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Ölwechsel eines Ahnungslosen

Protokoll: Mariam Schaghaghi
Ein Ferienjob an der Tankstelle, was sollte da schon passieren? Ziemlich viel: Frank Plasberg setzte die Existenz seines Vaters aufs Spiel.
Ich habe als Schüler in den Ferien als Tankwart gearbeitet, an der Autobahntankstelle Remscheid-West, an der A1. Ich war damals 15 Jahre alt und bekam 2 Mark 75 pro Stunde. Aber der Lohn war okay, ich habe eigentlich vom Trinkgeld gelebt. Jedenfalls kam eines Tages so ein riesiger amerikanischer Straßenkreuzer an, der Fahrer sagte zu mir: ?Guck? doch bitte mal das Öl nach.? Und verschwand in der Raststätte

Ich habe also die Motorhaube aufgemacht, habe einen Stab herausgezogen und nachgeguckt ? es fehlte ein Liter. Hab? ich also einen Liter Öl reingekippt. Danach habe ich den Stab wieder hineingehalten, zur Kontrolle ? fehlte noch immer was! Hab? ich noch?n Liter reingekippt. Bei zweieinhalb Litern habe ich dann mal meinen Chef geholt. Und der sagte, nachdem er sich das Ganze angeguckt hatte, ganz langsam und leise zu mir: ?Frank, ganz schnell Haube wieder zumachen und bloß wegfahren lassen.?

Die besten Jobs von allen


Ich hatte nämlich den falschen Stab gezogen. Und statt das Öl ins Automatikgetriebe zu tun, hatte ich das ganze Zeug ... tja, in den Motor gekippt. So was kann zum Bersten des Motors führen, besonders mit zweieinhalb Litern! Ich weiß noch genau, wie ich gedacht habe: Das ist das Ende! Wenn dieser teure amerikanische Motor platzt, dann bist du nicht nur deinen Ferienjob los, sondern dann ist auch dein Vater bis zu seinem Lebensende pleite. Mann, war mir elend zumute

Nun, irgendwann kam der Fahrer wieder, setzte sich hinter das Lenkrad, ließ das Auto an ? und ist einfach weggefahren. Meist dauert es ja ein paar Kilometer, bis der Motor wirklich aussetzt. Was soll ich sagen? Keine Ahnung, was passiert ist. Ich war noch mal davongekommen. Und mein Vater auch. Aber dieses panische Gefühl, an das kann ich mich bis heute genau erinnern, auch 34 Jahre später. Das Ganze war 1973. Also, wenn das jemand jetzt liest und sich an seinen geplatzten Motor nach einem Tankstopp in Remscheid erinnert, kann er sich gerne melden."

Frank Plasberg, 50, Journalist, moderiert seit 20 Jahren TV-Sendungen. Sein Polit-Talk ?hart aber fair? läuft seit Ende Oktober immer mittwochs um 21.45 Uhr in der ARD.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.11.2007