmen keine entsprechenden Karrierepfade für MBA-Absolventen vorsehen. Der Umweg über das Consulting wird von vielen MBAs daher als sinnvolle Alternative betrachtet. Konferenzen (März 2006)

    Ein wichtiger Aspekt des Harvard MBAs sind die zahlreichen Konferenzen, die nahezu jedes Wochenende auf dem Campus stattfinden. Die Konferenzen sind eine hervorragende Möglichkeit, sich über aktuelle Trends in verschiedenen Branchen und Tätigkeitsfeldern zu informieren und Kontakte mit Top Managern aus den jeweiligen Branchen aufzubauen. Organisiert werden die Konferenzen ausschließlich von den Harvard Student Clubs. Was Professionalität und Attraktivität des Programms betrifft, lassen sie jedoch so manche von kommerziellen Konferenzveranstaltern organisierte Events im Schatten stehen.

    Unternehmen zahlen z.T. beträchtliche Summen, um für Ihre CEOs einen Platz auf der Rednerliste zu sichern. Viele CEOs der vertretenen Unternehmen sind HBS Alumni und berichten sehr offen über ihre Karrierelaufbahn, Trends in ihrer Industrie und in ihren Unternehmen. Die Konferenzen sind für sie eine wertvolle Gelegenheit, um Kontakt mit der aktuellen Studentengeneration aufzunehmen und ihre Unternehmen als attraktive Arbeitgeber zu positionieren.
    Dieser Artikel ist erschienen am 31.08.2005