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Österreich

Barbara Weise
Die Alpenrepublik hat mit 5,2 Prozent eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. Wer eine hochwertige technische, juristische oder wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung abgeschlossen hat und slawische Sprachen beherrscht, ist willkommen.
Miteinand' auf die Piste

Klaus Lebert, 39, promovierter Regelungstechnik-Ingenieur, lebt und arbeitet seit gut eineinhalb Jahren in Graz beim Automobilzulieferer AVL.

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Laugenbrötchen vermisse ich hier am meisten. Dafür sind die Mehlspeisen einfach spitze - ob Salzburger Nockerln oder Kaiserschmarrn. Überhaupt verstehen die Österreicher gut zu leben: Zusammen mit meiner Frau, der es ein halbes Jahr später gelang, sich von ihrer Firma Hewlett-Packard in die Steiermark versetzen zu lassen, genieße ich das fast schon mediterrane Lebensgefühl: Ab Freitagnachmittag 15 Uhr läutet im Büro kein Telefon mehr. Im Sommer trifft man sich mit den Kollegen im Biergarten, im Winter geht's miteinand' auf die Skipiste. Ich habe die Entscheidung, von Stuttgart nach Graz zu wechseln, keinen Tag bereut. Der Schritt wurde mir aber auch leicht gemacht. Nach meinem Studium der Regelungstechnik in Stuttgart und meiner Promotion in Kiel ging es zunächst zurück nach Schwaben. Dort habe ich fünf Jahre bei einem Unternehmen der Bosch-Gruppe gearbeitet. Einer unserer Kunden war der österreichische Automobilzulieferer AVL. Nach einigen Geschäftsreisen in die Steiermark und drei Gesprächen mit den österreichischen Personalern und potenziellen Vorgesetzten habe ich mich abwerben lassen. Die Firma war mir beim Umzug behilflich: Drei Monate lang bekam ich eine möblierte Wohnung gestellt, so dass wir uns in Ruhe um ein neues Zuhause kümmern konnten. Beim führenden Prüfstandslieferanten arbeite ich nun an spannenden Projekten für den Rennsport, die später vielleicht mal für den Test von Serienkomponenten zum Einsatz kommen. Obwohl meine österreichischen Kollegen die gleiche Sprache sprechen, ist der Mentalitätsunterschied nicht zu unterschätzen. Mit Missverständnissen wie im fremdsprachigen Ausland wird nicht gerechnet, sie sind aber programmiert. Während ich zum Beispiel gewohnt bin, in Meetings auf den Punkt zu kommen, verhalten sich die Österreicher viel softer, gehen mehr auf die Anwesenden ein. Schon vor dem ersten Meeting wurde ich gewarnt, nicht in die Piefke-Falle zu tappen, denn unsere direkte Art wirkt vergleichsweise arrogant. Aber das waren winzige Anlaufschwierigkeiten, insgesamt sind meine Frau und ich uns einig: Wir bleiben

Die besten Jobs von allen


Arbeitsmarkt

Die Alpenrepublik hat mit 5,2 Prozent eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. Wer eine hochwertige technische, juristische oder wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung abgeschlossen hat und slawische Sprachen beherrscht, ist willkommen. Deutsche und österreichische Ausbildungsabschlüsse sind weitestgehend wechselseitig anerkannt

Boom-Regionen

Wien, für viele Firmen das Tor zum Osten, benötigt Vertriebler. In Graz suchen Autospezialisten und -zulieferer Ingenieure, während in Villach und Klagenfurt die ansässige Elektronikindustrie und Hightech-Forschung Fachkräfte rekrutiert. In den Tourismus-Zentren Wien und Tirol werden deutsche Saisonkräfte geschätzt

Gehalt und Lebensstandard

Zehn Prozent mehr Arbeitsstunden pro Jahr als in Deutschland bei im Schnitt 20 Prozent weniger Lohn, besagt die Faustregel. Speziell Einstiegsgehälter für Hochschulabsolventen liegen unter denen, die in der Bundesrepublik gezahlt werden. Das mittlere Bruttojahreseinkommen beträgt 21.977 Euro. Das österreichische Sozialversicherungssystem mit Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung ähnelt dem deutschen, die Beiträge sind jedoch niedriger.
Es gibt drei Steuerstufen von 38, 43 und 50 Prozent, der Spitzensteuersatz trifft Einkommen von mehr als 51.000 Euro pro Jahr. Das Leben ist in Wien und Salzburg am teuersten, ansonsten ähnelt das Stadt-Land-Gefälle dem deutschen. In der Hauptstadt kostet eine elegante Dreizimmer-Mietwohnung etwa 1.400 Euro pro Monat, in Graz gibt es sie rund ein Drittel günstiger

Bewerben

Eine Stelle in Österreich sucht man am besten per Ausschreibung oder über einen Personalvermittler, bei dem man online seinen Lebenslauf hinterlegt. Auch eine Initiativbewerbung kann zum Ziel führen, vorausgesetzt, das Wunschunternehmen wird vorab kontaktiert. Bei Gesprächen und Korrespondenz unbedingt auf korrekte Titulierungen achten.
Job-Links: Wirtschaft und Arbeitsmarkt
  • Österreich hat über 8 Millionen Einwohner und eine im europäischen Vergleich niedrige Arbeitslosenquote von ca. 4 Prozent. Damit gehört es zu den für die Arbeitsuche erfolgsversprechenden EU-Ländern.

  • Wichtigste Industriezweige sind Nahrungs- und Genußmittel, Maschinen- und Stahlbau, Chemie und Fahrzeuge

  • Österreich ist eine kleine, offene Volkswirtschaft. Der Export- und Importanteil beträgt jeweils knapp 45 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Fast die Hälfte des Import- und Exportvolumens kommt aus Deutschland.
Arbeitsvermittlung und Bewerbung
  • Auf der Homepage des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) sind sämtliche freie Stellen gemeldet.

  • Private Vermittlungsstellen gibt es hauptsächlich für Fach- und Führungskräfte. Die für Stellenangebote wichtigsten Zeitungen sind Krone, Kurier, Der Standard und Die Presse.

  • Auch ein aussagekräftiges Stellengesuch in einer Zeitung kann zum Erfolg führen. Anzeigen für viele Zeitungen können Sie in Deutschland über die :"Werbeagentur form + graphik", Umschlittplatz 8, 90403 Nürnberg, Tel.: 0911-244200, Fax: 0911-2442020 aufgeben.
Löhne, Soziale Absicherung, Steuer, Versicherung
  • Der Lohn setzt sich zusammen aus dem Direktlohn und den Lohnnebenkosten. Der Direktlohn bezeichnet den Stundenlohn plus Zulagen, Lohnnebenkosten sind die Entlohnung für arbeitsfreie, aber entlohnungspflichtige Zeiten wie Urlaub, Feiertage, Krankenstand sowie ein eventuelles 13. bzw. 14. Monatsgehalt, freiwillige Sozialleistungen und Aufwendungen des Arbeitgebers, die nicht direkt dem Arbeitnehmer zufließen wie z.B. Sozialabgaben und die Lohnsummensteuer.

  • Arbeitnehmer und Selbstständige müssen Mitglied in der Sozialversicherung sein. Die Versicherung beinhaltet alle sozialen Absicherungen bei Krankenheiten, Arbeitslosigkeit, Invalidität und Alter.
Wussten Sie schon...

... dass Arbeitgeber in Österreich die Bewerber häufig verschiedene Tests durchführen lassen? Es darf aber keiner dazu gezwungen werden, sich dieser Testreihe zu unterziehen.

Nützliche Adressen

Europäisches Berufsberatungszentrum
Arbeitsamt Rosenheim
Wittelbacher Straße 57
83022 Rosenheim
Tel.: (0 80 31) 202-360
Fax: (0 80 31) 202-527
E-Mail: Rosenheim.Europaservice@arbeitsamt.de

Deutsche Botschaft in Österreich
Metternichgasse 3
PF 160
A - 1037 Wien
Tel.: (00 43) 1 711 54

Österreichische Botschaft
Friedrichstr. 60
10117 Berlin
Tel.: (030) 20 28 70
Fax: (030) 22 90 569

Arbeitsmarktservice Österreich
Bundesgeschäftsstelle
Treustraße 35 - 43
A - 1200 Wien

Wirtschaftskammer Österreich
Wiedner Hauptstraße 63
A - 1045 Wien
http://www.wko.at

Kammer für Arbeiter und Angestellte
Prinz-Eugenstr. 20-22
A - 1040 Wien
http://www.arbeiterkammer.at

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Kundmanngasse 21-23
A - 1030 Wien
http://www.sozialversicherung.at

Deutsche Handelskammer in Österreich
Wiedner Hauptstraße 142
A - 1050 Wien

http://www.oesterreich.com/
http://www.austria.gv.at
http://www.austria-tourism.at
Adressen und Links zum Staat, zu den Bundesländern, zu Städten, zur Wirtschaft, zur Kultur, zu Veranstaltungen, zu den Medien, zur Bildung und zum Verkehr

http://www.help.gv.at
österreichischer Amtshelfer im Internet

Jobbörsen:
http://www.ams.or.at
http://www.jobboerse.at
http://www.jobpilot.at
http://www.austria-tourism.at
http://www.oscars.at
http://www.gastrojobs.com
http://www.tourismusbetriebe.at

Dieser Artikel ist erschienen am 22.08.2003