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Online-Bewerbung

Bernd Andersch
Das Internet erobert den Stellenmarkt. Nicht etwa die Jugend fahndet online verstärkt nach Einstiegsmöglichkeiten. Überwiegend bewegen sich gestandene Fach- und Führungskräfte auf dem Weg zum neuen Job durchs Netz. Welche Unterstützung liefert das Internet wirklich?
Das Angebot von Stellenanzeigen ist grenzenlos. Der Stellensuchende hat erstmalig Zugriff auf den gesamten nationalen und internationalen Arbeitsmarkt. Unternehmen inserieren auf Web-Sites und Internet-Stellenmärkte zaubern schier unendliche Jobofferten auf den Bildschirm. Wer sich früher aufwändig durch die Stellenangebote der Printmedien arbeitete, weiß schnell die Vorteile der elektronisch unterstützten Suche zu schätzen. Rechercheinstrumente reduzieren gezielt den Wust der Anzeigen auf die eigentlich interessanten Stellen.

Wurden die passenden Stellenangebote gefunden, stellt sich die Frage: Bewerbung online oder klassisch? Ist nicht ausdrücklich die Online-Bewerbung gefragt, verlängert die Internet-Bewerbung den Prozess bis zum Vorstellungsgespräch. Die elektronische Bewerbung (E-Bewerbung) wird in Deutschland zumeist als Vorläufer betrachtet, mit der Bewerber abchecken, ob eine ausführliche Bewerbung Sinn macht. Dort allerdings, wo Bewerber gegenüber den Arbeitgebern am längeren Hebel sitzen, etwa bei der Spezies der heiß begehrten Internet-Spezialisten, werden eingehende E-Bewerbungen wie rohe Eier behandelt. Meist reicht es dann, die fehlende Unterlagen zum Vorstellungsgespräch mitzubringen. Für die anderen ist die Online-Version vor allem bei Initiativbewerbungen praktisch. Bei positiver Resonanz werden alle Unterlagen umgehend nachgesendet. Wer es schafft, Name und Internet-Adresse von Entscheidungsträgern zu erfahren, ist besonders gut dran. Er kann seine Anfrage direkt ins Zentrum der Entscheidungen lancieren, ohne in komplizierter Weise bürokratische Hürden im Unternehmen zu überwinden.

Die besten Jobs von allen


Das Internet ist nicht nur ein junges, sondern auch ein schnelles Medium. Das verleitet dazu, die Bewerbung in aller Eile und Oberflächlichkeit ins Netz zu stellen. Deutsch- und Tippfehler treten in Hülle und Fülle auf. Weil es schnell gehen soll, sind die meisten Internet-Bewerbungen wenig aussagekräftig. Klagen über die schlechte oder langsame Resonanz auf E-Bewerbungen nützen da wenig. Nur durch den Wechsel des Mediums ändert sich der Qualitätsanspruch nicht. Da der Empfänger der Internet-Bewerbung weder das schöne Foto, den hochwertigen Hefter, Farbkopien und handschmeichelndes Papier sieht und fühlt, konzentriert er alle seine Sinne auf den Text. Daher müssen Texte hervorragend strukturiert, leicht lesbar und im Höchstmaß aussagekräftig sein. Der Zeittakt beim E-Mail-lesen schlägt verdammt schnell. Uninteressante Mails verschwinden spurlos im Papierkorb.

Daraus lassen sich Ratschläge für Anschreiben und Lebenslauf ableiten: Adresse, Absender, Betreff und Datum werden ohnehin erfasst und müssen nicht im Text wiederholt werden. "Bewerbung" klingt im Betreff banal. Angepeilte Position, Aufgabengebiet, Schlagzeile der Anzeige oder eine Aussage mit hohem Nutzen für den Leser ziehen besser. Absenderdaten werden an die Signatur gehängt. Nach der Anrede im Mail müssen entscheidende Erfahrungen und Qualifikationen dem Leser sofort ins Auge springen. Die Absätze sollten nach Wichtigkeit sortiert werden - damit nicht zu früh der Mauszeiger auf Löschen wandert. Und wenn der Leser schon einmal liest, warum ihn unterbrechen? Der Lebenslauf kann gleich dem Anschreiben folgen. Er muss nicht als Attachment verschickt werden. Im Lebenslauf müssen jetzt die wichtigen Fakten aus dem Werdegang kommen, nach Bedeutung geordnet. Das können wichtige Stationen, Studienschwerpunkte, Berufserfahrungen, EDV-, Sprachkenntnisse und Besonderheiten sein. Hier macht es durchaus Sinn, die aktuelle Station an oberster Stelle zu bringen.

Gute Jobmärkte unterstützen den Bewerbungsprozess: Stellensuche, Bewerbung und Versand. Sie sind mit einer Bewerberdatenbank gekoppelt. In einem Matchingprozess werden offene Stellen mit den Bewerberdaten abgeglichen und passende Stellenvorschläge generiert. Uneffizient arbeiten allerdings Systeme, die den Bewerber mit unpassenden Stellenvorschlägen regelmäßig bombardieren. Da ist es unkomplizierter, gleich wieder zur guten alten Zeitung zu greifen. Freilich können passende Stellenvorschläge nur generiert werden, wenn sehr genau Zielsetzungen, Erfahrungen und Qualifikationen des Bewerbers abgefragt werden. Jetzt können diese detailliert mit Anforderungen aus den Stellenanzeigen abgeglichen werden. Wer in fünf Minuten wenige Daten zu seiner Person in eine Datenbank einträgt, kann einfach keine gezielte automatisierte Stellensuche erwarten. Hier muss noch eine Menge bei den Internet-Lösungen getan werden, um zu effektiveren Ergebnissen für den Bewerber zu kommen. Dann allerdings wird es kaum noch einen Grund geben, in die Stellenanzeigen der Tageszeitungen zu schauen.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001