Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Oben raus, unten rein

Christoph Mohr
Die Großbanken treiben in ihrer Personalpolitik doppeltes Spiel. Sehr zum Ärger ihrer bedrohten Belegschaften - und zum Wohle junger Absolventen.
Die Großbanken treiben in ihrer Personalpolitik doppeltes Spiel. Sehr zum Ärger ihrer bedrohten Belegschaften - und zum Wohle junger Absolventen

Sie kommen aus den Negativschlagzeilen nicht heraus, die Großbanken. Wer glaubte, der Stellenabbau der vergangenen Jahre, bei dem Zehntausende Bankangestellte in Deutschland ihren Job verloren, sei vollzogen, sieht sich dieser Tage bitter getäuscht. Alle vier privaten Großbanken kündigen erneut drastische Einschnitte an. Deutsche und Dresdner Bank, Commerz- und HypoVereinsbank streichen in den nächsten Monaten insgesamt weit über 10.000 Stellen

Die besten Jobs von allen


In München ist HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl nach enttäuschenden Zahlen unter Druck gekommen. Mit Hilfe von McKinsey-Sanierern soll die Bank jetzt auf Vordermann gebracht werden. Von einem "Sparpotenzial" von 300 Millionen Euro jährlich ist die Rede: das wären 2.000 bis 3.000 Arbeitsplätze

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller stößt weite Teile des erfolglosen Investmentbankings ab. Von den 1.275 Arbeitsplätzen in Frankfurt und vor allem London werden 900 abgebaut. Damit ist zugleich der Traum, bei den Global Playern mitzuspielen, ausgeträumt

Bei der Deutschen Bank hingegen geht es um Rentabilität. Konzernlenker Josef Ackermann will die Eigenkapitalrendite von derzeit 19.7 auf 25 Prozent hochtreiben. Um die zu erreichen, rechnen Analysten vor, müssen rund eine Milliarde Euro eingespart werden, was 4.000 bis 5.000 Stellen weltweit entspricht. Offiziell hat die Bank jetzt den Abbau von 1.900 Arbeitsplätzen allein in Deutschland bekannt gegeben

Die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank will sich bis Ende 2005 um 4.700 Mitarbeiter "verkleinern"; knapp zwei Drittel davon haben die Bank bereits verlassen

Ihr Kinderlein kommet
So erstaunt es nicht, dass Großbanken nicht mehr die Traumarbeitgeber sind, die sie noch vor Jahren für Hochschulabsolventen waren (Karriere 11/04). Schlecht für die Häuser, denn trotz massivem Stellenabbau suchen sie fast schon verzweifelt Einsteiger: Nach einer aktuellen Umfrage von Karriere werden die Großbanken in Deutschland 2005 erstmals seit Jahren wieder Uni-Abgänger im großen Stil einstellen. Den größten Absolventenbedarf signalisiert die Commerzbank: Von fast null auf 300 soll die Zahl der Neueinstellungen im Laufe des Jahres steigen. Die Deutsche Bank sucht bis zu 250 Absolventen, Dresdner und HypoVereinsbank jeweils rund 150.
Der Verdacht liegt nahe, dass die Banken nur ältere, teure Mitarbeiter loswerden wollen, um jüngere, billigere einzustellen. So stehen auch Ralf Rudolf, Recruiting-Chef bei der Deutschen Bank, unangenehme Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretern bevor - "intensiven Gesprächsbedarf" nennt das der Personaler. Doch das Ergebnis stehe schon fest, sagt Rudolf: "Wir werden in den nächsten Jahren jeweils rund 200 Hochschulabsolventen einstellen" - unabhängig von aktuellen unternehmerischen Entscheidungen. Denn die Banken brauchen junge Leute mit neuen Ideen - und vor allem für neue Aufgaben. "Wir wollen unser Filialsystem stärken, brauchen mehr Leute für das Retail- und Corporate Banking", sagt Commerzbank-Recruiting-Chef Lothar Rist. Weniger Back Office, dafür mehr Vertrieb heißt die Losung bei allen Banken

No risk, no Bank
Jobgarantien fürs Leben hingegen gibt keine Bank mehr. "Was wir bieten können, ist die Sicherheit einer guten Ausbildung", sagt Commerzbank-Mann Rist. "Wer einen sicheren Job sucht, ist bei uns falsch", unterstreicht HVB-Personaler Oliver Maassen. Und setzt noch einen drauf: "Als wir so richtig mit Negativschlagzeilen in der Presse waren, haben wir einige der besten Leute bekommen. Krisen sind immer auch Chancen für gute Leute. Genau die suchen wir." Und macht dann gleich ein neues Motto daraus: "No risk, no bank.

Jede Menge Jobs

Deutsche Bank
Einstellungen 2005: 200-250
Fächer: wirtschaftsbezogene Fächer, Mathematik, Informatik, Ingenieurwesen, Physik, Jura
Kontakt: Career-Hotline: 069.91036221, www.db.com/careers

Dresdner Bank
Einstellungen 2005: 100-150 (inkl. Dresdner Kleinwort Wasserstein)
Fächer: Wirtschaftsw., Mathematik, Physik, Jura
Kontakt: hochschulabsolventen@dresdner-bank.com, www.dresdner-bank.de/perspektive

Commerzbank
Einstellungen 2005: bis zu 300
Fächer: Wirtschaftswissenschaften/-Informatik, Mathematik, Physik
Kontakt: www.commerzbank.de (nur Online-Bewerbungen)

HypoVereinsbank
Einstellungen 2005: 150 Trainees
Fächer: BWL, teilw. Mathematik, Physik und "Exoten"
Kontakt: heike.rabel@hvb.de

WestLB
Einstellungen 2005: 50-60
Fächer: Wirtschaftsw./-Mathematik/-Informatik
Kontakt: 0211.82601, jobs@westlb.de, www.westlb.de/jobforum

Jeweils geplante Einstellungen von Hochschulabsolventen Quelle: Karriere-Umfrage, Dezember 2004
Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005