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Ökonomen bedauern Entlassung von DIW-Konjunkturchef Horn

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung will sich von seinem Konjunkturchef Gustav Adolf Horn trennen. Aus Mitarbeiterkreisen des DIW heißt es, Horn sei bereits mehrfach mit dem Präsidenten des DIW, Klaus Zimmermann, aneinander geraten. Die Entscheidung löst bei Wirtschaftsexperten Unverständnis aus.
HB DÜSSELDORF. Die Ankündigung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sich von seinem Konjunkturchef Gustav Adolf Horn zu trennen, ist bei führenden deutschen Ökonomen auf Unverständnis gestoßen. Der Vorsitzende des deutschen Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Wiegard, sagte, er sei von der Entscheidung "überrascht". "Horn hat seine Aufgabe beim DIW gut gemacht - auch wenn ich mit ihm in vielen Punkten inhaltlich nicht übereinstimme", sagte Wiegard dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).Auch der Wirtschaftsweise Bert Rürup bedauerte die baldige Entlassung: "In Deutschland gibt es - anders als im Ausland - nur noch wenige engagierte und eloquente Vertreter keynesianischer Positionen." Er würde es bedauern, "wenn zukünftig in keinem Forschungsinstitut mehr eine nachfrageorientierte Position vertreten würde", sagte Rürup dem Handelsblatt.

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Aus Mitarbeiterkreisen des DIW hieß es, Horn sei bereits mehrfach mit dem Präsidenten des DIW, Klaus Zimmermann, aneinander geraten. Der Chef sei über einige nicht abgestimmte Medienauftritte wenig erfreut gewesen - insbesondere wenn Horn dabei Positionen vertrat, die im Widerspruch zu denen Zimmermanns standen.Währenddessen wollte DIW-Sprecherin Dörte Höppner keine Gründe für das Ausscheiden des Abteilungsleiters zum Jahresende nennen. Der Vertrag laufe aus und werde nicht verlängert. Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses sei aber nicht auf unterschiedliche ökonomische Auffassungen zurückzuführen, betonte Höppner. Die Stelle werde in Kooperation mit den Universitäten in Berlin und Brandenburg ausgeschrieben.Horn war Nachfolger von Heiner Flassbeck, der nach der Regierungsübernahme von rot-grün als Staatssekretär zum damaligen Finanzminister Oskar Lafontaine (SPD) gewechselt war.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.06.2004