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Oliver Wunde

Keine Kompromisse. Keine andere Business School
Vertrauen ist der Anfang von allem
Wir machen den Weg frei
Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich
Entdecke die Möglichkeiten
Nichts ist unmöglich
Zuerst der Mensch, dann die Maschine
Hier werden Sie geholfen
Entdecke die Möglichkeiten
Tschüss bis morgen
Aufbruch zur Gelassenheit
Da weiß man, was man hat












Da weiß man, was man hat

Die besten Jobs von allen


Nach einem interessanten letzten Semester darf ich mich nun seit Ende Mai MBA-Absolvent der Johnson School at Cornell University nennen. Die "Graduation" Zeremonie in den USA ist ein großartiges Event, zu dem auch meine Mutter und Schwester angereist waren. Der Samstag begann mit einer Rede von General Wesley Clark (NATO Befehlshaber im Kosovokonflikt), der alle Cornell University Absolventen (insgesamt 5.000 Studenten) aufgefordert hat, sich einem Ziel zu verschreiben, aber beim Erreichen dieses Zieles die eigenen Grundwerte nicht aus den Augen zu verlieren. Danach gab es eine Zeremonie der Johnson School, wo jedem der 300 Absolventen persönlich vom Dean gratuliert wurde. Am Sonntag hat der Universitätspräsident dann in einem Fußballstadium allen 5.000 Absolventen von Cornell offiziell das Diploma verliehen. Dabei durften die Absolventen vor einem Publikum aus 40.000 Eltern und Freunden ins Stadium einziehen. Es war ein beeindruckendes Erlebnis für mich, vor einer solchen großen Menschenmasse zu stehen. Ich kann jetzt jedenfalls viel besser nachvollziehen, warum Athleten bei der Olympiade oder anderen internationalen Events bereit sind, - im wahrsten Sinne des Wortes - alles zu geben. Eine solche Masse von Zuschauern ist ein sagenhafter Motivator.

Mein MBA Diploma von Cornell wird mich für den Rest meines Lebens begleiten und ist mein Türöffner zu einem der besten Alumni (Absolventen) Networks in der Welt. So wie ich von Alumni in meiner Jobsuche unterstützt wurde, werde ich nun meine Nachfolger fordern und fördern koennen. Auf diese Weise sorgen US-Schulen dafür, dass auch Alumni mit der Schule in regen Kontakt und Austausch bleiben. So werde ich in London wahrscheinlich einmal pro Quartal an Veranstaltungen von Cornell Alumni teilnehmen und auf diese Weise - hoffentlich - viele neue Leute kennen lernen.

Nun muss ich allerdings noch ein "Geheimnis" lüften. Seit dem zweiten Semester lebe ich mit einer Mitstudentin aus meinem MBA-Programm zusammen. Wir haben uns in meinem zweiten "Learning Team" im ersten Semester kennen- und lieben gelernt und werden nun auch gemeinsam nach London umziehen. Damit habe ich in meinem MBA-Programm nicht nur eine hervorragende Ausbildung, sondern auch eine Frau fürs Leben gefunden (sofern alles gut geht). Mehr kann mich sich wohl nicht von einem zweijährigen Studienprogramm wünschen.

"Da weiß man, was man hat" war ein Werbespruch für Persil Waschpulver.

Aufbruch zur Gelassenheit

Nach meinem Semester in Hong Kong und meiner Reise über Japan zurück in die USA kam mir Ithaca plötzlich sehr, sehr klein und provinziell vor. Darüber hinaus musste ich mich daran gewöhnen, dass ich die Hälfte der Leute in Sage Hall (der Name des Schulgebäudes) nicht kannte - es waren die neuen Erstklässler, die schon seit August 2004 in der Johnson School waren und natürlich nicht mehr damit rechneten im Januar 2005 noch einen unbekannten Zweitklässler anzutreffen. Und so musste ich mich überall vorstellen? eine wahrlich ungewohnte Situation.

Das letzte Semester eines MBA Programms wird gemeinhin "Home Stretch" genannt. Da viele MBA Studenten zu diesem Zeitpunkt eine "Job Offer" haben, steht das Studium nicht mehr ganz so im Fokus wie in den ersten drei Semestern. Auch ich konnte im Januar eine Offerte von einer führenden amerikanischen Investmentbank in London sichern und musste mir daher im letzten Semester keine Gedanken mehr über die Arbeitssuche machen. Für Studenten ohne Job Offer wird das letzte Semester jedoch zu einem richtigen Horrortrip, da sie ständig mit Kommilitonen, die bereits einen Job gesichert haben, konfrontiert sind. Darüber hinaus werden viele US Arbeitgeber im Consulting und Finance Bereich misstrauisch, wenn ein MBA Student zu diesem Zeitpunkt noch keine Offer hat. Dies macht natürlich die Jobsuche nicht einfacher. Es ist ein trauriger Fakt, dass selbst in den Top 10 MBA Programmen in den USA mehr als 20% (in guten Jahren) bzw. 50% (in schlechten Jahren) der Studenten ohne eine Job Offer, aber mit einer durchschnittlichen Schuldenlast von über 85.000 US-Dollar ihren Abschluss machen.

Mit seiner Kurswahl im letzten Semester bestimmt jeder Student selber, wie hart er oder sie arbeiten möchte. Frei nach dem Maximin-Prinzip habe ich mich entschieden, nur die 12 Mindestkurseinheiten (Credits) zu belegen. Um mich auf meinen nächsten Job vorzubereiten, habe ich Financial Modeling und Valuation Principles belegt. Diese Kurse beschäftigen sich damit, Unternehmen zu bewerten und Bewertungsmodelle in Excel zu entwickeln. Zusätzlich habe ich noch Applied Price Theory belegt. Dieser Kurs in Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit Microeconomics und wirft ein Licht auf Wettbewerb, Preisstrategien und Marktversagen. Ein gutes Beispiel für Marktversagen ist das Monopol, das durch Netzwerkeffekte entsteht. Allseits bekannte Beispiele für diesen Effekt ist Microsofts Monopol im Betriebssystembereich und eBays Monopol bei Auktionen. Diese Firmen sind erfolgreich, weil sie bereits viele Nutzer haben und daher andere Firmen praktisch gezwungen sind, Software auf Windows Basis bzw. Produkte auf eBay anzubieten, wenn sie Geld verdienen wollen. Als "Hobby" Kurse habe ich dann noch "Logistics and Manufacturing Strategies" und "Law for High Growth Businesses" belegt.

Durch die geringe Arbeitsbelastung konnte ich das letzte Semester in Ithaca richtig genießen und habe viele Wanderungen in der Umgebung und einen Ausflug nach Boston unternommen. Daher auch der Titel dieser Folge. "Aufbruch zur Gelassenheit" (Werbespruch von Tempus Zeitplansysteme).

Tschüss bis morgen

Das Semester in Hong Kong ist leider viel zu schnell zu Ende gegangen. Ich werde es sehr vermissen. Ich hoffe nur, dass mich meine beruflichen Wege irgendwann nach Hong Kong bringen werden. Daher auch der Titel für diese Folge: "Tschüss bis morgen" war der Werbeslogan der Grossbaeckerei Kamps.

Ich habe Hong Kongs zentrale Lage in Asien als Ausgangspunkt genutzt, um einige Ausflüge in Asien zu machen. Das große Highlight war Singapur - Hong Kong's Hauptkonkurrent in Asien und doch so ganz anders. Während Hong Kong's Bevölkerung zu über 98% chinesischer Abstammung ist, ist Singapur ein buntes Gemisch aus Leuten von Malaysia, Indien, Mittleren Osten und dem "Westen". Inder und Araber haben sogar ihre eigenen Viertel in Singapur mit entsprechenden Umgangsformen. Ich habe mich noch nie so bedrängt gefühlt wie im indischen Viertel von Singapur mit allen seinen vielen Leuten, Straßenhändlern und Hindu-Tempeln. Nur Bettler sieht man in Singapur nicht - überhaupt wirkt die Stadt wie aus einem Traum: sehr steril, sehr korrekt. So wird die Zeitschrift Cosmopolitian mit dem Aufkleber "Unsuitable for the Young" verkauft. Die einzige Tageszeitung ist staatlich; ebenso wie das Fernsehen, das Telefon, die Elektrizität, die Ölversorgung - eben alles, was wichtig ist. Allerdings sind die staatlichen Unternehmen in Singapur erstklassig verwaltet, da praktisch jeder höhere Verwaltungsbeamte in Harvard, Stanford, Oxford etc. studiert hat. Anscheinend gehen in Singapur die bestausgebildeten Leute in den öffentlichen Dienst und nicht in die freie Wirtschaft. Im Gegenzug werden sie allerdings auch wie in der freien Wirtschaft entlohnt - so beträgt das Jahresgehalt des Präsidenten circa 2.5 Millionen US-Dollar. Da kann unser(e) Kanzler(in) nur von träumen.

Nach dem Abschluss meines Hong Kong Semesters bin ich mit einem kurzen Zwischenstopp in Japan zurück in die USA geflogen. Ich dachte ja, dass mich nach London und New York City Preise in einer Großstadt nicht mehr schocken können. Japan hat mich eines besseren belehrt. Einmal normal Essen gehen, Eintrittsgelder in Kyoto und ein kleiner Einkauf im Supermarkt und schon waren 200 USD weg. In Tokio ging es dann so weiter: Eine Flasche Bier für 13 USD; eine Sushiplatte vom Supermarkt 20 USD und ein kleines Hotelzimmer in der Nähe vom Tokioter "Eiffelturm" für 200 USD die Nacht. Vier Nächte in Japan haben mich genauso viel Geld gekostet wie zwei Wochen Urlaub in Kalifornien. Von den Preisen mal abgesehen, ist Japan einfach fantastisch. Die Stadt Kyoto mit seinen stillen Tempeln und Zen-Gärten steht im direkten Kontrast zum modernen Tokio mit seinen Wolkenkratzern, noblen Einkaufsvierteln und kosmopolitischem Auftritt. Es war sagenhaft zu beobachten, dass in Tokio alle Männer (außer mir) Anzüge trugen. Auch die Damen waren gekleidet, als ob sie alle zur Oper gingen wollten. Auf jeden Fall eine Reise wert.

Danach waren San Francisco, Los Angelas (LA), Grand Canyon und Las Vegas eine echte Enttäuschung. San Francisco ist eine typische amerikanische Stadt, die allerdings auf Hügeln mit einem wunderschönen Blick auf dem Pazifik gelegen ist. San Francisco ist übrigens die Stadt mit dem besten Burger der Welt - einfach nach Mo's Diner im italienischen Viertel fragen. Im Gegensatz zu San Francisco ist LA ausschließlich für Autofahrer gebaut. Wo man auch hingehen will, die Distanzen erzwingen ein Auto. Es gibt auch keine öffentlichen Toiletten in LA - Fußgänger sind im Stadtplankonzept einfach nicht vorgesehen. Darüber hinaus sind die Häuser der Stars hinter großen Toren und/oder Gärten den Blicken entzogen, so dass es wirklich keinen einzigen Grund gibt, LA zu besuchen. Die Fahrt von LA zum Grand Canyon war ein neunstündiger Horrortrip im größten Gewitter und Donnerhagel des Jahrhunderts (größte Regenmenge in 50 Jahren). Der nächste Tag sollte mich dann aber mit Superwetter und vielen schönen Blicken auf einen verschneiten und (fast) touristenfreien Grand Canyon für die Strapazen entschädigen. Vom Grand Canyon bin ich dann zum Neujahrswechsel nach Las Vegas gefahren. Das Feuerwerk war enttäuschend, aber die (verrueckten) Menschen und die Parties ließen nichts zu wünschen übrig. Eine solche perfekte Illusion inmitten einer Wüste kann es wohl nur in den USA geben. Von Las Vegas ging es dann zurück nach San Francisco und per Flug ins vertraute Ithaca - allerdings mit einer unfreiwilligen Übernachtung in Detroit wegen schlechten Wetters. Das war das dritte Mal (von vier Versuchen im Winter), dass ich Ithaca nicht wie geplant am selben Tag erreichen konnte. Mehr muss über den Winter in den USA wohl nicht gesagt werden.

Entdecke die Möglichkeiten

Nach dem Ende meines Praktikums ging es nicht zurück ins einsame Ithaca, sondern "ganz weit weg" - nach Hong Kong. Die Johnson School gibt allen seinen MBA Studenten die Möglichkeit sich für ein Austauschsemester an einer von über 50 Business Schools auf der ganzen Welt zu bewerben. Darunter sind auch die WHU Koblenz, St. Gallen, LBS, Insead und eben auch die beste Business School in Asien (wenigstens wenn man der Financial Times glauben darf) - die Business School der Hong Kong University of Science and Technology oder kurz HKUST. Da ich noch nie in Asien war, bot sich Hong Kong als Ausgangspunkt an, Land und Leute näher kennen zu lernen.

Und so bin ich dann nachts um 1 Uhr mit zwei Koffern auf den neuen Hong Kong Flughafen angekommen und wurde von einer atemberaubenden Schwüle "begrüßt." Die Passkontrolle war übrigens deutlich freundlicher und einfacher als die Einreise in die USA - und das obwohl Hong Kong ein Teil Chinas ist. Das Taxi brachte mich dann zu meinem Serviced Appartment auf Hong Kong Island - im 21. Stock. Einfach fantastisch.

Und danach begann mein Leben fast wie im Paradies. In Hong Kong gibt es einfach alles zu kaufen und es ist auch alles ganz nah. So war im 9. Stock meines Appartmenthochhauses ein Fitness-Studio (nun gab es keine Ausrede mehr) und vom 1.-8. Stock ein großes Einkaufszentrum a la Karstadt aber mit einem hervorragenden und günstigen Supermarkt. Dort habe ich mir jeden morgen frisch gepressten Orangensaft gekauft und abends im Sonderangebot Sushi und andere japanische Köstlichkeiten - einfach herrlich. Es ist schon erstaunlich wie bequem einkaufen sein kann, wenn man direkt mit seinem Fahrstuhl ins Einkaufscenter fahren kann.

Das Einkaufszentrum war unterirdisch mit Hong Kong's U-Bahn verbunden, die sauber, pünktlich (Schweizer Uhren in jeder Station) und günstig (einmal durch Hong Kong fuer 2 EUR) war. Da können die U-Bahnen in Frankfurt, Berlin, New York City und London noch eine ganze Menge dazulernen. Übrigens die U-Bahn in Hong Kong ist ein börsengelistetes Unternehmen und profitabel?

U-Bahn und Bus brachten mich innerhalb von 45 Minuten zur Uni, die direkt auf einem Hügel am pazifischen Ozean gelegen ist. Ein wunderbarer Ausblick aus dem Klassenzimmer entschädigte für jede langweilige Klasse - obwohl es kaum davon welche gab. Meine Klassen waren: Business Process Optimization (Excel Modeling), Information Technology Management (super Prof mit einem Undergrad Degree in Mathematik, einem Master in Computer Science und einem PhD in Accounting), Global Macroeconomics (Kurs über die Vorhersage von Währungskrisen in Lateinamerika und Asien), Management in Chinese Contexts (gab Einblicke in Chinas kulturelle Werte und deren Reflektion in heutigen Geschäftspraktiken), China's Economic Development and Reform (die "Big Picture" Klasse über Chinas Volkswirtschaftslehre). Die Kurse über China haben natürlich davon profitiert, dass man in Hong Kong im wahrsten Sinne des Wortes "mittendrin statt nur dabei" ist.

Wenn Hong Kong ein Leitbild ist, was aus China eines Tages werden könnte, dann bedaure ich Europa, die USA und den Rest der Welt (mit Ausnahme von Indien). Diese Masse an gut ausgebildeten, arbeitswilligen Menschen, die bereit sind, bis zum Umfallen zu arbeiten, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu geben, wird uns noch das fürchten lernen. Selbst die USA sind auf langer Sicht nicht wettbewerbsfähig gegen eine solche Macht. Europa braucht mit seinen verkrusteten Denk- und Gesellschaftsstrukturen erst gar nicht anfangen, sich mit China zu messen - es hat die Schlacht bereits verloren. Ich habe jedenfalls Hong Kong rundum genossen: freundlicher, effizienter und günstiger Service. Mit der Fähre ist man in 45 Minuten auf einer einsamen Insel mit einem echten Fischerdorf und blickt auf die Skyline von Central Hong Kong. Selbst (rosafarbene) Delphine gibt es in Hong Kong - direkt zwischen Containerschiffen am größten Containerterminal der Welt. Eine sagenhafte Stadt.

Entdecke die Möglichkeiten war ein Werbespruch der Möbelmarke IKEA.

Hier werden Sie geholfen

Mein studienfreier Sommer zwischen dem 1. und 2. Jahr meines MBA Studiums begann mit einem Urlaub. Den hatte ich mir auch redlich verdient. Da mein Praktikum bei einer der führenden amerikanischen Unternehmensberatungen mit einem Training in New Jersey begann, bot es sich an, zwei Wochen im Südosten der USA zu verbringen und Washington D.C., Williamsburg und Norfolk zu besuchen. Eine eindrucksvolle Reise, die zeigt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden sind und was die ersten Besucher dieser Welt erlebt haben. Während dieser Reise ist mir klar geworden, warum so große Werteunterschiede zwischen Europa und den USA bestehen - kein Wunder, dass von Zeit zu Zeit Konflikte in der Außenpolitik entstehen.

Nach einer Woche Training und ausgerüstet mit einem nagelneuen Firmenlaptop begann mein Projekt bei einem großen Bank IT Provider der Unterstützung für die Umstellung von IBM OS/2 (ja, das Betriebssystem gibt es noch) auf Microsoft Windows benötigte. Mein Projektbestandteil bestand aus der Entwicklung einer möglichst genauen Kostenabschätzung, da neben der Software auch viele Hardware Komponenten von der Umstellung betroffen sein werden. Damit bot mir das Praktikum einen guten Einblick in die Arbeitswelt eines Unternehmensberaters: morgens versuchen, die nötigen Daten aus den Kunden herauszubekommen, nachmittags die Idee beim Kunden "vorverkaufen" und dann bis spät in die Nacht die offizielle Präsentationen schreiben. Es war jedenfalls harte Arbeit, den Kunden von unseren Vorschlägen zu überzeugen. Daher auch der Titel für diese Folge: "Hier werden Sie geholfen" (Werbespruch der telegate AG, Telefonauskunft 11880).

Neben der Arbeit gab sich die Unternehmensberatung wirklich Mühe, sich gut zu verkaufen. So wurden alle europäischen Praktikanten nach Amsterdam eingeladen, um die Partner, die das Europageschäft verantworten, kennen zu lernen. Dazu gab es eine nette Radtour durch Amsterdam und einen Bootsausflug auf den berühmten Grachten von Amsterdam. Am Ende des Praktikums gab es dann nochmals einen vergleichbaren Ausflug nach Köln mit Stadtführung, Kabarett und viel, viel Kölsch. Ich fand es jedenfalls klasse, auf diese Weise meine Kollegen auch privat kennen lernen zu dürfen. Es stimmt wirklich: Unternehmensberater leben nach dem Motto: Work hard, play hard.

Nach meinem Praktikum ging es denn zu einem Austauschsemester nach Hong Kong - doch dazu mehr in der nächsten Folge.

Zuerst der Mensch, dann die Maschine

Mein zweites Semester ist zu Ende gegangen und ich möchte die Gelegenheit für einen Rückblick nutzen. Obwohl die Johnson School offiziell keinen Studienschwerpunkt (Major) erlaubt, besteht im zweiten Semester Gelegenheit, eine so genannte "Immersion" zu belegen. Dies sind eine Reihe aufeinander abgestimmte Kurse, die auf ein bestimmtes Berufsbild zugeschnitten sind. Die angebotenen Immersions sind "Investment Banking", "Research, Sales & Trading", "Corporate Finance", "Brand Management (Marketing)" und "Semester in Manufacturing". Darüber hinaus entscheidet sich jedes Jahr die Hälfte der Klasse dafür, keinen Schwerpunkt zu legen und sich seine Kurse selber zusammenzustellen.

Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden, die "Semester in Manufacturing"-Immersion zu belegen. Diese Immersion ist eine Kooperation mit der Engineering und ILR (Industrial Labor Relations) School und hat 25% Ingenieure, 25% Human Resource Professionals und 50% MBA-Studenten, die allesamt einen reichhaltigen Erfahrungsschatz mitbringen. Da "Manufacturing" nicht so "sexy" ist wie andere Disziplinen, ist die Immersion mit insgesamt 60 Studenten (davon 30 aus dem MBA Programm) überschaubar. Wie die Studenten sind auch die Professoren dieser Immersion ein interessanter Mix: Professor Bradley hat mehr als 5 Jahre bei General Motors gearbeitet und liebt es, komplizierte theoretische Fragestellungen zu lösen. Professor Suwinski dagegen hat mehr als 30 Jahre bei Corning gearbeitet und die Global Fiber Optic Cable (Glasfaserkabel) Abteilung aufgebaut und geleitet. Diese Kombination aus Praktiker und Theoretiker hat die Lehrerfahrung sehr bereichert.

Der Höhepunkt der Immersion sind jedoch mehr als 30 Unternehmensbesuche, in denen man einen tiefen Einblick in die Realität des Manufacturing gewinnt - und wie weitreichend dieser Begriff eigentlich ist. Hier einige Highlights:

1. Kodak Photo Paper Division: Kodak hat einen riesigen Produktionsstandort in Rochester, NY und stellt dort in einer eigenen Papiermühle Papier her, dass später in mehreren Prozessen chemisch veredelt wird, um schließlich als Fotopapier Erinnerungen für die Ewigkeit zu konservieren - ohne das Farben ausbleichen oder von Fettfingern abgewischt werden können. Wie sich jeder vorstellen kann, muss Kodak einen starken Nachfragerückgang verkraften, da immer mehr Menschen mit Digitalkamaras fotografieren und Fotos nicht mehr auf Papier ausdrucken. Hier konnten wir eindrucksvoll sehen, wie Kosten im Produktionsprozess durch einfache Optimierungsmaßnahmen drastisch gesenkt werden können.

2. Quest Diagnostics: Unser Besuch im größten Blutlabor der Welt in Lyndhurst, New Jersey begann nachts um 23 Uhr. Über Nacht klassifizieren und analysieren rund 3.000 Ärzte, Laborassistenten und Administratoren 150.000 Blutproben, die von allen Staaten der USA eingeflogen werden (der Flughafen ist direkt gegenüber vom Labor). Es war faszinierend zu sehen, wie eine Blutprobe durch diesen Prozess wandert. Gleichzeitig wurde einem aber auch bewusst, wie fragil diese Ergebnisse sind. Das besuchte Blutlabor von Quest Diagnostic erreicht eine erstaunlich hohe Qualitätsquote von 99.6%. Trotzdem bedeutet dies, dass jeden Morgen 600 falsche Ergebnisse versandt werden. Das stimmt einen schon nachdenklich.

3. IBM Semicondutors: In New York State hat IBM für 3 Mrd. US-Dollar im Jahre 2003 seine neuste Semiconductor Fabrik gebaut. Dort werden Chips für IBM's Hochleistungsrechner aber auch für Apple's Power PCs hergestellt. Ich war einfach nur beeindruckt, wie hochautomatisiert die Produktion abläuft. Roboter transportieren die Waver von Station zu Station und ein Hochlager an der Decke über den Geräten lagert die Waver, wenn sie gerade nicht weiterbearbeitet werden können - und das alles in einem der größten Reinst-Räume der Welt.

Wie diese drei Beispiele zeigen, ist die Welt des Manufacturing weit interessanter als gemeinhin gedacht. Ich habe jedenfalls sehr viel gelernt in diesem Semester und habe sehr viel Respekt gewonnen für die vielen Menschen, die die vielen Produkte herstellen, die ich jeden Tag benutze.

"Zuerst der Mensch, dann die Maschine" war der deutsche Werbespruch von Honda.

Nichts ist unmöglich
Der Februar ist zu Ende gegangen und damit auch die heiße Phase im Bewerbungsprozess an US-amerikanischen Business Schools. Zwar geht es im ersten Jahr "nur" um einen Praktikumsplatz fuer den Sommer, aber die Anspannung und der Aufwand ist vergleichbar mit "richtigen Jobs." Es ist auch die Zeit der Wahrheit. Zum ersten Mal konnte ich Kommilitonen, die sonst immer ganz "cool" waren, mit Schweiß und Anspannung vorm Interview sehen. In dieser Zeit sieht man auch viele enttäuschte Gesichter nach einer Absage - eine Situation, die auch der beste Student verkraften können muss. Die Statistik ist jedenfalls brutal:

Die besten Jobs von allen

Zehn Bewerbungen fuer eine Interview-Einladung
Zehn Erstrunden-Interviews fuer
Drei Zweitrunden-Interviews fuer
Eine Offerte fuer ein Praktikum
Da es sich empfiehlt sich auf zwei verschiedene Berufszweige zu bewerben, bedeuten diese Zahlen, dass der durchschnittliche Top-School MBA Student ca. 30 Bewerbungen schreibt, um 2-3 Job Offerten zu bekommen. Der Traumjob ist selten dabei.Eine realistische Erwartungshaltung ist daher entscheidend. Schließlich konkurriert man mit Kommilitonen, die durch das gleiche erbarmungslose Auswahlverfahren durchgegangen sind, d.h. Noten und vorherige Arbeitserfahrung sind exzellent; nur im Charakter und in der Qualität der Selbstdarstellung sind Unterscheide festzustellen. Und genau die gilt es in 30 Minuten in einem kleinen Raum in der Schule oder in einem Hotel "rüberzubringen." Gute Vorbereitung und Praxis entscheiden daher über Erfolg oder Misserfolg. Und dann ist da ja immer noch das Quäntchen Glück im Spiel.Viele MBA-Studenten haben jedenfalls meiner Erfahrung nach überzogene Vorstellungen, was ihre Karriere nach dem MBA angeht. Zwischen 75% und 80% einer Klasse möchten ihrer Karriere wechseln, d.h. vom Marketing ins Investmentbanking, vom Investmentbanking ins Consulting, usw. Das funktioniert jedoch nur, wenn man in seinen vorherigen Job schon Arbeitserfahrung in den entsprechenden Bereich sammeln konnte. Wer noch nie im Finanzbereich gearbeitet hat, wird es sehr schwer haben, ein Investmentbanking Praktikum zu bekommen. Schließlich konkurriert er oder sie mit Studenten, die bereits in diesem Bereich einige Jahre gearbeitet haben. Networking und die richtige Strategie sind daher entscheidend. Als "International Student" in den USA hat man darüber hinaus noch das Problem, dass viele Arbeitgeber selbst fuer ein Praktikum eine Arbeitserlaubnis in den USA verlangen und man sich daher erst gar nicht bewerben kann (eine große Ausnahme hier sind die Investmentbanken und Consultingfirmen). Daher sollte man immer über einen Plan B, die auf der bereits gesammelten Berufserfahrung aufbaut, verfügen. Ansonsten steht man womöglich ganz ohne Praktikumsangebot dar.Ich hatte jedenfalls Glück und werde meinen Sommer bei einer der Top-5 Beratungsfirmen verbringen. Da ich bisher nur im Finanzbereich gearbeitet habe, bin ich gespannt, wie mir das Consulting gefallen wird. Doch dazu später mehr?"Nichts ist Unmöglich" ist der deutsche Werbespruch von Toyota.

Entdecke die Möglichkeiten
Ich möchte das Ende des Semesters dazu nutzen, einen kurzen Rückblick auf das akademische Programm des ersten Semesters zu geben. An der Johnson School ist das erste Semester in zwei Hälften a sieben Wochen geteilt, in denen jeweils drei "Courses" unterrichtet werden. Die erste Hälfte umfasste Accounting, Microeconomics und einen Kurs namens Managing & Leading Organizations. Die zweite Hälfte hat dann Fächer wie Finance, Marketing und Statistics. Da ich kein Accounting machen musste, habe ich Management Writing and Leadership Foundations als Kurse belegt.Durch die Teilung des Semesters in zwei Hälften hatte ich zwei "Midterms" und zwei "Finals" - jeweils nach den ersten drei Wochen bzw. in der siebten Woche. Dadurch war die Arbeitsbelastung sehr hoch - und ging nicht ohne Nachtschichten ab. Im Durchschnitt hatte ich 1 œ Klausuren, Case Write-Ups oder schriftliche 30 Minuten Quizzes pro Woche. Dieser konstante Lerndruck sorgt dafür, dass die Studenten ständig auf dem Laufenden bleiben müssen und Verständnisprobleme schnell erkannt werden, bevor sie zu einem echten Problem werden.Managing & Leading Organizations und Marketing waren reine Case-based Kurse, d.h. hier mussten wir in unseren Learning Teams zu jeder Stunde eine Folie und einen drei Minuten Vortrag parat haben und wurden dann nach dem Zufallsprinzip aufgerufen. Damit war Stress, aber auch gute Vorbereitung fuer die Klasse garantiert. Ein Case dauert nämlich durchschnittlich fünf bis sechs Stunden. Eine Stunde zum Lesen, eine Stunden alleine zum analysieren, zwei Stunden im Team darüber reden und eine weitere Stunde fuer die Folie. Das will gut organisiert sein. Schließlich hat jeder im Team ja auch andere Verpflichtungen.Trotz der vielen Zeit hat "case-based learning" aus meiner Sicht den Vorteil, dass man sich den Stoff selber erarbeiten muss und er damit auch viel besser "hängen bleibt." So weiß ich noch heute - nach fast fünf Wochen - wie man in Marketing den Break-even bestimmt, d.h. wie viele Produkte ich mehr verkaufen muss, um meine Marketingkosten bzw. Rabatte wieder herauszubekommen. Daher kann ich mich über die hohen Rabatte im deutschen Einzelhandel nur wundern. Insofern hat ein Einkaufsbummel fuer mich eine ganz neue Dimension bekommen.In Microeconomics, Statstics und Finance dagegen hatten wir normale Vorlesungen, die von Hausaufgaben und Quizzes begleitet waren.Mir hat - mit großem Abstand - von allen Kursen Microeconomics am besten gefallen. Unser Prof. hat seinen Kurs auf sieben fundamentalen Prinzipien aufgebaut. Was aber noch viel interessanter war, war sein neustes Research über den Zusammenhang von mehr Geld und Glücklichsein, die er in seinem neuen Buch "What price the moral high ground?" zusammengefasst hat. Darin kann man dann nachlesen, dass Jobs, die moralisch fragwürdig sind, mehr Geld zahlen als solche die im Allgemeinen als sozial erwünscht angesehen werden. Prof. Robert Frank hat darüber hinaus auch festgestellt, dass es Menschen nicht auf ihren absoluten Reichtum ankommt, sondern auf ihren relativen Reichtum zu Menschen in ihrer näheren Umgebung. Dies erklärt auch, warum Menschen in der Upper East Side in Manhattan in New York City in der Regel nicht glücklicher sind als Menschen in einem kleinen Provinznest im Mittleren Westen. In beiden Fällen sind Menschen glücklicher, denen es relativ besser geht als den anderen. In der Upper East Side braucht man dazu ein zweistelliges Millionenvermögen und im Provinznest dagegen nur irgendeinen festen Job zu haben. Dieses Research stellt die bisherige Lehrmeinung von Volkswirten, die immer den absoluten Reichtum einer Volkswirtschaft (meist gemessen am Bruttosozialprodukt) optimieren wollen, auf den Kopf. Demnach geht es den Menschen nicht um absoluten Reichtum, sondern darum, mehr Geld als ein anderer in ihrer unmittelbaren Nähe zu haben. Oder anders ausgedrückt: Damit Menschen sich besser fühlen, muss an der Verteilung von Reichtum etwas geändert werden. Es reicht nicht, wenn die Volkswirtschaft einfach nur wächst und dieses Wachstum nur Wenigen zu guten kommt. Ich bin gespannt, wie die Politiker unserer Generation mit dieser Erkenntnis umgehen werden.Ich war und bin jedenfalls von dieser Erkenntnis beeindruckt. Dieser Kurs hat mir eine ganz neue Perspektive aufgezeigt. Und Mitte Januar geht es dann im 2. Semester mit Operations, Strategy und Manufacturing weiter."Entdecke die Möglichkeiten" ist der Werbespruch der Möbelkette IKEA.

Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich
Cornell bietet seinen Studenten unter dem Titel "EARS - We hear you" einen anonymen Counseling Service an, der von Studenten für Studenten unter fachlicher Beratung organisiert wird. Bei EARS können Studenten anrufen oder vorbeischauen, um mit Gleichaltrigen über ihre Sorgen und Probleme zu sprechen. Um ein Counselor zu werden, muss man ein einjähriges Training parallel zum Studium absolvieren. Nachdem ich das erste Semester Training hinter mir habe, muss ich feststellen, dass ich über viele Extremfälle im Leben nie richtig nachgedacht habe. Es ist schon erstaunlich mit welchen emotionalen Belastungen einige Menschen fertig werden müssen - und wie schwierig es sein kann, wenn europäische und US-amerikanische Wertesysteme aufeinanderprallen.Was soll ein Counselor beispielsweise machen, wenn er erfährt, dass jemand minderjährig Alkohol konsumiert hat (ein Straftatbestand in den meisten Staaten der USA)? Oder wenn jemand im Studium Zweifel an seiner sexuellen Orientierung bekommt? Oder was ist die richtige Reaktion, wenn sich jemand am Telefon meldet und sagt er hätte eine geladene Waffe auf den Tisch liegen, um endlich Schluss zu machen?Besonders in der zuletzt beschriebenen Situation wird ein Counselor plötzlich die letzte Linie zwischen Leben und Tod. Ich fand es sehr beeindruckend, von Menschen, die mit solchen Situationen regelmäßig konfrontiert sind, lernen zu können.Diese Gespräche haben meine Perspektive für Business Probleme und Fragestellungen grundlegend verändert. Mir ist bewusst geworden, dass Manager jeden Tag Entscheidungen treffen, die Tausende von Menschen betreffen können. Während schwierige Entscheidungen, wie die Kündigung von Arbeitnehmern, fast immer aufgrund von aufwendigen Analysen und sorgfältigen Abwägungen getroffen werden, wird oft vergessen, dass am Ende immer einzelne Mitarbeiter und ihre Familien davon betroffen sind, die alle individuell verschieden reagieren werden. Und so werden Entscheidungen vielfach von überforderten Mittel-Managern umgesetzt, denen die Erfahrung mit solchen Situationen fehlt und die Warnzeichen ihrer Mitarbeiter nicht erkennen oder nicht wahr haben wollen.Wie würden Sie sich beispielsweise fühlen, wenn sich ein Mitarbeiter, den Sie als verantwortlicher Manager entlassen haben, eine Woche später selber umbringt? Um solchen Situationen vorzubeugen, ist es meiner Meinung nach unverzichtbar, sich und seine Mitmenschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Manchmal ist es nur ein Satz zur richtigen Zeit, der den entscheidenden Unterschied machen kann. Deshalb sollte über dieses Thema meiner Meinung nach auch viel öfter gesprochen werden. Denn Miteinanderreden ist immer noch das Beste, um solche Extremfälle zu verhindern. Ignoranz und Schweigen kann dagegen tödlich enden.Der Titel dieses Eintrags - "Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich" - war der Werbespruch der Aktion Mensch, die sich als Deutschlands größte Sozialorganisation für die Gleichbehandlung und Bedürfnisse behinderter Menschen in Deutschland einsetzt.

Wir machen den Weg frei
Man nehme: Zwei MBA Studenten, zwei Sicherungsseile und zwei glatt polierte Baumstämme, die mit einem 25 cm breiten und 10 m langen Balken in 15 m Höhe miteinander verbunden sind. Und schon hat man eine "Attraktion" auf dem Hoffman Challenge Course der Cornell Universität. Was sich relativ unspektakulär anhört, sieht, wenn man auf dem Balken steht, der beide Stämme miteinander verbindet, ganz anders aus - schließlich sind 15 m drei Mittelklassewagen der Länge nach übereinander gestapelt. Und das ich auf dem Balken meine beiden Füße nur hinter-, aber nicht nebeneinander stellen konnte, hat zu meinem Wohlbefinden auch nicht gerade beigetragen. Dazu war es relativ kalt (so um die 10 Grad Celsius), stürmisch und regnerisch - eben friesisches Herbstwetter - allerdings in Ithaca, New York State.Ich war schon sehr froh, dass ich es überhaupt soweit gebracht hatte. Der Aufstieg am Stamm entlang nur mit kleinen Klettergriffen war für mich schon Herausforderung genug - und nun sollte ich noch von der einen zur anderen Seite gehen. Und um es etwas spannender zu machen, würde ich dabei auf halber Stecke auf meinen "Partner" von der anderen Seite treffen (wohlgemerkt: der Balken ist 25 cm breit, 10 m lang und in 15 m Höhe). Nach anfänglichem Zögern habe ich einmal tief durchgeatmet und bin dann einfach losmarschiert. Nach 2/3 des Weges war es dann soweit (ich war etwas schneller gelaufen als mein Gegenüber): Wir trafen aufeinander.Nach einer Minute hatten wir uns auf die Seite für jeden geeinigt und entschieden, wer den ersten Schritt machen würde. Danach kamen wir recht schnell aneinander vorbei. Allerdings verlor mein Partner beim letzten großen Schritt, der die Operation des Aneinandervorbeigehens beendet hätte, plötzlich das Gleichgewicht und griff nach meinem Sicherungsseil. Den Ruck konnte ich gerade noch so ausbalancieren und habe ihn dabei (zugegeben purer Zufall) wieder in die Senkrechte gehoben. Nach diesem Zwischenfall waren es für mich nur noch ein paar Schritte und ich war auf der anderen Seite angekommen. Nun musste ich mich nur noch nach hinten fallen lassen und mich mit den Füßen vom Balken abstoßen, so dass ich am Seil langsam heruntergelassen werden konnte - schließlich wollte ich nicht auch noch den anderen Baumstamm umständlich runterklettern: Einmal hoch reicht schließlich.Die Erkenntnis: Ich habe in zehn Minuten mehr über mich selber gelernt als in acht Wochen im Klassenraum. Erst als ich aufgehört hatte zu denken und einfach losgelaufen bin, war ich angstfrei. Obwohl mir klar war, dass - rein statistisch gesehen - die Übung nicht riskanter war, als eine vierspurige Strasse zu überqueren, hat es sich nicht so angefühlt. Ich konnte meine Angst erst überwinden, als ich aufgehört hatte darüber nachzudenken. Logik siegt eben nicht immer.Mein Partner ist übrigens ebenfalls heil auf der anderen Seite angekommen und war sogar etwas schneller unten als ich? und danach sind wir erst einmal etwas trinken gegangen.Der Titel dieses Eintrags - "Wir machen den Weg frei" - war übrigens für viele Jahre der Werbespruch der Raiffeisen-Volksbanken in Deutschland. Die Werbespots waren bekannt dafür, die Logik außer Kraft zu setzen und Spalten und Schluchten zusammenzubringen, um auf diese Weise neue Wege zu öffnen.

Vertrauen ist der Anfang von allem.
Es ist schon einige Zeit her, als die Deutsche Bank mit dem Spruch "Vertrauen ist der Anfang von allem" geworben hat. Wie die Deutsche Bank musste auch ich bei meiner ersten Arbeit im Team lernen, wie wichtig Vertrauen wirklich ist.Ein MBA bedeutet Teamarbeit. Die Arbeitsbelastung ist bewusst so gestaltet, dass nur ein gut organisiertes Team mit Disziplin und Arbeitsteilung alle Aufgaben bewältigen kann. Selbst hochqualifizierte Einzelkämpfer haben keine Chance. Schließlich haben alle Studenten ein hartes Auswahlverfahren überstanden: An Intelligenz, Ehrgeiz und Ambitionen gibt es daher keinen Mangel. Daher ist es praktisch unmöglich, alleine das MBA Programm zu überstehen. Ein gut funktionierendes Team ist daher überlebensnotwendig.An der Johnson School wird jeder Student einem "Learning Team" zugeteilt, das für sieben Wochen zusammenbleibt. Dann wird wieder neu verlost und ein neues Team für die nächsten sieben Wochen gebildet. Ab dem zweiten Semester ist dann jeder Student frei, sich sein Team auszusuchen. Durch die Vorgabe von Teams im ersten Semester will die Schule das normale Arbeitsumfeld nachbilden - schließlich kann man sich seine zukünftigen Kollegen auch nicht aussuchen, sondern muss sich mit ihnen arrangieren. Mein erstes Learning Team besteht aus einem Amerikaner, der im Silicon Valley als Venture-Capitalist gearbeitet hat; einer Amerikanerin, die in Boston Software an Banken und Financial Institutions verkauft hat, und einem Russen, der in der Ukraine als Buchhalter und Controller angestellt war. Ich bin natürlich auch mit dabei. Insgesamt also ein ziemlich bunter Haufen.Um das "Eis zu brechen" haben wir uns zum Mittagessen getroffen, uns gegenseitig vorgestellt und unsere Erwartungen ausgetauscht. Danach haben wir uns auf einige Regeln geeinigt: Wie bei einem "Deadlock" entschieden wird, wann ein solcher "Deadlock" festgestellt wird, wie sichergestellt wird, dass jeder sich an den Diskussionen beteiligt, usw.Zwei Tage später haben wir uns dann das erste Mal "zur Arbeit" getroffen, um über unseren Case zu sprechen: Management Practices at Southwest Airlines. Wir sollten drei Fragen beantworten und eine Overhead-Folie für eine Klassenpräsentation vorbereiten. Also keine große Sache - dachte ich zumindest. Als wir uns nach drei Stunden immer noch nicht auf die wichtigsten Punkte einigen konnten, haben wir schließlich entschieden, es in zwei Tagen nochmals zu versuchen.Nach diesem Meeting war ich wirklich schockiert, dass die Diskussion so unfruchtbar war. Die Regeln auf die wir uns geeinigt hatten, wurden nicht eingehalten und die Diskussion drehte sich im Kreis. Andere Gruppen hatten die Aufgabe innerhalb von einer Stunde beendet und wir waren nach drei Stunden immer noch nicht fertig - und eine Besserung war nicht in Sicht. Und so bin ich ziemlich ernüchternd nach Hause gegangen.Am nächsten Morgen bin ich im Waschsalon einem Kommilitonen über dem Weg gelaufen, der fünf Jahre in Deutschland gearbeitet hat, aber ein gebürtiger US-Amerikaner ist. Ich habe die Gelegenheit genutzt und von meinem ersten Teammeeting berichtet. Seine Antwort: Kein Wunder! Du hast "typisch deutsch" reagiert. Du dachtest nur weil Regeln existieren, dass sich jeder auch daran halten würde. Das ist aber nicht so: Amerikaner bauen erst eine persönliche Beziehung auf, bevor sie miteinander arbeiten.Das traf mich wie ein Schlag: Schließlich hatte ich fast drei Jahre in einer US-Bank gearbeitet und sollte so etwas wissen? aber natürlich: Auf der Arbeit sind Regeln vollstreckbar: Jeder kann sich beim Boss beschweren und wenn alles nichts hilft, kann dieser Querulanten kündigen oder versetzen lassen. Das funktioniert aber im Studium nicht. Darum hält sich auch keiner an irgendwelche Regeln - selbst wenn man sich vorher auf welche geeinigt hat.Der Vorschlag meines Freundes: Unternehme etwas gemeinsam mit Deinem Team und versuche dadurch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Und so habe ich bei unserem nächsten Meeting vorgeschlagen, am nächsten Tag einfach mal abends auszugehen. Das Ergebnis: Ein feuchtfröhlicher Abend mit der Erkenntnis, dass American College Football interessant sein kann; Russen wirklich sehr viel trinken können und Schnee in Boston im Winter auf der Strasse nicht geräumt, sondern in engen Gassen mit beheizten Spezialfahrzeugen geschmolzen wird.Danach war die Zusammenarbeit kein Problem mehr. Einen ähnlichen Case haben wir diese Woche in einem Teammeeting in 35 Minuten gelöst - mit einer weitaus besseren Fallanalyse.Vertrauen ist eben der Anfang von allem.

Keine Kompromisse. Keine andere Business School.
Die Leser mögen mir diese kleine Abwandlung des bekannten Spruches aus der Werbung für die Biermarke "Jever" verzeihen. Das Image dieser Marke verkörpert aus meiner Sicht hervorragend die friesischen Tugenden Freiheitsdrang, Gemeinschaftsgeist und Heimatverbundenheit. Ich glaube das beurteilen zu können - bin ich doch selber ein "waschechter" Friese und nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt Jever aufgewachsen.Sicherlich fragen sich manche Leser, was das mit einem MBA zu tun hat. Die Antwort: sehr viel. Ein MBA ist nämlich nicht nur ein akademischer Titel, der dazu dient, den Lebenslauf zu schmücken, sondern verkörpert primär die Lehr- und Lebensphilosophie der Schule, die ihn verleiht. Daher wird nur derjenige das Beste für sich aus einem MBA Programm herausholen können, der eine Schule findet, die seiner Lebensphilosophie und Wunschvorstellung möglichst nahe kommt. Deshalb ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen MBA Bewerbung auch nicht der GMAT oder TOEFL Test wie viele meinen, sondern eine umfassende Selbsteinschätzung. Denn nur wer seine eigenen Stärken und Schwächen, Wünsche und Ziele kennt, der kann auch die Business School finden, die für ihn richtig ist. Doch zuerst einmal möchte ich mich kurz vorstellen.Nach meinem Abitur im "Friesischen" habe ich BWL mit dem Schwerpunkt Banken und Finanzen in Stuttgart studiert. Direkt im Anschluss an mein Studium habe ich bei einer deutschen Großbank in Frankfurt im Bereich Aktienderivate angefangen (Aktienderivate befinden sich "versteckt" in vielen Finanzprodukten, wie z.B. in Garantiefonds). Nach zwei Jahren bekam ich schließlich das Angebot zu einer der führenden US-amerikanischen Investmentbanken "umzusiedeln". Dieses Angebot habe ich natürlich gerne angenommen. Nach einem weiteren Jahr in Frankfurt bin ich schließlich über einen kurzen Zwischenstopp in Zürich nach London gekommen und habe dort als Project Manager und Business Developer im Bereich Aktienderivate gearbeitet. Doch nach vier Jahren ununterbrochener Tätigkeit auf dem Handelssaal wurde mir klar, dass ich mich in diesem Umfeld persönlich nicht mehr so weiterentwickeln konnte, wie ich wollte. Während ich die Firmenkultur meines Arbeitgebers sehr schätzen gelernt habe, gab mir meine überwiegend analytisch ausgerichtete Tätigkeit auf dem Handelssaal nicht mehr ausreichend Möglichkeit, meine Sozialkompetenz weiterzuentwickeln.Und so machte ich mich auf die Suche nach einer Organisation, die die Werte meines Arbeitgebers (Freiheit des Denkens, Teamgeist, Loyalität) verkörpert, mir aber gleichzeitig ein Umfeld bietet, dass es mir erlaubt, mich auszuprobieren und dabei etwas über mich zu lernen. Beides fand ich schließlich bei der Johnson Graduate School of Management - die Business School der Cornell University (http://www.johnson.cornell.edu).Die Johnson School ist - wie meine Heimat Friesland - "weit ab vom Schuss" in Upper New York State gelegen. Mit dem Auto braucht man ca. fünf Stunden von New York City. Die nächste groessere Stadt Syracuse ist ca. 90 Minuten Autofahrt entfernt. Und so wird die Cornell University mit ungefähr 20.000 Studenten ganz automatisch der Lebensmittelpunkt. Es bildet sich auf diese Weise eine eingeschworene Gemeinschaft, die loyal zu "ihrer" Universität steht und die für ihre unabhängige Sicht der Dinge (wenigstens in den USA) bekannt ist. Damit war die Johnson School das perfekte Gegenstück zu mir und nach meinem zweiten Besuch im April auf dem "Admitted Student Weekend" hatte ich keinen Zweifel mehr - hier wollte ich meine Reise von einem analytischen, detailorientierten Manager zu einem selbstbewussten und motivierenden "Leader" antreten. Denn nur wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, kann andere motivieren und fördern und auf diese Weise ein kleines positives Signal in unserer Gesellschaft setzen.Die Leser und ich dürfen gespannt sein, ob es mir gelingen wird, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. Wenn es mir gelingen sollte, wird dieses MBA-Tagebuch ein schriftliches Zeugnis dieses Wandlungsprozesses mit all seinen Höhen und Tiefen werden und dadurch einen tiefen Einblick in die "nicht-akademische" Seite eines US-amerikanischen MBA-Studiums liefern. Es lohnt sich also, öfter mal "vorbeizusurfen"!Selbstverständlich freue ich mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Anregungen. Einfach eine Email an die MBA Tagebuch Redaktion richten, die sie dann an mich weiterleiten wird.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.03.2004