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Pankes Prinzen

Von Martin-W. Buchenau
BMW-Chef Helmut Panke gilt als einer der erfolgreichsten Automanager der Republik. Sein Vertrag läuft noch eineinhalb Jahre. Aber schon jetzt werden die Weichen für seine Nachfolge gestellt. Im BMW-Vorstand laufen sich drei Vorstände für den Spitzenjob warm.
BMW-Chef Helmut Panke Foto: dpa
STUTTGART. Als Jürgen Schrempp vor einigen Wochen seinen vorzeitigen Rücktritt als Chef von Daimler-Chrysler verkündete, schmunzelte mancher beim Erzrivalen BMW. ?Das Timing hätte von uns sein können?, hieß es. Nicht, weil auch in München ein glückloser CEO zu vergeben wäre ? sondern weil auch die BMW-Kommunikationsabteilung gern der öffentlichen Diskussion zuvorkommt.In guter Erinnerung ist noch der Wechsel von Joachim Milberg zu Helmut Panke, der wohl geräuschloseste Rollentausch der Autoindustrie in den vergangenen Jahren. Die gesamte Medienlandschaft hatte BMW im Dezember 2001 mit dem gesundheitsbedingten Ausscheiden Milbergs überrascht. Der inzwischen 59-jährige Finanzchef Panke übernahm das Ruder zur Hauptversammlung 2002 nahtlos.

Die besten Jobs von allen

Sein Vertrag läuft noch eineinhalb Jahre. Nun gibt es bei BMW allerdings intern eine Regelung, nach der Vorstände und hohe Führungskräfte mit dem Erreichen des 60. Lebensjahres Platz machen sollen. Wird dies im Fall Panke streng gehandhabt, müssten intern die Diskussionen um die Nachfolge schon im Gange sein. Und wollte BMW die Öffentlichkeit wieder überraschen, dann müsste bald etwas geschehen.?Der Prozess wird jetzt langsam in Gang gesetzt?, heißt es in Aufsichtsratskreisen dazu. Aber nach außen hält das diskrete Vorzeigeunternehmen dicht. Auch im Vorstand wagt sich keiner der Kandidaten aus der Deckung.Dabei ist eigentlich klar, dass von den fünf Vorständen neben Panke nur drei in Frage kommen ? denn Forschungschef Göschel wird in einem Monat 60 Jahre. Sein Vertrag wurde entgegen den Gepflogenheiten zwar verlängert, doch den Chefsessel wird er angesichts seines Alters wohl nicht mehr bekommen ? ebenso wenig wie der bald 57-jährige Personalchef Ernst Baumann.Dass dagegen jemand von außen für die Panke-Nachfolge geholt wird, ist bei einem so sehr auf Kontinuität pochenden Hauptaktionär wie der Industriellenfamilie Quandt praktisch ausgeschlossen. Ebenso wenig scheint möglich, dass ein internes Ausnahmetalent Vorstandschef wird, ohne sich zuvor einige Jahre als Vorstand bewährt zu haben.Bleiben demnach nur drei Personen übrig, von denen einer Helmut Panke beerben wird. Produktionschef Norbert Reithofer, Finanzchef Stefan Krause oder Vertriebschef Michael Ganal.Wer die Nase vorne hat, ist schwer zu sagen. Einiges spricht für Reithofer. Der gebürtige Penzberger ist der einzige Bayer im Vorstand der Motorenwerke. Die unter seiner Führung perfektionierte Produktionsstrategie, die wohl flexibelste in ganz Deutschland, ist das Rückgrat des gesamten Konzerns und damit einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren. Reithofer erscheint in seiner Art deutlich zurückhaltender und weniger aufbrausend als Panke. Aber der promovierte Maschinenbauingenieur ist dennoch offen und direkt. Der freundliche und verbindliche Manager ruht in sich und fühlt sich bei Kritik nicht gleich persönlich angegriffen.Als Teamplayer gönnt er auch anderen Erfolge. Er erwähnt beispielsweise einen jungen Ingenieur, dem die Ehre gebührt, den kammförmigen Grundriss des neuen Werkes in Leipzig maßgeblich mit entwickelt zu haben. Problemlos könnte er sich die Lorbeeren des neuen Fertigungskonzepts selbst an die Brust heften. Aber Reithofer scheint so etwas nicht nötig zu haben.Und schließlich hat er ein Ass im Ärmel. Aufsichtsratschef Joachim Milberg kennt ihn bestens. Hat Reithofer doch beim Ex-BMW-Chef promoviert, als der noch Uniprofessor in München war. Und schließlich hat Milberg auch Reithofer im März 2000 in sein Vorstandsteam geholt. Bislang ist nicht bekannt, dass er seinen Mentor enttäuscht haben soll.Aber ganz so eindeutig wie das jetzt erscheinen mag, ist die Sache auch wieder nicht: Auch der 42-jährige Finanzchef Stefan Krause hat Chancen. Schließlich war der Finanzposten schon ein Sprungbrett für Panke sowie den ehemaligen Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld.Der in Bogota geborene Betriebswirt Krause ist zwar ein reiner Finanzmann und hat nur kurze Vertriebserfahrung, doch der Senkrechtstarter ist bereits 18 Jahre im Konzern. Er spricht sechs Sprachen, ist sehr kommunikativ und fühlt sich auf internationalem Parkett durchaus wohl. Dabei wirkt er für sein Alter erstaunlich abgeklärt und ruhig. Seine diplomatischen Fähigkeiten sprechen für ihn. Könnten sie doch bei den geplanten Expansionsschritten in fremde Märkte besonders nützlich sein.Panke kennt das Finanz-Ass aus gemeinsamen Zeiten in den USA, als das US-Werk in Spartanburg aufgebaut wurde, ein Meilenstein in der Konzerngeschichte. Auch Reithofer war von 1997 bis 2000 in den USA. Der Einzige, der nicht zu den ?US-Boys? im Vorstand zählt, ist Vertriebschef Michael Ganal.Der in Weingarten geborene, promovierte Jurist ist dafür der einzige der Aspiranten mit Führungserfahrung in anderen Bereichen und Unternehmen. So arbeitete Ganal am Oberlandesgericht München und war Rechtsanwalt. Nach sechs Jahren im BMW-Vertrieb machte er von 1993 bis 1996 ein Intermezzo beim Luftfahrtunternehmen Dasa, das damals zu Daimler gehörte. Der groß gewachsene 50-Jährige leitet zudem das Motorradwerk in Berlin.Ganal dürfte als Vertriebsmann am besten die Bedürfnisse der Kunden kennen. Die Nähe zum Markt könnte im immer härter werdenden Wettbewerb eine zunehmende Bedeutung erhalten. Er gilt als nicht zu unterschätzender Außenseiter, zumal er erst kürzlich eine schwere Krankheit überwunden hat.Nur wenn Pankes Vertrag über die Altersgrenze hinaus verlängert wird, könnten in der Zwischenzeit noch andere Bewerber auf den Plan treten. Klar scheint: Keiner der drei Kronprinzen wird kündigen, wenn er übergangen wird. ?Ein Fall Cordes ist bei uns nicht denkbar?, sagt einer der drei Vorstände. Zu ihren eigenen Ambitionen äußern sich die Vorstände nicht. Diskretion scheint im Haus BMW Ehrensache.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.09.2005