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Nur wer sich fordert, wird gefördert

Jörn-Axel Meyer
Wer heute in Deutschland ein Unternehmen gründen will, steht vor einem kaum zu überschauenden Angebot an Förderprogrammen. Sie brauchen nur einen Blick in die Broschüren des Bundeswirtschaftsministeriums, der Deutschen Ausgleichsbank und des Deutschen Industrie- und Handelstages zu werfen. Wie aber finden Sie als Gründer das passende Förderprogramm?
Wer heute in Deutschland ein Unternehmen gründen will, steht vor einem kaum zu überschauenden Angebot an Förderprogrammen. Sie brauchen nur einen Blick in die Broschüren des Bundeswirtschaftsministeriums, der Deutschen Ausgleichsbank und des Deutschen Industrie- und Handelstages zu werfen. Wie aber finden Sie als Gründer das passende Förderprogramm?

Nur wenn Sie klare Vorstellungen über Art, Größe und zeitlichen Ablauf Ihres Projekts haben, wissen Sie, welche Förderart für Sie relevant ist. So hilft eine Beteiligung, Finanzierungsengpässe zu überwinden, und bietet auch riskanten Vorhaben eine Chancen. Bürgschaften geben Ihnen die Möglichkeit, Fremdkapital zu beschaffen, indem die Förderinstitution die Absicherung Ihres Gläubigers übernimmt.

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Für Existenzgründer sind vor allem Darlehen von Bedeutung, da neue Unternehmen oft erst nach einer langen Markteinführungsphase Gewinne erwirtschaften, mit denen sie dann ihre Verbindlichkeiten tilgen können. Daneben können Sie immaterielle Förderung in Anspruch nehmen, etwa kostenlose Beratungsangebote. Der wohl immer noch größte Teil der Förderprogramme umfasst aber materielle Unterstützung, von allgemeinen Zuschüssen zu Investitionsvorhaben bis zur Unterstützung einzigartiger Pilotprojekte.

Haben Sie die Förderart geklärt, ist der Standort Ihres geplanten Vorhabens wichtig. Hier ist im allgemeinen der Sitz des Existenzgründers beziehungsweise der geplante Ort, an dem die zu fördernde Maßnahme stattfinden soll, relevant. Nach diesen beiden Schritten sollten Sie jedes der herausgefilterten Förderprogramme individuell prüfen. Bei der Bewertung helfen die folgenden fünf Kriterien.

Spezialisierung: Manche Förderprogramme sind sehr speziellen Maßnahmen vorbehalten, etwa der Forschung für umweltfreundliche Wärmeerzeugungsanlagen. Nur wenn Sie ein Projekt auf diesem speziellen Gebiet planen, haben Sie gute Aussichten, die Mittel zu erhalten. Branchenbezug: Daneben gibt es Förderprogramme für bestimmte Branchen. Arbeiten Sie nicht in dieser Branche, müssen Sie sich nicht weiter mit diesem Programm befassen.

Antragsaufwand: Der Aufwand, der mit jedem Antrag auf Fördermittel verbunden ist, variiert sehr stark. Sie können außerdem davon ausgehen, dass Förderanträge auf Landesebene tendenziell zügiger zu Resultaten führen, als es bei Bundes- oder EU-Fördermaßnahmen der Fall ist.

Förderquote: Die Förderquote betrachtet den Anteil des Förderprogramms an den gesamten Projektkosten.

Je geringer die Förderquote, desto größer ist das finanzielle Risiko, das Sie als Antragsteller selbst zu tragen haben.

Maximalförderung: Sprengt die maximale Förderhöhe, die im Förderprogramm pro Antrag und in einer zeitlichen Frist festgelegt wurde, den von ihnen gewünschten Rahmen, so scheidet dieses Programm aus. Sie können lediglich prüfen, ob sie mehrere Fördermaßnahmen kombinieren dürfen.

Nehmen Sie auch direkten Kontakt zu den für die Förderprogramme zuständigen Ansprechpartnern auf, um Unklarheiten zu beseitigen. Werden für den Antrag Gutachten von externen Institutionen verlangt, dann achten Sie bei der Auswahl der Gutachter darauf, dass sie einen guten und neutralen Ruf genießen. Planen Sie zudem Zeit und Geld für die Gutachten ein. Die Kosten werden teilweise übernommen.

Überprüfen Sie auch rechtzeitig, ob eine Förderung von Maßnahmen, die sich bereits in der Umsetzung befinden, von vorneherein ausgeschlossen ist. Manche Förderprogramme besitzen auch die Option, mehrere Phasen der Existenzgründung zu unterstützen. Beantragen Sie dann auf jeden Fall auch Mittel für die Planungsphase. Diese sind tendenziell leichter zu erhalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 12.03.2001