Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Oben raus, unten rein

Christoph Mohr
Totgesagte leben länger: Das Investmentbanking schrumpft sich gesund und sucht nach frischem Nachwuchs. Keine schlechten Karten für Absolventen - wenn sie richtig gut sind.
Doch, ja. Es gibt sie wieder: Einsteiger-Jobs im Investmentbanking. So das Ergebnis einer Blitzumfrage von Karriere unter den wichtigsten deutschen und ausländischen Investmentbanken am Finanzplatz Frankfurt

Die gute Nachricht kommt überraschend: Hatten doch die großen Namen wie Goldman Sachs, Merrill Lynch oder Morgan Stanley in den letzten Monaten vor allem Schlagzeilen durch Entlassungen in erheblichem Ausmaß gemacht. Wir sprechen hier nicht von Peanuts: Die Zahl der abgebauten Stellen geht, nimmt man die großen Finanzzentren New York, London, Frankfurt zusammen, in die Zehntausende

Die besten Jobs von allen


Pleiten, Pech und Pannen

Keine Frage: Das bis vor wenigen Jahren hoch profitable Investmentbanking-Geschäft kriselt. Mit Fusionen und Börsengängen wird heute kaum mehr Geld verdient, es gibt nur noch wenig lukrative Aufträge. Die goldenen Zeiten scheinen nach dem Platzen der New-Economy-Blase und den wilden 90ern mit den dramatischen feindlichen Übernahmeschlachten à la Mannesmann/Vodafone oder Börseneinführungen à la Deutsche Telekom erst einmal vorbei.

Und dann sind da noch die anderen Schlagzeilen, mit denen mehrere bekannte Investmentbanken vor allem in den USA unangenehm aufgefallen sind: Ihre Analysten hatten selbst dann noch Kaufempfehlungen für Aktien von Unternehmen gegeben, als sie hausintern schon als junk galten. Nur weil die Unternehmen Kunden der Investmentbank-Sparte waren. Der Absturz der Investment-Geschäfte hat Kreise gezogen: Die Dresdner Bank, die vor einem Zusammenbruch wohl nur durch die Übernahme durch den Allianz-Konzern gerettet werden konnte, ist nicht zuletzt auch wegen der Verluste ihrer Investmentbank-Tochter Kleinwort Wasserstein ins Trudeln geraten.

Überhaupt kommt hier Krise zu Krise: Noch nie ging es den deutschen Banken so schlecht wie im vergangenen Jahr. Schon gibt es Pläne für eine "Bad Bank", eine Art Auffanggesellschaft für den Fall, dass deutsche Geldhäuser vor dem Zusammenbruch geschützt werden müssen. Denn die schlechte Konjunktur und Firmenkonkurse en masse bewirken, dass auch das Kreditgeschäft notleidend wird. Und doch gibt es Jobs - zumindest für den Nachwuchs. Investmentbanken werfen oben raus, stellen unten aber nach wie vor ein. Der Grund liegt nicht nur darin, dass Berufseinsteiger einfach billiger sind als Seniors mit ihren zum Teil astronomischen Gehältern und Boni. Investmentbanking beruht, so eine beliebte Standardformel, auf Talent. Und von einem solchen Talent-Nachschub wollen sich Investmentbanken nicht abschneiden

Lieber was Sicheres?

Doch die High Potentials sind verschreckt. Im "War for Talents" ziehen die Investmentbanken gegenwärtig eher den Kürzeren gegenüber den Beratungsunternehmen oder sogar der klassischen Industrie. Besonders frustrierend für die Banken: Die High Potentials an den Unis wissen oftmals nicht einmal genau, was Investmentbanking ist und welche Perspektiven es dort gibt

Wer sich aber für den nach wie vor gut bezahlten Job des Investmentbankers interessiert und weder Nachtschicht noch Wochenendarbeit scheut, hat durchaus Chancen. Die führenden Investmentbanken am Finanzplatz Frankfurt signalisieren einen Personalbedarf von je 20 bis 30 Einsteigern in diesem Jahr. Das ist kein Boom, aber immerhin für hoch qualifizierte Absolventen - und nur für die - eine interessante Option

Für sie dürfte Frankfurt auch nur Durchlaufstation sein. Die meisten Investmentbanken schicken ihre Einsteiger zur Ausbildung sofort nach London

Dieser Artikel ist erschienen am 22.04.2003