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Offshoring sichert unsere Jobs

Die Fragen stellten Sandra Louven und Peter Nederstigt
Professor Juergen Donges, Ko-Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik und ehemaliger Vorsitzender der fünf Wirtschaftsweisen, über die Gewinner der Globalisierung.
Das Verlagern von Arbeitsplätzen ins Ausland wird häufig als Ursprung unserer Jobmisere genannt. Ist da was dran?

Juergen Donges: Das scheint nur so. Durch das Offshoring werden die sattsam bekannten Fehlentwicklungen auf unserem Arbeitsmarkt bloßgelegt, nicht mehr und nicht weniger. Die verlagerten Arbeitsplätze sind bei uns nicht mehr rentabel, weil die Arbeitskosten zu hoch geworden sind. Das ist der Grund für die hohe Dauerarbeitslosigkeit in Deutschland - nicht die Auslandsinvestitionen


Soll das heißen, Auslandsinvestitionen kosten gar keine heimischen Arbeitsplätze?

Nicht unbedingt - sie können hierzulande sogar Jobs schaffen oder sichern

Die besten Jobs von allen



Das müssen Sie uns erklären ...

Durch Offshoring verbessern Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beim Export oder auf dem heimischen Markt gegenüber der Importkonkurrenz aus Drittländern. Die Unternehmen verlagern jene Teile der Produktion ins Ausland, bei denen die Arbeitskosten besonders zu Buche schlagen, und beziehen dann die benötigten Vorprodukte von dort. Dadurch kann im Inland die Produktion wachsen, wodurch auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt. Unterm Strich ist Offshoring allemal besser als die Alternative, nämlich im Inland zu rationalisieren. Denn Rationalisierung bedeutet, dass die Produktion kapitalintensiver wird und Beschäftigung endgültig verloren geht


Die Unternehmen könnten die Ersparnisse auch einfach als Gewinne einstreichen oder die Managergehälter erhöhen...

Durch Offshoring bekunden die Unternehmen doch ihren Willen zum Wachstum. Warum sollten sie sonst so viel Umstände machen? Sie werden die erzielten Gewinne zum Teil reinvestieren, zum Teil an die Kapitaleigner ausschütten - und natürlich zahlen sie Steuern. Nur weil hier und da hohe Managementgehälter für Schlagzeilen gesorgt haben, sollte niemand glauben, Unternehmensvorstände hätten nichts anderes im Sinn, als Gewinne zu verfrühstücken. Das wäre das Ende des Unternehmens


Was macht Deutschland denn dauerhaft international wettbewerbsfähig?

Vor allem innovative Waren und Dienstleistungen, in denen viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit steckt. Dazu zählen Maschinenbau, Elektroindustrie, Automobilindustrie, der Flug- und Raumfahrzeugbau, Telekommunikation und die Umwelttechnik


Aber auch diese Branchen verlagern bereits ihr Geschäft ins Ausland. Was kann das Abwandern noch aufhalten?

Bestens ausgebildete Arbeitskräfte. Unser Bildungssystem muss so gut sein, dass Wissenschaftler es attraktiv finden, in Deutschland zu forschen. Unternehmen müssen Mut zum Risiko haben und innovativ sein, gerade im Bereich der Spitzentechnik - und zwar unabhängig von staatlichen Hilfen. Innovationsfähigkeit ist eine notwendige Bedingung dafür, dass viele Arbeitsplätze auch bei vergleichsweise hohen Reallöhnen international wettbewerbsfähig sein können


Und dann gibt es nur noch Gewinner beim Offshoring?

Nein, Verlierer gibt es bei allen wirtschaftlichen Veränderungen - ganz gleich, ob sich die Nachfragepräferenzen der privaten Haushalte ändern, neue Technologien entwickelt werden oder neue Konkurrenten auf dem Weltmarkt auftreten. Wirtschaftliches Wachstum geht nun einmal mit Strukturwandel einher. Die meisten Menschen gewinnen dabei, aber nicht notwendigerweise alle


Was geschieht mit den Verlierern?

Kurzfristig sind sie durch unser Sozialsystem, also vor allem die Arbeitslosenversicherung, abgesichert. Aber auf lange Sicht hilft nur Qualifizierung und lebenslanges Lernen, in Verbindung mit einer hohen beruflichen und räumlichen Mobilität


Was muss sich in Deutschland ändern, damit trotz weltweiter Konkurrenz zusätzliche Arbeitsplätze entstehen?

Die Gesellschaft muss Leistungsdenken und Effizienzorientierung hoch bewerten und sich mit egalitären Vorstellungen und vordergründigem Sozialneid zurückhalten. Die Wirtschaftspolitik muss einen verlässlichen wachstumsorientierten Kurs verfolgen und die dazu erforderlichen Strukturreformen beherzt anpacken. Die Medien müssen sich ernsthaft darum bemühen, Auflagen und Einschaltquoten dadurch zu erhöhen, dass sie die Erfolge bei der Anpassung an die Globalisierung, die es zuhauf gibt, herausstellen, statt nur schlechte Stimmung zu verbreiten


Dieser Artikel ist erschienen am 22.02.2005