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Ober-Genosse auf Siegeszug

Von Philipp Otto, Handelsblatt
Ulrich Brixner hat bei der DZ-Bank aufgeräumt und steht jetzt als erfolgreicher Architekt des Spitzeninstituts der Genossenschaftsbanken in Deutschland dar. Seine größte Niederlage scheint er überwunden zu haben.
FRANKFURT. Brixner aber ist Banker, Chef der DZ-Bank. Und das bedeutet, dass Brixner morgen Vormittag den Sitzungssaal im sechsten Stock der DZ-Zentrale so unaufgeregt betreten wird wie an einem ganz normalen Tag. Insgeheim aber dürfte er selbst strahlen.Denn erstmals seit Brixner das Ruder des Spitzeninstituts der Genossenschaftsbanken in Deutschland vor rund drei Jahren übernommen hat, hat es die Last der Vergangenheit hinter sich gelassen. Das ist Brixners Verdienst.

Die besten Jobs von allen

Der eisenharte ? manch einer sagt freilich zu harte ? Sanierungskurs des kleinen, energischen Mannes mit dem grauen Haar hat sich gelohnt. Die Fusion von DG Bank und GZ Bank zur DZ Bank ist verarbeitet. Die Kosten sind Griff. Die erheblichen Altlasten in Form fauler Kredite werden immer geringer. Und dann sind da noch die anderen Weichenstellungen, der Kauf der Norisbank für das an Bedeutung gewinnende Konsumentenkreditgeschäft; der Zusammenschluss der beiden Abwicklungsbanken der Sparkassen und des genossenschaftlichen Lagers; die Gründung einer eigenen Abwicklungsbank für den Zahlungsverkehr. Das sind zukunftsweisende Erfolge. ?Brixner war genau der richtige Mann für diesen Job?, sagt ein Banker über den DZ-Chef. Seine große Herausforderung ist es nun, das gesäuberte Gebilde mit Leben zu füllen, Geld zu verdienen und eine Vision zu verkaufen, damit die ihm angeschlossenen rund 1 000 Banken mitziehen.Doch gerade hier sieht mancher seine größte Schwäche. Brixner sei kein Visionär, wird ihm immer wieder mal vorgeworfen. Sicherlich ist Brixner nicht der charismatische Redner. Manch einer mag ihn sogar als unauffällig bezeichnen. Aber er überzeugt durch Leistung und durch hochkonzentriertes Arbeiten. Und die Momente, in denen er wie ein Boxer den Kopf zwischen die Schultern zieht, ihn leicht schräg legt und die Augen fast unter den Brauen verschwinden lässt, werden seltener. Immer öfter kommt die unbeschwerte, die herzliche Seite von Ulrich Brixner zum Vorschein. Er kann charmant plaudern, er lacht gern, auch über eigene Witze. Das kommt in der Bank an. Selbst wenn er immer noch zu lauten Wutausbrüchen neigt, das Rambo-Image, das ihm während der Fusion und auch danach noch anhaftete, ist weg.Seine größte Niederlage scheint er überwunden zu haben. 1990 stand er schon in den Startlöchern, um den vakanten Vorstandsvorsitz der wankenden DG Bank zu übernehmen. Doch es wurde ihm Bernd Thiemann vorgezogen, ein Sparkassenmann. Brixner blieb lediglich der Chefposten bei der wesentlich kleineren SGZ-Bank. Nun ist er am Ziel: Er führt die größte Genossenschaftsbank, ist im Verbund ein gefragter Mann und sitzt auch mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zusammen, um über Wohl und Wehe des Finanzplatzes Frankfurt zu fachsimpeln. Bei allem Ehrgeiz: Brixner ist ein Teamspieler. Er will zwar den Überblick haben, muss aber nicht alles an sich raffen. Das ist Sache meiner Kollegen, sagt er dann, und geht lieber pünktlich nach Hause.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.03.2004